Union kann und will nicht politisch neutral sein

Union hat gestern zur Mitgliederversammlung des Vereins eingeladen, die am 27. November ab 19 Uhr in der ‘Verti Music Hall’ (an der Oberbaumbrücke) stattfinden wird. Einer der Punkte, die dabei zur Diskussion stehen werden, ist ein Antrag zu einer Satzungsänderung, mit dem auch formell klar gestellt werden soll, in welchem Sinn Union politisch ist, und in welchem nicht.

Inhalt des Antrages ist, in der Satzung die Formulierung politischer Neutralität durch die parteipolitischer Neutralität zu ersetzen. Der entsprechende Satz hieße dann: “Der Verein ist parteipolitisch und religiös neutral.”

Das ist alles andere als eine radikale Umdeutung der Identität von Union. Sondern nur eine Variante, klarer auszudrücken, was sowohl der Verein selbst als auch viele Unionerinnen und Unioner immer wieder sagen, um zu erklären, was mit der bestehenden Formulierung gemeint ist. Weder Union noch die Menschen, die zu Union gehören, können politisch neutral sein, weil sie sich anderen gesellschaftlichen Akteuren und Themen gegenüber verhalten müssen. Und sowohl im Handeln des Vereins als auch in vielen Anliegen und Botschaften seiner Fans ist das auch vollkommen offensichtlich – man denke nur an die Forderungen und Positionen gegenüber der Polizei. Der Antrag von Hans-Joachim Bartlick drückt treffend aus, dass mit dieser Änderung nur ein bestehender Widerspruch aufgelöst wird – und sich der Verein damit zu Werten bekennt, die unumstritten sein sollten:

Der 1. FC Union Berlin kann außerdem schon deshalb nicht politisch neutral sein, weil er entsprechend des letzten Satzes in § 2 Nr. 1 der Satzung in seinem Handeln demokratischen und humanistischen Grundwerten verpflichtet ist. Dazu gehört dann auch, dass der 1. FC Union Berlin aktiv für eine weltoffene und solidarische Gesellschaft eintritt, in der Menschenrechte unteilbar sind, Rassismus und Menschenverachtung bekämpft werden und Toleranz, Respekt und Solidarität sowie vielfältige, selbstbestimmte Lebensentwürfe selbstverständlich sind.

Sportlich geht es in den Berliner Medien heute um Florian Hübner:

In der Union-Serie des niederländischen Blog Bananenflanke geht es in dieser Woche um Urs Fischer, und wird sich gefragt, ob er der neue Uwe Neuhaus ist. Ein Vergleich, der nicht nur daran hinkt, dass Urs Fischer mit Union den Aufstieg geschafft hat [edit: natürlich ist auch Uwe Neuhaus mit Union aufgestiegen, in die 2. Liga).

Die Podiumsdiskussion mit Urs Fischer und Christian Arbeit …

am Mittwochabend war offenbar recht unterhaltsam:

Und a propos Urs:

Parensen, Parensen

In einem schönen Gespräch hatte der Plattsport-Podcast Michael und Antonia Parensen zu Gast. Dabei geht es längst nicht nur um Fußball und Union, sondern zum Beispiel auch um Antonias Karriere als Musikerin und Schauspielerin.

Und Micha Parensen erzählt etwa, dass es ihm in den Tagen nach dem Aufstieg auch nicht anders ging als anderen Unioner*innen: Auch er hat sich immer wieder Bilder und Videos dieser Nacht angeschaut und geheult hat.

Nachwuchs

Die U19 von Union ist spektakulär gut in die Saison gestartet: Mit 16 Punkten nach 6 Spielen liegt Union auf Platz zwei, hat aber ein Spiel weniger als Wolfsburg, das mit 18 Punkten die Tabelle anführt.

Und am Samstag spielt Union zuhause eben gegen Wolfsburg (um 13 Uhr im FEZ). Leider hatte ich in dieser Saison noch keine Gelegenheit, mehr von der Mannschaft zu sehen, als die Tore auf der Video-Plattform des DFB. Für alle, die mittlerweile nicht das Gefühl haben, schon zwei Stunden vor dem Spiel der ersten Mannschaft im Stadion sein zu müssen, lohnt sich ein Abstecher dorthin in jedem Fall.

Es wäre aber erstens extrem verfrüht und zweitens ohnehin falsch, auf die Spieler dieser U19 Mannschaft zu viel Druck zu laden, etwas an der eher mageren Bilanz der letzten Jahren bei der Integration von Nachwuchsspielern in die erste Mannschaft zu ändern. Denn dieser Sprung, vor allem ohne eine U23, bleibt sehr groß. Gerade eine Nachwuchs-Mannschaft, die Potential zeigt, muss aber eine zusätzliche Animation für den Verein sein, an der Durchlässigkeit vom Nachwuchs zu den Profis zu arbeiten. Denn ein Verein mit Unions Mitteln wird diesen Aspekt brauchen um sich eine gute mittel- und langfristige Perspektive aufbauen zu können.

Und noch eine Meldung aus dem Nachwuchs: Boubacar Sanogo, der unter anderem in Bremen und Cottbus sowie zuletzt in Altglienicke gespielt hat, ist jetzt Individual-Trainer im NLZ.

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Die ersten Arbeitstage 🤓

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Und sonst so

Das Nachspiel, eine Sport-Sendung vom Deutschlandradio Kultur, hat am Wochenende die Geschichte des einzigen Länderspiels einer Frauen-Fußball-Mannschaft der DDR erzählt. Eine Geschichte, die von viel Patriarchat geprägt ist (wie war das nochmal mit angeblich unpolitischem Fußball?).

Nicht nur der Vergleich zu dieser Vergangenheit zeigt, dass sich der Frauenfußball – das heißt, die gesellschaftliche Resonanz und Akzeptanz dafür – an manchen Orten seitdem sehr viel weiter entwickelt hat. Das wird zum Beispiel deutlich wenn man bemerkt, dass das Länderspiel am 9. November von England gegen Deutschland im Wembley-Stadion mit 90.000 Zuschauer*innen ausverkauft ist.

Und schließlich, Rafal Gikiewicz versteigert ein Paar Handschuhe für ein Hilfsprojekt für Kinder mit Behinderungen in Kenia:

Übersetzung: “Kurze Geschichte – aber sehr wichtig! Zwei Jungen aus Warschau bauen ein Zentrum für behinderte Kinder in Kenia, das Ziel ist eine Million Zloty. Ich traf einen von ihnen vor 3 Monaten am Flughafen und schon damals war ich gespannt, wie sich die ganze Aktion entwickeln würde. Es ist Oktober, und die Kollektion gewinnt an Bekanntheit, also gebe ich meine signierten Handschuhe ab. Die Auktion beginnt am 26. Oktober auf dem Profil @podrozezhubertem, und Sie können sie heute unter www.zrzutka.pl/kenia2019 #Kenia2019 @fundationssof unterstützen.”

9 Gedanken zu „Union kann und will nicht politisch neutral sein

  1. “Mit dem Begriff „Politik“ hingegen wird im weitesten Sinne jeglicher Aushandlungsprozess zwischen Menschen und Gruppen beschrieben. Dazu gehört z. B. auch, dass sich der 1. FC Union Berlin im BFV (Berliner Fußball-Verband), dem DFB (Deutscher Fußball-Bund) oder der DFL (Deutsche Fußball Liga) aber auch in das Gemeinwesen der Gesellschaft politisch einbringen kann.”

    Der letzte Absatz ist dem Zeitgeist unterworfen, der sich immer wieder verändert. Wir haben genug Fanclubs, die sich abseits des Stadions entsprechend engagieren können.
    Der Verweis auf die Fussballverbände ist ein Scheinargument, denn das wird ja jetzt schon gemacht, eben weil Union Mitglied in diesen Verbänden ist.

  2. Noch eine kleine Ergänzung zum Plattsport-Gespräch mit den Parensens, das ich vor allem wegen seiner Intimität so hörenswert fand:
    Micha hat deutlich darauf hingewiesen, dass es vor dem Derby noch viel zu gewinnen bzw. zu verlieren gibt, weshalb das Thema Derby noch keine Rolle spielen darf.

    Wie recht er damit hat. 🔴⚪️

    Micha ist auch neben dem Platz noch sooo wichtig für Union.

  3. Maras beitrag gefällt mir (“Das beste: et gibt ein Klo an Board”). Ich möchte mir ehrlich gesagt jene Schiffe nicht vorstellen, mit denen Mara offenbar sonst so unterwegs ist, wo die Leute sich alle über die Reeling hängen :-)))

    Zu Bobbycar Sanogo: Endlich haben diejenigen ihren Willen bekommen, die ihn sich viele Jahre penetrant-nervend (als Stürmer) gewünscht haben. :-)))

  4. PS: Zum Vergleich Urs Fischer – Uwe Neuhaus: Mir spukt da schon seit einiger Zeit ein sehr spezieller Showdown am Saisonende im Kopf herum…

  5. @Daniel: Der Vergleich zwischen Urs Fischer und Uwe Neuhaus soll wohl eher darauf abzielen, dass beide Union in eine höhere Spielklasse geführt haben und Urs Fischer den Verein in der Bundesliga etablieren könnte, so wie es Uwe Neuhaus in der 2. Bundesliga geschafft hat. So würde der Vergleich passen.

  6. Christian hat genauso meine Gedanken zu Uwe und Urs genannt, wie Mario über Mara.

  7. ich wabe kein Problem diesen Passus in unserer Satzung anzupassen, möchte aber anmerken dass es Gründe gab die jetzige Formulierung zu verwenden, das hat vorallem mit unseren Erfahrungen in einem vergangenen Land zu tun, einem Land wo alles politisch war und viele Unioner, ob nun Vereinsverantwortliche, Trainer, Spieler oder am Spielfeldrand unter der politischen Gängelung und Repression zu leiden hatten. Ich finde das Handeln des Vereins und auch der Stiftung sowie der Fanszene im Bezug auf aktuelle politische Themen als sehr besonnen und die Aktivitäten zur Unterstützung von z.B. Flüchtlingen wie auch Projekten wie der Heldenschmiede, Eisern ohne Handicap, der Heldenschmiede usw. sind wie ich finde ein deutliches Zeichen genauso wie die kalre reaktion auf Rassismus und Intoleranz durch Stadionverbote, sogar ganze Gruppen wie Crimark wurden u.a. auch dafür für eine bestimmte Zeit ausgeschlossen, um es klar zu sagen: ich verstehe jeden der im Angesicht von derzeitigen politischen Auseinandersetzungen und Bedrohungen für die Demokratie klar Kante zeigen möchte, trotzdem sollten wir versuchen den Ausgleich zu suchen und wie schon oben beschrieben heißt Demokratie auch anderen Meinungen auszuhalten, es ist halt nicht leicht und jeder ist aufgerufen sich mit Meinungen anderer auseinander zu setzen. Diese Versuche unbequeme Meinungen zu verbieten und auszuschließen bringen meiste gar nichts, nur wiel jemand mit einem Eisern Union-Aufdruck auf eine genehmigte Demonstration geht kann man ihn noch lange nicht ausschließen, genaus wenig wenn er Mitglied der AFD ist (wie haben in Köpenick sogar einen Stadtrat der AFD..), konkrete Verfolgung von strafbaren Handlungen: ja, klares Bekenntnis zu Toleranz und Weltoffenheit: ja, Ideologievorgaben: nein!

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