Union kommunizierte den Kapitänswechsel nicht, weil es ihn nicht gab

Gab es einen Kapitänswechsel bei Union? Und warum sagte der Verein nichts zu dem Thema? Das war das Thema gestern. Letztere Frage lässt sich jetzt zumindest einfach beantworten: Der Verein sagte nichts dazu, weil sich an der Kapitänsfrage offiziell gar nichts geändert hat. Felix Kroos bleibt Kapitän. Und damit ist auch die erste Frage beantwortet.

Hier noch einmal Sebastian Polters Statement dazu beim RBB:

Um es noch einmal klar und deutlich zu machen: Der Kapitänswechsel war eine Ente. Der Kurier beschreibt das selbst noch einmal klar und deutlich und gesteht den Fehler ein. Damit ist es aus meiner Sicht auch gut. Fehler passieren, wo Menschen arbeiten.

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Kann losjehn. #Enton #Psyduck #fcunion

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Worüber ich noch nicht hinwegkomme, nachdem ich viele Kommentare und Reaktionen gelesen habe: Viele waren zwar erstaunt über den angeblichen Kapitänswechsel, fanden ihn aber im Prinzip gut. Auch für mich fühlte sich das absolut natürlich an.

Felix Kroos sagt zu seiner Situation: “Der Trainer hat gesagt, dass er mir ein Stück weit helfen will, um Lockerheit reinzubekommen.” (Bild/BZ) Das ist in anderen Worten exakt das, was Jens Keller auch am Freitag gesagt hatte. Aber natürlich frage ich mich, wie ein Spieler mehr Lockerheit bekommen soll, wenn er nicht spielt (ich würde gerne mal Philipp Hosiner fragen, wie locker er ist, wenn er mal Spielzeit bekommt). Denn die geringere Einsatzzeit ist neben dem Training die einzige Zeit, in der ein Spieler auf sich aufmerksam machen kann für den Trainer oder, noch viel wichtiger, für andere Vereine.

Für Jens Keller dürfte das Thema aber an zweiter Stelle stehen. Wenn er wie gesagt ein Problem beim Spieler identifiziert, dann ist es aus Trainersicht absolut legitim, die Elf auf dem Platz nicht zu schwächen und den Spieler nicht aufzustellen. Dem individuellen Fortschritt widmet man sich dann als nächstes. Pech hat man allerdings als Trainer, wenn man dann den Kapitän und Vizekapitän auf die Bank setzt. Denn dann braucht man einen neuen. Warum Jens Keller aber gegen Darmstadt Sebastian Polter und nicht wie zuvor Toni Leistner bestimmt hat, wissen wir nicht.

Apropos Kommunikation. Wie verdruckst das manchmal sein kann, wissen wir ja bei Union noch aus einer Zeit, als der Verein schon gerne oben im Aufstiegskampf oben angreifen wollte, das aber nicht kommunizierte. Auch ein Art des Erwartungsmanagements. Das kommt meist aus der Erfahrung, dass das Nichterreichen eines Saisonzieles gleich als negativ ausgelegt wird, selbst wenn es dafür vielleicht Gründe gab (Verletzungen, andere Vereine waren schlicht besser, etc.). Ein bisschen ähnlich wird das auch beim 1. FC Magdeburg sein, der im vergangenen Jahr erst kurz vor Schluss aus dem Aufstiegsrennen in der 3. Liga rausfiel. Was Trainer und Ex-Unioner Jens Härtel nach dem 2:1-Derbysieg gegen Halle jetzt in einem Interview mit Sportbuzzer.de dazu veranlasste zu sagen: “Dass man, wenn es soweit ist, den Aufstieg auch klar kommunizieren muss, auch nach außen.” Also spätestens wenn der Aufstieg sicher ist, wird der auch kommuniziert. Oder so ähnlich. Das Interview ist ansonsten aber sehr lesenswert, vor allem die Teile über die Regionalliga-Reform, den ungeklärten Tod eines Magdeburger Fans vor einem Jahr im Zug, als er entweder von Halle-Fans aus dem Zug geschubst wurde oder selbst auf der Flucht vor ihnen raussprang, und über die Nachwuchsarbeit bei Rasenballsport Leipzig.

Wer sich das 3:3 vom letzten Spieltag aus Darmstädter Sicht anhören möchte, kann dies im Podcast Hoch und Weit tun: #63 Wer die Lilien liebt kommt ins Paradies

3 Gedanken zu „Union kommunizierte den Kapitänswechsel nicht, weil es ihn nicht gab

  1. danke für die Klarstellung und die anderen Themen, ja auch ich hätte einen Kapitänswechsel gut gefunden, warum habe ich ja begründet, allerdings stehe ich trotzdem hinter Felix, eben weil ich glaube dass er es schaffen kann an dieser Aufgabe zu wachsen, eine Eigenschaft welche, so denke ich uns alle verbindet (verbinden sollte)! Nun hoffe ich dass wir etwas skeptischer werden was Verlautbarungen von Medien angeht, der Kurier belibt wie auch mehr oder weniger andere Medien abhängig von Schlagzeilen.

  2. @Jens Otto Der Kurier hat einen Fehler gemacht und den auch zugegeben. Deshalb würde ich nicht gleich die ganze Berichterstattung in den Senkel stellen. Ganz im Gegenteil: Neben Kurier gibt es nur Bild/BZ, die konstant und täglich mit Reportern vor Ort von Union berichten. Da alles Boulevardmedien sind, kann man ihnen schlecht vorwerfen, auch Boulevard zu machen. Andere Medien ignorieren Union oder halten den Verein für nicht so wichtig, dass täglich über ihn berichtet werden muss. Ich bin hier eher bei dem Satz: Wer nichts macht, macht nichts falsch. Wenn man quasi nicht oder wenig über Union berichtet, hat man auch weniger Möglichkeiten, Fehler zu machen. Und so wie ich Mathias Bunkus vom Kurier kenne, ärgert er sich am meisten über diesen Fehler.

  3. Pingback: Warum hat Union bei Jens Keller eigentlich die Reißleine gezogen? | ***textilvergehen***

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