Weniger ist manchmal weniger: Warum gab es in Freiburg keinen organisierten Support?

Als Union gestern in den letzten Minuten des Pokalspiels gegen Freiburg zuerst die 2:1- Führung, und dann auch noch das 3:1 gemacht hat, war ich aus mehreren Gründen froh und erleichtert. Natürlich, weil Union tatsächlich nach sechs Jahren mal wieder die dritte Runde im DFB-Pokal erreicht hat. Weil es mich für Christian Gentner, der in Baden bei seiner Einwechslung mit Pfiffen und ‘Absteiger’-Rufen empfangen wurde, gefreut hat, dass er das letzte Tor geschossen hat. Aber auch, weil ich nach einem zähen Spiel ohne Stimmung wirklich keine Lust auf Verlängerung hatte. Der Grund für die fehlende Stimmung war wohl ein Protest gegen zwei Festnahmen. Einem Tweet der ‘Eisernen Hilfe’ zu Folge geschahen diese Festnahmen beim Aufhängen von Zaunfahnen. Was dabei aber passiert ist, das zu Festnahmen führen könnte, ist noch unklar.

Keine Stimmung im Union-Auswärtsblock nach Festnahmen

Keine Stimmung in Freiburg: Die Ultras von Union stellten den Support ein und nahmen nach der Pause auch die Zaunfahnen ab. Foto: Matze Koch

Ebenso unklar war im Freiburger Auswärtsblock lange überhaupt der Grund für das Ende des Supports, und auch als die Information darüber langsam ankam, wusste man nicht so recht, wie man sie einordnen und sich dazu verhalten sollte. Über die Megaphone der Ultras gab es die Ansage, dass sie die Situation für sich bewerteten, alle anderen aber “ruhig singen dürfen.” Mit viel Verve kam es dazu aber nicht, nur nach dem 1:0 von Joshua Mees und den Toren am Ende des Spiels wurde es im Block laut. Ansonsten war die Stimmung ein bisschen wie bei einem Geisterspiel.

Dass das so war, und man im Stadion Generatoren brummen hörte, lag auch daran, dass zumindest zum Teil auch die Heimkurve der Freiburger sich dem Protest anschloss, wie das die Freiburger Nordtribüne auf Facebook schreibt.

Zum Sport

Fußball gespielt wurde am Dienstagabend aber natürlich auch, obwohl sich das Spiel lange genauso schleppend entwickelte wie das Geschehen auf den Rängen. Freiburg setzte jedenfalls seinen Plan um, abwartender gegen Union zu spielen als in der Liga vor gut einer Woche in Berlin.

Was dabei für die Mannschaft von Christian Streich aber so gut wie gar nicht funktionierte, war, aus Umschaltmomenten nach eroberten langen Bällen von Union gefährlich zu kontern. Für solche Konter bot Union aber auch wenig Räume an, Christopher Lenz und Julian Ryerson auf den Außenverteidigerpositionen spielten tiefer als zuletzt, wenn Union im Zentrum eine Dreierkette aufstellte, und wurden so sehr selten überlaufen.

Kurz vor Unions Führungstor wäre das zwar fast passiert, aber Ryerson fing einen Pass ab und leitete damit den Angriff ein, an dessen Ende die Flanke von Anthony Ujah und Joshua Mees’ Kopfball zum 1:0 durchaus sehr hübsch waren (wie auch Grifos Ecke zum Ausgleich).

Offensiv hatte Union zwar ansonsten auch nicht zu viele Szenen, aber schoss eben am Ende noch zwei clevere Tore. Viel mehr gibt es dann zu dem Spiel selbst auch nicht zu sagen.

Parensen

Micha Parensen ist nicht schwerer verletzt, Screenshot: Instagram

Entwarnung gibt es aber zum Glück bei Michael Parensen, der nach wenigen Minuten nach einem Foul ausgewechselt werden musste. Ein befürchteter Rippenbruch stellte sich nur als eine Prellung heraus, wie jedenfalls Antonia Parensen auf Instagram schreibt.

Und für das Achtelfinale im Pokal hoffen wir jetzt natürlich auf ein Heimspiel, und möglichst auch auf ein schöneres als das 0:3 gegen Kaiserslautern beim letzten Mal im Dezember 2013.

Das Derby

In fast allen Berliner Medien lesen wir außerdem Texte zum bevorstehenden Derby am Sonnabend. Im Kurier gibt es Kolumnen aus Hertha- und aus Union-Sicht und die Geschichte eines aus der DDR ausgereisten Hertha-Fans. Die Morgenpost sieht Union in guter Ausgangsposition für das Spiel am Samstag. Und die BZ spricht mit dem Herthaner und Unioner Marko Rehmer.

Außerdem gibt es beim RBB das Gespräch mit Fans von Hertha und Union über das Verhältnis zwischen beiden Vereinen auch in einer ausführlicheren Fassung.

Und auch in unserer neuen Podcast-Episode nach dem Freiburg-Spiel wird noch einmal über Derbys im Allgemeinen und das Berliner Derby im Besonderen gesprochen, aber auch über viel anderes, denn wir haben den Podcast Drei90 zu Gast, inklusive eines furchtbaren Groschen-Romans, der entfernt mit Fußball zu tun hat.

Auf den anderen Plätzen

Im Turnier für den Perspektiv-Kader hat Unions provisorische U21 mit Lennard Maloney, Maurice Opfermann Arcones und Julius Kade, der auch ein Tor gemacht hat, 3:2 in Aalborg gewonnen.

13 Gedanken zu „Weniger ist manchmal weniger: Warum gab es in Freiburg keinen organisierten Support?

  1. Traurig, dass das tolle Spiel unserer Jungs durch das Verhalten der Polizei und die zwei unnötigen Festnahmen etwas überschattet wurde.
    Ich hoffe, alle Auswährtsfahrer sind wohlbehalten nach Hause gekommen.

  2. Sorry, aber in diesem Text fehlt dann doch noch etwas. Ich war seit langer Zeit mal wieder bei Union, was schlichtweg daran liegt, dass ich eine ganze Ecke weg wohne und lieber in die unteren Ligen gehe, von daher wirken wahrscheinlich manche Dinge anders auf mich als auf die Fans, die sich schon lange daran gewöhnt haben. Dass keine Stimmung aufkam, lag sicherlich zum einen daran, dass die Ultras aufgrund ihrer Polizeigeschichte nicht supporten wollten, zum anderen aber auch an der ängstlichen Stimmung im Block. Vor dem Spiel: Ein Gesicht, dass den Ultras nicht passte, wurde erst einmal aus dem Block gehauen, eine Schottland-Fahne, die jemand an der Seite aufgehängt hatte, wurde erst einmal abgerissen – keine Fahne außer den unseren, lautete wohl das Motto. Als die Ultras ihren Support nach 10 Minuten einstellten, gab es keine Erklärung, die kam kurz vor Ende der ersten Hälfte mit der Ansage: “Ihr dürft ruhig supporten.” – Danke für die Erlaubnis (diese wurde übrigens später noch einmal wiederholt) und ja, dann wurde auch wieder etwas gesungen, aber was ist eigentlich los bei Union? Die spätere Megaphon-Erklärung der Ultras (soweit verständlich) war dann übrigens, dass es zu viele uniformierte Polizisten gäbe und man sich die eigene Kultur nicht kaputtmachen lassen wolle und deswegen den Support einstelle. Vielleicht prallen hier auch Wertevorstellungen aufeinander, aber von welcher Kultur reden wir hier eigentlich? Regt man sich eigentlich noch auf bei Union, wenn der Block gesäubert wird? Ist es normal, dass die Ultras erlauben, dass gesungen wird? Und ist es OK, unter den Fahnen von Crimark und Rocker für Union zu singen?

  3. Danke Skeptiker, das trifft voll auch meine Wahrnehmung im Gästeblock!

  4. @skeptiker du hast völlig recht dass diese Aspekte fehlen.

    Sowohl die Auseinandersetzung im Block vor dem Spiel als auch die Sache mit der Schottland-Fahne habe ich im Stadion mitbekommen, aber nur aus relativer Ferne und unvollständig. Deshalb habe ich dazu eine Wahrnehmung und eine Meinung (die deiner denke ich ähnelt), konnte sie aber nicht objektiv bewerten.

    In dem Teil des Blocks, in dem ich war (oben), hatte beides glaube ich wenig Auswirkungen auf die allgemeine Stimmung, aber das war wahrscheinlich woanders durchaus anders.

    Die Crimark Fahne habe ich gestern nicht gesehen, aber wir haben hier ja über den Fall öfter geschrieben. Und ich habe mich gestern vor allem darüber geärgert, dass offene Nazischeiße im Block toleriert wird.

  5. Leider kein Einzelfall bzw. bereits seit Jahren immer wieder zu beobachten – von mir persönlich zuletzt erst in München wieder erlebt – sind regelmäßige Anmaßungen von fast immer jüngeren Unionfans um die 20, die glauben, anderen vorschreiben zu können, wie sich sich zu verhalten hätten. Nicht mit mir; aber ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass sich manche davon einschüchtern lassen.

    Wenn es dazu Redebedarf gibt sollte man mal miteinander reden.

  6. Dankenswerterweise wird hier einiges geradegerückt. Ich war oben im Gästeblock. Da fühlte sich nach meiner Wahrnehmung niemand gestört von nicht mehr als vll. Einem Dutzend während 90 min. Unaufgeregt durchlaufenden uniformträgern. Sagen wir’s mal positiv. 80 min. Ohne den drittklassigen möchtegernanimateur am megafon waren auch mal wohltuend.

  7. @Uli dass irgendjemand die Stimmung gestern als wohltuend empfunden hat, wage ich zu bezweifeln. Man kann von Kapo-Ansagen halten was man will, aber gestern hat ohne sie eben auch kaum jemand bei irgendwas mitgemacht, ob aus Prinzip oder nicht.

  8. Weil da inzwischen auch eine gewisse Erwartungshaltung entsteht und wahrscheinlich einige inzwischen auch verlernt haben, dass sie selbst durchaus für die Stimmung mit-verantwortlich sind bzw. sein können.

    Vermutlich waren bei diesem Spiel gestern auch viele, die (nur noch) selten Spiele in der AF erleben.

    Das Kuriose an so einer Situation ist, dass zwar viele unzufrieden sind mit einem vom Spielgeschehen losgelösten Dauersingsang, aber selbst nicht in der Lage sind, ein von den Ultras toleriertes Vakuum selbst zu füllen – und Letztere sich dann erst recht bemüßigt fühlen, den Takt vorzugeben “denn ohne uns geht es ja nicht”.

    Spricht für Redebedarf; andererseits weiß man ganz genau, dass die Unorganisierten Fans eben auch oft nicht die Klappe aufkriegen und man dann eben wieder nur die Meinungen der Organisierten hört.

  9. Ich finde es immer etwas zu einfach, wenn man einer unorganisierten Menge gegenüber “mach doch selber” zuruft und es dann lächerlich findet, wenn nicht derselbe Support stattfindet als mit einer Kurve voller seit Jahren organisierter Gruppen. (Denselben Vorwurf an andere Fanszenen finde ich oft auch etwas überheblich, da es in anderen Stadien schon wegen der überwiegenden Versitzplatzung gar nicht so eine Dynamik wie in der AF geben kann – ganz unabhängig davon was ein StadionDJ überhaupt zulässt, wenn jede spontane Regung im Publikum präventiv mit 100dB weggedudelt wird)

    Wie soll das denn praktisch aussehen? Bei -sagenwirmal nur 1000 Leuten- kann es doch gar keine Abstimmung geben wer anfängt und auf welchen aufkommenden Gesang wie reagiert wird. Alles ist Zufall und situationsbedingt. Ausgenommen direkt spielbezogener Support, was aber eher Schlachtrufe und Anfeuerungen sind als Gesänge.
    Nach zwei Jahrzehnten Ultradominanz gibt es eine gewisse Gewöhnung und Akzeptanz gegenüber dem “Stimmungsmonopol”, was nicht sofort kompensiert werden kann. (“Mit viel Macht kommt auch viel Verantwortung” ;-)
    Die Stadionkultur ist hier anders als zB in England, wo binnen 2 Sekunden ein ganzes Stadion komplett textsicher in ein 4-strophiges Leid einsteigt, das in irgendeiner Ecke losging (das dann auch genauso schnell wieder enden kann – aber wehe jemand steht dabei auf…)
    Mir geht es nicht darum was besser ist sondern nur um den Unterschied in der Stimmungskultur, die über Jahre gewachsen ist.

    Anderer Punkt:
    Was mich richtig ankotzt ist die Untätigkeit einer aktiven Szene (die ja trotz Stimmungsboykott anwesend war) gegenüber der gezeigten Nazisymbole im eigenen Block, auch im Nachhinein.
    (oder hab ich was dazu verpasst? Dann bitte Entschuldigung!).

    Was mögen die Gründe dafür sein?
    – Unwissen? Mag für wenige Einzelne gelten, aber sicher nicht für die organisierte Szene.
    – Angst gehabt? Könnte ich verstehen, das sollte man aber trotzdem thematisieren, sicher ist dann auch eine Portion Wut dabei.
    – Weggeguckt? Peinlich, schämt Euch! Mitläufer und Mitmacher.
    – Heimlich oder unheimlich zugestimmt? Das möchte ich mir nicht vorstellen, nicht mal für wenige. Der Verdacht liegt aber in der Luft, wenn es keine kritische Reflexion dazu gibt…

    Danke für die klaren Kommentare hier!

  10. Die Winterpause wäre ein guter Zeitpunkt; mal alle Eindrücke der Hinrunde zu sammeln und Loja Dschirga-mäßig möglichst viele Seiten an einen Tisch zu bringen, um zu bereden, wo die Schuhe drücken und was man alles besser machen kann.

  11. Stimmungstechnisch wird doch das Spiel im Freiburg zu den Ausnahmen gehören, da das Mtreisepotential ab dieser Saison doch immer sehr hoch sein wird!
    Meine (Stammsteher von der GG) wenigen Auswärts- Erfahrungen in der 2.Buli der letzten Jahre (u.a. Sandhausen und Würzburg in der “Engl. Woche”) hatten da ein anderes Level. Die meisten waren Exiler dazu die “sehr junge” Stimmungstruppe von der Waldseite aus Berlin! Ohne “die” da kaum was brauchbares zustande gekommen wäre! Das ist super was die leisten!
    Ich denke auch, das gerade auswärts sich “Personen untermischen”, die offenbar in der AF nicht “gern” gesehen werden – und das zurecht!!!!
    u.n.v.e.u.

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