Christopher Trimmel erklärt den Gehaltsverzicht bei Union und dass sich der Verein damit auf das schlimmstmögliche Szenario vorbereitet

Bereits zum zweiten Mal war Christopher Trimmel im Podcast Der Sechzehner zu Gast, in dem Ewald Lienen normalerweise über den Spieltag spricht. Nun ging es eher darum, was ein Profispieler so im Homeoffice macht. Nicht alle drehen täglich so witzige Videos wie Rafal Gikiewicz oder zeigen Fitness-Übungen wie Björn Kopplin (großartig hier mit Hund). Christopher Trimmel berichtet in der Podcast-Episode davon, wie er schon noch am Ball ist, aber die Eins-gegen-eins-Duelle nur noch gegen seinen Hund trainieren kann und wie er sich auf das Malen konzentriert (das Thema fasst der Kurier auch zusammen).

Viel spannender, weil es auch den Horizont des Homeoffices verlässt, fand ich aber das Thema Solidarität. Und zwar im Sinne von tatsächlich auf etwas verzichten oder etwas abgeben für ein größeres gemeinsames Ziel. Und da sagte Christopher Trimmel im Podcast:

Wir gehen gemeinschaftlich in erster Linie vom schlimmsten aus. Das Schlimmste wäre, wenn die Saison abgebrochen wird. So lange kein Fußballspiel in der Alten Försterei stattfindet, gibt es kein Einkommen für den Verein. Mit diesem Szenario muss man sich befassen. Das war uns Spielern wichtig, um die Lage zu verstehen. Damit wir wissen, worum es geht. Geht es darum in der Öffentlichkeit zu sagen, wir verzichten jetzt einen Monat auf einen Teil des Gehalts oder gehen wir das strukturell an und versuchen, den Club nachhaltig zu fördern und den Bestand des Clubs zu sichern? Das war die Intention dahinter.

Ich kann gar nicht ausdrücken, wie stark ich das finde. Es ging nicht darum, irgendwie symbolisch ein Zeichen zu setzen, sondern tatsächlich etwas zu bewirken. Der Union-Kapitän erklärte, dass es kein Thema allein der Profis sei, sondern alle durch Kurzarbeit auch auf viel Geld verzichten.

Es tut weh. Wir alle kennen Fälle von Freunden oder aus der Familie, in denen schon nach dieser wenigen Wochen der Coronavirus-Krise Kurzarbeit die Realität ist, Jobs oder gar komplette Existenzen weggebrochen sind. Es tut gerade allen weh. Und ich finde es gut, wenn sich Vereinsführung und Spieler zusammengesetzt haben und dieses Thema offensiv besprochen haben. Und zwar vom schlimmsten Fall ausgehend. Das ermöglicht es Union hoffentlich, durch diese Krise zu kommen.

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Die fußball-lose Zeit muss auch bei Union finanziell überbrückt werden

Es geht um eine Überbrückung dieser Zeit, bis wieder Spiele stattfinden können. Und dann noch einmal der Zeit, bis wieder Spiele mit Zuschauern stattfinden dürfen. Unter welchem Modus der Verzicht stattfindet (ob es Geld zurück gibt, falls der schlimmste Fall nicht eintritt) und wie groß der Einschnitt ist, erfahren wir auch hier im Podcast nicht.

Dafür wird klar, dass dieser gemeinsame Verzicht schon deutlich eher beschlossen war, als er kommuniziert wurde. Nämlich zeitgleich mit dem Beschluss, Kurzarbeit bei Union anzuzeigen. Ich will jetzt keinen Zeitstrahl aufzeichnen, aber es kann also schon sein, dass Rafal Gikiewicz seinen Gehaltsverzicht öffentlich gemacht hat, als er für die gesamte Mannschaft und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins schon feststand. Das ändert inhaltlich überhaupt nichts, aber für eine korrekte Reihenfolge der Ereignisse wäre das schon wichtig.

Hört die Podcast-Episode mit Christopher Trimmel (ab 21:35 Min ist er für knapp 45 Minuten zu hören). Der Union-Kapitän schildert auch seine Erfahrung als Spieler mit einem Geisterspiel bei der Partie Rapid Wien gegen Rosenborg Trondheim. Beim Hören bin ich übrigens auf die Facebook-Seite von Ewald Lienen gestoßen und auf dieses Video, indem er versucht, die Dance Moves seiner Enkelin nachzumachen.

Um Solidarität in der Bundesliga und die verschiedenen Szenarien geht es auch in diesem Spiegel-Text, den ich auf jeden Fall empfehlen kann.

Zeitreise mit dem 1. FC Union

Bei AFTV geht es mit der Union-Unterhaltung in der fußball- und stadionlosen Zeit weiter. Heute ab 20.15 Uhr steht der Film Union fürs Leben zur Verfügung. Und zwar tatsächlich für alle. Ihr braucht also kein Abo. Wenn ihr könnt, geht beim virtuellen Imbisswagen vorbei.

Szene aus Union fürs Leben: Eine Unionfahne wird aufgehängt, Foto: Weltkino

Szene aus Union fürs Leben: Eine Unionfahne wird aufgehängt, Foto: Weltkino

Ich habe damals noch als Sport-Reporter für die Morgenpost ein längeres Gespräch mit den beiden Machern des Films, Frank Marten Pfeiffer und Rouven Rech, geführt und mit ihnen über Identität, Herkunft und vererbte Rivalität gesprochen. Dabei ging es mir gar nicht konkret um den Film, sondern um die Tatsache, dass zwei Personen von außen über sehr lange Zeit den Verein begleitet haben und sich so eine Meinung bilden konnten.

Wer sich noch mehr auf den Film vorbereiten will, kann sich auch unsere Podcast-Episode mit Lopez anhören, der eine der Hauptrollen in Union fürs Leben spielt.

Szene aus Union fürs Leben: Chris "Lopez" Lopatta mit seiner Mutter; Foto: Weltkino

Szene aus Union fürs Leben: Chris “Lopez” Lopatta mit seiner Mutter; Foto: Weltkino

Wem das alles nicht reicht, dem sei heute am Samstag noch ab 15.30 Uhr die Sportschau empfohlen. Dort gibt es im Stream das DFB-Pokalfinale von 2001 zwischen dem 1. FC Union Berlin und dem FC Schalke 04 zu sehen. Für mich ist das irgendwie wie eine Partie aus einer anderen Welt. Ich kann mich an das gemeinsame Feiern und Singen danach im Oberbaumeck mehr erinnern als an das Spiel selbst. Aber ich habe bei jedem Spielernamen eine bestimmte Assoziation.

Sehnsucht nach Union

Wir haben alle das starke Vermissen nach dem Stadionerlebnis bei Union. Tobias Potratz, der als Live-Reporter bei Union einen Service für Personen mit Seh-Einschränkungen bietet, verleitet das zu dieses Zeilen.

Die BZ befasste sich am Freitag noch mit dem Thema, dass sowohl Rafal Gikiewicz als auch Sebastian Polter wegen ihrer Vertragssituation die Verlierer der aktuellen Coronavirus-Krise seien. Angesichts der Tatsache, dass wirklich niemand bisher weiß, wie und wann es tatsächlich weiter geht, würde ich das Wort Verlierer sicher nicht benutzen. Die Voraussetzungen für bestimmte Entscheidungen haben sich geändert. Auch für die beiden Spieler.

Bei Rafal Gikiewicz war das übergeordnete Ziel, irgendwie noch auf den polnischen EM-Zug aufzuspringen. Danach wäre abzuwarten, wie es weitergehen würde. Durch die Verschiebung der Europameisterschaft ist dieser Weg versperrt. Sebastian Polter hingegen hat deutlich kommuniziert, dass er Union verlassen wird. Die Zukunft steht für ihn auf genauso wackligen Füßen wie bei uns allen. Sowohl die Spieler als auch wir müssen uns veränderten Rahmenbedingungen anpassen.

Die Bild beschreibt heute, wie es dem ehemaligen Union-Trainer Heinz Werner in der Fast-Quarantäne geht.

Fitness mit dem Team der Union-Frauen

Falls ihr noch Inspiration für Fitness-Übungen zu Hause benötigt, da hat das Team der Union-Frauen ein paar gute Beispiele. Schaut euch mal auf der Facebookseite der Frauen- und Mädchenfußball-Abteilung des 1. FC Union die Videos an.

5 Gedanken zu „Christopher Trimmel erklärt den Gehaltsverzicht bei Union und dass sich der Verein damit auf das schlimmstmögliche Szenario vorbereitet

  1. Sebastian Polter dürfte sein mediales Vorpreschen mittlerweile sicher bereuen. Wurde wohl schlecht beraten.

  2. Ja da gebe ich dir recht mit der Beratung polter gehört zu Union ohne ihn hätte es oft wenn er gespielt hat scheisse ausgesehen.

  3. Ach, meen Polti… Vielleicht lenkt er ja doch noch ein, falls dies überhaupt vom holden FCU noch gewollt sei. Mich würde es freuen, ist ne echte Identifikationsfigur.

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