Unions Doktrin bei Spielerverträgen lautet: Unterschreibt für die Bundesliga und Zweite Liga

Das große Thema sind heute Oliver Ruhnerts Aussagen im Trainingslager in Spanien. Der Manager des 1. FC Union Berlin wurde sehr ausführlich zum Thema Kaderplanung befragt. Dabei gab es natürlich ganz klassische Fußballwahrheiten zu hören wie “Unverkäuflich ist überhaupt kein Spieler.” Das bezog sich auf Sebastian Andersson und auch einen potenziellen Wechsel des Angreifers schon in der Winterpause. Gleichzeitig machte der Manager deutlich, dass sich um mögliche Spieler gekümmert wurde, die für wechselnde Profis kommen würden. Alles andere als ein Schattenkader, in dem für jede Position mehrere Kandidaten bereits ins Visier genommen wurden, hätte mich allerdings überrascht.

Manager Oliver Ruhnert im Trainingslager am Ball, Foto: Matze Koch

Aber Oliver Ruhnert machte auch eine Doktrin der Vereins deutlich, indem er sagte, es werde “keinen Spieler bei uns geben, der keinen Vertrag für die 1. und die 2. Liga unterschreibt” (Kicker). Heißt das, dass Spieler wie Sebastian Andersson oder Rafal Gikiewicz damit ab Sommer nicht mehr bei Union sind? Denn der Keeper hat beispielsweise deutlich gemacht, dass er Bundesliga spielen möchte. Und bei Andersson kann ich mir kaum vorstellen, dass für den Fall eines Abstiegs nicht ein Angebot aus der Bundesliga oder aus England kommt.

Aus meiner Sicht ist damit überhaupt nicht ausgeschlossen, dass diese Spieler über diese Saison hinaus beim 1. FC Union spielen. Wichtigste Voraussetzung dafür ist eben, dass Union die Klasse hält. Das ist ein bisschen wie in der vergangenen Saison, in der sich bestimmte Vertragsfragen erst spät geklärt haben. Und das wird für Union noch ein paar Jahre oder vielleicht für eine längere Zeit so gehen, dass immer zweigleisig geplant werden muss. Der Moment, in dem die Doktrin mit den Verträgen für 1. und 2. Liga fällt, wird der Moment sein, in dem Union ein natürliches Mitglied der Bundesliga sein wird. Aber wir wissen gar nicht, ob das jemals der Fall sein wird.

Oliver Ruhnert spielt im Trainingslager auch mit, Foto: Matze Koch

Es ist also etwas ganz Natürliches, was Oliver Ruhnert geäußert hat. Und es bewahrt Union vor zwei Problemen. Bei Abstieg im Prinzip ohne Leistungsträger dazustehen und Spielerwerte aufgebaut zu haben, ohne von ihrem Wachstum beispielsweise durch Ablösesummen zu profitieren.

Während ich durchaus sehe, dass Sebastian Andersson den Verein verlassen wird, weil die gebotenen Ablösen vielleicht auch die Grenze dessen, was man als 1. FC Union Berlin ablehnen kann, überschreiten werden. So glaube ich, dass auf der Torhüterposition nicht zwangsläufig ein Wechsel passiert.

Die Interessen von Rafal Gikiewicz sind durch den Keeper sehr transparent kommuniziert worden (klar, er vertritt sich mittlerweile selbst, da kann er auch klar seine Botschaften medial platzieren). Er möchte mehr Geld (das wollen wir alle) und er möchte im größtmöglichen Schaufenster stehen für sein Ziel, im Kader der polnischen Nationalmannschaft eine größere Rolle zu spielen. Das mit dem Geld ist eine Verhandlungssache, auch wenn Oliver Ruhnert deutlich gemacht hat, dass er eine homogene Gehaltsstruktur beibehalten möchte. Die Bundesliga bekommt in Polen die entsprechende Aufmerksamkeit und die Statistiken, die Rafal Gikiewicz auch selbst fleißig teilt, bestätigen das auch.

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Mehr Aufmerksamkeit wäre nur in der Premier League als Stammkeeper drin. Die Premier League bietet allerdings nicht Polen keine 100 Kilometer entfernt. Das ist ein familiärer Wohlfühlbonus, der nicht zu unterschätzen ist.

Überhaupt sind die vielen auslaufenden Verträge gerade nichts Schlechtes. Union muss sein Team perspektivisch etwas verjüngen (also vor allem die Spieler, die viel eingesetzt werden). Seit Oliver Ruhnert es hinbekommen hat, die Mannschaft trotz verlängerter Saison aufgrund der Relegation für die Fälle Bundesliga bzw. Zweite Liga zusammenzubauen, habe ich ein Grundvertrauen. Auch wenn das bedeutet, dass der Manager für einige Woche quasi mit dem Telefon am Ohr auch zu Bett geht.

Hier sind noch einmal alle Medienberichte zum Gespräch mit Oliver Ruhnert:

Manager Oliver Ruhnert in einer für seinen Job typischen Haltung, Foto: Matze Koch

Das Comeback von Grischa Prömel

Beim Mittelfeldspieler zeigt sich langsam das Ende der Leidenszeit. Darüber spricht er in Bild/BZ, Tagesspiegel und Morgenpost bezeichnet den Zeitraum seiner Verletzung als “schwierigste Phase” seiner Karriere. Er erzählt davon, dass er es im Trainingslager genossen hat, von seinen Mitspielern abgeschossen zu werden (das ist ein Ritual für Geburtstagskinder bei Union), weil er endlich wieder mit ihnen auf dem Platz stand. Aber ab wann er wirklich eine Option für Kader oder gar Startelf ist, steht noch etwas in der Sternen. Da tut uns allen etwas Geduld gut.

Etwas Geduld sollten wir alle auch mit Keven Schlotterbeck haben, der zwar schon einige Spielformen mitmacht, aber sicher auch noch kein Kandidat für das erste Spiel bei Rasenballsport Leipzig ist (Kurier).

Der RBB fasst noch einmal alles zu Union vor dem Rückrundenstart zusammen. Wer die vergangenen 3 Wochen im Urlaub oder einem Funkloch in Brandenburg war, findet dort einmal alles kompakt.

Trauermarsch in Leipzig

Auf der Seite des Wuhlesyndikats gibt es einen Aufruf verschiedener Unionfanklubs, wie das Spiel in Leipzig durch Proteste begleitet werden soll. Geplant sind ein Trauermarsch (alle sollen in Schwarz kommen), ein spätes Betreten des Stadions und 15 Minuten Schweigen zu Spielbeginn. Danach soll die Mannschaft aber mit vollem Programm unterstützt werden. Ich glaube, dass das nach einer guten Variante klingt, die einerseits klarmacht, dass ein de-facto-Verstoß gegen die 50+1-Regel und die Variante, dass sich ein Franchise irgendeinen Klub für seine Zwecke zusammenbaut, für unser Verständnis niemals akzeptabel sein wird. Und gleichzeitig wird der eigenen Mannschaft nicht der Support entzogen.

Aufruf zum Trauermarsch der Fans des 1. FC Union Berlin in Leipzig

Aufruf zum Trauermarsch in Leipzig, Bild: via Wuhlesyndikat

Unions Frauen-Teams bei Hallenturnieren

Zwar ist noch lange nicht wieder Punktspielzeit bei den Frauenteams des 1. FC Union, aber es ist doch einiges los, auch an diesem Wochenende. So tritt die erste Mannschaft am Samstag und Sonntag in Großkoschen beim Turnier an. Beim Seenland-Turnier sind auch die Regionalliga-Konkurrenten von Erzgebirge Aue und Bischofswerda sowie Slovan Liberec am Start. Das lohnt sich also sicher.

Das zweite Frauenteam tritt am Samstag in Brandenburg beim Hallenturnier an (14-20 Uhr) und hat am Sonntag in der Sporthalle Schöneberg beim Hallenturnier der Berlin-Liga (17-20 Uhr) die Möglichkeit sich für das Masters zu qualifizieren. Mehr Infos zur Frauenfußball-Abteilung gibt es auf deren Facebook-Seite.

In eigener Sache

Wir werden am Samstag und Sonntag unseren Server fit machen und wahrscheinlich wird in dieser Zeit textilvergehen.de nicht erreichbar sein. Trotzdem wird der State of the Union erscheinen. Dann aber ausnahmsweise bei Facebook in den Notizen. Keine Panik, falls ihr also unsere Website nicht erreicht. Wir machen es nicht wie die Morgenpost bei immerhertha.de und schalten das ohne Ankündigung ab.

18 Gedanken zu „Unions Doktrin bei Spielerverträgen lautet: Unterschreibt für die Bundesliga und Zweite Liga

  1. Guten Morgen Sebastian

    Selbst wenn der Klassenerhalt gelinge, sehe ich Andersson bei gleicher Torquote nicht mehr bei uns. Bei Rafal hoffe ich das er bleibt denn soviele Plätze sind nicht frei wo er sich verbessern könnte und einen auf Nübel wird er nicht machen, sich für doppeltes Gehalt woanders auf die Bank setzen. Ob uns bei einem Weggang Rafals ein Julian Pollersbeck hilft bezweifle ich.

    Zum Support in Leipzig schweige ich lieber, es ist ja gang und gebe geworden alles toll zu finden was die Ultras vorgeben.
    Einfallsreich finde ich diese wiederholten 15 Minuten jedenfalls nicht.

  2. @michael Ich finde nicht, dass man alles toll finden muss, was von den Ultras kommt. Und ich glaube auch nicht, dass das so von deren Seite gewollt ist. In dem Fall ist das aber ein Aufruf vieler Fanklubs (die komplette Liste steht hier), von denen die überwiegende Mehrheit nicht den Ultras zuzurechnen ist. Der Aufruf wurde vom Wuhlesyndikat veröffentlicht.

    Was Andersson betrifft, teile ich deine Einschätzung.

  3. Guten Morgen Michael,
    es ist keine Vorgabe der Ultras. Es gab eine rege Diskussion zwischen den Fanclubs und dies ist das, was von den Fanclubs beschlossen wurde. Eisern Jan

  4. Schön beschrieben, mit dem Grundvertrauen in Oliver Ruhnert, so geht’s mir auch. Deshalb ist meine größte Sorge eigentlich, dass da ein Club mit viel Kohle und ohne Herz versucht, sich unseren Manager unter den Nagel zu reißen.

  5. @Michael
    Eher ist es inzwischen Gang und Gäbe, ‘den Ultras’ alles in die Schuhe zu schieben, was einem nicht in den Kram passt.

  6. @WS u. Fanclubs!
    Jetzt sollen wir wieder alle “SCHWARZ” sehen!
    Wo war die Reaktion/Aktion “gegen” das “Konstrukt” -Hoffenheim- ????
    Das Schweigen empfand ich peinlich!!
    Mir wurde schon vor der “Zeitenwende” zu lange “vorgesagt”, was ich tun darf und was nicht!
    u.n.v.e.u.

  7. @johei!

    Mit dem Unterschied, das dies heute das Ergebnis eines demokratischen Prozesses ist. Der im Übrigen, das zeigen die letzten Partien gegen das Leipziger Konstrukt (die Unterschiede zu Hoffenheim wieder und wieder zu diskutieren langweilt mich inzwischen), auch von einer überwältigenden Mehrheit getragen wird!
    Dennoch steht es dir heutzutage frei, in rot, pink oder sonstwie gekleidet zum Spiel nach Leipzig zu fahren, nicht an der Demo teilzunehmen und von Anfang im Block die Mannschaft anzufeuern. Heutzutage darfst du das!

  8. @Tobias
    “Wäre weinrot auch okay??;¬)”
    Kannst ja schon mal die Intensivstation buchen ).

    Ich denke, Anderson hat hier die besten Rahmenbedingungen, um die derzeitige Leistung bringen zu können – das Umfeld, die Mannschaft und den Verein. Das gibt man nicht so einfach auf, um vielleicht anderswo doch auf der Bank zu sitzen – Geld ist nicht alles.

  9. Das hatte ich nicht beachtet das viele Fanklubs zusammen diesen Protest planen. Mit “Alles den Ultras in die Schuhe schieben” hat das wenig zu tun.

    @johei, mir wurde mal erklärt das es Unterschiede gibt zwischen Hoffenheim und RB. Demnach müsste auch gegen die KGA Borussia Dortmund Proteste geben und der FC Allianz Adidas Bayern erst… ;-)

  10. @johei ich erläuter nochmal ganz kurz den Hauptunterschied…
    Hoffenheim = dietmar hopp = örtliche Bindung zum Verein
    Red Bull = mateschitz = Österreich = größtes Kommerzscheißprodukt im Fußball!

    Zudem hat die tsg Hoffenheim als Verein Tradition das Gründungsjahr ist 1899 gewesen. Red Bull wurde aus dem nichts gestanzt indem ein Verein ( Makranstädt) gegekauft wurde.

  11. @Stephan
    die Farben Mordors sind doch als modisches Dingenskirchens mittlerweile auch in der Försterei immer wieder und häufiger anzutreffen.

  12. Zur Erklärung des Wuhlesyndikats kann man noch ergänzen, dass es sich keineswegs um eine Einigung aller Fanclubs, wie behauptet, handelt. Mindestens ein offizieller Fanclub wurde weder um seine Meinung gefragt, noch überhaupt zu dem Treffen eingeladen.

    Ob die gefundende Lösung eine gute ist, sei dahingestellt.Fragwürdig ist jedenfalls, dass nach der Hinrunde nun zum zweiten Mal bestimmte Gruppen ihre Meinung weitgehend durchdrücken und das obendrein als gemeinsamen Konsens darstellen, was es aber nicht ist.

    Inhaltlich wissen alle Eltern, dass man seinem Kind auch mal Grenzen setzen muss um es gut zu erziehen und nicht jeden Wunsch erfüllen darf. Grenzen setzen bedeutet nicht, sein Kind nicht zu lieben; sondern Eltern setzen Grenzen meist gerade deshalb, weil sie ihr Kind lieben.

  13. @ M. Draghi: Beweise/Belege/Quellen dafür? Wenn du Erziehungstipps hast schreib doch ein Buch… machen ja viele auch jene die selbst davon keine Ahnung haben und wo es bei ihnen selbst nicht so richtig gefruchtet hat :-)
    Ich finde es jedenfalls gut dass gegen das Produkt RedBull so klar Position bezogen wird, was den Unterschied zu Hoffenheim und auch zu Bayern, BVB etc. angeht so hat das Thomas Leidig gut erklärt, bei RB kommt ja noch hinzu dass es ja nicht mal eine richtige Übernahme war sondern nur ein Lizenztrick, ohne die benötigte Startberechtigung des SSV Markranstädt und ohne Auflagen hätte Matteschiss den SSV Markranstädt einfach Platt gemacht (ein Verein dessen Wurzeln bis 1912 zurückreichen), so hat sich RedBull mit Tricks eingekauft.
    Ansonsten hoffe ich das Grischa und Keven bald wieder fit sind und was die Verträge angeht so bin ich gespannt wie es damit weiter geht, vertraue aber wie du Sebastian auch Oliver Ruhnert voll und ganz.

  14. @Michael: Dein erster Kommentar lässt Deine Ahnungslosigkeit erahnen, der Zweite bringt Bestätigung…wenn man keine Ahnung hat einfach mal…und zu Maria Draghi ist jeder Kommentar überflüssig.

  15. @Jens Otto. Aktuell schreibe ich tatsächlich an einem Buch, das aber – zumindest bislang – nicht für den freien Markt bestimmt ist. :-)

    Erziehungstipps gebe ich schon deshalb nicht, weil es nach meiner Einschätzung gar keine allgemeingültigen Erfolgsrezepte für die Kindererziehung gibt. Ich habe auch keinen Tipp gegeben, sondern dargestellt, warum manche Eltern ihren Kindern Grenzen setzen, auch wenn das zunächst mal bei den Kindern wenig Begeisterung auslöst.

    Inhaltlich sind Beweise/Quellen laut einem der Vorredner “überflüssig”. Ich hab sie aus erster – nicht zweiter oder dritter – Hand und ich bin mir sicher, wer danach sucht findet sie auch im öffentlich zugänglichen Internet relativ schnell.

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