Grenzüberschreitung

Norbert Düwel hat seinem Team das freie Wochenende gestrichen (BZ). Natürlich schwebt jetzt das Wort Straftraining über allem. Aber wir sind ja nicht mehr in den 80ern oder 90ern. Der Trainer kann sich die Maßnahme erlauben, weil das nächste Spiel erst am Freitag ist. Wären weniger Tage zwischen den Spielen, würde sich Düwel mit Laufeinheiten nur ein Eigentor schießen. Ich glaube, dass die Botschaft des 0:5 auch ohne zusätzliche Trainingseinheiten angekommen ist.

Was weiterhin überhaupt nicht geht, sind solche Überschriften wie in der BZ:


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oto: Screenshot von bz-berlin.de

Das hat für mich zwei Gründe: Die Spieler haben ihre Arbeit nicht so gemacht, wie das erwartet wurde. Auch von ihnen. Aber das passiert uns im Job genau so. Und es ist demütigend, dafür so bezeichnet zu werden. Das ist, als ob so etwas wie Menschenwürde (nicht ohne Grund ein hohes Gut) für Fußballprofis nicht gelten würde. Gegen einen gepflegten Anschiss ist nichts einzuwenden, doch Nachtreten geht gar nicht. Das ist peinlich.

Der zweite Grund ist der erste in kurz: Robert Enke.

Trend oder Ausrutscher?

Analytischer unterwegs sind Kurier und Morgenpost. Natürlich bekommt Norbert Düwel die Torwartentscheidung noch einmal vorgehalten. Doch auffällig ist, dass Spieler nicht ihre Leistung bringen, bei denen es aktuell um eine mögliche Vertragsverlängerung geht. Die Morgenpost zählt fünf Spieler auf, die beim 0:5 auf dem Platz standen: Michael Parensen, Christopher Quiring, Martin Kobylanski, Steven Skrzybski und Björn Kopplin.

Während bei Torhütern das Thema Verunsicherung immer debattiert wird, scheint es bei Feldspielern keine größere Rolle zu spielen. Dabei würde ich das im Falle der fünf Unionspieler ohne Vertrag über den Sommer 2015 hinaus gelten lassen. Sie durchleben eine Phase der Unsicherheit. Die Profis müssen beispielsweise bis 1. April vorsorglich ihre Wohnung kündigen, wenn ihr Vertrag am 30. Juni ausläuft und sie im Falle eines Wechsels nicht zusätzlich bezahlen wollen. Hängen die Arbeitsstelle von Frau/Freundin und auch noch Kinder dran, wird es komplizierter. Den Kopf frei haben stelle ich mir anders vor. Jeder, der selbst mit befristeten Arbeitsverträgen zu tun hat, wird das nachvollziehen können.

Foto: Matze Koch

Der Kurier beschönigt nichts und vergleicht die Auftritte von Union in Nürnberg, Leipzig und Darmstadt mit denen eines Absteigers. Daran gibt es auch nichts zu kritteln. Die nächsten drei Spiele (St. Pauli, Sandhausen und Aalen) entscheiden für mich darüber, ob wir uns in dieser Saison noch einmal mit Abstiegskampf beschäftigen müssen.

Dead Klub Walking

Nachher um 13.30 Uhr ist Anpfiff der Regionalliga-Partie zwischen UnionZwee und dem BFC Dynamo. Laut Kurier verstärken Bajram Nebihi, Eroll Zejnullahu und Valmir Sulejmani die Zweite Mannschaft. Vorbei ist die Zeit, dass uns das aufgeregt hat, wenn Klubs ihre zweite Mannschaft mit Profis verstärken …

Für mich hat das Spiel null Relevanz, aber ich verstehe die emotionale Bedeutung für viele Unionfans. Für mich ist der BFC so ein bisschen wie ein Zombie. Tot, aber bewegt sich noch. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieser Klub jemals wieder richtig auf die Beine kommt. Da kann der Verein noch so viele gute und wichtige soziale Projekte stemmen, er wird immer die Labels MfS und Hooligans an sich haften haben. Und sollte er diese jemals loswerden, dann bleibt er deshalb berlinweit so unbedeutend wie Fortuna Pankow.

Es ist nie schön, wenn vor einem Fußballspiel erst einmal die Zahlen der eingesetzten Polizisten herunter gerattert werden (Kurier, Morgenpost). Also passt auf euch auf, wenn ihr hingeht. Wäre prima, wenn wir morgen keine Polizeimeldung wie diese vom Herthaspiel gestern lesen müssen.

Ich bin heute mit Kind beim Bundesligaknaller Wolfsburg – Freiburg vor Ort. Gefahrenstufe Null oder drunter ;)

Und sonst so?

Sticker War in den Alpen:

stickerwarFoto: immnski

Das Problem steht nicht im Tor

Ein-Wort-Zusammenfassungen sind nach einem 0:5 sehr beliebt. Wir hätten nach der Partie in Darmstadt im Angebot: “Debakel” (Tagesspiegel, Morgenpost, BZ), “blamiert” (Berliner Zeitung) und “Klatsche” (Kurier). Nichts davon gibt auch nur ansatzweise meine Gefühle während des Spiels wieder. In Wirklichkeit war alles nämlich noch viel schlimmer.

Ungefähr so:

Lottoverbot für Norbert Düwel

Ich weiß gar nicht, ob Norbert Düwel dem Glücksspiel zugetan ist. Wenn ja, sollte er auf jeden Fall Lotto-Annahmestellen weiträumig meiden. Denn dass der Cheftrainer beim Torwartwechsel kein glückliches Händchen bewies, ist das mindeste, was sich nach der Roten Karte für Mo Amsif und der darauf folgenden Einwechslung von Daniel Haas sagen lässt.

Foto: Hupe/union-foto.de

Fakt ist: Jeder konzentriert sich nun auf die Torwart-Entscheidung von Düwel und der wirklich schlimme Rest wird etwas aus dem Fokus geraten. Gegentore aus Standardsituationen und hohen Bällen beispielsweise (hatte die Mannschaft das nicht schon Ende 2014 abgestellt?) oder die fehlende Dominanz Präsenz im Mittelfeld. Der wirklich schlimme Rückpass von Schönheim, der Amsif in Bedrängnis brachte. Das Rezept hohe Bälle auf Polter mag für bestimmte Zeitpunkte eines Spiels passend sein, aber es ist keine Spielidee.

Statt mit unangenehmen Wahrheiten werden wir mit Plattitüden konfrontiert werden: Ein Torwart benötige besonderes Selbstvertrauen? Haas sei jetzt total verunsichert und müsse aufgebaut werden. Das Hin und Her auf der Torwartposition sei nicht gut. Konstanz sei auf dieser exponierten Position wichtig.

Hier ein kleiner Vorgeschmack auf die Diskussionen bis zum Spiel gegen St. Pauli:

Das kann alles stimmen. Allerdings fehlen mir für die konkrete Situation bei Union die Belege. Die ist allerdings auch Düwel bei der Begründung für den Wechsel zu Amsif schuldig geblieben.

Es war nicht alles schlecht

Der Gästeblock zum Anpfiff sah wirklich großartig aus:

Auf der Rückreise im Partyzug war der geneigte Unioner nicht alleine:

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Foto: Eiserner Virus e.V.

Und der Sonntag könnte das schlimme Wochenende etwas verbessern:

UnionZwee gegen BFC Dynamo im Stadion an der Alten Försterei. Anpfiff ist 13.30 Uhr, Karten gibt es nur für Mitglieder und Dauerkarteninhaber und bei der S-Bahn Schienenersatzverkehr zwischen Karlshorst und Friedrichshagen.

Für immer Waldseite

Guten Morgen an die Unioner, die es am Freitag Morgen schaffen, mit dem Sonderzug Partyzug nach Darmstadt zu fahren. Abfahrt 7.23 Uhr von Lichtenberg. Respekt dafür und viel Spaß. Ich bin sehr neidisch und hoffe, dass jemand ein passendes Netzteil für den DJ im Zug hat …

 

Diskussions-Stoff im Zug gibt es genug. Bild/BZ haben den Verein mal gefragt, wie es aussieht mit einem eventuellen Umzug der Waldseite auf die Wuhle. Ihr erinnert euch, dass mit dem Bau des Fanhauses der Verein ein klares Statement zum Verbleib der Waldseite vermissen ließ. So erging es auch dem Journalisten Matze Koch, der mit seiner Anfrage bei Union abblitzte. Was das bedeutet? Ich schließe daraus, dass ein Umzug tatsächlich zur Debatte steht, denn sonst hätte der Verein auch eine Antwort geben können.

Allerdings dürfte es diese Antwort erst mit einem klaren und verbindlichem Wegekonzept zum Stadion geben. Hier müsste wahrscheinlich auch mal der Bezirk Treptow-Köpenick die Hosen herunterlassen. Stichwort: Umgehungsstraße Altstadt (das liegt wohl auch in Händen des Senats) und Wegführung von den Bahnhöfen Spindlersfeld und Wuhlheide zum Stadion. Überrascht hat mich die Auskunft von Union-Archivar Gerald Karpa, dass der Gästeblock in den 80er Jahren schon einmal auf der Waldseite stand. Erstens erkennt ihr daraus ungefähr mein Alter, und zweitens dürfte auf dem Banner der Ultras wohl nicht mehr “Für immer Waldseite”, sondern “Ab jetzt aber wirklich für immer Waldseite” stehen.

Wenn ich eins als Sportjournalist gehasst habe, dann Texte für die Spieltage schreiben. Die Mannschaft hat sich mit Geheimtraining eingeigelt, und außer wirklich schlimmen Verletzungen oder Selfies gab es nichts frisches Berichtenswertes.

Einen guten Ausweg hat die BZ aus dem Dilemma gefunden, die den Fokus noch einmal auf Björn Kopplin richtet. In zwei Jahren ist er (auch durch Verletzungen) nicht über den Status Ergänzungsspieler hinausgekommen.

Foto: Stefanie Fiebrig

Ob er jetzt noch einmal das Ruder herumreißen und sich für einen neuen Vertrag empfehlen kann, bezweifle ich. Die Auswechslung beim 0:0 gegen Kaiserslautern spricht für mich dagegen. Da durfte dann wieder Schönheim auf die ihm wesensfremde linke Außenbahn.

Auch Kurier und Morgenpost haben Texte zum Spiel.

Crunchtime für die neue Mannschaft

“Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft.” Diese sehr treffenden Worte von Seneca sollten unter dem Union-Logo angebracht werden, wenn das Logo nicht unantastbar wäre. Denn all das, was wir beim Wechsel auf der Position des Torwarttrainers in nur wenigen Tagen erleben, steht unter diesem Motto. Nicht das schlechteste, wenn man sich nicht von Ereignissen treiben lässt, sondern selbst das Handeln bestimmen kann.


Foto: Matze Koch

Gestern wurde Dennis Rudel einen Tag nach Holger Bahras Freistellung als neuer Trainer der Unionkeeper vorgestellt. Der 38-Jährige war bei ein paar Zweitligisten in der Verlosung. Eine kurze Einschätzung von einem Freund der Familie Rudel:

Der Name gibt Anlass zu Wortspielen. Bild und Kurier können in der Hinsicht schon am ersten Tag das Wasser nicht halten ;) Der Kurier wispert etwas von einer möglichen Weiterbeschäftigung von Bahra im Union-Nachwuchs. Was da möglich ist, wenn die Kommunikation zwischen ihm und anderen Angestellten laut Kurier in den letzten Monaten so schwierig war, mag ich nicht einzuschätzen. Rein aus sozialer Verantwortung für einen langjährigen Beschäftigten fände ich das gut. Aus Sicht der Torwartausbildung und der angebrachten Kritikpunkte gegen Bahra würde ich allerdings nicht verstehen, wie er junge Keeper ausbilden soll.

Der 1. FC Umbruch

Mir gefällt der Ansatz der Morgenpost, die den Wechsel des Torwart-Trainers in einem größeren Zusammenhang eingebettet sieht. Dazu passt das Wort Umbruchsaison, das auch in der Mannschaft nicht fremd ist. Für diese Saison dürfte gelten: Klassenerhalt klarmachen und dann schauen, wie viele Spieltage noch übrig sind. Die Morgenpost schaut außerdem auf die auslaufenden Spielerverträge:

  • Christopher Quiring
  • Björn Kopplin
  • Mario Eggimann
  • Björn Jopek
  • Michael Parensen
  • Steven Skrzybski
  • Maximilian Thiel (Leihe mit Option)
  • Martin Kobylanski (Leihe mit Option)
  • Sebastian Polter (Leihe)

Meinem Gefühl nach dürfte es für Kopplin und Eggiman schwer werden, weiter bei Union beschäftigt zu werden. Bei Parensen bin ich mir nicht sicher und bei Polter hat Mainz die Hand drauf, da er dort unter Vertrag steht. Bei den anderen gehe ich von Verträgen über die Saison hinaus aus. Die Entscheidung darüber dürfte in den nächsten Wochen fallen. Das ist die Crunch Time, die Norbert Düwel vor einer Woche mit Bewährungszeit für Spieler bezeichnet hat. Einen größeren Umbruch sehe ich persönlich aber nicht auf Union zukommen. Es geht darum, ob Spieler das Potential haben, einen offenen Zweikampf um Positionen zu führen. Das ist in dieser Zeit der Saison normal. Und so lange nicht mehr als vier bis sechs Spieler ausgetauscht werden, dürfte das im Rahmen normaler Transferaktivitäten im Sommer liegen.

Systemwechsel gegen Darmstadt

Norbert Düwel wird gegen Darmstadt am Freitag vielleicht auf eine Doppelsechs mit Jopek als Umschaltspieler setzen. Das vermutet die BZ nach der Pressekonferenz vor dem Spiel. Klingt plausibel, riecht aber auch so, als ob der Präsident persönlich mit dem Betonmischer nach Südhessen fährt.

Norbert Düwel ist der Chef-Trainer, nicht der Chef-Sündenbock

Holger Bahra ist seit gestern nicht mehr Torwart-Trainer bei Union. Sein ohnehin im Sommer auslaufender Vertrag, der nicht verlängert worden wäre, ist damit nicht vorzeitig beendet. Bahra ist freigestellt, wie das im Juristendeutsch heißt. Ob Union juristisch damit durchkommt, hängt davon ab, ob der Torwarttrainer auf Wiedereinstellung klagt. Wie Arbeitsgerichte die ständige Verlängerung befristeter Verträge einschätzen, konnten wir bei der Trennung von Hertha und dem langjährigem Torwarttrainer Christian Fiedler beobachten. Machte trotz befristeten Vertrag eine Ablöse von schlappen 410.000 Euro, plus zu zahlendes Gehalt und Prämien insgesamt 579.000 Euro. Der feine Unterschied: Fiedler wurde gekündigt, Bahra nicht.

Foto: Matze Koch

Auch bei der Ursachenforschung zur Trennung von Bahra, den alle als knorrigen Mann mit bärbeißigem Humor kennengelernt haben, gibt es kleine und feine Unterschiede. Es gehört wenig Phantasie dazu, dass der Torwartwechsel von Daniel Haas zu Mo Amsif am Wochenende der Auslöser für die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit gewesen ist. Doch der inhaltliche Grund dürfte weiter reichen als bis zu Norbert Düwels Schreibtisch.

Denn bereits unter Uwe Neuhaus gab es Überlegungen, sich von Bahra zu trennen. Auch weil keine Weiterentwicklung der Torhüter zu sehen war. Warum Neuhaus diesen Schritt nicht gegangen ist, bleibt Spekulation. Aber es ist nicht die einzige zögerliche Personalentscheidung die der ehemalige Union-Trainer getroffen hat. Sichtbar war der Konflikt für Außenstehende, als im Mai 2012 die Verträge von Bahra und Co-Trainer André Hofschneider unterschiedliche Laufzeiten bekamen. Hofschneider ist seitdem unbefristet dabei, Bahra bekam seitdem immer nur noch einen Jahresvertrag.


Foto: Matze Koch

Für etwas gefährlich halte ich den Zustand, dass schon wieder Düwel im Fokus ist. Natürlich hat er die Entscheidung getroffen, sich von Bahra zu trennen. Aber dieser Entschluss hängt auch schon seit fast drei Jahren in der Luft. Ebenso wie sich Neuhaus nie an die Personalie Mattuschka herangetraut hat, ist auch hier Düwel mit dem Erbe des vorherigen Trainers belastet.

Es ist Düwels Neuheit im Trainergeschäft zu verdanken, dass er ohne eigenes Trainerteam zu Union kam und sich auch auf dieses Experiment mit den ehemaligen Co-Trainern von Neuhaus eingelassen hat. Ich würde behaupten, dass das nur wenige gemacht hätten. Aber irgendwie wäre es gut, das übernommene Erbe auch zu kommunizieren. So schön es ist, wie der Verein Konflikte intern halten kann, so überraschend sind dann die Trennungen für Außenstehende und Fans. Denn im Moment ist Düwel aus Fansicht derjenige, der Mattuschka vergrault und Bahra gefeuert hat.

Kleiner Hinweis von mir: Auch unter der “Lichtgestalt” Uwe Neuhaus war nicht alles gut ;)

Etwas strittig ist die Nachfolge von Bahra. Union bleibt beim Credo: Wir verkünden etwas, wenn es etwas zu verkünden gibt. Der Kurier wirft Ronny Zeiß aus Leipzig ins Rennen und meint, Integrationstrainer Pablo Garcia würde für Bahra aushelfen. Der Tagesspiegel sieht dagegen Fitness-Coach Daniel Wolf beim Training mit den Torhütern zu und meint, dass schon heute der Neue seinen Einstand geben könnte. Das wäre dann laut Tagesspiegel und Bild Dennis Rudel von den Kaizer Chiefs aus Südafrika.

Und wenn schon Personalien im Tagesspiegel, dann richtig: Auch U23 Trainer Jaspert wird Union verlassen. Aber erst zum Saisonende. Ein Angebot aus dem Ausland soll es sein.

Außerdem erschien in der BZ: So will Schönheim am Freitag in Darmstadt punkten

Lasst mich! Ich bin erschüttert.

Das erste Interview, das ich jemals für’s Textilvergehen geführt habe, war eines mit Holger Bahra. Ich war jung jünger, ich wusste nicht, wie Interviews funktionieren, aber ich wusste ganz sicher, dass mich interessiert, was ein Torwarttrainer zu sagen hat. Und gerade dieser Tortwarttrainer hatte eine zackige, geradlinige Art, mit der ich viel anfangen konnte. Es wurde eventuell nicht das beste Interview aller Zeiten, und alles, was daran gut ist, hat Holger gut gemacht. Wann immer wir uns in der Folge am Rande eines Fußballspiels oder Trainings gesehen haben, war Zeit für einen kurzen Gruß, ein Lächeln, ein Kopfnicken. Im normalen Leben nichts außergewöhnliches, im Profifußball keine Selbstverständlichkeit. Dieselbe Art von Höflichkeit war Jan Glinker zueigen. Sie ist deshalb sehr wohltuend, weil der Umgang von Fußballspielern und Presse nicht immer konfliktfrei verläuft.

Holger Bahra
Foto: Matze Koch

Heute wurde Holger Bahra, dessen Vertrag nur noch bis zum Saisonende läuft, mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die Begründung ist gewohnt kryptisch.

“Aufgrund vieler Veränderungen in den letzten Monaten war jedoch die Basis für eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr gegeben, deshalb haben wir diesen Schritt jetzt vollzogen.”

Mich hat das überrascht, erschüttert und auf eine schwer zu fassende Weise traurig gemacht.

Der Ruf nach einem anderen Torwarttrainer ist nicht neu. Es gab ihn bereits, als der Cheftrainer noch Uwe Neuhaus hieß. Vermutlich hat Norbert Düwel auch hierbei alles richtig gemacht. Er hat abgewartet, sich alles in Ruhe angesehen, ausprobiert und dann entschieden. Der Satz “Unions Torhüter entwickeln sich nicht mehr weiter” fiel in der Vergangenheit ein ums andere Mal. Ich kann das ebensowenig beurteilen wie die meisten anderen, die dazu eine Meinung haben. Nur soviel: Ich stelle selten sportliche Entscheidungen infrage. Auch diese nicht. Während zuvor in der Regel der Torhüter gewechselt wurde, trifft es dieses Mal beide, den Torhüter und seinen Trainer. Daniel Haas geht auf die Bank. Holger Bahra nimmt seinen Hut.

Holger Bahra
Foto: Matze Koch

Trotzdem sind einige dieser Entscheidungen schwer verdaulich. Sie sind nicht falsch. Sie sind bloß schmerzhaft. Wie Paare im Freundeskreis, die sich trennen, aber gestern noch zusammen auf ‘ner Party waren. Man hatte ja nichts geahnt! Am Sonntag war doch noch alles gut! Nein. War’s wohl nicht. Aber woher soll ich das denn wissen, verdammt?!

Ich vermisse mit Holger Bahra einen außerordentlich korrekten Sportler, der mein zu-Union-gehen sehr bereichert hat. Danke!

Düwel sucht den Damir-Kreilach-Ersatz

Als ich noch stolz das Abzeichen der BSG Jenaer Glaswerke trug und im Ringen gegen die verhasste BSG Handel antrat, mussten wir vor jedem Training der Körpergröße nach in einer Linie antreten und durchzählen. Ähnliches könnte ich mir langsam bei Norbert Düwel vorstellen, dessen Tätigkeit gerade das umfasst, was andere “aus der Not eine Tugend machen” nennen würden. Nicht dass der Kader zu klein wäre, aber die Stammelf aus 16 bis 18 Spielern schrumpft so, dass Spieler auf manchen Positionen (besonders Linksverteidiger, Sechser) nur noch im Zweikampf mit sich selbst sind.

1.FC Union Berlin - 1.FC Kaiserslautern 0:0Foto: Stefanie Fiebrig

Damir Kreilach hat die (berechtigte) fünfte Gelbe Karte erhalten und wird am Freitag in Darmstadt fehlen. Die Frage, die Düwel beschäftigt, dürfte sein: Wer spielt gegen die Lilien auf der Schnittstelle zwischen Defensive und Offensive? Wem traue ich zu, das Mittelfeld zu organisieren, den Überblick beim Verschieben zu behalten, öffnende Pässe zu spielen und robuste Zweikämpfe zu bestreiten? Als erstes steht für mich Eroll Zejnullahu zur Debatte. Die spielerische Qualität hat der 20-Jährige ohne Frage. Ob ich ihm allerdings auch die Last der Verantwortung zuschieben würde? Das müsste sich zeigen. Und er selbst will noch an seinem Körperbau arbeiten:

 

Bleibt die Frage, wer stattdessen nach vorne gehen kann? Martin Kobylanski steht noch zur Wahl. Total aus dem Bauch heraus würde ich Fabian Schönheim sagen. Richtig begründen kann ich das nur damit, dass er in der Lage ist, einen Mannschaftsteil zu ordnen, gleichzeitig robust und durchsetzungsstark ist und gerne den Abschluss sucht. Nicht die schlechtesten Voraussetzungen. Allerdings verlangt das Spiel in die Spitze deutlich mehr Tempo und Antizipation als vielleicht der Spielaufbau aus der Innenverteidigung. Ich bin sehr gespannt.

Brandy erfolgreich operiert

Sören Brandy wurde am Montag operiert und hat gleich mal ein Selfie (der rechte Arm funktioniert also gut) aus dem Krankenbett geschickt.

Süße Genesungswünsche gab es auch vom Journalisten Matze Koch:

Der Wechsel im Tor

Die Entscheidung für Mo Amsif hat der Trainer bei AFTV etwas zu begründen versucht. Mir persönlich fehlte da die fachliche Begründung. Allerdings gibt es die auch sonst selten zu hören. Als Öffentlichkeit haben wir uns da mit Allgemeinplätzen zu begnügen.

Recht gebe ich dem Trainer, dass die (nicht nur mediale) Diskussion gerade eher an Daniel Haas als an Mo Amsif aufgehängt wird. Beim letzten Wechsel von Amsif zu Haas hätte es nicht solch ein Echo gegeben. Das ist richtig, allerdings sollte der Wirbel um diese Position den Trainer nicht überraschen, auch wenn er das nach außen so darstellt. Wir haben im aktuellen Podcast das Thema ausgiebig diskutiert.

Für Quatsch halte ich Binsenweisheiten wie “Der Torhüter benötigt Vertrauen”. Das benötigt jeder Spieler. Und mit der Abwehr und dem Spielsystem sollte jeder Keeper eingespielt sein. Es ist ja jeden Tag Training. Voraussetzung dabei bleibt: Der Trainer sollte seine Einschätzung offen denjenigen Spielern kommunizieren. Aber da geht es Fußballprofis nicht anders als uns im Job. Manche Vorgesetzte machen das gut. Andere weniger. Ich bin sehr gespannt. Fakt ist: Gegen Darmstadt steht Amsif im Tor.

Das Thema bestimmt die Medien heute:

Teve219 – Wie der Storch im Salat

Norbert Düwel zieht personelle Konsequenzen, die überraschenderweise auch einen Torwartwechsel von Daniel Haas zu Mo Amsif beinhalten. Heraus springt ein 0:0 gegen Kaiserslautern.

Union - Kaiserslautern 2014/15Foto: Koch

On Air:

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Shownotes

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Frauentag.

Ich hab rote Nelken bekommen, saß auf dem richtigen Dampfer, bin mit Hallorenkugeln classic versorgt worden (Danke Gerd!), wurde der ungeheuer guten Laune von Eroll Zejnullahu teilhaftig (kein Quatsch. Der fetzt!), und meine Mannschaft hat einen Punkt geholt. So wie einst Real Madrid Energie Cottbus. Was soll ich sagen? Das war gut.