Union hat gezeigt, wie man gegen Leipzig spielt, auch wenn die Partie verloren ging

Es war kurz vor dem Abpfiff, als sich der gesamte Gästeblock warm sang für den Schlusspfiff. Die Mannschaft sollte nach dem 1:3 bei Rasenballsport Leipzig eine lautstarke Anerkennung für ihr Spiel und den Kampf bekommen. Und natürlich ging es auch um den Ehrgeiz, auswärts zu  zeigen, dass wir bei einer Niederlage länger singen, als die Heimfans ihren Sieg feiern. Doch mit dem Pfiff von Schiedsrichter Bastian Dankert donnerte so dermaßen laut Musik los und die LED-Show ging los, wie ich es zuletzt in Elsterwerda in der Disko erlebt habe, dass Ali, der Capo unten im Block, nur die Hand vor das Gesicht legt. Dieser Facepalm fasste das gesamte Stadionerlebnis aus meiner Sicht perfekt zusammen.

Der Spielzug zu Unions Tor war perfekt

Union selbst zeigte sich größtenteils aufmerksam und sehr verändert im Vergleich zum Spiel am 1. Spieltag und ich hätte nicht geglaubt, dass wir im früheren Zentralstadion etwas zu feiern bekommen würden. Aber der Spielzug zum 1:0 war von der Balleroberung im Mittelfeld über die Vorlage von Sebastian Andersson bis zum Abschluss durch Marius Bülter auf eine selten gesehene Art perfekt.

Ich mochte die Intensität der Zweikämpfe (erstaunlich, dass Union in so viele gekommen ist). Die Aufmerksamkeit, mit der Spieler übergeben wurden und Pässe geblockt wurden, war fast schon beängstigend gut. Richtig schön, wie Nkunku aus dem dem Spiel genommen wurde. Allerdings war der Stress, den das Heimteam aufbaute auf Dauer nicht durchzuhalten.

Das Team von Leipzig sorgte für Stress bei Union

Schon gegen Ende der ersten Halbzeit spielte Leipzig drei, vier Mal den gleichen Spielzug, bei dem am Ende von rechts ein Ball mit hohem Tempo knapp diagonal durch den Fünfmeter-Raum geschossen wurde, den am langen Pfosten Timo Werner oder ein anderer Spieler hätte verwandeln sollen. Aber das schien Union gewusst zu haben, denn dort stand der Leipziger immer in Manndeckung.

Die Art wie in der zweiten Halbzeit leider zu schnell die Gegentore fielen, war ärgerlich. Bülter wehrt einen Ball zentral ab, den Werner direkt in den Winkel schießt (erinnerte mich an das erste Tor von Pavard in München). Der zweite Treffer hatte mit einem Rückenabpraller von Subotic auch eine Union-Vorbereitung. Danach war das Spiel ein anderes, weil Leipzig sich zurückzog und Union offensiv wechselte.

Marius Bülter jubelt nach seinem Tor zum 1:0 gegen Rasenballsport Leipzig, Foto: Matze Koch

Aus meiner Sicht hat aber Urs Fischer mit seinem Team gezeigt, wie man im Prinzip gegen Leipzig spielen kann. Und das ist wichtig. Denn es zeigt, dass Union in den jetzt kommenden Spielen auf einen Plan zurückgreifen kann, der funktioniert. Das muss man mitnehmen und sich auf die kommenden Aufgaben mit Augsburg, Dortmund und Leverkusen konzentrieren. Leipzig war vom Plan her wie spielfrei. Da bin ich ganz auf Wellenlänge mit dem Kommentar im Kurier.

Das sind die Spielberichte der Berliner Medien:

"Support your local football club - in Leipzig nur Chemie und Lok!", via Twitter: @druebergehalten

“Support your local football club – in Leipzig nur Chemie und Lok!”, via Twitter: @druebergehalten

Trauermarsch vor dem Spiel

Bei ntv gibt es einen ausführlichen Bericht über den Trauermarsch vom Hauptbahnhof zum früheren Zentralstadion. Die niedergelegten Kreuze am Eingang des Stadions boten im Dunkeln ein beeindruckendes Bild.

Die Kreuze vom Trauermarsch vor dem Gästeblock des früheren Leipziger Zentralstadions, Foto: Stefanie Fiebrig

Die Kreuze vom Trauermarsch vor dem Gästeblock des früheren Leipziger Zentralstadions, Foto: Stefanie Fiebrig

Ich dachte, dass das Warten am Eingang zu den Blöcken stressig werden könnte, wenn immer mehr von hinten drücken. Aber das war es nicht, denn erstens war es überhaupt kein Problem für Kinder oder Leute, die nicht so gut stehen konnten, sich in der obersten Reihe zu setzen. Und andererseits waren zumindest bei uns alle wahnsinnig entspannt. Wozu sicher auch diejenigen beitrugen, die Blockeingang standen und geduldig erklärten, warum wir erst 5 Minuten vor Anpfiff in de Block gehen. Und wenn ich mir die Fotos anschaue, dann ist die Inszenierung gelungen.

Das wirklich Schönste an dem Abend fasst dieser Tweet von Dominik zusammen: Für uns war es das diese Saison mit Leipzig. Meinetwegen kann die Mannschaft auch Deutscher Meister werden. Das wird mich ähnlich bewegen wie 2009 der Titel für Wolfsburg. Sportliche Leistung kann man holen. Sympathie und das natürliche Gefühl, dass man dazu gehört, kann man sich nicht kaufen. Und so wie bis heute niemand Leverkusen oder Wolfsburg in seine Traum-Bundesliga aufnehmen würde, wird das auch mit Leipzig sein. Sie können in der Liga spielen, werden aber aus meiner Sicht nie dazugehören.

Twitter: @19Mayo87

Twitter: @19Mayo87

Und sonst so?

Gestern war der Neujahrsempfang des Berliner Fußballverbandes im Stadion an der Alten Försterei. Dabei wurde auch das Halbfinale des Berliner Pokals ausgelost, in dem die Frauen des 1. FC Union auf Viktoria 89 treffen. Das wird ein spannendes Spiel.

Bernd Schultz (BFV) und Dirk Zingler (1. FC Union Berlin) beim Neujahrsempfang des Berliner Fußballverbands, Foto: @fcunion

Bernd Schultz (BFV) und Dirk Zingler (1. FC Union Berlin) beim Neujahrsempfang des Berliner Fußballverbands, Foto: @fcunion

Während ich nach dem Spiel scheinbar endlos durch das Leipziger Rosental gelaufen bin, um zu unserem Auto zu finden, haben einige Union die späte Anstoßzeit dazu genutzt vor der Partie beim Leipziger Winter-Marathon im Clara-Park. Mehr dazu in der Leipziger Volkszeitung.

 

21 Gedanken zu „Union hat gezeigt, wie man gegen Leipzig spielt, auch wenn die Partie verloren ging

  1. ich habe schon schlimmste Befürchtungen, dass uns Leipzig doch nochmal über den Weg laufen könnte.

  2. Nicht so schnell, Dominik und Sebastian. Mal schauen, was das Pokalspiel in Verl bringt und ob Leipzig weiterkommt. Mit etwas Lospech sehen wir die Dosen schneller wieder als uns lieb ist…

  3. urs fischers neuer freund, lothar matthäus, ist der einzige, der es richtig macht und die dosenmannschaft, auch wenn er sich dann korrigiert, beim einzig möglichen namen nennt, nämlich RED BULL LEIPZIG – er sagt nicht DIE ROTEN BULLEN, er benutzt nicht die spitzfindige verhöhnungsformel RASENBALLSPORT, er nennt die marke, die das dortige team zum zwecke des verkaufs instrumentalisiert. und eben weil es nicht erwünscht ist, sollte man vielleicht um so konsequenter, wie unser aller lothar, nur noch von RED BULL LEIPZIG sprechen.

    EISERN

  4. Die ganze schwachsinnige Diskusion um tradition oder nicht kann man nicht mehr hören. Schlagzeilen wie , der fussball stirbt, sind doch hirnrissig. Wenn es so wäre gäbe es in England, Spanien, Italien, Brasilien usw. eigentlich schon keinen fussball mehr. Vieleicht sollten die selbsternannten tradionalisten mal ihr hirn zum normalen denken nutzen.

  5. Viele Grüße aus Elsterwerda!
    Möge der RB Dependance aus Leipzig das gleiche Schicksal wie unserer Disko ereilen…Licht aus und Ruhe!

    Eisern Union aus Südbrandenburg

  6. @lewo “Vieleicht sollten die selbsternannten tradionalisten mal ihr hirn zum normalen denken nutzen.”…….. das hast du mit diesen Spruch auch nicht gemacht . Ich respektiere andere Meinungen …..wenn man diese fundiert beweisen kann .Ich interessiere mich nicht für Fussball in Spanien oder Italien . Mich interessiert der Fussball hier bei uns , Freunde im Stadion treffen. Currywurst und oder Bier im Stehen aber ich brauche keine Bespassung und Lichtshow oder die Auswechselung wird präsentiert von ……

  7. Die Fankultur in Englands Premier League muss man sich leisten können. Dann ist es allerdings ganz OK, die jungen Leute unter 40 stören eh nur das Sitzplatzerlebnis an der App im Stadion-WLAN. 😉

  8. Bela Rety vom ZDF sollte nie mehr ein Union-Spiel nachkommentieren dürfen. Einen Schuss von Andrich schriebt Parensen zu. Und der Höhepunkt kurz vor Schluss: Polter wird bei seiner Chance zum gerade für die Bullen eingewechselten Ilsanker gemacht.

  9. Naja, Stimmung in England konnte man ja Ende November in der Europa League live im TV sehen. Da sind die Besucher der Deutschen Oper die reinsten Hooligans gegen.

  10. Eieiei, jetzt bekommt schon Lok Zuspruch von uns, um Red Bull zu dissen. Die sind doch fast auf einer Stufe mit Dieda…

  11. Fand den gestrigen Einsatz von Malli (als ersten Einwechsler) etwas ‘unseriös’: Ohne eine einzige Trainingseinheit mit dem Team. Auch gegenüber den anderen Spielern ein seltsames ‘Zeichen’. Populistisch könnte man meinen, seine 20 Minuten Einsatzzeit bestätigen diesen Eindruck…

  12. @silberhacke, das sehe ich genau anders! Die wollten sich ja Red Bull nennen, das war aber (selbst mit diesen Verbänden) mit den Lizenzbedingungen unvereinbar. Also hat man sich auf diesen faulen Kompromiss eingelassen.
    Jedes mal, wenn du RedBull sagst, machst du genau das, was sie wollen – Werbung für die! Deshalb nenne ich die beim Namen Rasenball (oder eine der vielen anderen Bezeichnungen). ;)

  13. Was ich mich wirklich frug: diese ganze “Raba-ultra” – Inszenierung (und das muss ich hier mal sagen, da war schon die ganze zeit was los bei denen), ist das eigentlich von bezahlten raba-claqueuren gelenkt? Aus meiner Perspektive zwischen Gästeblock und Raba-“Fans” fiel es garnicht so leicht, gegen die Dosen anzustinken.

  14. @Sebastian du warst bei hoppenz?

    @chilivanilli ist das deine Fahne Eisenbahnbrücke? 👍👌

    Eiserne Grüße aus Bali😜

  15. @ Schwarze Taube, ja du hast mich enttarnt…das ist meine Fahne ;-)

    Eisern!

  16. @fux gerade weil es gegen die lizenzbedingungen verstößt, möchte ich redbull sagen. wieviele dosen mateschitz verkauft, ist mir vollkommen egal. mich stört dieser zirkus um den vereinsnamen, wo er doch so einfach zu benennen wäre.

    grüße

  17. “rasenball” suggeriert, dass das ganze irgendwas mit sport als mittelpunkt zu tun hätte, und das ist, wie wir alle wissen, ein bloßes ablenkungsmanöver.

  18. Wirds ein Podcast geben? War schon traurig heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit..

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