Gleiches Ziel, aber verschiedene Wege: Streitgespräch zwischen Dirk Zingler und Uli Hoeneß

In der Berliner Zeitung gibt es ein interessantes und zum Nachdenken anregendes Doppel-Interview mit Dirk Zingler und Uli Hoeneß. Beide sprechen darüber, wie der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik im Fußball abgelaufen ist und welche Perspektiven sie für den deutschen Fußball heute sehen.

Präsident Dirk Zingler nach dem Aufstieg in die Bundesliga

Präsident Dirk Zingler nach dem Aufstieg in die Bundesliga, Foto: Matze Koch

Da gibt es natürlich auch Punkte, in denen sie unterschiedliche Ansichten haben, etwa dass Dirk Zingler in einer Aufhebung der 50+1 Regel und Öffnung für Investoren nicht wirklich große Potenziale sieht, und Hoeneß diesen Gedanken über fairen Wettbewerb nichts abgewinnen kann:

Zingler: Gelder so verteilen, dass der Wettbewerb gerechter wird. Es wäre eine Möglichkeit, dem amerikanischen Beispiel mit einem Draftsystem zu folgen. Die Holländer denken darüber nach, die Erlöse aus dem internationalen Wettbewerb anders zu verteilen. Andere Sportarten versuchen, den Wettbewerb fairer zu gestalten. Im Pferdesport bekommt der Beste mehr Gewicht, um eine Chancengleichheit herbeizuführen.

Hoeneß: Ja, das möchte ich mal sehen, wenn einer wie der Lewandowski mit der Bleiweste spielt.

Die unterschiedlichen Ansätze begründen sich da tatsächlich auch darin, dass Dirk Zingler erst einmal an den nationalen, Hoeneß dagegen an den internationalen Wettbewerb denkt. Auch wenn Zingler bei den politischen und wirtschaftlichen Kontexten des Sports internationale Zusammenhänge natürlich mitdenkt und anspricht.

FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß

FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß, Foto: Matze Koch

Interessant sind durchaus die Perspektiven, die Zingler für Union sieht. Am liebsten möchte er, dass Union 2029 um die Meisterschaft spielen würde. Damit das niemand missversteht, der Union-Präsident ist nicht plötzlich größenwahnsinnig geworden. Das ist ein Wunsch, der sicher alle Fans betrifft, die nicht gerade Anhänger von Dortmund, Leipzig, Wolfsburg oder Bayern sind. Denn außer diesen vier Klubs müssen alle anderen im Prinzip unter den derzeitigen Umständen ehrlich sagen: Wir werden nie Deutscher Meister.

Gerade das Erleben der Grenzöffnung ist durchaus spannend zu lesen und auch die Sicht der beiden auf die Deutsche Einheit. Insgesamt sind Zingler und Hoeneß auch weniger weit auseinander, als man oberflächlich betrachtet annehmen könnte:

Zingler: Das Verhältnis zwischen Ost und West ist besser, als immer wieder gesagt und geschrieben wird. Wir sind mit Union in ganz Deutschland unterwegs, ich reise beruflich seit 30 Jahren durch Deutschland, denke seit vielen Jahren nicht mehr in den Kategorien Ost und West. Für mich gibt es nur eins: Vollpfosten ja oder nein. Egal wo er herkommt.

Hoeneß: Ich sage immer: Arsch bleibt Arsch.

Union-Präsident Dirk Zingler und Sebastian Polter feiern den Aufstieg

Union-Präsident Dirk Zingler und Sebastian Polter feiern den Aufstieg, Foto: Matze Koch

Zum aktuellen Sport

Das Spiel in Mainz ist für Union auf alle möglichen Weisen weniger aufregend als das Derby gegen Hertha. Aber sportlich und für die Tabelle ist es eher noch wichtiger. Denn für Union ist es ein sechs-Punkte-Spiel, in dem es darum geht, Mainz nicht an sich vorbei ziehen zu lassen, sondern sich selbst in der Gruppe der Mannschaften bis Platz 11 zu halten und nach vorn zu schieben.

Dass Union in einer Position ist, in der das möglich ist, verdankt sich Trainer Urs Fischer zu Folge vor allem einem Entwicklungsprozess in den ersten zehn Spielen (Kicker). Die Pressekonferenz vor dem Spiel gibt es hier.

Spiel-Plan

Bekanntlich hat Mainz am letzten Wochenende 0:8 verloren und ist dabei (für die ersten Tore) vor allem brutal ausgekontert worden. Am Bruchweg ist man aber offenbar überzeugt, dass das Spiel gegen Union ein ganz anderes wird, für das aus dieser Niederlage fast nichts folgt.

Als Vorbild für den Auftritt soll dagegen die Leistung beim Sieg gegen Köln herhalten. In diesem (3:1 gewonnen) Spiel hatte Mainz zwar zwei sehr schöne Tore geschossen. Aber auch in der ersten Phase des Spiels große defensive Probleme und später viel Glück mit einer falschen Elfmeter-Entscheidung.

Die Mainzer Bloggerin Mara Pfeiffer (Wortpiratin) erwartet von 05 zum einen den Versuch, sich auf elementare “Tugenden” zu besinnen, zum anderen aber auch, an einer offensiven, Ballbesitz suchenden Spielweise festzuhalten. Es wird spannend, ob Mainz damit Unions Engagement und Intenstität sowie das gegen Hertha auffällige Pressing überbieten kann. Jedenfalls könnten wir wieder weniger Ballbesitz und ein direkteres Spiel von Union sehen.

Auf den anderen Plätzen

Die Union-Frauen (Tabellenplatz #2) spielen in der Regionalliga am Sonntag um 13:30 Uhr gegen den SV Eintracht Leipzig-Süd (#8).

Die U19 von Union (#4) spielt am Samstag in Magdeburg (#11), die U17 (#9) muss bei Raba Leipzig (#3) spielen.

Derby-Aufarbeitung

Die Dachorganisation mancher organisierter Hertha-Fans, der Förderkreis Ostkurve, lehnt die Pyro-Geschosse beim Derby ab. Was auch sonst?

Außerdem berichtet der RBB noch etwas mehr über die Gemengelage innerhalb der Hertha-Szene und deren Beziehungen zum BFC Dynamo und 1. FC Magdeburg.

Und noch eine nette Geschichte vom Derby (wenn auch praktisch gesehen nur eine nette Geste): Dieser Hertha-Fan hatte beim Spiel seinen Ausweis verloren und hat ihn von Union zurück geschickt bekommen.

Und sonst so

Dass andere Vereine das Weihnachtssingen kopieren, kennen wir schon. In Chemnitz passiert das nun auf eine relativ absurde Weise: Weil es einer Eventagentur an Geld dafür fehlt (und es deshalb abgesagt wurde), bezuschusst die Stadt die Veranstaltung (die jetzt doch stattfindet).

Die Verlosung für das richtige Weihnachtssingen beginnt heute.

4 Gedanken zu „Gleiches Ziel, aber verschiedene Wege: Streitgespräch zwischen Dirk Zingler und Uli Hoeneß

  1. “Hoeneß: Also, wir beim FC Bayern haben uns an diesem Ausverkauf ganz bewusst nicht beteiligt. Wir hatten beschlossen, dass wir uns an der Fledderei nicht beteiligen und den ostdeutschen Vereinen nicht die Spieler wegnehmen.

    Zingler: So großherzig?”

    -> Pures Gold!

  2. “Das Konzept FC Bayern lässt sich jedenfalls auf keinen anderen Verein übertragen.”
    Stimmt. Es kann immer nur einen Mafiaboss geben.

  3. 5 jahre lang hätte man spieler ostdeutscher klubs nicht kaufen dürfen? – diese besondere form der neu gewonnenen individuellen freiheit hätte man den spielern dann aber gründlich erklären müssen. – es wird bei dieser diskussion immer vergessen zu erwähnen, dass die abwanderung ganz klar auf das prinzip von angebot und nachfrage zurückzuführen ist. klar, da konnten ostdeutsche klubs nicht mitbieten. aber gegen ihren willen mussten die spieler ja nun auch nur in den wenigsten fällen wechseln.

  4. Die @Wortpiratin hat offenbar übersehen, dass wir die Könige der elementaren “Tugenden” sind. 😉 Eisern.

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