Rafal Gikiewicz weint zum Abschied und Micha Parensen hört auf

Unter allen Möglichkeiten eines Saisonendes ohne Fans war das 3:0 gestern wohl das beste Finish, das Union hätte hinlegen können. Ich lag im Strandbad Lychen in der Uckermark und war nach diesem Spiel einfach nur glücklich. Links und rechts bedankten sich Werderfans für die Schützenhilfe, denen wir allerdings erklären mussten, dass wir uns auch ohne das Ergebnis aus Bremen gefreut hätten. Denn es spielt ja schließlich immer noch der 1. FC Union Berlin. Und der ist auf Platz 11 gelandet. PLATZ 11! Könnt ihr das glauben? Der einzige Platz 11, den wir sonst gesehen haben, wenn Bremen im Spiel war, lag im Schatten des Weserstadions und der Gegner hieß dann Werder II (Danke Marko Briesemeister für diese Erinnerung).

Ich muss das jetzt mal einfach abfeiern. Union hat mit 41 Punkten genau so viele Zähler geholt wie Hertha und dahinter liegen Mannschaften wie Schalke und Bremen. Ich weiß, dass das nächste Jahr brutal werden wird, aber diesen Moment müssen wir alle genießen. Und wann auch immer die Bundesliga anfängt, wir werden diesen Tabellenstand für mehrere Wochen mit uns herumtragen. Wenn ich mich messen würde, wäre ich allein durch den gestrigen Tag bestimmt ein paar Zentimeter gewachsen.

Und wie großartig war eigentlich Christian Gentner gestern noch einmal mit Tor, Torvorlage und Torverhinderung, als er den Ball von der Linie köpft?

Hier sind die Berichte der Berliner Medien zum Spiel:

Recht fertig lief gestern nach dem Spiel Rafal Gikiewicz über das Feld, der erst mit den Tränen kämpfend Trainer Urs Fischer umarmte und dann Mannschaftsbetreuerin Susi Kopplin. “Dann bleib doch hier!”, dachte ich, als ich die Bilder sah. Auch in dem Wissen, dass eigentlich niemand beim FC Augsburg wirklich glücklich wird. Aber um Emotionen geht es bei solchen Entscheidungen nicht.

Die Gefühle kommen dann, wenn der Abschied naht und man merkt, was man zurücklässt. Und da muss man schon sagen, dass Rafal Gikiewicz vielleicht die zwei erfolgreichsten Unionjahre seit der Wiedervereinigung miterlebt hat. So etwas bringt Menschen zusammen. Sehr schräg war irgendwie, dass er in der Stimmung trotzdem zu Sky zum Interview gegangen ist, wo ihn dann noch einmal die Gefühle übermannten. Gratulation Rafa zu 8 Bundesliga-Spielen ohne Gegentor! Ich habe den Keeper für wahnsinnig erklärt, als er sich dieses Ziel gesetzt hat. Und er hat wieder bewiesen, dass man sich als Team hohe Ziele setzen muss, wenn man etwas Besonderes erreichen will.

Gerade eben kurz vor 11 Uhr veröffentlicht Union das Abschiedsbild der Spieler, die Union verlassen. Es gehen 8 Spieler:

  • Rafal Gikiewicz
  • Sebastian Polter
  • Maurice Opfermann-Arcones
  • Ken Reichel
  • Manuel Schmiedebach
  • Yunus Malli
  • Keven Schlotterbeck
  • Michael Parensen

Michael Parensen beendet damit seine Profilaufbahn und wechselt in die Geschäftsstelle des 1. FC Union Berlin. Der ewige Micha bleibt uns also erhalten. Nicht auf dem Bild sind Florian Hübner, Christian Gentner und Felix Kroos. Mit diesen drei Spielern wird augenscheinlich noch verhandelt und ich bin gespannt, wie sich das entwickelt.

Abschiedsfoto von 8 Unionspielern, die den Verein verlassen, Foto: 1. FC Union Berlin

Abschiedsfoto von 8 Unionspielern, die den Verein verlassen, Foto: 1. FC Union Berlin

Draußen vor dem Stadion feuerten während des Spiels gegen Düsseldorf wieder Unionfans das Team an und die Spieler gingen nach der Partie wieder im Biergarten zu den Fans. In den Medienberichten dazu wird geschrieben, dass mit Abstand gefeiert wurde (BZ, Berliner Zeitung) . Nun kann man klar sagen, dass der einzige Abstand zwischen Fans und Mannschaft bestand. Sonst war alles wie vor der Corona-Pandemie.

Ich hätte mich ebenso wie Tausende andere Unionfans gerne vom Team verabschiedet und mich für eine starke Saison bedankt. Aber mich deswegen in eine Menge zu begeben, war mir nicht kontrollierbar genug.

Dirk Zingler will wieder Zuschauer im Stadion

Die Deutsche Presse-Agentur zitiert Präsident Dirk Zingler so (Kicker, BZ):

“Wir spielen Fußball für Menschen, und zwar in erster Linie für Menschen im Stadion. Von dieser Grundhaltung bringt uns kein Ausnahmezustand ab, darauf arbeiten wir mit aller Kraft hin”, sagte Zingler. Und es müsse klar sein: Würde man auf längere Zeit auf diese Abstandsregel bestehen, würden die Erlebnisse bei Fußballspielen oder auch Konzerten nachhaltig beschädigt. “Bitte nicht falsch verstehen! Ich möchte durch Fußballspiele in vollen Stadien Menschen keinen gesundheitlichen Gefahren aussetzen”, schrieb Zingler. Aber er möchte Entscheidungen “als verhältnismäßig empfinden können”.

Präsidum und Aufsichtsrat beim Spiel gegen Düsseldorf: Präsident Dirk Zingler, Aufsichtsratschef Thomas Koch, Präsidiumsmitglied und Stadionarchitekt Dirk Thieme, Foto: Matze Koch

Ich habe keine Ahnung, in welchem Zusammenhang der Präsident das gesagt hat. Aber ich kann dazu nur sagen, dass es einem Virus verdammt egal ist, was wir Menschen empfinden oder nicht. Ich mag auch Worte wie Ausnahmezustand nicht. In Berlin gab es keinen Lockdown. Wir konnten jederzeit aus den Wohnungen gehen. Trotzdem verursachten die Kontaktbeschränkungen und das Herunterfahren des öffentlichen Lebens einen kapitalen wirtschaftlichen Schaden. Und dass wir alle seit Monaten und vielleicht noch sehr lange in der Zukunft mit dem Virus leben lernen müssen, ist klar. Das ist ein ständiges Herantasten.

Aus dieser Situation heraus würde ich mich freuen, von Dirk Zingler nicht zu hören, was er nicht will, sondern unter welchen konkreten Umständen Fußball mit Zuschauern im Stadion an der Alten Försterei möglich sein könnte. Und zwar ohne die Erfüllung feuchter Überwachungsträume irgendwelcher Innenpolitik-Hardliner.

Podcast

Wir nehmen heute um 15.30 Uhr unseren Saisonabschluss-Podcast auf. Wir haben die Idee, uns draußen treffen, um die Aufnahme mit dem entsprechenden Abstand aufzunehmen. Mal sehen, ob das Wetter mitspielt. Wer live dabei sein will, kann hier im Stream mithören und hier im Chat mitdiskutieren.

15 Gedanken zu „Rafal Gikiewicz weint zum Abschied und Micha Parensen hört auf

  1. Bei Gentner nicht die Rettung auf der Torlinie am Anfang vergessen. Alle Guten Dinge sind drei, Tor verhindert, Tor vorbereitet und Tor geschossen. Top Leistung gestern.

  2. Platz 11 heißt, dass wir den Aufstieg in die eingleisige 1. Liga leider nicht geschafft haben. :/

  3. Ich vermisse Subotic auf dem Abschiedsfoto!
    Spielt der umsonst in der kommenden Saison?
    Dieses Gehalt hatte der Verein besser in Rafas geforderte Gehaltserhöhung reinstecken können.
    Sehr schade :-(

  4. @dennis Das bezog sich auf die dauernde Wiederholung, dass Spieler im Unfrieden vom FC Augsburg scheiden: Michael Gregoritsch, Martin Hinteregger, Jeffrey Gouweleeuw, Caiuby und Marvin Friedrich hatte ja auch keine große Lust, dort zu bleiben.

  5. @Sebastian Fiebrig Es sind leider nur 7 Spiele, wo Rafa in der Bundesliga zu Hause keinen rein bekommen hat:
    -Freiburg
    -Hertha
    -Gladbach
    -Köln
    Augsburg
    -Paderborn &
    -Düsseldorf

  6. Zinglers Aussage stammt aus dem Editorial zum Programmhefte. (Im FCU-Kiosk digital auch gratis nachzulesen.) Und ich finde sein Lamentieren über vermeintlich fehlende “Verhältnismäßigkeit” in diesem Kontext sehr unglücklich. Klar will ich auch wieder in eine volle Fankurve ohne Abstand, aber das wird verantwortungsvoll eben erst nach der Pandemie (wenn z. B. ein Impfstoff da ist) wieder möglich sein.

  7. Hübner Vertrag hat sich durch den Auftstieg bis 2021 verlängert, Darum fehlt er nicht auf dem Foto.

  8. zinglers statements bringen oft nichts neues, weil sie allgemeinen konsens vermitteln: brauchen wir geisterspiele, um finanziellen schaden von den vereinen abzuwenden? ja. sollen spieler solidarisch auftreten? ja. sollen maßnahmen verhältnismäßig sein? ja. sollen zuschauer ins stadion? ja. soll fußball überhaupt für menschen im stadion stattfinden? ja.
    es sind mitteilungen, hinter denen du eine menge leute versammeln kannst – also typische funktionärsbekenntnisse.
    man sollte dem ganzen kein besonderes gewicht geben.
    ich hab da auch noch eins: ist gentner ein hammer spieler?!?! jaaaaaaaaaaaaa!

    EISERN

  9. Zum gestrigen Spiel erschien noch eine kleine Reportage “Die ‘neue Normalität’ im Fußball Saisonabschluss 2020 1.FC Union Berlin Fortuna Düsseldorf” vom freien Journalisten Christian S.

    Auf Youtube:

  10. Nennt sich denn jetzt schon jeder Journalist, der drei Videos ins Netz stellt? Christain S. freier Journalist… eher anonymer Journalist.
    Da er ja laut seinem YouTube-Output sonst auf sogenannten Corona-Demos filmt, hatte seine „Reportage“ wenig mit Union zu tun sondern eher mit ihm.

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