Das war kein Signal an die Bundesliga, sondern an uns selbst

Als wir gestern Abend nach dem 3:1 gegen Dortmund nach Hause kamen, hatte ich ein Rauschen im Ohr, dass ich so bisher noch nicht kannte. Irgendwann fiel es mir auf. Es waren einfach die Stadionnachwirkungen. Selbst jetzt am Morgen fühlt sich alles noch wie in Watte gepackt an. Während ich schreibe, höre ich es noch: “Union du wirst siegen, glaub an dich und es wird wahr, die erste Bundesliga ist für uns nun endlich da …” Das ist besser als jeder Gesang nach einem Tor, den ich bisher erlebt habe. Weil er hinaus schreit, was wir eigentlich noch nicht glauben können. Dass der 1. FC Union Berlin in der Bundesliga spielt. Dass der 1. FC Union in der Bundesliga Tore schießt. Dass der 1. FC Union in der Bundesliga siegt. War es nach dem Aufstieg einfach nur Freude und Unglaube, so hat gestern jedes Tor mehr Mut gemacht. Mit jedem Treffer wurde der Gesang lauter.

Ich verstehe, wenn Medien wie der Kurier schreiben, dass Union mit dem Sieg über die Borussia ein Signal an die Liga geschickt hat. Urs Fischer sagte dazu in der Pressekonferenz (auf AFTV gibt es sie zum Nachschauen): “Signal an die Liga … als Neuling … hahaha. Da sprechen wir nicht über Signale, die wir senden. Da sind wir froh. Wir haben die drei Punkte. Und sie können mir schon glauben: Budgetiert waren die nicht. Aber schön, wenn sie auf dem Konto sind. Aber ein Signal an die Liga zu senden, davon sind wir noch sehr weit entfernt.”

Trotzdem war das natürlich ein Signal. Aber nicht an die Liga. Es war ein Signal an den 1. FC Union selbst. Ein Signal für die Mannschaft, dass sie in jeder Situation bestehen kann. Auch gegen ein Team, das individuell so viel besser aufgestellt ist. Dass sie nicht vor Ehrfurcht erstarren muss wie gegen Leipzig. Dass sie einem so großartigen Spieler wie Julian Brandt die Luft zum Atmen nehmen kann. Dortmund hatte in der zweiten Halbzeit fast nur noch Ballbesitz in ungefährlichen Räumen und konnte kaum noch Schnittstellenpässe platzieren. Wir haben dann wieder die gute Strafraumverteidigung von Union gesehen, die wir aus der vergangenen Saison kannten.

Es war ein Signal an uns Fans, dass wir nicht zum Urlaub machen in dieser Liga sind, sondern wir uns wirklich festbeißen wollen. Oder besser gesagt festbeißen können. Wir haben nicht gesungen, dass wir nur zum Feiern da sind. Dass wir nicht die “kultigen Unionfans” sind, die mal kurz in der Liga vorbeischauen und eine etwas andere Farbe hineinbringen (beispielhaft dafür steht für mich dieser sicher wohlmeinende Text bei NTV). Ich bin lieber der schmerzende Pickel am Arsch der Liga, der dazu führt, dass es ein Umdenken auch bei anderen Vereinen gibt, wie sie Fußball im Stadion zeigen. Wenn Vereine vielleicht merken, dass sie mit Stehplätzen auf der Gegengerade vielleicht auf viel Geld verzichten, aber dafür etwas bekommen, was unbezahlbar ist.

Ich könnte noch lange und viel schreiben, aber es ist so, wie einer der Capos gestern nach dem Spiel gesagt hat: Das Spiel hat gezeigt, was Zusammenhalt ermöglicht. In der Mannschaft. Zwischen Fans und Mannschaft. Im ganzen Verein. Und das ist der Weg, wie der 1. FC Union in der Bundesliga bestehen kann.

Und wenn euch jemand heute oder morgen sagt, dass Union nur gewonnen hat, weil der BVB so schlecht war, dann grinst einfach. Denn ihr wisst, dass der BVB nicht alleine entschieden hat, nicht mehr torgefährlich zu werden, sondern da ein anderes Team noch auf dem Platz stand, das dafür gesorgt hat, dass Borussia Dortmund schlecht aussah. Das Spiel war keine BVB-Blamage, sondern ein Union-Erfolg.

Hier sind die Spielberichte der Berliner Medien:

Hier findet ihr Fotos vom Spiel:

Grüße an Tusche, der sich in der Halbzeit seinen Gesang abgeholt hat:

Grüße auch an die Herren Bozo Djurkovic und Chibuike Okeke (macht es in eurem Kopf auch immer noch “ohoho”, wenn ihr Okeke lest?)

Die Choreo auf der Waldseite war der Hammer, auch wenn ich sie von meinem Platz aus im Prinzip nicht gesehen habe. Das Bild von Urs Fischer mit den Fahnen dazu … Großartig.

Weniger großartig war, was passierte, als diejenigen, die auf dem Dach an der Choreo beteiligt waren, hinunter ins Stadion wollten. Denn der wohl einzig sichere Abgang führt über den Gästeblock. Das hatte sehr unschöne Szenen zur Folge, wobei ich über Ursache und Wirkung bisher widersprüchliche Aussagen bekommen habe und mich an dieser Stelle nicht festlegen möchte. Einige Waldseitensteher liefen  zur Faustkampfunterstützung rüber, die Polizei setzte Pfefferspray ein, etc. All das während die Mannschaft des 1. FC Union beim Stand von 1:1 in der ersten Halbzeit auf dem Rasen kämpfte. Einen kurzen Bericht aus dem Gästeblock gibt es hier bei Reviersport. So etwas führt im Zweifel dazu, dass die Rahmenbedingungen für solch aufwendige Choreos vielleicht eingeschränkt werden.

Sowohl im Gästeblock als auch im Heimbereich ging schon während der ersten Halbzeit das Wasser aus.

Auf den anderen Plätzen

Unions B-Junioren haben gestern 1:3 gegen Cottbus verloren (Spielbericht) und liegen damit in der Bundesliga auf Rang 8 (Tabelle). Nachher spielt das erste Frauenteam in Leipzig (14 Uhr Anpfiff) und das 2. Frauenteam bei Berolina Mitte (14.15 Uhr Anpfiff)

Drachenbootrennen

Wir sind heute ab 10 Uhr (ehrlicherweise schon ab 8.30 Uhr) beim Drachenbootrennen auf der Regattastrecke. Es gibt wieder ein Zelt für das Textilvergehen-Team (danke an Kristoffer) und sogar Bierbänke (danke an Michael). In der Pause nehmen wir unseren Podcast auf. Allerdings wird das Zuhören sicher schwer werden, weil wir wirklich nur aufnehmen und das nicht gleichzeitig auf Lautsprecher schicken. Kommt gerne vorbei und quatscht uns an. Und wer Lust hat, kann vielleicht auch ins Boot einsteigen, denn wir haben noch 2 oder 3 Plätze frei. Unsere Läufe starten: 10.20 Uhr, 12.40 Uhr und 15.00 Uhr.

15 Gedanken zu „Das war kein Signal an die Bundesliga, sondern an uns selbst

  1. Sich nicht benehmen konnten? Die wollten einfach nur runter wurden aber nicht gelassen. Und der Ordnungsdienst hat nichts gebacken bekommen.
    Stehe Sek 3
    Höhe Strafraum wuhlseite also gut Sicht auf die Dinge die da Geschen sind.

  2. @tetze Da habe ich tatsächlich zwei Dinge vermischt, weil ich nur das wahrgenommen habe, was zwischen Sektor 4 und Gästeblock passierte. Ich schreibe das mal um.

  3. Zitat Reviersport:

    „Wie Fans berichten, wollten sie über den BVB-Fans eine Union-Fahne aufhängen um die Gästefans zu provozieren,…“

    Wenn das so stimmt, wäre das ziemlich dämlich in Bezug auf zukünftige Choreos und die dafür notwendige Unterstützung seitens des Vereins.

  4. @pucki: glaube ich keine Sekunde. Und würde mich sehr freuen, wenn du das belegen kannst. Vor allem das “Runterwerfding”.

    Die Jungs standen so lange da oben, weil die ersten beiden, die über die Treppe sind, angegriffen wurden. Das ist Selbstschutz. Und eben nicht Provokation.

  5. Manchmal haben kleine Details eine große Wirkung. Wir haben wirklich nur eine Leiter bzw. Treppe als Abgang vom Dach? Und diesen genau am Gästeblock? Da braucht sich keiner wundern, wenn dort was passiert! Eigentor Union. Unprofessionell.

    Wird Zeit für einen zweiten Abgang an der Waldseite.

  6. Also in dem Videoschnipsel hier “provoziert” zwar ne Handvoll Unioner mit 2-3 Gesten vor der Plexiglaswand in Sektor 4 – der deutlich größere und wütendere Mob steht allerdings auf der anderen Seite.
    Okay, man weiss nich was kurz davor vorgefallen ist warum die Dortmunder da so abgehen. Auf Unionseite in Sektor 4 sieht das jedenfalls fast schon entspannt aus.

    https://twitter.com/meckakopp/status/1167957424214433793

  7. Was sollen die denn vom Dach runtergeworfen haben? Wenn du direkt an der Dachkante runterguckst siehst du den Block nicht, weil das Dach übersteht.

  8. @jens

    Haha dieses vollidioten. Immer wieder nur zum totlachen, wenn erwachsene wie kleine bockige Kinder gegen eine nicht zerstörbare Wand hauen. Oh man, mehrere Zehntausende Jahre und die sind irgendwie stehen geblieben in der Evolution 😂🤷🏻‍♂️

  9. Und wieder hat Gikiewicz sich hohe Ziele gesteckt und sie erreicht. 4-7 Punkte aus den ersten 3 spielen wollte er holen. Chapeau

  10. Das Thema Stadionerlebnis fühlt sich für ein langjähriges und per „Losentscheid“ ausgestoßenes Mitglied wie Häme an. Solange ein Ausbau hinausgezögert wird, kann das auch nicht weniger werden.

  11. Tim du bist bei weitem nicht der einzige.
    Ausbau liegt nicht bei Union.
    Ganz Köpenick ist eine Baustelle,mit schlechter Infrastruktur.

    Der NTV Bericht ist doch einfach nur lustig.
    Wir haben es geschafft.
    Freu mir ufffff Bremen.

    Chemnitz noch nen Spiel.
    Hoffe das man etwas helfen kann, dem Verein und für Fans die mit dem ganzen anderen braunen Mist nix zu tun haben.
    Danke an euch und Steffi
    Weiter so

  12. Genau so: Ein Signal an UNS! Und mal wieder die Erkenntnis: Alle ZUSAMMEN sind wir stark, sind wir Union. Auch dabei unser Aufstiegs-Held Macchambes Younga-Mouhani. Auch Mac ist ein Teil von Union. Und ja, es wäre wunderbar, wenn eines Tages viele Entscheider erkennen, dass auch Stehplätze auf der Gegengerade ein enormer Gewinn sind. Eisern

  13. Hallo.
    Das Bild mit Bild Rauchschwaden mag zwar gelungen sein. Für mich stellt sich aber die Frage ist dies Wert dafür 10 Tausend Euro als Strafe zu bezahlen? Diese Gelder würde ich gern solidarisch aufwenden um Behinderten Menschen mit Begleitung ein Wochenende zu einem Gastspiel einzuladen.

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