Teve185 – Not safe for Forsthaus

Erst nach der Saison wollte Uwe Neuhaus eine Analyse machen. Das sagte er vor dem 2:3 beim KSC. Danach wurde mitgeteilt, dass Adam Nemec und Baris Özbek (Vertrag bis 2016) sich einen neuen Verein suchen sollen. Wir müssen über Management by Fear reden.

Uwe Neuhaus beim 2:3 in Karlsruhe. Rechts: Co-Trainer André HofschneiderFoto: Koch

Shownotes

Union: Hier bin ich zu Hause.

Ich komme nicht aus Köpenick. Ich habe noch nicht einmal dort gewohnt. Aber ich habe dort gerne meine Füße ins Wasser gehalten. Sei es an der Altstadt oder in den Müggelsee. Ich war mal mehr und mal weniger glücklich in Köpenicker Frauen verliebt. Auch mit dem 1. FC Union war ich nicht immer zusammen. Wir hatten Beziehungspausen.

Roland Krispin und die Breakers

All diese Gedanken schwirrten durch meinen Kopf, als Roland Krispin auf der Bühne im kleinen Fluxbau sein Lied “Wir sind Union” begann:

Wo die Spree sich mit der Dahme vereint
Wo die Sonne morgens von vorne scheint
Wo man zu Fuß schneller ist als die Bahn
Hier kommt man immer irgendwo an
Wo du denkst dass du in Venedig bist
Nur das man hier statt Pasta Bratwurst isst
Ein kleines Schloss, ne eigne Brauerei
Köpenick, Spindlersfeld, Alte Försterei

Wir waren gar nicht in Köpenick. Sondern eigentlich im Gegenteil davon. Der Fluxbau befindet sich Kreuzberg. Direkt am Spreeufer mit einem sensationellem Blick. Wenn Hipness in Berlin wohnt, dann hier.

Spreepanorama vom FluxBau aus gesehen

Doch im Fluxbau ging es nicht um Selbstdarstellung, Projekte und ein gegenseitiges Übertreffen. Objektiv gesehen war das Konzert eine Recording-Session für die Vinylplatte “Wir sind Union”, die nach dem erfolgreichen Crowdfunding produziert wird. Roland Krispin und die Breakers spielen ihre Unionlieder, Unterstützer waren eingeladen. Mehr sollte nicht passieren.

Aber es wurde mehr. Es wurde eine Feier. Nicht eines Fußballvereines, sondern eines Gefühls. Hier ging es nicht um die Frage: “Was bist Du denn für ein Unioner?” Hier waren einfach alle dabei. Auch der Journalist, der den Verein objektiv zu betrachten versucht und feststellen musste, dass seine Eltern in Bayern durch seine Arbeit zu Unionfans wurden. Lachen in den Gesichtern, immer stärkeres Mitsingen. Dazu der verzweifelte Versuch im Publikum, die Atmosphäre mit dem Telefon festzuhalten. Nutzlos. Kein Video kann diese Nähe, dieses Miteinander transportieren.

Wo die Menschen sich mit sich versteh’n
Egal ob sie kommen, ob sie geh’n

"Hier sind wir zuhaus" Das Publikum singt beseelt mit.

Bei jedem Mal, wurde der Beginn des Refrains lauter, inbrünstiger mitgesungen.

Hier sind wir zuhaus

Union gehört zu Köpenick. Das steht fest. Aber das Union-Gefühl ist nicht an einen Ort gebunden. Gestern Abend war es in Kreuzberg zu Hause. Daran gab es beim Blick in die fröhlichen, beinahe beseelt lachenden Gesichter nach dem Konzert keinen Zweifel. Union: Hier bin ich zu Hause.

Filme vom Konzert:

Fotos von Union-foto.de

Eggiman-Schreck: Erst einmal Uhrenvergleich!

Trainingskiebitze kennen das. Erst ein Schrei, dann sinkt ein Spieler zu Boden. Der anwesende Physio rennt mit dem Notfallköfferchen auf den Platz. Und was machen die Journalisten? Sie spielen die wohl bekannteste Szene aus “Parker Lewis” nach: Uhrenvergleich!

uhrenvergleich

So geschehen gestern Nachmittag beim Training, als Verteidiger Mario Eggiman auf sein gebrauchtes Jahr bei Union noch ein Sahnehäubchen in Form einer Sprunggelenksverletzung bekam. Jedenfalls haben sich Bild und Kurier auf diese Zeit geeinigt. Nun kann der Schweizer Verteidiger ganz genau den Moment benennen, in dem sich seine bisher enttäuschende Spielzeit in eine absolut unglückliche verwandelte: Es war am Montag, den 14. April 2014 um 16:32 Uhr.

Update 15.45 Uhr: Union schickte vorhin eine Meldung zum Gesundheitszustand von Eggiman heraus:

Wie die MRT-Untersuchung am Dienstag ergab, zog sich der Schweizer eine Ruptur des rechten Außenbandes zu. Eggimann wird demnach für das Spiel in Karlsruhe ausfallen. Die Behandlung erfolgt konservativ, eine Operation ist nicht notwendig.

Ruptur heißt Riss. Ich bin kein Mediziner, würde aber behaupten, dass er vielleicht länger als nur für die Partie beim KSC ausfällt.

Teve184 – Während des Spiels wird nicht gequatscht

Das Textilvergehen bekommt Besuch von Chris Lopatta aka Lopez. Er ist einer der Protagonisten des Dokumentarfilms "Union fürs Leben", der für einige Missverständnisse gesorgt hat, weil er gar kein Fußballfilm, sondern eher eine Art Milieustudie ist. Von uns allen bekommt der Streifen eine uneingeschränkte Ankuckempfehlung.

Foto: Hupe/union-foto.de

Shownotes

Intro

00:00:00

Begrüßung

00:00:27

Chris Lopatta aka Lopez.

Hashtags an der Alten Försterei

00:00:57

Selfies_beim_TextilvergehenSelfies an der Alten FörstereiHierstehich.

Outro: Iron Henning – Union
01:18:12

Uwe Neuhaus im Rückspiegel

Ich bin untröstlich. Lange, sehr lange habe ich nach einem Symbolbild gesucht, das einerseits mit Uwe Neuhaus und andererseits etwas mit dem verflixten siebten Jahr zu tun hat. Daran bin ich kläglich gescheitert. Deshalb gibt es jetzt ein Foto vom Oktoberfest der Stadionbauer. Dafür habe ich solch eine Unmenge an Marylin Monroe-Assoziationen im Kopf, dass ich mir schon vorstelle, wie der Trainer am 23. August das Ständchen “Happy Birthday, Mr. President” zu Dirk Zinglers 50. zum Besten gibt. Reif für die Anstalt…

Foto: Koch

Schuld am ganzen Schlamassel ist die Morgenpost, die tatsächlich einen Text über die schwierige Situation des Trainers mit dem Verweis auf den Film mit Marylin Monroe übertitelt. Der Artikel ist vor allem eine sportliche Analyse, die viel Wert auf die Entscheidungen von Neuhaus legt, zu lange an Spielern festgehalten und damit den Konkurrenzkampf im Team erstickt zu haben. Kann man so herauslesen. Aber das ist natürlich eine Betrachtung aus dem Rückspiegel. Jetzt jedenfalls reagiert Neuhaus schneller (Bild/BZ).

Mich interessiert etwas mehr, was jetzt im Trainer vorgeht und wie es mit ihm weiter geht. Und damit einher geht auch die Frage, wie es mit Union weiter geht. Was möchte man erreichen? Wie wird die aktuelle Saison bewertet und wo gibt es Platz für Verbesserungen? Kurz: Für welche Art von Fußball steht Union? Letzteres ist eine Frage, die ich aktuell sportlich nicht aus dem Stand beantworten kann.

Der Kurier versucht erneut, sich in den Trainer hineinzufühlen. Der “knurrige Westfale” sähe sich zunehmend “Kritik” und “bösen Gerüchten” ausgesetzt, die an ihm nagen würden. Die letzten zwei Absätze umreißen meiner Meinung das aktuelle Grundthema. Nach dem Schlusssatz denke ich allerdings an den spanischen Bürgerkrieg.

Platz da, hier kommt der Aufsteiger!

Union-Depression? Nicht mit dem Tagesspiegel, der zumindest auf seiner Unionseite einen ganzen Text für feiernde Kölner ausgibt. Ja, genau das möchte ich lesen, wenn Köpenick sich nach dem verpassten Aufstiegskampf neu sortiert… Aber wenn schon Rheinland, dann richtig. Nämlich mit maßloser Übertreibung. So wie das feine Blog “Mutti, der Libero” es vormacht: “1. FC Köln erklärt 2. Liga für beendet, um sich ganz auf Champions-League-Sieg 2016 zu konzentrieren

Wer Lust auf Texte über Martin Dausch hat, der wurde zuletzt gut bedient:

Heute beim Nachmittagstraining übrigens:

Ich warte auf “Eggiman-Schock”, “Sorgen/Zittern um” und “Bangen” als Schlagzeile.

Probleme mit der Führungsrolle

„Hätte Union das ganze Jahr so gespielt, wären sie ohne Frage oben dabei.“ Die EInschätzung von Kölns Trainer Peter Stöger ist für mich der Satz zum 1:2 gegen den zukünftigen Bundesligisten. Ich fand das Spiel mitreißend. Aber auch der eine oder andere Facepalm war dabei. Weil das Team mit dem Hinterteil einreißt, was es mit Aufwand aufbaut. Beim Elfmeter, den Puncec verursacht (1:1), oder beim Freistoß zum 1:2, als Torhüter Daniel Haas sich verspekuliert und die Torwartecke für Patrick Helmes öffnet.

facepalm

Das sind die berühmten individuellen Fehler, die komischerweise immer dann auftreten, wenn es gerade nicht läuft. Schiedsrichter Wolfgang Stark nehme ich da etwas heraus. Seine Entscheidungen gingen größtenteils in Ordnung und waren stimmungsfördernd. Abgesehen von Marohs Handspiel im Strafraum.

Eine 1:0-Führung ist ein schlechtes Zeichen

Zu jeder Geschichte gibt es eine passende Statistik. Ich habe zu den folgenden Zahlen allerdings keine gute Story. Vielleicht fällt euch eine ein. Denn woran liegt es, dass Union so häufig einen Vorsprung verspielt?

  • 8 Mal hat Union in dieser Saison eine Führung verspielt (6 in den letzten acht Spielen)
  • 5 Mal hat Union eine Führung verspielt und noch verloren (4 in den letzten acht Spielen)

Mich macht das etwas ratlos. Damit lasse ich euch allein. Wer Lust hat, kann sich noch einmal die Einschätzungen der Berliner Medien zum Spiel zu Gemüte führen. Da das Ergebnis aktuell eher unwichtig ist und die sogenannte Einstellung zum Spiel stimmte, fällt das Urteil sehr ausgeglichen aus:

 

 

 

Heute wird die Union-Seele gestreichelt

Die Woche vor dem Kölnspiel heute Abend 18.30 Uhr im Stadion an der Alten Försterei bot aus Unionperspektive Diskussionsstoff. Erst wurde ein Disput/Gespräch zwischen Präsident Dirk Zingler und Trainer Uwe Neuhaus publik, das von der Lautstärke den irgendwann über den Müggelsee von und zum Flughafen BER kreisenden Flugzeugen wohl nicht viel nachstand, dann ging es um den Umbruch im Team und gestern um die Vertragsverlängerung von Torhüter Daniel Haas. Beim neuen Arbeitsvertrag geht es seitdem vor allem um die Frage, ob eine Unterschrift gesetzt wurde (Kurier) oder “nur” eine grundsätzliche Einigung erzielt wurde.

Uwe Neuhaus lacht (Foto: Koch)Foto: Koch

Der Kurier nimmt all diese Themen auf und versucht sich im Spagat. Auch dort wird ein mögliches Ende der Ära Uwe Neuhaus in Betracht gezogen. Aber ohne scharfe Sauce. Stattdessen gibt es viel Honig für die Union-Seele.

Für den Umgang mit Neuhaus gilt: Wenn es irgendwann endet, dann mit einer sauberen Lösung unter eisernen Männern. Und nicht mit einer Schlammschlacht oder einem schmutzig lancierten Rauswurf oder kolportierten Rücktrittsgedanken.

Aus meiner persönlichen Erfahrung in verschiedenen Arbeitsumfeldern halte ich das für sehr, sehr romantisch ausgedrückt. Es ist wie in einer langen Beziehung. Die einvernehmliche Trennung, die beide gleich akzeptieren, ist doch äußerst selten. Die überwiegende Zahl läuft so ab, dass eine Seite sich trennt und die andere getrennt wird. Aber ich möchte da an dieser Stelle nicht zu viel hineingeheimnissen.

Auf jeden Falls ist die aktuelle Situation neu für Uwe Neuhaus bei Union. Er ist nicht mehr sakrosankt. Auch der Tagesspiegel (noch nicht online) analysiert die Situation so. Sportliches Ziel erstmals in sieben Jahren verpasst und zudem eine spielerisch, taktisch stagnierende Mannschaft. Eine ungemütliche Zeit für den Trainer.

Erfolg als Stimmungsaufheller

Für etwas bessere Stimmung könnte da heute ein gutes Spiel gegen den souveränen Tabellenführer Köln sorgen, die allerdings individuell durchaus erstligatauglich besetzt sind. Das ist der Grundtenor der restlichen Medientexte:

Hier spricht die Polizei

Vor dem Spiel heute Abend hat die Berliner Polizei gemeinsam mit der Bundespolizei einen offenen Brief geschrieben. Darin allerlei Hinweise zur Gesamtsituation heute Abend. Wer zu aktuellen Straßensperrungen auf dem Laufenden bleiben möchte, kann der Polizei auf Twitter folgen, wo sie vom Einsatz berichten wird. Ich mag solchen Service, wenne r funktioniert. Dann kann man im Zweifelsfall noch ein Bier am Stadion trinken und geht eine halbe Stunde später entspannt zur Bahn.

Kommunikadze komplikadze – Die Vertragsverlängerung von Daniel Haas

Haas-Hammer! Darunter macht es die Bild heute nicht (Der Vollständigkeit halber: Der andere Teil der Gemeinschaftsredaktion, die BZ, hatte die identische Meldung). Sie bildet aber kein Werkzeug aus dem Hobbykeller des Union-Torhüters ab, sondern vermeldet die Vertragsverlängerung. Weitere zwei Jahre soll die Nummer eins bei Union das Tor sauber halten.

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Bild vom 10.04.2014

Die Meldung kommt nicht unerwartet. Es ist eher das Medium, das  unionuntypisch ist. Vermeldet doch der Verein gewöhnlich solche News selbst als erstes. In letzter Zeit scheint die “nordkoreanische Informationspolitik” aber nicht mehr vollständig zu funktionieren. Es leakt ein wenig bei Union.

Kommunikation zwischen Torhüter und Reporter auf Facebook

Dafür werden wir heute Zeuge, wie Kommunikationspolitik im 21. Jahrhundert aussieht. Denn Daniel Haas nahm auf Facebook Stellung zu seiner Vertragsverlängerung: “Tut mir leid, aber die Nachricht kann ich leider nicht bestätigen. Habe noch nicht unterschrieben. Weiß nicht, wie Matze Koch darauf kommt. Bei mir hat er jedenfalls nicht nachgefragt. Hoffe aber, dass sich alles nächste Woche regelt.”

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Haas dementiert die Unterschrift, aber nicht die grundsätzliche Einigung. Damit war noch nicht alles gesagt. Denn nicht nur Objekte der Berichterstattung können zu Meldungen Stellung nehmen, sondern auch die Autoren der Texte. So hat Matze Koch darunter kommentiert: “Abwarten und Tee trinken. Schon oft stellte sich ein, was erst dementiert wurde.”

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Damit ist dann fast alles gesagt. Nur nicht von jedem. Mir fehlt der Kommentar von Geschäftsführer Oskar Kosche, der schreiben müsste: “Kein Kommentar.”

Fabian Schönheim will Köln ärgern

Der Kurier bringt derweil eine Geschichte über Fabian Schönheim, der sich etwas für die Partie am Freitagabend gegen den 1. FC Köln vorgenommen hat. Alle Sätze des Verteidigers auf der Pressekonferenz von gestern kann sich jeder gratis beim Klub-Sender AFTV ansehen. Die Abozeitungen schweigen sich angesichts der Champions-League-Partien und der offiziellen Bestätigung des Wechsels von Herthas Adrian Ramos nach Dortmund über Union aus.

Kommen, gehen, bleiben. Union ist im Fluss, nur wer wird steuern?

Kreml-Union-Astrologen heraus! Zwei Tage vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln findet heute im Stadion die Spieltagspressekonferenz statt. Die letzte Möglichkeit, von Trainer Uwe Neuhaus etwas “nur zum Spiel” zu erfahren. Allgemeinere Fragen beantwortet der 53-Jährige ungern. Erst recht nicht vor der Kamera. Wäre also der passende Zeitpunkt, im Gesicht des Trainers zu lesen. Ich bin auf die Interpretationen gespannt.

Uwe Neuhaus auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Cottbus (31.03.2014; Foto: Koch)Foto: Koch

Die Gemeinschaftsredaktion Bild/BZ geht in der Zwischenzeit weiter voran. Unabhängig von der Entscheidung über die Zukunft von Uwe Neuhaus bei Union nennen die Boulevardblätter Positionen, auf denen in der Mannschaft der Umbruch stattfinden muss.

Gehen wir mal mit: Neuer Torwart ist klar. Bei Daniel Haas, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, gehe ich von einer Vertragsverlängerung aus. Das hatte ich vor einiger Zeit mal detaillierter für die Morgenpost aufgeschrieben.

Das auf links beim Duo Parensen/Kohlmann mehr Konstanz und Torgefährlichkeit hinein muss, ist offensichtlich. Ich bin sehr gespannt, wie die Lösung dafür aussieht.

Es gibt bereits Mattuschka-Alternativen im Kader

Beim Mittelfeld stimme ich mit dem Kollegen von Bild/BZ nicht überein. Für Mattuschka gibt es bereits Alternativen im Kader, die meiner Meinung nach beide das Potential haben, den Spielführer, der optisch sich immer mehr einem U-Boot-Kapitän annähert, zu entlasten und zu beerben. Das wären Björn Jopek, der nach Kreuzbandriss wieder voll spielfähig ist. Und vor allem Martin Dausch, der aus meiner Sicht zu wenig auf dieser Position eingesetzt wurde. Zuletzt hat er bewiesen, dass er das Spiel gerade durch die Steilpässe sehr schnell machen kann.

Uwe Neuhaus nach dem Spiel gegen Aalen enttäuscht (29.11.2013; Foto: Koch)Foto: Koch

Was den Angriff betrifft, bin ich wahrscheinlich zu leidenschaftslos. Ich erwarte von reinen Stürmern gar nicht mehr so viele Tore. Für mich sind sie erste Verteidiger und Zielspieler. Wichtig ist, dass der Rest der Offensive mitarbeitet. Die besteht im Idealfall aus fünf Spielern, die alle bei Ballbesitz in Positionen aufrücken sollten, von denen aus sie zum Abschluss kommen. Bestes Beispiel dafür ist Sören Brandy. Negativ fällt da vielleicht Benjamin Köhler auf, der aber nie besonders torgefährlich war (116 Bundesligaspiele/16 Tore; 169 Zweitliagspiele/20 Tore). Das war meiner Meinung nach das eigentliche Problem, die Angreifer waren zu sehr vorne isoliert. Meinetwegen kann es personell mit Nemec/Terodde/Skrzybski so noch einmal in die nächste Saison gehen.

Wer führt den Umbruch durch?

Um beim Thema von gestern zu bleiben: Zuerst muss klar sein, wer die sportlichen Entscheidungen in der nächsten Saison treffen wird. Vorher wird wohl kein weiterer Transfer über die Bühne gehen. Schwierig ist für uns Außenstehende dabei, dass sich bei Union niemand erklären muss, wenn keine Änderung vollzogen wird. Denn dann bleibt Uwe Neuhaus uneingeschränkter sportlicher Leiter, der seinen Vertrag bis 2016 erfüllt. Würde man jetzt sagen “Neuhaus bleibt”, hieße das im Umkehrschluss, dass ernsthaft über den Wechsel nachgedacht wurde. Ich nehme den ersten Satz von oben noch einmal heraus: Union-Astrologen heraus! Deutet die Zeichen!

Uwe Neuhaus auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Bielefeld (19.12.2013; Foto: Koch)Foto: Koch

Personell gab es zwei Veränderungen in diesem Jahr, die aber nachdenklich machen:

  • Daniel Stenz: Der Leiter des EisernLab, der die Datenanalyse bei Union eingeführt hat, ist Mitte Februar gegangen. Und zwar möglichst weit weg. Nach Vancouver.
  • James Croft: Der englische Rasendoktor, der das Grün bei Union verantwortete, hat gekündigt und ist bereits seit Anfang März nicht mehr dabei. Als der Artikel über “Union in English” im Tagesspiegel erschien, war Croft schon nicht mehr bei Union.

Auf beide Personalien war Union stolz, weil sie den Verein strukturell in seiner Entwicklung nach vorne gebracht haben. Beide sollen angeblich wegen Unstimmigkeiten mit dem Trainer gegangen sein.

WM im Stadion glotzen

Der Kurier nimmt die Aktion von Union auf. Auf dem eigenen Sofa im Stadion WM schauen. Wer mitmachen möchte, findet auf der Aktions-Website alle Informationen dazu.

 

Uwe Neuhaus oder Das Undenkbare denken

Den ersten Schreck besorgte mir heute ein Tweet. Ich wischte etwas lustlos über das Telefon und schaute in den verschiedenen Listen und gespeicherten Suchen, was denn so los war. Nüscht. Jedenfalls nichts, was mich zum Thema Union sonderlich bewegt hätte. Bis mich dieser Tweet ansprang:

Der Klick auf den Link verwies auf die Texte aus der Redaktionsgemeinschaft Bild und BZ, die von einem MännerGespräch zwischen Präsident Dirk Zingler und Trainer Uwe Neuhaus berichteten:

Der Grund für das Ungemach ist das Abschneiden des Teams, das aufstiegstauglich verstärkt wurde und in der schwächsten “Stärksten Zweiten Liga aller Zeiten” doch nicht bis zum Ende mit um den Sprung in die Erstklassigkeit kämpfen konnte. Da der Trainer die sportliche Verantwortung allein tragen wollte, bekommt er jetzt auch den Gegenwind auf sich persönlich zugeschnitten. “Ergebnis nach dem 29. Spieltag: Platz 7. Für diese Platzierung hätte man keinen Etat von über 11 Mio Euro gebraucht”, schreiben Bild/BZ.


Foto: Koch

Ganz im Gegensatz dazu steht der Kurier, der sich versucht, in den Trainer hineinzuversetzen. Im Vergleich zur Boulevard-Konkurrenz ist das geradezu handzahm.

Bei Neuhaus geht es mir wie mit Helmut Kohl

Ich denke die ganze Zeit daran, dass es viele Argumente für einen Trainerwechsel gibt. Festgefahrenes aufbrechen, das Team benötigt einen Generationswechsel, eine neue Art der sportlichen Leitung hereinholen, Bewährtem wie dem EisernLab weiter Priorität zukommen lassen. Bei all diesen Gedanken komme ich mir vor wie in meiner Kindheit und Jugend, als der Bundeskanzler immer Helmut Kohl hieß. Wie ein Regierungswechsel geht, musste ich im Geschichtsbuch nachlesen. Ähnlich geht es mir mit Uwe Neuhaus. Ich weiß gar nicht mehr, wie Trainerwechsel geht.

Und dann ist da das Gegenargument: Uwe Neuhaus hat noch einen Vertrag bis 2016. Eine Trennung dürfte teuer werden. Außerdem ist die Alternative unklar. Klar ist nur, dass Jürgen Klopp niemals Union trainieren würde. All dies schwirrt mir im Kopf herum. Und ich merke: So ist das, wenn man das Undenkbare denkt.

Zinglers Erkenntnis: Erfolg kommt durch Vertrauen

Pling! Eine SMS holt mich aus den Gedanken. Darin die Frage, ob der Abgang von Neuhaus schon in Sack und Tüten ist. Puh, das geht aber schnell. Mir persönlich, der ich nie ein gutes persönliches Verhältnis zum Trainer hatte, geht das alles etwas zu schnell.

Foto: Koch

Ich denke daran, was Dirk Zingler im vergangenen Sommer in der Morgenpost zum Thema gesagt hatte:

Wir haben mit Uwe Neuhaus einen Trainer, der inzwischen der dienstälteste im deutschen Profifußball ist. Das konnte ich mir vor ein paar Jahren noch weniger vorstellen als die umfassende Modernisierung unseres Stadions. Dazu gehört auch, in schlechten Zeiten zueinander zu stehen, eine Philosophie zu haben, wie man mit Menschen umgehen will. Wir haben ja nicht geplant, sechs Jahre zusammenzuarbeiten, sondern wir haben festgestellt, dass Erfolg sich einstellt, wenn man vertrauensvoll und unter bestimmten Prinzipien miteinander arbeitet.

Das sagt der Präsident, der Fußball vollkommen unromatisch, aber zu recht als Hochrisiko-Anlage bezeichnet hat. Es müsste also mehr passiert sein, als ein enttäuschender siebter Platz jenseits von gut und böse in der Zweiten Liga, sollte der Trainer Union demnächst verlassen. Beispielsweise müsste man das Zutrauen in die Fähigkeit des Trainers verlieren, eine Mannschaft weiterzuentwickeln.

Die anderen Berliner Medien nehmen das Thema nicht auf:

Mit einem Satz kommt die Berliner Zeitung zu einer vollkommen anderen Einschätzung:

Die Ehe zwischen Trainer und Verein ist dennoch nicht in Gefahr, selbst wenn die 50-Punkte-Marke und somit die Kleinstschrittverbesserung verpasst würde.