Was nützt ein sportlicher Wettbewerb, wenn man ihn nicht mehr gewinnen kann?

Ich war gestern Abend zur Feier der 100. Sendung des Hertha-Podcasts Damenwahl im Brauhaus Südstern. Das alleine wäre jetzt gar keine große Meldung wert und ich war auch nicht der einzige Unioner vor Ort. Was mich tatsächlich bewegt hat, war die Grundstimmung in den Diskussionen, dass der moderne Fußball hierzulande endgültig auf eine Zeitenwende zugeht. Wir haben in Deutschland eine Auseinandersetzung zwischen traditioneller Fußballkultur und einem Eventprodukt, in das immer mehr Kapital hineinfließt. Das muss sich nicht zwangsläufig ausschließen, aber aktuell sieht es so aus, als ob das Konzept mitgliederbestimmter Verein im deutschen Fußball ein Auslaufmodell wird. Jedenfalls, wenn die tatsächliche Mitbestimmung in den ausgelagerten Fußball-Kapitalgesellschaften auf der Strecke bleibt.

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Ich muss keinen Sieg gesehen haben, um ein legendäres Spiel zu erkennen

Noch einmal kurz zurück zum Mittwochabend. Ich wurde gestern unzählige Male von Nachbarn und Arbeitskollegen gefragt, ob ich enttäuscht sei über das Ausscheiden im Pokal gegen Dortmund. Und ich verstehe diese Frage einfach nicht. Ich durfte mit meinem großen Sohn Zeuge eines der wohl technisch und kämpferisch brillantesten Unionspiele aller Zeiten sein. Ich habe eine Mannschaft gesehen, die gezeigt hat, wie man gegen Borussia Dortmund spielen muss. Und ich habe wohl eines der Top Erlebnisse vieler Unionfans mitgemacht, als wir fast die gesamte Pause durchgesungen haben: “FC Union. Unser Liebe. Unsere Mannschaft, unser Stolz!” Enttäuschung? Nein. Traurig? Nur kurz. Ansonsten: Nur Stolz! Ich muss keinen Sieg gesehen haben, um ein legendäres Spiel zu erkennen.

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Ohne Schüsse aufs Tor fallen auch keine Tore

Ich gebe zu, dass die Überschrift etwas zugespitzt ist, denn Union hatte am Anfang des 0:0 gegen Dynamo Dresden zwei Schüsse Richtung Tor und am Ende der Partie zwei Mal Aluminium getroffen. Zudem hielt Dresdens Keeper den Kopfball von Suleiman Abdullahi nach Prömels Pfostentreffer mit einem hervorragenden Reflex. Aber sonst so? Union scheiterte an den Verteidigungslinien der Dresdner, die spätestens seit dem Platzverweis mehrere Busse am Strafraum parkten. Denn über die 16-Meter-Linie kamen die Unionspieler dann bis Spielende praktisch gar nicht. Die Außen waren nach der Gelb-Roten-Karte zugestellt, so dass sich der agile Andy Gogia immer mehreren Dresdnern gegenübersah. Von schnellen Zuspielen auf Grischa Prömel oder andere Spieler im Mittelfeld, wie sie auch Daniel in der Taktik-Analyse bei Eiserne Ketten vermisste, war nichts zu sehen.

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Geht Kristian Pedersen doch zu einem anderen englischen Zweitligisten?

Offizielle Neuigkeiten gibt es bei Union bisher weder in Sachen Trainer/in noch in Bezug auf den Kader für die kommende Saison. Doch zumindest was die Zukunft von Kristian Pedersen angeht scheinen sich Gerüchte über einen Wechsel nach England zu erhärten. Aber nicht nach Leeds, wie vor einer Weile spekuliert wurde, sondern zu Birmingham City. Das meldet das dänische Boulevard Blatt Ekstra Bladet, und bestätigen scheinbar Photos von Pedersen mit Birminghams Vorstand.

Nicht bestätigt ist natürlich die angebliche Ablösesumme von gut zwei Millionen Euro.

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Gleiche Antworten auf ungleiche Fragen

Union konnte bekanntermaßen das befürchtete Ausscheidungsspiel in Dresden vermeiden, während es Dynamo noch nicht gelungen ist, den Klassenerhalt zu sichern. Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, dass Dresden auf Platz 16 oder 17 fällt, sind die Ausgangsbedingungen für beide also durchaus sehr verschieden.

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Eins der zentralen Themen des Spiels gegen Dresden: Neuhaus, Hofschneider und ihre gemeinsame Vergangenheit bei Union, Photo: Matze Koch

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Die schönste Auswärtsfahrt

Wenn Union heute Mittag in Fürth antritt, wird im Rahmen des Spiels der JWD-Pokal des Eisernen V.I.R.U.S. für die schönste Auswärtsfahrt (zum zweiten Mal) an die Franken vergeben. Den Aufstieg hatten die vielen Unioner, die im letzten Jahr nach Fürth fuhren, damals ebenso abgeschrieben wie (jede zu ihrem eigenen Zeitpunkt) in dieser Saison. Aber die Stimmung, mit der man ins letzte Spiel der Saison ging, war deutlich entspannter als die, in der die letzte Phase dieser Spielzeit eingeläutet wird.

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Der Eiserne V.I.R.U.S. verleiht den JWD Pokal an Fürth, Screenshot auf Facebook

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Die große Ratlosigkeit

Was ist eigentlich so schwierig an Unions gegenwärtiger sportlicher Situation? Wenn ich mir anschaue, was die Berliner Medien schreiben und was die Vielzahl an Kommentatoren gestern im Blog nach dem 0:1 gegen Braunschweig schrieb, dann würde ich sagen, das Schwierige besteht darin, dass das Problem nicht greifbar ist. Es gibt viele Erklärungsansätze. Aber es gibt nicht den offensichtlichen Punkt, an dem anzusetzen ist. Und ein bisschen fühle ich mich in eine Zeitschleife versetzt, aus der wir nicht herauskommen. Der Kurier sieht Union in der gleichen Lage. Die Mannschaft dreht sich im Kreis und wir sehen von außen mal gute, mal schlechte und sehr häufig uneindeutige Leistungen. Die gesamte Bilanz seit dem Trainerwechsel ist bisher katastrophal (die Morgenpost nennt die Bilanz von 5 Punkten aus 7 Spielen seit der Entlassung von Jens Keller). Aber und das ist auch klar, die Lage ist nicht hoffnungslos. Es ist nicht so, dass da eine orientierungslose Truppe über den Platz läuft. Und ich bin mir sicher, dass gegen Sandhausen der Rasen brennen wird.

Grischa Prömel, Toni Leistner und Sebastian Polter nach dem 0:1 gegen Braunschweig, Foto: Matze Koch

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Peter Kurzweg muss Christopher Trimmel vertreten

Vor dem Spiel am Samstag in Heidenheim trainierte Union gestern zum einzigen Mal öffentlich. Dieser Einblick genügte den anwesenden Reportern aber um festzustellen, dass Atsuto Uchida noch nicht das gesamte Training mit der Mannschaft absolvieren konnte und so wohl am Wochenende nicht in der Startelf stehen wird (B.Z.). Das gilt auf absehbare Zeit auch für Kenny Prince Redondo, der sich erneut verletzt hat.

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Redondo tritt frustriert über eine neue Verletzung eine Stange, Photo: Matthias Koch

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Von Matten und kurzen Hosen

Ein schönes Lächeln zeigt Sebastian Polter hier beim Laktattest in der Charité:

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Daniel Mesenhöler kann sich für seine gute Leistung im Pokal nichts kaufen

Da hat der Kurier heute eine wirklich berührende Überschrift für seinen Text über Daniel Mesenhöler gewählt: “Das war wohl mein letztes Spiel für Union …” Der Keeper, der das Rennen um den Stammplatz im Tor knapp gegen Jakob Busk verlor, sagte diesen Satz nach dem Ausscheiden im Pokal gegen Leverkusen. Jens Keller hatte dieses Jahr von Beginn an klargestellt, dass der Keeper, der nicht in der Liga Stammtorhüter wird, dafür im Pokal zwischen den Pfosten stehen wird. Mit dem 1:4 am Dienstag ist diese Stammplatzgarantie abgelaufen. Sollte sich Jakob Busk nicht verletzen oder andere Umstände eintreten, dürfte Daniel Mesenhöler recht haben. Es war sein letztes Spiel für Union. Denn sein Vertrag läuft im Sommer 2018 aus und er ist zu gut, um als zweiter Keeper zu bleiben.

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