Tag Archive for 'Hertha BSC'

Der Blick von außen

Wahrnehmung ist ein wichtiges Thema. Dazu gehört die Selbstwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung. Wie nehmen wir uns als Fans war und wie werden wir als Fans wahrgenommen? Die Fremdwahrnehmung hat dazu noch verschiedene Perspektiven. Wie werden wir vom Verein wahrgenommen? Wie werden wir von den Medien wahrgenommen? Wie werden wir von anderen Fußballfans wahrgenommen? Bei der Wahrnehmung spielt ein Phänomen eine Rolle, dass als kognitive Konsistenz bezeichnet wird. Kurz gefasst beschreibt der Begriff das Verhalten, dass nur Informationen wahrgenommen werden, die dem eigenen Wertebild entsprechen. Sämtliche andere Informationen würden gefiltert werden. So entsteht ein gefestigtes Bild an dem zu kratzen sehr schwer ist. Dem ganzen entspricht auch die Redewendung “Man liest eine Tageszeitung, um seine eigene Meinung bestätigt zu bekommen.”
Nun hat Bushido für das Schülermagazin “Spiesser” eine Vertretungsstunde in Berlin gehalten. Die nächste Stunde in dieser Klasse sollte sich einmal mit kognitiver Konsistenz beschäftigen.

Yasmin: Bist du auch öfter bei Hertha zum Fußballspiel?

Bushido: Ich muss dir ganz ehrlich sagen, dass ich sehr enttäuscht bin von Hertha. Ich wäre gerne stolz auf sie. Ich bin Berliner, und Hertha gehört zu Berlin. Aber wir sind Letzter, Mann. Naja, vielleicht kommt ja dann bald Union…

Die Klasse schäumt: Moment mal, Bushido! UNION? Der Club mit dem rechten Ruf? Sollen wir dir mal das Image polieren?

Markus: Union, das sind doch alles Rechte.

Bushido: Das kannste doch so gar nicht sagen, Mann.

Markus: Doch, ist so.

Bushido: Das ist, als würdest du sagen: Bei Turkiyemspor sind nur Kanaken. Beide Vorurteile kannste dir eigentlich in die Haare schmieren.

Texttonvergehen: Wir gegen Karlsruhe

Verloren. Na und. Wir sind doch Aufsteiger. Nein. Wir müssen drei Punkte holen. Und überhaupt. Unser Anspruch muss ein anderer sein. Welcher denn? Wir arbeiten Fußball. Da kann der Sahin doch nicht dauernd fallen. Schlitzohr. Aber das ist nicht unionesk. Und wie geht es der Tante? Die treffen wir nächste Saison in Liga zwo. Wollen wir aber nicht. Aber klar wollen wir Stadtderbys. Aber nicht in Liga zwo. Und was ist eigentlich mit unseren Schulden bei Michael Kölmel?

Das alles gibt es im Podcast zum Spiel in Karlsruhe. Als Gast dabei: Mathias Bunkus vom Berliner Kurier. Dazu noch Robert und Herr Mööp. Und die schönste Alliteration zu Union wird auch genannt: Schade Sahin – schöne Chance.

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[Update: 12.11.2009] Steffi hat ein wunderschönes Logo gebastelt, das jetzt iTunes und Eure MP3-Player verschönern wird.

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Nach drüben kucken

Gestern wurde soviel über den Mauerfall gesprochen und gezeigt. Und immer wieder Bilder, wie Leute aus der DDR raus wollten. Was die Teilung Deutschlands und Berlins für den Fußball in der Hauptstadt bedeutete, ist wenig beschrieben worden. Es gibt die Geschichten, die Günter Weise in der Fußballwoche unter der Rubrik “Vor 40 Jahren” zum Besten gibt. Die lassen das ungefähr erahnen

Die Geschichte von Union ist ja auch eine Geschichte der Teilung, wenn man daran denkt, dass die Mannschaft von Union Oberschöneweide 1950 nahezu komplett in den Westen übersiedelte. Eine andere Perspektive auf die Teilung bringt Enno vom Herthablog ein. Er bringt Gründe, warum Hertha unter der deutschen Teilung litt und eigentlich noch heute an den Folgen leidet. Aus der Sicht des 1. FC Wundervoll ist das vielleicht ein Leiden auf hohem Niveau. Und ich stimme auch nicht allen Analysen vorbehaltlos zu. Trotzdem lohnt der Blick vom Olympiastadion aus, um die eigene Position in der Stadt einordnen zu können.

Sorgen machen um die Tante

Gestern Abend auf dem Heimweg. Es regnet. Füße versuchen Pfützen und Hundehaufen auszuweichen. “Was kümmert Dich eigentlich die Hertha?”
Normalerweise habe ich damit kokettiert, dass mir die Hertha egal wäre. Und ja, das ist sie mir auch. Normalerweise. Aber jetzt geht es ihr schlecht der Tante aus Charlottenburg. Die Binnenhierarchie stimmt nach dem Abgang von Dieter Hoeneß nicht mehr. Niemand mehr da, der sich auch mal der Berliner Presse entgegenstellt. Niemand mehr da, der auch mal die Wut auf sich kanalisiert. Und dazu Abgänge, die schmerzen. Zugänge, die den Schmerz nicht verblassen lassen. Dazu Verletzte. Ein Kapitän, der keiner sein möchte. Auflösungserscheinungen eigentlich. Dann eine Trainerentlassung. Weil man es nicht besser wußte? Der vierte (!) Torhüter wird öffentlich in einer Art und Weise heruntergemacht, dass man sich fragen muss, wo die Relationen geblieben sind. Keine Unterstützung von der Vereinsseite und ich muss an diese Passage aus Deislers Interview mit der Zeit über Hertha denken:

Sie wissen nicht, wie das ist. Erst geliebt und dann über Nacht gehasst zu werden. Ich konnte mich nicht mal wehren. Ich war verletzt, war weg, konnte keine Antworten geben. Und der Verein forderte eine Entschuldigung von mir. Dafür, dass ich die Fans nicht früher informiert hätte! Dass ich gelogen hätte! Ich war sprachlos. Dabei hätte Dieter Hoeneß sagen müssen: »Liebe Fans, es war mein Wunsch, dass ihr nichts erfahrt.« Stattdessen hat er zugesehen, wie ich aus Berlin hinausgeprügelt wurde. Ich habe Drohbriefe erhalten. »Wir kriegen Dich!«, »Wir killen Dich!«. Das ist es, was mir den Fußball versaut hat. Das war mein Genickschuss.

Und wenn ich heute an den Titelseiten der BZ (“Favre pöbelt sich um 1,2 Millionen”) oder Berliner Kurier (“Favre Balla Balla?”) vorbeigehe, frage ich mich, was wohl aus der guten Medienpartnerschaft zwischen dem 1. FC Wundervoll und der BZ werden wird, wenn es mal so richtig nicht läuft. Wie stabil ist das Gebilde um Präsident Dirk Zingler und Sportdirektor Christian Beeck? Was würde wohl passieren, wenn einer von beiden aus welchen Gründen auch immer wegbrechen würde? Deswegen finde ich, dass wenig Platz für Häme ist, sondern für Union noch ein langer Weg zu gehen ist. Auch uns drücken hohe Verbindlichkeiten. Auch bei uns kann plötzlich alles falsch gefunden werden, was vorher noch als Erfolgsgarant galt. Ich erinnere nur an den Satz aus der Bild nach der knappen Pokalniederlage gegen Bremen.

Damit es nicht auch in der 2. Liga ein böses Erwachen gibt, dürfen wir diese Schrott-Elf nie wieder sehen …

Es ist schon richtig, dass wir auf uns aufpassen müssen. Und damit haben wir genug zu tun. Aber der Blick nach Charlottenburg führt uns gerade wieder das Umfeld vor Augen, in dem wir uns bewegen. Vielleicht haben manche unseren Leidensweg vergessen: Die zwei Abstiege hintereinander von Liga zwo in die Oberliga von 2004 an. Das Sammeln von Geld für das finanzielle Überleben des Vereins. Und letztlich mein Traum: Ein Pflichtspiel gegen die Hertha. Und das nicht, weil sie abgestiegen ist…

Über Hertha sprach ich übrigens auch mit Probek im Podcast Ballpod am Montag.
Ballpod München, Ausgabe 5 (5. Oktober 2009) [Edit] by probek

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