#391 – Gute Flanken, schlechte Flanken

Union gewinnt das erste Mal in der Bundesliga auswärts und Christopher Trimmel macht einen Assist-Hattrick mit drei Flanken. Doch gut war nicht alles im Spiel. Hinten heraus wurde es noch knapp. Außerdem reden wir noch über 30 Jahre Mauerfall.

Christopher Trimmel und Christopher Lenz jubeln mit den Fans in Mainz, Foto: Matze Koch

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24 Gedanken zu „#391 – Gute Flanken, schlechte Flanken

  1. zuerst: ich wohne in berlin, stamme aber aus thüringen, und war aus altersgründen in der lage,die wende/vereinigung im vollen besitz meiner geistigen und körperlichen kraft mitzuerleben.
    die reduktion dieses ereignisses auf „Ostnazis und Westnazis“ konnten sich „wiedervereinen“, ist so ziemlich das bitterste/traurigste/zynischste resumee, das ich diesbezüglich jemals vernommen habe.
    noch trauriger werde ich, wenn ich höre, wie dieser unsinn mit dem begriff „freiheit“ vermengt wird und ins sinnlos bodenlose abstürzt.
    es ist so traurig, weil es den einzelnen mit seiner ganz eigenen verantwortung für die erhaltung und pflege seiner gewonnenen freiheiten ausnimmt.
    niemand ist gezwungen, aus welcher persönlichen frustration auch immer heraus, sich auf die seite von menschenverachtern zu schlagen, und sie in politische ämter zu befördern.
    ich kann diese ganze ost-opfer-diskussion nicht mehr hören, weil sie das autoritäre bevormundungssystem bedient, das man eigentlich hinter sich lassen wollte – der staat sperrt uns ein, also können wir uns nicht entfalten versus der staat schüttet seine westmentalität über dem osten aus, wo sollen wir denn da bleiben?!?!
    freiheit ist nichts, das man gewinnt, und das man sich im vogelbauer übers bett hängen kann. in der freiheit ist jeder gefordert – mehr als in jeder diktatur.

    EISERN

  2. @silberhacke Den Spruch mit den Ost-/Westnazis häng mal bitte nicht zu hoch, das war ein Zitat und feinste Polemik. Das ist mir bewusst. Den anderen Punkt kann ich aber nicht so ganz nachvollziehen: Es ging doch inhaltlich darum, dass Hertha eine Choreografie gestaltet hat, und Union nichts Symbolhaftes dazu liefern wollte. Also gerade nicht „der Staat schüttet aus“, sondern private Akteure (wenn man zwei Fußballvereine grob so zusammenfassen kann) entscheiden sich, ein Jubiläum unterschiedlich zu begehen – oder eben nicht begehen.

  3. @steffi
    ich wollte nur auf den ostnazi/westnazi-punkt eingehen. einen anderen punkt hatte ich nicht. was hertha inszeniert, ist mir egal, und dass wir uns für sowas nicht hergeben, ist mir nur recht.

    grüße

  4. Gott sei Dank, es ist vorbei !
    Und das sich Union an dieser würdelosen, teils peinlich, lächerlichen medialen Berieselung in Dauerschleife nicht beteiligt hat. Die Zirkusveranstaltung im Olympiastadion war doch nur noch der Höhepunkt einer bis ins lächerliche abgleitenden Kommerz-Veranstaltung.
    Wie sagte Dirk Zingler “Dieser Tag ist uns zu wichtig…”
    Und Recht hat er !

  5. Union in Mainz in der 1. Bundesliga ist ja wohl symbolisch genug im Kontext des Mauerfalls.
    Die Choreo von Hertha fand ich sehr gelungen und die konnte ja nur aus der westlichen Perspektive erfolgen.
    Ich denke, die Freiheit war nur wirklich spürbar, wenn man in der DDR bereits im Erwerbsleben stand und alle Einschränkungen bewusst erlebt hat, in Subkulturen als Jugendlicher der Verfolgung ausgesetzt war oder Beides.

    Ich werde noch 50 Jahre leben ).

  6. @Andreas
    Ich war auf dem Konzert von Zerfall und Fehlfarben auf dem Alex – da war kein Kommerz und ich habe Leute wiedergetroffen, die ich seit Jahrzehnten aus den Augen verloren hatte. Das war sehr emotional und bewegend.
    Wer mit dem Mauerfall emotional nichts anfangen kann, dem bleibt das Alles natürlich Unverständlich.

  7. @Stephan
    ach irgendwie verstehen wir uns immer falsch :-)
    Es geht mir nicht um solche Konzerte oder auch andere Veranstaltungen die Angemessen zu diesem Tag passen, vor allem wenn man da noch Leute von früher wieder trifft, klar ist das emotional. Auch ich habe die Zeit damals sehr bewusst erlebt, sogar schon als das alles in Ungarn anfing, weil wir zu der Zeit mit Freunden grade Urlaub am Balaton gemacht haben und auch Leute aus unserem Umfeld dann auch “plötzlich weg” waren.
    Grade deswegen kriege ich immer einen dicken Hals, wenn seit nunmehr 4 Wochen in den Medien irgendwelche Möchtegern-Promis die damals grade mal 10 Jahre alt waren Märchen erzählen das sie von Polizei und Stasi überwacht wurden weil sie Poster an der Wand hatten oder heimlich und Leise Westfernsehen gucken mußten, das die Nachbarn nix mitkriegen. Das nervt einfach nur noch.
    Was Bertha betrifft, war das für mich nur mal wieder ein Versuch den Tag zu nutzen um ihr Graue-Maus-Image aufzupolieren.

  8. @Andreas
    Ich verstehe nur nicht, warum jetzt Hertha mehr unterstellt wird als einfach nur Anteilnahme und Zufriedenheit mit dem Ende der Teilung der Stadt zu empfinden.
    Letzteres betraf ja alle Berliner und viele sogar familiär.

  9. @Stefan
    naja, ich nehme es ihnen einfach nicht ab, unter anderem auch weil sie sich permanent als “Der Berliner Verein” inszenieren wollen.
    Im Podcast wurde das ja auch angesprochen, was hat nun konkret Fußball mit dem Mauerfall zu tun ?
    Und wenn man denn schon was für die innere Einheit tun will, dann sollte man solche Spiele auch als Normalität im Liga-Alltag betrachten und nicht so ein Brimborium daraus machen

  10. Offensichtlich ist es auch unter Unionern ein Thema, sonst wären die Kommentare sicher spärlicher und kürzer. Zeigt aber, wie hoch der Bedarf an Diskussion und Austausch zu sein scheint. Für mich war es, wie hier auch schon erwähnt, das Beste, was man als Unioner an dem Tag machen konnte, zu einem fucking Fußballspiel zu fahren. Einfach so – ohne Grund, ohne vorher ordentlich lieb (staatstreu) gewesen sein zu müssen. Mehr Symbolik brauchte es wirklich nicht. Womit ich bei Hertha bin, ich unterstellte ihnen vor kurzem schon ein Mauertrauma zu haben. Bin aber auf den versöhnlerischen Gedanken gekommen, dass es für Hertha als Westklub das wichtigere Datum ist, weil da für sie selbst etwas erlebbares passierte. Währenddessen es für mich selbst ein sich entwickelnder Prozeß war, der März, spätestens im Mai (Kommunalwahl) begonnen hat. Und jeder DDR-Bürger hat da so seine Daten, die alle eine größere Bedeutung haben, als der 9.11., der ja ein bisschen als Versehen (?) daherkommt. Der Mauerfall war nie das Ziel, weil die Nachkriegsordnung für Menschen meiner Generation unveränderbar schien. Wer das heute anders erzählt, glättet da in der Rückschau einiges. Der Mauerfall war somit die Kirsche auf der Kirsche auf einer sehr fetten Torte. Ich zucke bei dem Begriff Übernahme immer zusammen, auch weil ich jemand war, der keine Wiedervereinigung wollte und in vielen Diskussionen auf verlorenen Posten stand oder mich SEDlern gemeinsam wiederfand, was sehr verstörend war. Aber 95% der zu Übernehmenden schrien “Nehmt, nehmt, nehmt!”

  11. @cuttertom
    Für mich war es wirklich der Mauerfall, weil ich geflüchtet war und nicht damit rechnete, irgendwen innerhalb von zwanzig Jahren wiederzusehen. Nach der ersten Volkskammerwahl 1990 bin ich dann auch wieder zu Union und nach Ost-Berlin gegangen, davor habe ich dem Ganzen nicht getraut….
    Die einzig rechtskonservative Partei erhielt übrigens 6,3% der Stimmen – von wegen, alles “Nazis” im Osten.
    Ich denke, die Wiedervereinigung war unausweichlich, weil es der Elitenaustausch genauso war.

  12. Der Hertha-Fan aus Berlin Ost wurde kurz vor der Wende noch vom Staat “rübergemacht” und ist Ordner im Olympiastadion geworden. Jetzt Rentner mit Dauerkarte.
    Kurze Doku lief in der Sportschau vom letzten Samstag.

  13. @Stephan
    Wir sind gar nicht soweit auseinander. Es hat jeder so seine Daten, seine Erlebnisse, aber der 9.11. war nicht der Tag, an dem die Freiheit errungen, wenn man es an einen Tag knüpfen will, war es vielleicht der 9.10. oder für die 15000 Plauener der 7.10. In diesem Jahr ist mir das Mauerfallnarrativ einfach ne Spur zu fett. Hab irgendwann auch kapiert, dass es nach Maueröffnung kaum Alternativen gab – spätestens mit dem eingeführten Reisegesetz wäre es passiert, weil es die Mauer obsolet hätte werden lassen.
    Mit den Nazis- Spin kannste mich ja nicht meinen. Aber was persönliches aus dem Jahr 1990, wenn du ein Hakenkreuz an deiner Wohnungstür hast, ein sehr kleines und den Blödmann kanntest, relativiert es 6,3% dennoch sehr. Noch heute trete ich nie in den unbeleuchteten Hausflur.

  14. danke!!! @andreas für beitrag #4

    es ist zunächst vorbei…doch in knapp einem jahr wird es noch viel heftiger werden.

    und das gönnerhafte triumphgesäusel selbstgerechter demokratiebringer, gönnerhafter wohlstandsstifter, bigotter menschenrechtsverbreiter und think-tank-basierter geschichtsschreiber (aus norden, osten, süden, westen und von sonst woher) wird – für jene, denen jetzt schon übel war – zum staatsmedialen orkan anschwellen.

    noch hat man die freiheit, einfach abzuschalten…

    danke union für diese so wohltuende enthaltung!
    eisern!

  15. dankeschön @stephan!

    yo…rubikon ist wie auch die nachdenkseiten, telepolis, ken fm u. a. in meiner alternativmedien-lesezeichenleiste gespeichert.

    das aktuelle wende/wiedervereinigungsspezial hatte ich jedoch noch nicht gelesen.
    viele großartige, erhellende, aufklärerische, schonungslose, aber auch schmerzhaft desillusionierende artikel!

    entlarvend für die real existierende (fassaden-)demokratie und bezeichnend für den herrschenden zeitgeist, dass man solche beiträge zu diesem hochinteressanten und wichtigen abschnitt (mindestens) deutscher geschichte in den “öffentlich-rechtlichen” medien so gut wie nicht – und wenn überhaupt, dann auf quotenlimitierten spartensendern wie arte, 3sat (noch seltener phoenix) oder irgendwo als feigenblatt versteckt den “dritten” nach 22 uhr oder auf randständigen, reichweitenschwachen radiosendern – erleben darf.

  16. so isses @Andreas ;-)

    ich sehe da sogar sehr optimistisch nach vorn:
    vllt kommt es ja im vierten jahrzehnt nach einer (wieder einmal) unvollendeten (deutschen) revolution zu jenen von mir ersehnten, tiefgreifenden evulutionären (also selbstverständlich friedlichen!) umwälzungen, die uns dann 2029 den gewünscht differenzierten und tiefgründigen blick auf diesen ja tatsächlich (ganz besonders auch für mich, der ich damals in der greifenhagener straße, 150 meter gegenüber der gethsemanékirche, wohnte)
    großartigen, denkwürdigen, aufregenden, mutigen und soviel hoffnung auf echte demokratie und freiheit machenden, unvergesslichen herbst 1989.

    mein gott, war ich jung…

    aber (mit) union gings (mir) damals scheiße (1989/90 nur ddr-liga und am ende platz zwei – aufstieg verkackt.

    eisern!

  17. Wenn hier der Mauerfall schlecht geredet wird, platzt mir der Kragen. Madame “Meine Eltern haben in Moskau gearbeitet ” – Das sind die Leute, die das System gestützt und den Unrechtsstaat getragen haben. “Ich hab hier nur mein Abitur gemacht ” – Das war DEINE DDR.
    Ich durfte kein Abitur machen, weil politisch nicht kompatibel. MEINE DDR war: kein Abi, kein Studium, keine Reisefreiheit, keine Meinungsfreiheit, keine Wohnung. Andere hatten Knast und Berufsverbot!
    Den Mauerfall haben nicht Kennedy & Reagan erreicht- das waren die Bürgerrechtler , die trotz der Repressionen des Bonzenpacks aufgestanden sind! Und heute stellen sich die Genossen und ihre Kinder hin und jammern über Ungerechtigkeiten, die die Wende mitgebracht hat! Übrigens bin ich bis heute beruflich benachteiligt, wegen des damaligen Unrechts.
    Der Mauerfall war das Beste in meinem Leben! Er kam leider 28Jahre zu spät. Und man hat versäumt, die Verantwortlichen zu bestrafen, wie schon nach dem Krieg. Nicht Honecker und Krenz, sondern alle Parteigenossen, die durch ihr jahrzehntelanges Duckmäusertum das Unrechtssystem getragen haben.

  18. @martin Ich kann das nicht nachvollziehen. In der gesamten Gesprächsrunde hat keine einzige Person den Mauerfall „schlecht geredet“, das Gegenteil war der Fall. Es ging stattdessen darum, ob und ggfs wie ein solcher historisch bedeutsamer Tag in einem Fußballstadion Platz findet oder auch nicht. Denn _dass_ es ein wichtiges Ereignis war, steht außer Frage. Ebenso, dass die Mauer einfach eine beschissene Idee war, die unglaublichen Schaden angerichtet hat. Über die persönlichen Geschichten weißt Du schlicht zu wenig, um sie beurteilen zu können. Deshalb wär‘s fair, wenn Du Deinen Tonfall etwas mäßigst und niemanden persönlich angehst. Das haben alle anderen auch hinbekommen.

  19. Oh, ich habe meinen Tonfall gemäßigt. Mein Hass auf die DDR und ihre Handlanger ist wesentlich größer, als das rüber kam. Es ist wirklich so, dass ich die Geschichte von Jana und ihren Eltern nicht kenne. Aber ich habe in diesem Unrechtsstaat gelebt und kenne ihn besser als mir lieb ist. 100:1 Wette, dass ihre Eltern in der Partei waren! Und damit haben sie dieses System gestützt und getragen. Damit haben sie Mitschuld an allem, Mauertoten, Knastschicksalen, zerstörten Familien und Karrieren und letztlich an dem, was sie heute lautstark bejammern: Benachteiligung der Ossis.

    Wenn Du sie fragen würdest, antworteten sie genau so wie die Scheiß Kriegsverbrecher vorm Nürnberger Gericht: Ich habe nur gemacht, was mir meine Vorgesetzten gesagt haben. Hit..äh.. Honnecker ist schuld.

    Tut mir leid, würde auch lieber über Fußball sprechen. Apropos STADTMEISTER, Berlins #1

  20. @martin Da du nun schon beim Hitlervergleich angekommen bist, bin ich gespannt, wohin du noch so möchtest. Ich bin spätestens jetzt raus, da hier jegliche Diskussionsgrundlage für mich nicht mehr gegeben ist.

  21. Gut, dann habe ich ja das letzte Wort;)
    Und ihr wisst ja, dass man Äpfel mit Birnen vergleichen kann;)
    Ich wollte sagen, dass sich nach dem Zusammenbruch sowohl die braunen wie die roten Genossen auf den “Befehlsnotstand” berufen haben. Ansonsten wollte ich nicht das 3.Reich mit der DDR gleichsetzen. Mir ist schon bewusst, dass die einen die Welt mit Krieg überzogen haben, einen Genozid am jüdischen Volk verübt haben und für Abermillionen Tote verantwortlich sind. Während die anderen nur ihr eigenes Volk eingesperrt und unterdrückt haben.

    Deshalb werde ich nie Linke oder Rechte wählen.

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