Der DFB bestraft Union und Hertha fast gleich hart

Der DFB hat gestern seine Strafen für die Vorfälle beim Derby im November bekannt gegeben. Hertha muss demnach 190.000 Euro bezahlen und hat das auch akzeptiert. Union wurde vom Kontrollausschuss des DFB eine Strafe von 158.000 Euro auferlegt. Der Verein hat sich damit aber nicht einverstanden erklärt, weshalb nun “voraussichtlich im Laufe der nächsten Tage das Sportgericht entscheiden wird”, ob die Strafe so bestehen bleibt.

Der DFB kommt damit in seiner Strafe ziemlich nah daran, was bei dem Spiel auf beiden Seiten passiert ist, als gleichwertig einzuordnen. Zur Erinnerung: aus dem Hertha-Block wurden über die gesamte Spielzeit immer wieder Raketen auf das Spielfeld und in Union-Blöcke geschossen (der DFB zählt mindestens 17 einzelne Raketen). Bei Union haben gut 200 Menschen einen Eingang gestürmt und etwa 20 Fans nach dem Spiel kurzzeitig das Spielfeld betreten. Pyro im Block gab es auf beiden Seiten. Außerdem erwähnt der DFB in der Begründung der Strafe auch das homophobe Spruchband auf der Waldseite – allerdings ohne es spezifisch zu erwähnen, die Rede ist nur von “einem großen Banner mit beleidigender Aufschrift.”

Derby Ausschreitungen Hertha BSC

Hertha-Fans schießen Raketen auf das Spielfeld beim Derby im Stadion an der Alten Försterei. Foto: Stefanie Fiebrig

Gerade der Eingangssturm stellte eine ernsthafte Grenzüberschreitung dar und hat auch Personen gefährdet. Dass daraus Sanktionen folgen, ist also durchaus nachvollziehbar. Aber trotzdem spiegeln diese Strafen den qualitativen Unterschied im Fehlverhalten an diesem Abend nicht wieder. Das Grundproblem dabei ist natürlich, dass dieser Unterschied zwischen angezündeten und geworfenen oder geschossenen Pyro-Fackeln im Strafenkatalog des DFB nicht wirklich abgebildet wird: erstere “kosten” dort 1000, letztere 3000 Euro.

Das sieht offenbar auch der Verein so, denn Union hat die Strafe ja nicht akzeptiert – und im Nachgang des Spiels mehrfach betont, dass es kein gleichermaßen falsches Verhalten beider Seiten gegeben habe. “Es gehört zu unserer Sorgfaltspflicht, uns genau anzugucken, was genau wie begründet wird”, sagte Christian Arbeit in der Pressekonferenz. Stadionverbote im Zusammenhang mit den Vorfällen beim Derby habe es noch nicht gegeben, weil noch keine Personen dafür identifiziert worden seien. Ob Unions “Nicht-Einverständnis” mit dem Strafantrag zu einer (substantiellen) Verminderung der Strafe führt, bleibt jetzt abzuwarten.

Offen ist aber nicht nur die Höhe der DFB-Strafe insgesamt, sondern auch wie viel davon der Verband als Investition “sicherheitstechnische und gewaltpräventive Maßnahmen” akzeptiert. Bei Hertha sind das 63.000 Euro. Denkbar ist zumindest, dass in der Strafe schon eingeleitete Veränderungen in der Infrastruktur berücksichtigt werden.

Das sind die Medienberichte und Kommentare zu den Strafen:

Zum Sport

Im sportlichen Teil gab es gestern bei der Pressekonferenz von Urs Fischer die Nachricht, dass Sebastian Polter am Donnerstag nicht trainieren konnte und eventuell für das Spiel gegen Augsburg fraglich ist.

Ansonsten betonte Fischer, dass Union auch nach Winterpausen-übergreifend drei Niederlagen in Folge immer noch in einer ordentlichen Position im Wettbewerb um den Klassenerhalt ist.

Die Berliner Medien zum Spiel gegen Augsburg:

Unterdessen berichtet die Lausitzer Rundschau, dass Lennart Moser als Torhüter bei Energie Cottbus vielleicht durch einen anderen Unioner ersetzt wird: Jan Glinker.

Und es gibt eine neue Folge aus der Alten Podcasterei zum Spiel gegen Leipzig.

Die Union-Frauen bei Hallenturnieren in Berlin

Am Sonntag findet in der Sporthalle Schöneberg das Hallenmasters statt, das größte Hallenturnier im Frauenfußball in Berlin, bei dem in diesem Jahr die erste und die zweite Mannschaft von Union mitspielen. Die Vorrunde beginnt um 11 Uhr, die Finalrunde planmäßig um 14:40 Uhr.

Die erste Mannschaft spielt außerdem parallel bei der Berliner Hallenmeisterschaft (ab 13 Uhr in Tegel).

Das Wiedervereinigungsspiel zwischen Hertha und Union 1990

Sebastian war gestern bei der Diskussionsveranstaltung zum Berliner Fußball 1990:

Im Maschinenhaus der Kulturbrauerei ging es zu einem großen Teil um Hertha und Union. Kein Wunder, denn am 27. Januar jährt sich das Wiedervereinigungsspiel zum 30. Mal. Sowohl Olaf Seier als auch Theo Gries erinnerten sich, dass sie das Spiel in der Winterpause als Teil der Vorbereitung ernst nahmen und beide auf jeden Fall gewinnen wollten. Besonders die Stimmung rund um das Spiel haben beide, die zum damaligen Zeitpunkt jeweils Zweite Liga spielten, sehr genossen.

Olaf Seier (früher Kapitän und Stürmer des 1. FC Union Berlin) und Theo Gries (früherer Stürmer von Hertha BSC) halten das Plakat zum Wiedervereinigungsspiel, Foto: Sebastian Fiebrig

Olaf Seier (früher Kapitän und Stürmer des 1. FC Union Berlin) und Theo Gries (früherer Stürmer von Hertha BSC) halten das Plakat zum Wiedervereinigungsspiel, Foto: Sebastian Fiebrig

Olaf Seier kam aus dem Grinsen gar nicht heraus, denn rund um die Fragen von Moderator Lars Becker (RBB) wurden zwei Beiträge des damaligen Senders Freies Berlin eingespielt, die Fans rund um das Derby begleitet hatten. Und ich kann es echt verstehen, denn einerseits war die Freude der Anhänger damals so kurz nach der Maueröffnung mit den Händen zu greifen und andererseits ist die Mode von 1990 aus heutiger Sicht nicht gut gealtert.

Zusätzlich ging es auch um das Verhältnis zwischen den Fans vor dem Mauerfall von dem zwei Fans erzählten. Aber jenseits von Hertha und Union kam auch die Wiedervereinigung der SG Einheit Pankow und VfB zu Pankow nach 1990 und die Wiedervereinigung des Berliner Fußballverbandes zur Sprache. Insgesamt war das ganz interessant, wenn ich mir auch gewünscht hätte, dass es an mancher Stelle inhaltlich etwas tiefer gegangen wäre und dafür lieber weniger als die acht Gesprächspartner auf die Bühne geholt worden wären. Das gab es im Prinzip nur beim Vortrag von Jutta Braun (Zentrum für deutsche Sportgeschichte), die einen kurzen Abriss über die Teilungsgeschichte des Berliner Fußballs gab.

Jutta Braun zeigte auch etwas außergewöhnliche Fanartikel, die die Hertha-Union-Freundschaft darstellen sollten, wie dieser an das SED-Logo angelehnte Aufnäher, Bild via Jutta Braun

Jutta Braun zeigte auch etwas außergewöhnliche Fanartikel, die die Hertha-Union-Freundschaft darstellen sollten, wie dieser an das SED-Logo angelehnte Aufnäher, Bild via Jutta Braun

Am meisten lachen musste ich am Ende, als Olaf Seier zum Abschluss sagte, dass er sich jetzt nur noch Union als Deutschen Meister und Hertha als Vizemeister wünschen würde. Ein Teil der Veranstaltung wird am Freitag bei Inforadio ausgestrahlt. Mitschnitte gibt es später auf der Website des Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und bald auch bei AFTV.

Und sonst so

Torsten Mattuschka hat Spaß:

8 Gedanken zu „Der DFB bestraft Union und Hertha fast gleich hart

  1. Ich glaube nicht das die da was als Gleichwertig eingeordnet haben, die richten sich einfach nur nach ihrem Strafenkatalog und genau da liegt das Problem. Lässt man mal die Strafverschärfung für Spielunterbrechung bei Seite kostet über den Zaun klettern und Raketen auf andere schiessen das gleiche nämlich 3000,00 Euro.

  2. Wenn ich es richtig verstehe, dann wird bei Union folgendes nach Strafenkatalog bestraft:
    40 Fackeln zu je 1.000,00 = 40.000
    20 Personen auf Spielfeld zu je = 60.000
    1 Banner größer als 3 qm = 8.000

    Bedeutet 50.000 für den unerlaubten Zutritt von 250 Fans? Hier fehlt mir ein bisschen der Ansatz…

  3. @Philipp
    wenn ich das beim DFB richtig gelesen habe ist bei den Fackel wohl auch eine Spielunterbrechung mit berechnet was dann nochmal 20 bzw. 50% mehr bedeutet.
    Was sie wofür genau berechnet haben war in dem veröffentlichten Strafantrag auch nicht aufgeschlüsselt.

  4. Den an das SED-Logo angelehnten Fanartikel finde ich ehrlich gesagt geschmacklos, denn die SPD wurde zwangsvereinigt, nicht wenige wurden ermordet oder sind im Gulag verschwunden. Das hatte nichts mit Union und Hertha zu tun.

    Ansonsten war das Freundschaftsspiel für alle (bis auf ein paar Hohenschönhausener, die stänkern wollten) ein wunderbarer Tag.

  5. @stephan Bin da voll bei dir. Und gerade auf diese Zwangsvereinigung ging die Historikerin gestern auch ein. Wenn ich den Aufnäher richtig lese, kommt der von Pepe Mager.

  6. @ Sebastian
    Der Pepe hatte eben keine Ahnung, dass dieser Terror der KPD bis 1989 nachhallte/ subtiler weitergeführt wurde und half die DDR-“Bürger” zu disziplinieren, aber er meinte das sicher nicht böse.
    Den normalen Alltag im Osten kannte er ja nicht, sondern nur die renitenten Unioner in der AF.

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