Felix Kroos braucht keinen Ball, um gut zu sein

Gegen den FC Bayern kehrten Urs Fischer und Union zu der 4231-Formation zurück, die in den ersten Saisonspielen zum Einsatz kam. Die Idee dahinter war wahrscheinlich, Bayern lieber etwas weiter weg vom eigenen Tor zu stören, als sich nur auf eine massierte Strafraumverteidigung zu verlassen. Dabei hilft der zusätzliche zentrale Mittelfeldspieler, dem es im 4231 verglichen mit dem ebenfalls möglichen 541 gibt.

Bayern-Union Formationen

Die Grundformationen von Bayern und Union: Das 4231 und Felix Kroos sind neu.

Die größere Überraschung als dieser Formationswechsel war vielleicht, wer dabei als der dritte zentrale Mittelfeldspieler aufgeboten wurde: Felix Kroos, der zwar gegen Freiburg nach seiner Einwechslung schon ein paar Minuten mehr spielen durfte, ansonsten in dieser Saison aber noch kaum ein Faktor war.

Vielleicht unerwarteter Weise war es aber Robert Andrich, der stärker in das Aufbauspiel von Union eingebunden war, wenn das einmal stattfand. Kroos dagegen war ohne Ball sehr viel präsenter als mit Ballaktionen. Auffällig waren dabei neben wichtigen Grätschen, die verhinderten, dass Bayern Tempo hätte aufnehmen können, auch Vorstöße aus Unions Mittelfeldpressing, die den Handlungsspielraum von Thiago einschränkten.

Bayerns tiefer Spielmacher hatte aber trotzdem relativ viele Freiheiten. In Unions 442-Defensivformation kümmerte sich die zweite Spitze um Thiago, in der Regel war das Christian Gentner. Dabei beschränkte sich Union aber eben meistens darauf, den Weg ins offensive Zentrum zu verstellen, beziehungsweise zu verlangsamen. In Bayerns Hälfte presste Union dagegen nur selten, um das Risiko, das damit einher ginge, dort im Pressing überspielt zu werden, zu minimieren.

Graphik Between the Posts

Union gelang es insgesamt recht gut, Bayern auf den Flügel zu lenken (was Niko Kovačs Mannschaft allerdings auch von selbst schafft). Graphik: Between the Posts (Web, Twitter)

In der Tat konnte man so verhindern, dass Bayern eine nicht zu kontrollierende Präsenz im Zehnerraum aufbauen konnte. Daran änderten auch Philippe Coutinhos zurückfallende Bewegungen ins Zentrum nur wenig. Die Folge waren relativ wenige gefährliche Abschlüsse des Abo-Meisters in der ersten Halbzeit – in der es eigentlich nur das Tor von Pavard als wirklich gefährlichen Moment gab, wenn man ein paar mehr oder weniger knapp verpasste Hereingaben, die aber eben nicht zu Schüssen führten, außer Acht lässt. (Unter anderem damit, wie das zustande kam, befasst sich auch der Spielbericht der Kollegen von Mia san Rot.)

Expected Goals von Between the Posts

Bayerns relativ wenige Chancen im xG-Verlauf. Graphik: Between the Posts (Web, Twitter)

Natürlich gehört aber auch zu diesen Analyse-Aspekten auch die Anmerkung, dass Bayern insgesamt natürlich schon viele Szenen in den gefährlichen Räumen vor dem Strafraum hatte. Aber die kamen in der ersten Halbzeit eben oft, nachdem der Angriff einmal verlangsamt wurde, Union sich zurückzog und die Abwehr Gelegenheit zu guter Restverteidigung hatte. Erst nachdem Union nach dem 2-0 mehr aufmachen musste, hatte Bayern mehr ungestörte Offensivaktionen und viele große Chancen.

Union am Ball – halb so oft wie Bayern.

Auch wenn Union am Ende nur 33% Ballbesitz hatte, wirkte das Spiel nicht wie eins, in dem Bayern Ballbesitz absolut erdrückend ist. Das lag einerseits daran, welche Aktionen des Meisters Union zuließ, und welche Zonen es wie angesprochen erfolgreich versperrte. Es lag aber auch daran, dass Urs Fischers Mannschaft selbst hin und wieder Kurzpass-Kombinationen aufzog. Manche dieser Kurzpässe innerhalb der Viererkette spielte Union nicht statt langen Bällen, sondern um die Flugbälle in Richtung Sebastian Andersson besser vorzubereiten und ihm und dem Mittelfeld Gelegenheit zum Aufrücken zu geben.

Passgraphik für Union

Auch in der Passgraphik für Union sieht man, dass es den direkten Weg nach vorn natürlich gab, aber er nicht ausschließlich genutzt wurde. Graphik: Between the Posts (Web, Twitter)

Gerade in dem Dreieck zwischen Außenverteidiger, zentralem Mittelfeldspieler und Flügelspieler im Mittelfeld versuchte Union aber auch einige Male, sich spielerisch zu befreien. Neben Ablagen von Andersson waren es solche Kombinationen, mit denen Marius Bülter und Marcus Ingvartsen sowie später Sheraldo Becker einige Male auf dem Flügel in Bayerns Hälfte vorstoßen konnten. Daraus resultierten zwar kaum echte Torchancen, aber immerhin einige Annäherungen (wie schon nach zwei Minuten, als Ingvartsen eine Hereingabe von Bülter nicht traf).

Szene des Spiels

Kroos Bayern

Felix Kroos Grätsche gegen Kingsley Coman von Bayern. Photo: Matze Koch

Stellvertretend für viele gute und wichtige Grätschen von Union, die eigentlich nicht unbedingt die effizienteste Art sind, zu verteidigen, aber in gefährlichen Situationen für Union oft notwendig waren: Felix Kroos nach 25 Minuten. Kroos tritt selbst einen Freistoß, Bülter, Andrich und Subotic versuchen einen zweiten Ball festzumachen, das gelingt ihnen aber nicht. Als dann Bayern an den Ball kommt, könnte daraus ein gefährlicher Konter werden, Kroos verhindert das aber mit zwei fairen, harten Grätschen sehr schnell nacheinander gegen Müller und Coman.

5 Gedanken zu „Felix Kroos braucht keinen Ball, um gut zu sein

  1. Pingback: 1. FC Union nach dem Spiel gegen Bayern: Schneller Wechsel nach Freiburg › Textilvergehen

  2. Gibt es irgendwo eine Statistik, wie der Ballbesitz zur Halbzeit war? Bis etwa Minute 40 hatte ich das Gefühl, dass bis dahin der Ballbesitz fast ausgeglichen war.

  3. Danke. Deren Ballbesitzstatistik scheint allerdings noch verbesserungsfähig. Mehrfach geht sie bei beiden Mannschaften gleichzeitig hoch oder runter. Für gleichzeitig runter mag es ja noch Erklärungen geben wie Spielunterbrechungen; aber dass der Ballbesitz bei beiden Mannschaften gleichzeitig ansteigt erscheint mir doch recht amathematisch, wenn man von mehreren Bällen im Spiel absieht :-)

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