Union steht in einer Sky-Zuschauertabelle vor Hertha, aber das sagt jetzt noch nichts aus

Nicht jede Zahl ist eine Schlagzeile. Auch wenn sie in der beliebten Disziplin Wir-vergleichen-Hertha-und-Union-miteinander fällt. Anlass ist eine Tabelle, die der Branchendienst Meedia erstellt hat. In dieser Tabelle, in der nach Vereinen sortiert die durchschnittliche Zahl der Sky-Zuschauer gezeigt wird, landet Union knapp vor Hertha auf Rang 12 der Bundesligaklubs mit durchschnittlich 380.000 Zuschauern je Spiel. Der Stadtrivale aus Charlottenburg belegt Rang 13 mit durchschnittlich 370.000 Sky-Zuschauern. Der Tagesspiegel macht daraus die flotte Schlagzeile “Union schlägt Hertha”.

In der Tabelle der durchschnittlichen Zuschauer je Spiel bei Sky liegt Union knapp vor Hertha BSC

In der Tabelle der durchschnittlichen Zuschauer je Spiel bei Sky liegt Union vorne, Screenshot: Meedia

Nun ist diese Tabelle aus verschiedenen Gründen wenig aussagekräftig. Denn Bayern und Dortmund, und mit Abstrichen Schalke, Frankfurt, Köln, liegen weit vorne, so dass die Vermutung naheliegt, dass ein Spiel Bayern gegen Union vielleicht nicht wegen des Teams von Urs Fischer eingeschaltet wird. Da Union bereits gegen Bayern und Dortmund gespielt hat, aber Hertha noch die Partie gegen den BVB offen hat und ihr Spiel gegen Bayern am ersten Spieltag auch zeitgleich in der ARD übertragen wurde, halte ich die Aussage der Tabelle für etwas begrenzt. Erst recht, wenn der Unterschied in den absoluten Zahlen zwischen Hertha und Union eine Zehntausender-Stelle ist.

Die Zahlen sind sowieso etwas mit Vorsicht zu genießen, was der Ersteller der Tabelle auch transparent macht. Denn es macht schon einen Unterschied, ob ein Spiel ein Einzelspiel mit oder ohne Konferenz ist, ob es Sonntag 15.30 Uhr stattfindet oder Samstag um 18.30 Uhr. Die Zahlen der Konferenzzuschauer am Samstag werden anteilmäßig noch dazu addiert. Dazu kommt, dass Streams über SkyGo nicht mitgezählt werden und die von Dazn übertragenen Spiele selbstverständlich auch nicht.

Ich würde die absolute Zahl also nicht so hoch hängen wie der Tagesspiegel. Prinzipiell zeigt die Tabelle zur Saisonhälfte oder zum Saisonende aber ganz gut, wie sehr es einem Verein im Vergleich zu anderen gelingt, über die Region hinaus zu mobilisieren. Und deswegen würde ich es als Klub schon anstreben, dort weiter oben zu landen. Denn das bedeutet auch, dass man als interessant wahrgenommen wird.

Was ist heute bei Union los?

Das Team hat heute sturmfrei, weil Urs Fischer auf Trainerfortbildung in der Schweiz ist. Christopher Trimmel ist bei der Nationalmannschaft, was Kurier/Berliner Zeitung und Morgenpost noch einmal zu einem Lob-Text inspiriert. Laut kurzer Nachricht in der Bild schreibt die Mannschaft gerade überall #DankeTrimmi hin für die 3 Assists im Spiel beim FSV Mainz 05. Mich treibt schon seit einiger Zeit die Frage um, wie aus dem Spitznamen Trimbo mittlerweile Trimmi geworden ist. Das hatte mich bei den Nachspiel-Interviews von AFTV schon eine Weile irritiert.

Christopher Trimmel wurde in die Kicker-Elf-des-Tages aufgenommen:

Laut Bild ist Christopher Lenz jetzt Veganer und reiht sich damit in eine Riege von Profisportlern wie auch Rafal Gikiewicz ein. Begründung ist allerdings nicht das Tierwohl, sondern der Blick auf eine sportlergerechte Ernährung. Dann hoffe ich für den Linksverteidiger, dass er immer im Kader steht, denn im Stadion ist die vegane Ernährung nicht so einfach (Disclaimer: Nein, niemand will hier irgendwem die Bratwurst wegnehmen).

Und sonst so?

Erinnert ihr euch noch, wie sich manche zum Mauerfall-Jubiläum eine gemeinsame Aktion von Union und Hertha gewünscht haben? Stellt sich heraus: Die gab es durch die Lernzentren der beiden Klubs. Damit passt das ganz gut in die Strategie von Union, sich nicht symbolisch zu etwas zu äußern, sondern im Zweifel etwas konkret zu machen. Damit entzieht sich der Klub gewissen Medienritualen. Das ist nicht immer der einfachere Weg. Aber zumindest ist er klar und zeigt auch eine Haltung. Den Film zum Projekt, in dem der frühere Unionspieler und heutige Physio Frank Placzek als Zeitzeuge auftritt, gibt es bei AFTV.

Frank Placzek spielte für Union im ersten Spiel gegen Hertha im Olympiastadion im Januar 1990, Screenshot: AFTV

Frank Placzek spielte für Union im ersten Spiel gegen Hertha im Olympiastadion im Januar 1990, Screenshot: AFTV

An dieser Stelle ein kleiner Nachtrag zur letzten Podcast-Episode. Dort sprach ich von einem Herthafan, der in Ostberlin getrennt von seinem Klub leben musste und doch Kontakt zum Verein hielt und von Hertha-Offiziellen besucht wurde. Das war Helmut Klopfleisch.

In ihrem Spielbericht zum Auswärtssieg in Mainz erinnert die New Yorker Union-Bloggerin Lee daran, wann Urs Fischers Team das letzte Mal auswärts gewonnen hat, das war in Kiel bei Tim Walter. Aufgrund dessen Ärger über Unions Spielweise sicher eine unvergessliche Partie. Und für mich eine der besten Szenen der Aufstiegsfeier, wie Manuel Schmiedebach versuchte, den jetzigen VfB-Trainer anzurufen.

Zur Mainz-Partie fehlt noch die aktuelle Episode des Podcasts “Union am Ball“.

Bei Energie Cottbus zeigen sich Unions Leihgaben weiter in guter Form. Beim 3:3 in Fürstenwalde erzielte Berkan Taz, der von der Lokalzeitung mittlerweile als “Zauberfuß” bezeichnet wird, zwei Tore (unter anderem den Ausgleich in der 89. Minute) und Lennard Moser zeigte eine wirklich starke Parade (Lausitzer Rundschau, Bezahl-Link).

10 Gedanken zu „Union steht in einer Sky-Zuschauertabelle vor Hertha, aber das sagt jetzt noch nichts aus

  1. müssen wir uns auch hier jetzt mit jedem bullshitpresse-oktroyierten, an den haaren herbeigezogenen schwanzvergleichs-scheiß zwischen berlins bundesligisten befassen?

    was kommt als nächstes…haben unioner marginal voluminösere hoden , dafür jedoch herthanerinnen im schnitt um 0,23% größere bra-körbchen?

    wer wendet in seinen publikationen und fanforen den gender*stern evidenzbasiert untersucht korrekter an…?

  2. @mo Müssen wir nicht. Ich finde aber schon, dass es sinnvoll ist, bestimmte Zahlen und Tabellen einzuordnen und auf ihre Aussagewert zu prüfen. Und vielleicht taugt es ja trotzdem was. Bei der Sky-Zuschauertabelle war das der Fall. Andere Vergleiche, die wir für völligen Blödsinn halten, lassen wir ja wie gewohnt unkommentiert weg.

  3. war nicht böse gemeint.
    nur bissig ;-)
    irgendwat zum maulen zu finden is ja ooch immer leicht, ick weeß – aber dit möchte ick wirklich ja gar nicht, denn ick bin ja sehr froh, dass es euch gibt:

    den einzig mir verbliebenen “ort”, an dem ick mir mit gutem gefühl union-infos und -unterhaltung beschaffen kann.

    aber ick bin sehr sensibel, was all das extrem ausufernde bullshitgelaber und die infantile überhöhung rund um das volksopium – jede droge hat sein genusspotenzial! man sollte sie bewusst genießen ;-) – profifußball angeht.

    immer wieder dank und große anerkennung für euer famoses und UNENTGELTLICHES tun!!

    eisern!

  4. @mo Danke :) Ich nehme so etwas übrigens null böse oder persönlich. Und ich fand den Einwand berechtigt. Wir müssen hier ja auch täglich unterscheiden, ob etwas Sinn hat oder nicht. Gerade in der Bundesliga gibt es deutlich mehr Inhalte als noch in der Zweiten Liga, aber ihre Relevanz ist nicht mit ihrer Anzahl gestiegen. Deswegen meine Begründung, warum ich die Liste durchaus interessant finde, aber eben aus einem anderen Grund als der Tagesspiegel es geschrieben hat. Und zu einem anderen Zeitpunkt.

  5. mo hat recht. Der Versuch, möglichst alle Infos mit Unionbezug zu verwursten, ist der Qualität (sprich Tiefgang) des Blogs abträglich. Ich plädiere für eine stärkere Trennung von Funfacts und Hardfacts.

  6. I can’t tell you how to succeed –
    but I can tell you how to fail –
    by trying to please everyone.

    Kim Coates

    ich finde es gut, dass die leute ihren blog machen, wie sie wollen und die themen präsentieren, die ihnen erwähnenswert erscheinen.
    nur nebenbei: die scrollfunktion ist der hammer!

    EISERN

  7. und ich finde es gut, dass sebastian/kritiken/hinweise nicht krumm nimmt, sttatdessen auf berechtigung abklopft und abwägt.

    danke @andersson³ ;-)

    auch halte ich es – und die textilvergeher offenbar ebenso – für gesund, dass inhalte hinterfragt werden können ohne sie mit dem scrollrad zu kastrieren.

  8. Was ich letztlich sagen will: Für den Tagesspiegel war Union bekanntlich bis zum Aufstieg (streng genommen bis sechs Wochen vor dem ersten 1. Ligaspiel) praktisch nicht existent. Jetzt erscheinen dort in “ich-hab-jetzt-auch-immer-was-zu-Union”-Manier Artikel mit Tiefe, Nutzwert und Aussagekraft im Nanobereich.
    Lasst euch nicht auf das Tsp-Niveau herunterziehen. Eine Bad Bank-Abgrenzung wäre da durchaus hilfreich.

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