Ein Spiel zum Vergessen und eine Tabelle zum Verlieben

Es gibt so Spiele, da merkt man von Beginn an, dass der Wurm drin ist und nichts geht. Die Partie gegen Hoffenheim gestern, die mit 0:4 verloren ging, war so eine. Damit ist das Team von Dietmar Hopp die einzige Mannschaft gegen die Union in dieser Saison kein Tor erzielen konnte. Und als ob so ein 0:4 nicht reichen würde, so schickte mir gestern nach 20 Uhr Onefootball die Nachricht, es würde nun 0:5 stehen. Es ist halt für uns alle eine sehr lange Saison …

Moritz Nicolas stand überraschenderweise bei Union im Tor und das ist schon die Geschichte des Spiels, wenn wir uns fragen, ob er nun in der nächsten Saison die Mission Klassenerhalt Nummer 2 als Stamm-Torhüter begleiten wird. Es gibt natürlich bessere Debüts als eins mit vier Gegentreffern für Keeper. Aber was kann uns diese Partie über Nicolas sagen? Beim dritten Gegentor bekommt er die Beine nicht rechtzeitig zusammen. Ansonsten fällt es mir schwer, Moritz Nicolas zu bewerten, wenn die Mannschaft insgesamt so harmlos spielt. Denn im Prinzip hat Union gegen Hoffenheim all das gezeigt, womit man deutlich aus der Bundesliga absteigen würde: vorne sagenhaft harmlos und unpräzise, wenig Härte in den Zweikämpfen und ein etwas zu sorgloses Abwehrverhalten. Ich bin sehr froh, dass Union gegen Schalke, Köln und Paderborn ganz anders angetreten ist und dort das Klassenerhaltsgesicht gezeigt hat.

Hier sind die Artikel der Berliner Medien zum 0:4 in Hoffenheim:

Die Luft sei raus bei Union hält der Kurier fest. Ich glaube da ehrlich gesagt noch nicht daran. Das liegt vor allem an der Konstellation für den letzten Spieltag. Denn da kommt Düsseldorf, die mit einem Sieg bei Union den Relegationsplatz sichern können. Bremen hingegen will den noch erobern. Mir ist zwar vor allem Union wichtig und andere Clubs egal. Aber ich möchte sehr ungerne eine Rolle spielen wie Borussia Dortmund, die mal am letzten Spieltag gegen Hoffenheim verloren und so deren Weg zum Klassenerhalt geebnet haben. Die Morgenpost thematisiert diese Tabellensituation auch.

Die Sechs-Punkte-Spiele-Tabelle

Es gibt noch einen anderen Punkt. Vor Saisonstart habe ich im Podcast Tabellenplatz 13 als realistisches Ziel ausgegeben, der tatsächlich noch drin ist (aktuell steht Union sogar auf Platz 12). Meine Argumentation war, dass Union in einem Rudel mit 6 Mannschaften um den Klassenerhalt kämpft, aber nicht signifikant schlechter als die anderen Mannschaften ist. Da mit Bremen ein Team dabei ist, dass vorher vielleicht niemand so tief in den Abstiegskampf getippt hätte, können wir uns die Tabelle der letzten sieben Teams anschauen und erkennen, dass Union tatsächlich der Best of the Rest ist.

Ich würde mir wünschen, dass Union hier noch weitere 3 Punkte holt, was eine wirklich starke Ausbeute wäre. Denn damit hat Urs Fischers Team nicht nur etwas für das eigene Punktepolster getan, sondern auch dafür gesorgt, dass die Konkurrenz sich nicht dank Union aus dem Abstiegskampf befreien konnte. Das ist quasi die Sechs-Punkte-Spiele-Tabelle.

Oliver Ruhnert beim ZDF-Sportstudio

Oliver Ruhnert war gestern im ZDF Sportstudio (hier zum Nachschauen ab 16:50 Minute). Zu den Geldstrafen von der DFL wegen des Verstoßes gegen das Hygienekonzept sagte er, dass sie zusammengerechnet im fünfstelligen Bereich liegen würden und nannte die Szenen mit Christopher Trimmel oder Sheraldo Becker mit den Fans “menschlich verständlich, aber in diesen Zeiten nicht richtig”.

Ein bisschen erzählte der Manager über die Schwierigkeiten einer Saisonplanung mit vielen unbekannten Variablen bei der Etataufstellung und ob sich der Fußball anpassen und etwas herunterfahren müsse. Ich fand das alles sehr oberflächlich, was auch daran lag, dass es kein augenscheinliches Interesse beim Sportstudio gab, etwas tiefer zu gehen. Der einzige kleine Aufreger war, dass ihm von der Sportstudio-Redaktion beim Thema Neven Subotic das Zitat “Er soll mal besser spielen und nicht so viel reden” untergeschoben werden sollte. Doch da sagte Ruhnert nur, dass er das nie gesagt habe. Ich konnte das in kurzer Recherche so auch nicht finden und bin genauso wie der Union-Manager an der Quelle interessiert.

Vermutlich war es eine Verkürzung von zwei Themen, die Oliver Ruhnert dann auch dargestellt hat: Neven Subotics Rückrunde war nicht so gut wie seine Hinrunde. Und Union verlangt hundertprozentige Konzentration auf das eigene sportliche Ziel.

Ein epischer Podcast über den wirtschaftlichen Niedergang des FCK

Beim Rasenfunk gibt es ein längeres Gespräch über die beantragte Plan-Insolvenz des 1. FC Kaiserslautern. Ich kann diese 3 Stunden nur empfehlen, denn es zeigt, wie Fehleinschätzungen sich zu einem Schuldenberg auftürmen, der jeglichen Gestaltungsspielraum nimmt und wo es nur noch darum geht, irgendwie nicht pleite zu gehen. Das hat beim FCK schon epische Dimensionen, dass ich mir vorstellen könnte, dass Thomas Mann heute die Buddenbrocks nicht mehr bei einer hanseatischen Kaufmannsfamilie ansiedeln würde, sondern die Geschichte des Clubs aus Kaiserslautern schildern würde. Die Hagenströms aus dem Buch könnten dann Mainz oder Hoffenheim spielen.

Die Rolle von Quattrex beim Planinsolvenzverfahren von des 1. FC Kaiserslautern, die im Podcast thematisiert wird, dürfte auch aus Unionsicht interessant sein. Denn nicht nur der FCK hat sich Geld am grauen Kapitalmarkt besorgt, sondern laut Kicker auch der 1. FC Union. Ein Umstand, der bis heute bei mir zu Bauchschmerzen führt. Erst recht dadurch, dass die Vereinsführung hier keine Transparenz gegenüber den Mitgliedern zeigt, sondern nur zwischen Aufsichtsrat und Präsidium. Das mag satzungskonform sein. Aber angesichts der persönlichen Beziehungen zwischen Aufsichtsrat und Präsidium sehe ich da weiter ein Kontrolldefizit. Oder um es anders zu sagen: Der Aufsichtsrat bei Union funktioniert einfach nicht so, wie ein Aufsichtsgremium funktionieren sollte. Da fehlt mir die Distanz zum Verein in dem Gremium. Jedenfalls wenn es um wirtschaftliche Belange geht.

Ich hoffe, dass ich nie einen so langen Podcast wie über den wirtschaftlichen Niedergang des FCK über den 1. FC Union höre muss. So dürfte es auch vielen Fans von anderen Vereinen beim Hören gegangen sein.

Berliner Fußballverband bricht Saison ab

Für das zweite Team der Unionfrauen gibt es nun auch Planungssicherheit, denn nun hat auch der Berliner Fußballverband die Saison abgebrochen. Gewertet wird die Tabelle des letzten durchgeführten Spieltags. Haupstadtarroganz schreibt dazu auf Instagram: “Für unsere eisernen Mädels ist die Saison offiziell beendet. Gewertet wird die Tabelle vom 12.03. (ggf. unter Anwendung der Quotientenregelung). Der Pokalwettbewerb der 2. Frauen wird ebenfalls abgebrochen. Die 1. Frauen sollen ihren Pokal im Herbst sportlich zu Ende führen. Grund dafür ist die Ermittlung eines Teilnehmers für den DFB Pokal.”

Laut verschiedenen Meldungen soll sich Sky die meisten Live-Pakete der Bundesliga gesichert haben und der Rest sei an Dazn gegangen. In der heutigen Bild am Sonntag gibt es eine genaue Aufstellung. Aber ich glaube, dass wir uns das auch in Ruhe morgen bei der DFL anschauen können. Neben der Frage “Wer zeigt was” dürfte noch interessant sein, wie viel die Sender dieses Mal zahlen (können).

11 Gedanken zu „Ein Spiel zum Vergessen und eine Tabelle zum Verlieben

  1. „Oberflächlich“…besser kann man den gestrigen Auftritt im ASS nicht zusammenfassen. Schade!

  2. Oberflächlich vielleicht, aber die Aussage zu Polter das “46 von 47 Leuten zugestimmt haben” hat mich aufhorchen lassen.

    1.stellt man damit Polter unnötig bloß
    2.glaube ich nicht das die restlichen 46 Hurra geschrien und ohne Diskussion unterschrieben haben.

  3. Der Rasenfunk-Podcast zum FCK ist in der Tat hörenswert. Ein Punkt, den ich da und in der gesamten Diskussion aber vermisse, ist warum eine Insolvenz in der Spielordnung des DFB so wenige sportliche Folgen nach sich zieht. Egal ob aktuell ohne Punktabzug oder wie im „Normalfall“ einer Insolvenz mit 9 Punkten Abzug. Es ist ein Hohn für die anderen Vereine in der 3. Liga, die wirtschaftlich alle auf Kante genäht agieren, dass sich ein Verein wie der FCK mit seiner jahrzehntelangen Misswirtschaft mit der Insolvenz quasi einen langfristigen sportlichen und wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteil verschafft. M.E. sollte die selbst verschuldete Insolvenz immer einen Zwangsabstieg nach sich ziehen, mind. um eine, gerne um zwei Ligen.

  4. @Michael:

    zu 1.: ich sehe da keine Bloßstellung. Und selbst wenn, dann hat er daran leider in großen Teilen selbst seine Aktien daran.

    zu 2.: Vatter sagte immer: “glauben kannste in der Kirche!”
    Natürlich wird es da Diskussionen gegeben haben, wäre schlimm wenn nicht. Fakt ist, alle Anderen haben mit ihrer Unterschrift letztlich zugestimmt. Und darum ging es hier!

  5. @Michael
    Quatsch mit Soße, Ruhnert wurde zu Polter gefragt und hat geantwortet. Bloßgestellt ? Im Gegenteil er hat die falsche Aussage in der Frage richtig gestellt.

  6. @Jacek: Einige Ostvereine haben darüber zuletzt auch erheblichen Unmut geäußert mit der Begründung, dass der Nicht-Abzug von 9 Punkten ausdrücklich mit Corona begründet wurde. Die Schieflage des FCK dauert bereits seit Jahren an. Corona wird in diesem Falle offensichtlich für eine Wettbewerbsverzerrung genutzt.

    Das Problem ist allerdings, dass die Ostvereine dem Prozedere selbst zugestimmt haben. Man könnte auch sagen, sich haben über den Tisch ziehen lassen.

    Zum Aspekt fehlende Kontrolle durch den AR bei Union: Das Beispiel Wirecard zeigt, wohin fehlende Kontrolle führen kann. Alle daran Interessierten sollten sich mal zusammensetzen und ihre Kräfte im Hinblick auf die nächste MV bündeln. Später, wenn das Kind im Brunnen liegt, zu sagen “das habe ich schon immer gesagt” ist ja nicht wirklich befriedigend.

  7. PS: Zum Stadionausbau stand ich immer – vor allem aus finanziellem Blickwinkel – auf der Bremse. Ein Argument war: Es gibt “schwarze Schwäne” von denen wir heute noch gar nichts ahnen.

    Ein solcher “schwarzer Schwan” ist inzwischen Realität (Corona).

  8. @MariaDraghi: nicht nur die Ostvereine, bei Preußen Münster Ist es das gleiche (Unmut geäußert, aber zugestimmt).

    Ich habe grundsätzlich ein Problem mit der Regelung, dass die Insolvenz nur zu einem Punktabzug führt, aber keinen Zwangsabstieg zur Folge hat. Hätte der FCK zum jetzigen Zeitpunkt ein paar Punkte mehr auf dem Konto und entsprechend Vorsprung auf die Abstiegsplätze, könnte er auch ohne die Corona-Sonderegel Insolvenz anmelden, ohne einen Abstieg fürchten zu müssen.

  9. Der o.g. Podcast schildert sehr eindrucksvoll, welche Fehler man im Profifußball so alles machen kann. Leider musste ich etliche Male auch an Union denken, andere Male sah sich erhebliche Unterscheide. Z.B. in Lautern unheimlich viele Leute, die von außen mitgeredet und sogar bei wesentlichen Fragen mitentschieden haben (Kurt Beck, aber auch Quattrex).

    Interessant ist (leider) auch, wie sich die FCK-Fans die eigene Lage immer wieder schön reden, verklären oder sogar offensichtliche Fehlentwicklungen nicht verhindert haben (Stichwort Wahnsinns-Verschleiß an Spielern, Trainern, Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern). Hier gibt es sowohl Parallelen als auch Unterschiede zu uns. Parallele: Auch bei uns wollen viele die genauen wirtschaftlichen Details gar nicht wissen.

  10. @Jacek,
    es gab mal die Regelung, dass man bei Insolvenzantrag sofort absteigen musste. Das wurde durch das geänderte Insolvenzrecht vom DFB angepasst, da es im Kern des Insolvenzrechts um den Erhalt eines Unternehmens geht. Bei Abstieg wird das erschwert und ist daher rechtlich nicht haltbar. Plauen war da mit involviert, wenn ich mich richtig erinnere.

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