Blog State of the Union

Wunsch an Union für 2024: Warum nicht einfach mal gepflegte Langeweile?

Gehen wir einmal direkt rein ins Jahr 2024: Ich wünsche euch alles Gute und hoffe, dass sich eure Wünsche und Vorhaben erfüllen. Doch was wünschen wir uns für den 1. FC Union Berlin? Im Spätsommer 2023, kurz vor dem Champions-League-Debüt in Madrid, stand ich mit einem Vereins-Mitarbeiter am Stadion und wir sprachen über den Hype rund um das Spiel bei Real. Es ging um das Arbeitspensum, das nonstop von den Vereinsangestellten bewältigt werden muss, weil selbst in der Sommerpause kaum Zeit für eine Atempause bleibt. „Einfach mal langweilig Elfter werden. Kein Hype nach oben, kein Drama nach unten. Mal durchschnaufen.“ Das war der Wunsch, kurz nachdem Union den zwischenzeitlichen Platz 1 verloren hatte.

Mit dem Wissen der Negativserie danach, dem zwischenzeitlichen Durchrauschen auf Rang 18, dem sieglosen Ausscheiden aus der Champions League, dem Aus im DFB-Pokal und dem Trainerwechsel im Herbst würden uns wohl alle diesem Wunsch nach Platz 11 anschließen. Vielleicht ist das der meistgeäußerte Wunsch von Unionfans zu Silvester gewesen: Wir wünschen uns ein komplett langweiliges Jahr 2024.

Hätte sicher auch nichts gegen etwas Langeweile: Manager Oliver Ruhnert, Foto: Matze Koch
Hätte sicher auch nichts gegen etwas Langeweile: Manager Oliver Ruhnert, Foto: Matze Koch

In diesem nur äußerlich unambitioniert klingendem Wunsch schwingt natürlich sehr viel Hoffnung darauf mit, dass sich die Mannschaft stabilisiert und unter Trainer Nenad Bjelica auf dem Feld wieder zusammenfindet. Denn mit dem aktuellen Punkteschnitt der Saison (0,86 Punkte pro Spiel) wäre Platz 11 ein unerreichbarer Traum. Es liegt also am Team, sich selbst vom Druck zu befreien.

Der 1. FC Union Berlin ist mehr als die Spiele des Bundesliga-Teams

Entfernen wir uns etwas vom spieltäglichen Ergebnisdruck gibt es auch noch andere Gründe, warum wir es uns leisten könnten, von einem langweiligen 11. Platz zu träumen. Denn wir alle wissen, dass die Männer-Mannschaft eine Geschichte von Union schreibt, aber auch in dieser Saison noch viel mehr im Verein passieren wird.

Da geht es um Infrastruktur-Entscheidungen wie den Stadionbau, von dem wir hoffentlich bald alle Eckdaten kennen werden. Präsident Dirk Zingler sprach zuletzt bei AFTV von einem Stadion an der Alten Försterei mit über 40.000 Plätzen. Hier sind in den nächsten Wochen und Monaten endlich harte News zu erwarten. Neben dem tatsächlichen Aussehen des Stadions und dem Zeitplan (eine mögliche Teileröffnung zur Saison 2026 war die letzte Wasserstandsmeldung) interessieren mich vor allem die kalkulierten Kosten (über 100 Millionen Euro hat Dirk Zingler für alle Investitionen am Standort Alte Försterei genannt) und die entsprechende Finanzierung.

Das neue Stadion an der Alten Försterei ist in der Realität leider weiter entfernt als auf diesem Entwurf, Bild: 1. FC Union Berlin
Das neue Stadion an der Alten Försterei ist in der Realität leider weiter entfernt als auf diesem Entwurf, Bild: 1. FC Union Berlin

Dazu kommt ein stärkerer Fokus auf den Nachwuchs (wie in diesem BZ/Bild-Artikel zu lesen, der sich auf Zinglers AFTV-Video bezieht), sowie auf die Entwicklung der Profimannschaft der Frauen, die hoffentlich die Möglichkeit erhalten, in Aufstiegsspielen die zweite Bundesliga zu erreichen. Langeweile geht anders.

Warum ich mir auch noch extra wünsche, dass die Mannschaft ins Niemandsland der Tabelle jenseits von gut und böse rutscht, sind die Indizien, die für einen Umbruch sprechen, der sich nicht alleine auf den Kader der Männermannschaft beschränkt. Hier sehen wir wahrscheinlich nach 10 Jahren den Abschied von Christopher Trimmel. Von vielen Seiten hören wir zudem Gerüchte über die Zukunft von Manager Oliver Ruhnert. Vielleicht wird sich alles mehr ändern, als wir es von außen vor Saisonbeginn für möglich gehalten haben.

Nur ein öffentliches Training vom Bjelica-Team

Ein Blick auf die Mannschaft ist heute zum Trainingsstart um 15 Uhr nicht möglich, sondern erst am Mittwoch. Die zweite Option ist das Testspiel gegen Bielefeld. Ansonsten macht Union in der Ferienwoche dicht.

Der Trainingsplan für die erste Januarwoche, Bild via 1. FC Union Berlin auf Instagram
Der Trainingsplan für die erste Januarwoche, Bild via 1. FC Union Berlin auf Instagram

Vielleicht ist das öffentliche Training am Mittwoch aus Fansicht auch gar nicht so unpassend, falls am heutigen Dienstag schon Verpflichtungen bekanntgegeben werden (der RBB gibt Hinweise, wo sich Union verstärken sollte). Dann kann man sich zumindest selbst schnell ein eigenes Bild vom Kader machen und nicht nur schauen, ob Robin Gosens und Danilho Doekhi wieder trainieren können oder nach Leonardo Bonucci suchen.

Aissa Laidouni wird zumindest nicht beim Training dabei sein, weshalb ihm die Bild bereits attestiert, dass er unter Bjelica schlechte Karten haben würde, wenn er vom Afrika-Cup zurückkommt.

Das sind die weiteren Berichte der Berliner Medien zu Union:

7 Kommentare zu “Wunsch an Union für 2024: Warum nicht einfach mal gepflegte Langeweile?

  1. Martin Trnka

    Guten Morgen,
    auch wenn es Zweifel gibt, ob es Bielefeld überhaupt gibt spielen wir am Samstag eher gegen Klos und Co. nicht gegen Osnabrück.

  2. Hans-Martin

    Danke für den Hinweis. Ist geändert.

  3. Angela Liepolt

    Guten Morgen und euch ein glückliches und hoffentlich gesundes Union Jahr 2024 gewünscht! ?
    Mich nerven immer diese Gerüchte und Mutmaßungen über die Zukunft unserer Spieler!!!! Warum sollte ein Spieler, der Nationalmannschaft spielt, außen vor und ohne Berücksichtigung beim Trainer sein? ? ? Ich hoffe, daß unsere Mannschaft im Großen und Ganzen zusammenbleibt – ohne herzklopfende Abschiede!
    Eiserne Grüße Angela

  4. J..D.Coke

    @ Angela,
    also wenn du es dir so oft und so doll wünscht, sollte es auch in Erfüllung gehen. So wie hoffentlich auch die Wünsche von Sebastian bezüglich Langeweile, die aber fast aussichtslos erscheinen. Denn obwohl ich Platz 11 sofort unterschreiben würde, Union und Langeweile passt irgendwie überhaupt nicht zusammen.

    • kleinkeul

      …dann nennen wir es 8 Jahre in Folge Aufregungssparsamkeit, ähnlich der 2. Ligazeiten @J.D.Coke. Ich hätte jedenfalls auch nix dagegen.

      Allen Textilvergehenden nen tolles, gesundes, glückliches Jahr jewünscht

  5. wer am Ende auf Platz 11 landet hat die 33 Spieltage vorher sicherlich mindestens zu einem Teil mit dem einen oder anderen Tabellendrittel zu tun gehabt, wo die Platzierungen wahrlich nicht langweilig sind. Dieser Wunsch ist also nur unter Laborbedingungen theoretisch möglich… ;-)

    Andererseits:
    Langeweile in der Bundesliga ist mit etwas mehr Entfernung zum Geschenen hingegen schon längst nachhaltig etabliert. Bayern und den 50+1-Falschabbiegern sei Dank.

Kommentare sind geschlossen.