Jetzt wird sich entscheiden, welchen Fußball wir in 5 bis 10 Jahren sehen werden

Weil heute Feiertag ist und keine gedruckten Zeitungen erscheinen, gibt es auch kaum Analysen zum ersten Auswärtssieg in der aktuellen Zweitligasaison. Aber zumindest Daniel hat bei Eiserne Ketten eine taktische Analyse des 2:1 in Ingolstadt geschrieben. Darin beschreibt er vor allem, wie Union durch eine Umstellung im Pressing die Dreierkette von Ingolstadt so stark unter Druck setzen konnte, dass Urs Fischers Team mit vielen Balleroberungen schnell wieder vor das Tor des Gegners kam. Der Tagesspiegel lobt vollkommen zurecht die Defensive, die einfach die Basis des aktuellen Laufs ist. Und im Kurier geht es darum, dass Unions eher mangelhafte Chancenverwertung am Montag Abend doch nicht bestraft wurde.

Der Blick geht aber schon Richtung Heidenheim (Berliner Zeitung). Und im Kommentar schreibt der Kurier, dass Unions Leistung auch eine Ansage an die Liga ist.

Während die meisten Spieler nach der Rückkehr am Dienstag bis Donnerstag frei bekommen haben, waren Kapitän Christopher Trimmel und sein Vize Felix Kroos beim Fest zum Tag der Deutschen Einheit beim Bundesrat. Aber nicht nur um Autogramme zu schreiben …

… sondern auch, um ein paar Körbe zu werfen.

Sehr überraschend bekamen die rund 20.000 Mitglieder von Union gestern Abend noch Post von Präsident Dirk Zingler, die einen Debattenbeitrag zur Neuordnung des deutschen Profifußballs enthielt. Ich möchte über den konkreten Inhalt an dieser Stelle noch nicht allzuviel schreiben, weil ich selbst noch ein wenig darüber nachdenken muss. Und ich glaube, dass das viele machen sollten. Der Hintergrund sind Weichenstellungen in der DFL, die massiven Einfluss auf die Entwicklung und Durchlässigkeit der Profiligen in Deutschland haben werden. Die Interessen dazu sind vielschichtig. Es gibt mindestens die der potentiellen Champions-League-Teilnehmer, die der etablierten Bundesligisten und die der Zweitligisten und Fahrstuhlklubs. So richtig aus der Deckung hat sich aber bisher niemand gewagt. In der Erklärung zu seinem Rücktritt deutete DFL-Präsident Reinhard Rauball die Neuordnung nur an:

“Gemeinsam sind wir überzeugt davon, dass der DFL e.V. als Zusammenschluss der 36 Clubs eine neue zeitgemäße Organisationsform benötigt. Der Wunsch der Clubs nach Teilhabe ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Gleichzeitig haben Bundesliga und 2. Bundesliga zunehmend individuelle Interessen entwickelt. Beides gilt es zu berücksichtigen, ohne das bewährte Prinzip der Solidarität aufzugeben.”

Ich kann mir vieles vorstellen. Eine nach unten dichtere Bundesliga mit eigenem Ligaverband und dann ein Verband für die Zweite und 3. Liga. Ein Verband für alle 3 Ligen. Mehr Macht für die DFL in einem neuen Grundlagenvertrag mit dem DFB mit der Übernahme der Schiedsrichterei, die in ein echtes Profitum überführt wird. Aber auch Änderungen an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie der Regel über den Besitz von Investoren an Klubs, die Aushandlung der Übertragungsrechte für die einzelnen Ligen. Da ist gerade sehr viel in Bewegung und Union will sich an dieser Debatte öffentlich beteiligen. Wie stark die Position von Präsident Dirk Zingler und Union im Allgemeinen in dieser DFL-Runde ist, kann ich nicht einschätzen. Nur entnehme ich aus dem Debattenbeitrag eine Unzufriedenheit mit der Art und Weise, wie die DFL sich von oben ändern möchte, indem sie einen Vorschlag des Vize-Präsidenten Peter Peters einbringt. Der DFL-Vorschlag ist bisher nicht öffentlich. Aber da es um viele kleinteilige Personalentscheidungen geht, dürfte das, was der Kicker im September geschrieben hat, wahrscheinlich den Vorschlägen von Peters entsprechen (dank an @bunkinho für den Hinweis in den Kommentaren). Sollte das stimmen, ist das tatsächlich nur ein Reförmchen, das mehr auf Stimmungen im Ligaverband Rücksicht nimmt als ein strategischer Entwurf.

Grundlegende Änderungen sollen erst auf der DFL-Generalversammlung im August 2019 beschlossen werden. Die Weichen dafür werden aber jetzt gestellt. Beispielsweise auf der DFL-Mitgliederversammlung im Dezember 2018.

Was ich aber beim Lesen der sicher nun zahlreich kommenden Debattenvorschläge allen ans Herz legen kann (und das gilt auch für den Beitrag von Union): Schaut, welches Ziel die Vorschläge haben. Geht es darum, dass die Klubs international wieder wettbewerbsfähig werden (und vor allem wie misst man das? Nur am Geld, das zur Verfügung steht?) oder geht es darum, in Deutschland wieder einen sportlichen Wettbewerb zu etablieren, indem es nicht darum geht, hinter dem FC Bayern Meister des Rests der Liga zu werden? Sollen die Ligen wieder sportlich durchlässiger werden oder kommt nur noch dauerhaft in die Bundesliga, wer massiv Geld einsetzt? Hier sind wir wieder bei der Mehrteilung der Interessen.

Ich bin sehr gespannt auf Meinungen zum Debattenbeitrag von Union, der sicher im Laufe des Tages auch ordentlich auf der Website präsentiert werden wird.

Und sonst so?

Wir haben gestern den Podcast zum Spiel in Ingolstadt aufgenommen. Darin reden wir auch über die Auflösung der Videos von AFTV und darum, warum der “State of the Union” aktuell unter der Woche so zeitig erscheint. Hört gerne rein: #347 – Stille Nacht in Ingolstadt

Heute um 12 Uhr spielt Unions U21 im Stadion an der Alten Försterei im Baltic Sea Cups gegen Halmstad BK. Der Eintritt ist frei.

Und bedingt nachreichen möchte ich den Text aus der taz vom Wochenende, in dem es um Tod und Trauer geht und wie der Fußball als Gemeinschaft damit umgeht. Schließlich sind die Bindungen innerhalb einer Familie mit denen zu vergleichen, die wir beispielsweise auch in der Union-Familie erleben. Weshalb der Abschied in dieser Ersatz-Familie für uns völlig vertraut und normal ist.

Der Spieltag in unserer Tipprunde Twitterförsterei ist mit Unions Sieg in Ingolstadt zu Ende gegangen. Gratulation an Tagessieger Andreas! Und in der Gesamtwertung führt Vylybb. Meine Platzierung ist noch dreistellig, aber es geht langsam aufwärts.

Und zum Schluss noch Gratulation an Kennedy Bakircioglu von Hammarby, der beim Torjubel einen geworfenen Bierbecher fängt und daraus trinkt. Was für eine Körperbeherrschung!

3 Gedanken zu „Jetzt wird sich entscheiden, welchen Fußball wir in 5 bis 10 Jahren sehen werden

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