Worum es heute auf der Mitgliederversammlung von Union gehen wird

Heute Abend (ab 19 Uhr in der Verti Music Hall) findet die Mitgliederversammlung des 1. FC Union Berlin statt.

Dirk Zingler Mitgliederversammlung

Präsident Dirk Zingler bei der letzten Mitgliederversammlung, Foto: Matze Koch

Einige der Themen, die dabei eine Rolle spielen, haben wir hier in den vergangen Wochen und Monaten schon besprochen: Dazu gehört, wie Union mit der gestiegenen Aufmerksamkeit umgeht (ein Thema, das zuletzt hier im Podcast vorkam). Oder, wie sich die Finanzen des Vereins in den letzten Jahren entwickelt haben. Auch wenn die (zum Teil fremdfinanzierten) Investitionen der letzten Jahre sich mit dem Aufstieg bezahlt gemacht haben, bleiben da ein paar Fragen. Zum Beispiel diese:

Die beiden zentralen Fragen, die sich [aus Unions Finanz-Kennzahlen für die Mitgliederversammlung] ergeben, sind diese: woher kommen die nicht geringen Schulden in Unions Gesamtbilanz, die nicht zum Verein selbst (also den Zahlen, die wir auf den MVs der letzten Jahre gehört haben) zu zählen sind, und auch nicht in die Stadion AG gehören? Und wie hat sich der Aufstieg auf die Finanzen ausgewirkt, das heißt wie wurde das dadurch neu generierte Einkommen genutzt?

Und natürlich ist da auch noch das Stadionbau-Vorhaben, bei dem nicht ganz klar ist, wie groß die Genehmigungs-Hürden tatsächlich sind und wie viel Union für deren Überwindung tun kann.

Die Mitgliederversammlung könnte aber auch ein Ort sein, auf dem die Aufarbeitung der Vorfälle beim Derby noch einmal weiter geführt wird. Bisher hat es dazu Statements von Dirk Zingler und vom Wuhlesyndikat (im Stadionheft beim Spiel gegen Mönchengladbach) gegeben, die sich darin einig sind, dass so etwas wie ein Sturm auf die Kassen im Heimbereich inakzeptabel ist. Wie es dazu kommen konnte, und welche Konsequenzen so etwas haben wird, ist aber auch etwas, das alle im Verein betrifft.

Außerdem wird auf der Mitgliederversammlung über einen Antrag zur Satzungsänderung abgestimmt werden, den wir ebenfalls hier schon erwähnt haben. Und der an eine lange währende Diskussion darüber anschließt, ob ein Verein wie Union politisch neutral sein kann und will. Der Antrag strebt an, die Formulierung ‘politisch neutral’ in der Satzung in ‘parteipolitisch neutral’ zu ändern. Damit soll der Text der Satzung an die de facto Haltung des Vereins angepasst werden – und der Widerspruch dazu aufgelöst werden, dass der Verein Werte und Interessen hat, die auch politisch sind. Im Grunde ist das eine Diskussion darüber, wie eng oder weit der Politikbegriff gefasst ist. Ob eine Satzungsänderung solche Definitionsdiskussionen beenden kann oder sollte?

Zum Sport

Gestern hat die letzte Partie des “Baltic Sea Cup” stattgefunden, in dem Union mit einem Anschlusskader mit vielen U19-Spielern antritt.

Ein Tor beim 3:2 dieser Union-Mannschaft gegen Brøndby hat Malick Sanogo geschossen. Das ist nicht erwähnenswert, weil er der Sohn von Boubacar Sanogo ist, der als Individual-Trainer für Stürmer in Unions Nachwuchsleistungszentrum arbeitet. Sondern weil er 15 Jahre alt ist. Fünfzehn.

Länger schreibt der Kicker anlässlich des Spiels über Lennard Maloney. Er ist in der schwierigen Situation, in der sich einige andere Talente bei Union in den letzten Jahren wiedergefunden haben: in seiner Entwicklung nicht weit genug zu sein, eine Rolle bei Unions erster Mannschaft zu spielen. Gleichzeitig macht es die Entwicklung von Union nicht einfach, ein Level zu finden, das nah genug an Unions Profiteam ist, und auf dem Spieler wie Maloney zu Einsatzzeiten kommen könnten. Auch deshalb hat sich keine Leihe für ihn ergeben.

Schalke

Vor Unions Spiel gegen Schalke gibt es eine Einstimmung per Podcast: Martin von Plattsport war beim ‘Knappencast‘ zu Gast, um über Union zu sprechen. Außerdem bespricht der Gladbach-Podcast Pfostenbruch in seiner aktuellen Ausgabe das Spiel beim 1. FC Union Berlin, das der Tabellenführer verloren hat.

Übrigens ist es ganz charmant, dass der Spielplan dieser Bundesliga-Saison Unions Weg im DFB-Pokal nachzeichnet, zuerst mit dem Spiel gegen Gladbach, und nun dem Re-Match zum Finale gegen Schalke (über das ich hier einmal eine Analyse geschrieben habe).

In den Berliner Medien geht es heute viel um Marvin Friedrich und seine Schalke-Geschichte. Aber das ist nicht der Spieler, der das größte ‘ausgerechnet’-Potential am Freitag hat …

8 Gedanken zu „Worum es heute auf der Mitgliederversammlung von Union gehen wird

  1. Es werden noch Freiwillige gesucht, die bei der Stevie-Rückhol-Entführung am Freitag mitwirken wollen. Unseren Informationen zufolge sitzt er am Wochenende immer am selben Platz (Tribüne). Von da bringen wir ihn in den Virus-Zug und schmuggeln ihn sicher nach Hause.

  2. Politisch neutral bedeutet nicht, dass man sich nicht für seine eigenen Interessen und Grundwerte einsetzen darf. Es bedeutet vielmehr, dass man in Fragen, die lediglich fremde (!) Interessen betreffen, auf eine Positionierung verzichtet.

    Das ist sinnvoll, da sich die Unioner im Verein explizit zur Förderung des Sports zusammengeschlossen haben. Die politischen Orientierungen der Unioner sind hingegen sehr divers und breit verteilt. Für politische Fragen tritt man bei Bedarf anderen Vereinen bei, die ggf. sehr unterschiedlich sind.

    Im Übrigen geht der Änderungsantrag davon aus, dass nur Parteipolitik interessengeleitet ist. Das ist sehr naiv. Auch zahlreiche andere Organisationen und Gruppen betreiben Interessenpolitik, aus der sich Union heraushalten sollte, solange es den Verein nicht betrifft.

    Die bisherige Satzungsregelung sollte daher beibehalten werden.

  3. Moins,

    das neue Intro vom Podcast, kann ich nicht oft genug hören.
    Könntet ihr es zum Download anbieten?

    Danke
    Und Stadtmeister……. 1

  4. Na, was die fremden von den eigenen Interessen unterscheidet, ist im Zweifelsfall dann aber nicht so eindeutig wie du denkst, ostfux. Zumal es einen Grund hat, warum Leute den Sport eben bei Union fördern wollen und nicht etwa bei einem anderen Verein. Ich bin sehr für die Satzungsänderung, damit der Verein das, was er ohnehin seit Jahren tut (sich auf Grundlage unserer Werte politisch und gesellschaftlich engagieren), dann auch satzungsmäßig sauber tun kann.

  5. @Exwuschel
    Deshalb ist das ja zum Beispiel in die Stiftung ausgelagert worden, werden umweltpolitische Dinge im Stadion von der Stadion AG vorangetrieben und haben nicht zuletzt bei Fanprojekten ihren Platz.
    Der Zweck des Vereins ist klar definiert u.a. hängt davon auch der Status der Gemeinnützigkeit ab.
    Zudem ist es unsinnig, Themen, die nicht Teil dieses Vereinszweckes sind, hierarchisch zu delegieren, das muss aus der Mitte des Vereins selbst kommen.

  6. „parteipolitisch“ ist von vornherein schon unsinnig, weil der verein keine partei ist. wenn schon, dann müsste es „parteiENpolitisch“ heißen, aber auch damit erweist man dem eigentich positiven ansinnen einen bärendienst, weil auf diese weise schlicht eine schrumpfung von auslegung und anwendung auf das feld politischer vorgenommen würde.

    EISERN

  7. @Paule, sicher das Stevie auf der Tribüne sitzen wird? Der wird im Kader sein und sicher eingewechselt werden wenn Union führt ;-)

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