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Wir verlosen: Die Fußballplätze von Berlin

Berlin hat vieles. Auch viel Fußball. Früher sogar auch mal erfolgreichen Fußball. Ganz viel erfolgreichen Fußball. Was früher in dem Fall genau bedeutet, hängt vom eigenen Geschichtshorizont ab. Vor dem ersten Weltkrieg, vor dem zweiten Weltkrieg, im Westteil, im Ostteil oder für die ganz Tapferen auch im wiedervereinigten Berlin gab es erfolgreichen Fußball zu bestaunen. Jetzt ist davon nicht mehr viel übrig. Nur Hertha und Union halten noch das Fähnchen hoch.

Aber Erfolg ist bekanntlich nicht alles. Berlin ist ja auch nicht der Prototyp einer erfolgreichen Stadt und trotzdem unglaublich interessant. Hinter jeder Hecke sieht es in der Stadt anders aus und viele Geschichten sind hier verborgen. Die möchte das Buch “Rasen der Leidenschaften – Die Fußballplätze von Berlin“* ausgraben. Und glücklicherweise nicht anhand von ellenlangen Vereins-Chroniken.

66 Fußballplätze, Kampfbahnen, Stadien, Arenen (you name it!) sollen erzählen von den heftigen Wandlungen, denen eine Stadt und so etwas lebendiges wie Fußball unterliegt. Ein Stadion ist schnell aufgebaut und wieder abgerissen. Und plötzlich weiß niemand mehr, was viele Menschen emotional an diesen nicht vorhandenen Ort bindet. Stadion der Weltjugend oder die Plumpe. Für mich sind es nur Namen. Für andere sehr starke Erinnerungen.

Auf knapp 280 reich bebilderten großformatigen Seiten zeigt der Band aus der Edition Else was war und vor allem, was davon übrig geblieben ist. Und sei es nur noch der Miniaturpark Berlin-Brandenburg auf dem Gelände des ehemaligen Ernst-Thälmann-Stadions.

Das Buch “Rasen der Leidenschaften – Die Fußballplätze von Berlin“* kostet leicht erschwingliche 19,80 Euro.

Für den Tagesspiegel hat der von uns sehr geschätzte Andreas Gläser auch eine Rezension geschrieben: Berlins Fußballstadien: Wo der Ball zuhause ist

Gewinnspiel

Wem das zuviel Geld ist, der kann ein Exemplar bei uns gewinnen. Ganz einfach bis Sonntag, den 5. Februar 2012, um 20 Uhr Berliner Ortszeit einen Kommentar mit “Ich will” (gerne auch vollständige Sätze) und einer richtigen E-Mail Adresse (die wird natürlich nicht veröffentlicht) unter diesem Beitrag und/oder bei Facebook abgeben. Bei Facebook könnt ihr euch die Angabe der E-Mail Adresse natürlich sparen. Rechtswege sind wie immer ausgeschlossen.

*Affiliate Link

Trainingslager Tag 3 – Silvio komm zurück!

Tag drei im Trainingslager des 1.FC Union im südspanischen Chiclana de la Frontera. Matze und ich sitzen in unserem Hotelzimmer und unterhalten uns über den Testspieler Nana Attakora, Spielformen und Silvio als Sechser.

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(Länge: 28:07 Min; Dateigröße: 24,4 MB)

Trainingslager Tag 2 – Aus dem Winterurlaub

Tag zwei im Trainingslager des 1.FC Union im südspanischen Chiclana de la Frontera. Matze und ich sitzen in unserem Hotelzimmer und unterhalten uns über den nicht so erfolgreichen Test von Union gegen Cádiz (0:3), über die Rückkehr aus dem Winterurlaub und den Kauf von SIM-Karten in Spanien.

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(Länge: 27:43 Min; Dateigröße: 24,2 MB)

Fankongress 2012: Funktionäre auf Auswärtsfahrt

Plötzlich waren sie alle gleich beim Fankongress 2012 im ehemaligen Berliner Kino Kosmos. Fans, Funktionäre und die zahlreichen Journalisten. Kurz nach eins aßen die meisten eine Suppe. Entweder eine Tomatensuppe oder dem Veranstaltungsort entsprechend eine Berliner Erbsensuppe. Ein Erfolg war schon das offene Gespräch zwischen Funktionären und den Fans. Aber bei aller Freude über den gelungenen Dialog war keine Seite so blauäugig, die großen, scheinbar unüberbrückbaren Differenzen zu übersehen: Kontrolliertes Abbrennen von Pyro im Stadion, zersplitterte Spieltage mit unmöglichen Anstoßzeiten und die oft als willkürlich empfundenen bundesweiten Stadionverbote.


Bild: Sebastian Fiebrig

Gerade die Stadionverbote bieten eine viel emotionalere Diskussion als die festgefahrene Pyro-Debatte. Denn wer einmal bei einer Auswärtsfahrt von der Polizei zum Stadion begleitet wurde, weiß wie leicht dort die Situation an oft unscheinbaren Kleinigkeiten eskalieren kann. Dann das übliche: Personalienfeststellung einer großen Gruppe und Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Landfriedensbruch etc. Es muss gar nicht zu einer Verurteilung kommen. Schon das Ermittlungsverfahren reicht für ein Stadionverbot.

Und genau diese Aushebelung der Unschuldsvermutung heizt die Stimmung bei jeglicher Diskussion um Stadionverbote an. Und so hatte der seit Oktober amtierende Sicherheitsbeauftragte des DFB, Hendrik Große Lefert, von Anfang an keinen leichten Stand in der Diskussion: “Wem gehört der Ball? Der Fußball zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und Privatrecht: Stadionverbote: Präventivmaßnahme oder Ersatzstrafrecht?” Ganz links außen saß er etwas verloren da. “Ein selbstgewähltes Schicksal”, gab er danach zu. Er hatte sich den Platz freiwillig ausgesucht. Vielleicht weil er nicht im Mittelpunkt stehen wollte. Doch dort stand er ohnehin. Jede Frage, jeder Vorwurf an den Verband richtete sich stellvertretend Hendrik Große Lefert.

Die Diskussion verlor sich etwas in juristischen Scharmützeln und rhetorisch nicht ungeschickt fragte der Sicherheitsbeauftragte das Podium: “Wo ist denn bei ihnen die Grenze? Sie wollen doch sicher auch nicht jeden im Stadion sehen?” Der Kniff ist klar: Seid mit mir oder unterstützt Leute, die sich außerhalb des gesellschaftlichen Konsens bewegen.

Abgesehen davon machte Hendrik Große Lefert den Eindruck, als sei er die personifizierte friedliche Koexistenz. Geschenke hatte er zwar nicht im Gepäck, aber ein Scharfmacher ist er eben auch nicht. Im Nachgespräch machte er auch deutlich, wo seine Grenzen liegen: “Ich bin mit George Orwell und Ray Bradbury groß geworden. Für mich ist jedes Szenario eines Überwachungsstaates ein Horror-Szenario.”

Abgesehen davon, dass er bei Amtsantritt wohl eher keine blühenden Landschaften vorgefunden hatte, möchte er sich nicht an den großen Themen abarbeiten, die momentan wohl nicht zu stemmen sind. Er will in kleinen Schritten die Kommunikation am Spieltag vor Ort verbessern, um in Einsatzsituationen Eskalationen zu vermeiden. Und er nimmt sich Zeit für die AG Fandialog. Den Rest hebt sich Große Lefert vielleicht für später auf. Denn auch er weiß, dass nichts in Stein gemeißelt ist. Weder in die eine noch in die andere Richtung. Und er blickt gedanklich nach England: “Bei Taylor hat auch niemand gedacht, dass er sich mit diesem Konzept durchsetzt.”

Die Diskussion zum Nachhören

Marco Noli (Fananwälte), Hendrik Große Lefert (Sicherheitsbeauftragter DFB), Antje Hagel (Fanprojekt Offenbach), Jannis Busse (Ultras Hannover), Gerd Dembowski (Sozial-Wissenschaftler), André Waiß (Sicherheitsbeauftragter Energie Cottbus), Moderation: Nicole Selmer (Journalistin)

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(Länge: 97:52 Min; Dateigröße: 83 MB)

Orange macht jetzt wieder putz.

Tradition. Die wird bei Union bekanntlich groß geschrieben. Seit Jahren werden beim Training durch Spielchen der KDV der Woche (Klaus-Dieter Vollrath von der Bild) und der Bunki der Woche (Mathias Bunkus vom Berliner Kurier) ermittelt. Seit Union den Ausrüster von doyoufootball zu Uhlsport gewechselt hat, ist das tatsächlich eine Strafe geworden. Die Spieler bekamen statt Leibchen eine Bauarbeiterweste. Nicht nur unschön, sondern zudem auch noch unbequem.


Bild: Koch

Doch seit gestern ist alles anders. Die von Union auf der Mitgliederversammlung verkündeten Zahlen belegen einen steten Aufwärtstrend. Und Präsident Dirk Zingler gab an, die von der Profiabteilung erwirtschafteten Überschüsse auch wieder in den Sport investieren zu wollen. Dem genauen Beobachter blieb das beim Morgentraining nicht verborgen: Die Bauarbeiterwesten wurden der Berliner Stadtreinigung gespendet und es wurde massiv in zwei Leibchen investiert! Geschäftsführer Oskar Kosche nahm diese Investition zum Anlass um ausführlich zu dem Thema Stellung zu nehmen: “Kein Kommentar!”


Bild: Sebastian Fiebrig

Liveblog: Die Mitgliederversammlung am 12.01.12

Heute hält der 1. FC Union Berlin etwas verspätet seine ordentliche Mitgliederversammlung zum Geschäftsjahr 2010/11 in der Ballspielhalle Hämmerlingstraße ab. Steffi und Robert sind vor Ort und bloggen live von der Veranstaltung. Ab ungefähr 19.15 Uhr starten wir hier. So können auch die verhinderten Unioner das Gefühl bekommen, bei der Verleihung der Ehrennadeln in der ersten Reihe zu sitzen.

Ihr könnt natürlich direkt mitmachen. Entweder ihr twittert direkt von der Mitgliederversammlung unter dem Hashtag #fcunion oder ihr schreibt direkt hier auf der Website mit.


Bild: unveu.de

+++ EIL +++ Kein Mord in Britz! +++ EIL +++

Es ist ja kein Geheimnis, dass ich beim Berliner Kurier arbeite und dazu momentan den schönsten Draußenjob habe, den sich Unionfans vorstellen können: Beim Training zuschauen und dafür noch bezahlt werden. Ein anderer schöner Nebeneffekt ist, dass ich relativ schnell herausbekommen kann, was sich hinter so “knackigen” Schlagzeilen wie “Pyrotechnik bleibt verboten” verbirgt.


Bild: unveu.de

Als ich das gelesen habe, dachte ich zuerst an die schnodderige Schlagzeile “Kein Mord in Britz!” Das bekomme ich in der Redaktion zu hören, wenn eine Nachricht keinen Nachrichtenwert hat. “Pyrotechnik bleibt verboten” passt perfekt in diese Kategorie. Das war aus Agentursicht also das Ergebnis eines Hintergrundgespräches vom neuen DFB-Sicherheits-Chef Hendrik Große Lefert und DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus mit Journalisten. Nicht genug, um in den Medien aufzutauchen. Das wussten auch die Kommunikations-Strategen von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und schickten eine Pressemitteilung raus: Repräsentative Umfrage: 84 Prozent der Fans gegen Pyro-Technik – 80 Prozent fordern harte Bestrafung. Zahlen sind toll. Journalisten lieben Zahlen.

84 Prozent. In Worten: vierundachtzig. Bei soviel Zustimmung wird sogar der Genosse Putin in Moskau ganz grün vor Neid. Ich auch. Ein Anruf beim DFB schickt mich durch Warteschleifen und endet beim typischen schnellen Recherchehemmer: “Schicken Sie uns doch mal eine E-Mail!” Bei der DFL geht es fixer. Mir wird erklärt, was sich hinter der repräsentativen Umfrage von tns-infratest verbirgt.

Angerufen wurden 2000 Bundesbürger. Davon entpuppten sich nur 960 als fußballinteressiert. Und nur die 960 wurden tatsächlich zum Thema Pyro befragt. Wir wissen also nicht, wie fußballinterressiert die Befragten sind: Schauen sie nur Nationalmannschaft bei EM oder WM? Verfolgen sie die Bundesliga? Gehen sie vielleicht auch mal ins Stadion? Gar regelmäßig? Das wissen wir alles nicht.

Zu den Ergebnissen. 84,4 Prozent der Fußballinteressierten sind gegen Pyrotechnik. Wie bei jeder Umfrage bestimmt auch hier die Frage das Ergebnis. Gefragt wurde zuerst: “Das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion ist verboten. Soll dieses Verbot bestehen bleiben?”* Antwortoptionen: ja/nein

Zweite Frage: 79,5 Prozent sind für eine harte Bestrafung, wenn das Pyrotechnikverbot missachtet wird. Die Frage lautete: “Pyrotechnik ist gefährlich. Sie ist schädlich für den Fußball und soll deshalb hart bestraft werden. Stimmen Sie dem zu?”* Antwortoptionen: ja/nein

Bei solch suggestiver Fragestellung und begrenzter Antwortmöglichkeit hätte ich im Studium wohl Schläge kassiert. Hier soll ganz klar ein bestimmtes Ergebnis erzielt werden. Schwarz oder weiß. Ja oder nein. Um Kompromisse wie zum Beispiel der Möglichkeit des kontrollierten Abbrennens von Pyro ging es in dieser Umfrage nie. Hier soll Stimmung für die Richtung des DFB und der DFL gemacht werden. Und zwar vor dem Fankongress, der am Wochenende im Berliner Kosmos stattfindet. Dort sind sowohl der DFB-Sicherheits-Chef und der DFL-Geschäftsführer vor Ort. Warum? Um Gesprächsbereitschaft zu zeigen? Ist ja schön und gut. Aber worüber eigentlich noch?

*Ich habe die Fragen am Telefon mitgeschrieben. Es kann also sein, dass der Satzbau nicht hundertprozentig mit dem Original übereinstimmt.

Frohes Fest!

Ich muss ein Geständnis machen. Am 23. Dezember würde ich eigentlich nur in ein Stadion gehen, um den 1.FC Union im DFB-Pokal siegen zu sehen. Gerne mit einem späten Tor. Aber diesen Gefallen tut mir mein Verein seit Jahren nicht. Und zwar so verlässlich, dass ich mir schon gar kein Pay-TV mit DFB-Pokal-Übertragungen gekauft habe. Außerdem habe ich das gleiche Problem wie viele andere Männer am 23. Dezember. Wir sind überrascht davon, dass auch dieses Jahr Weihnachten schon am 24.12. ist. Geschenke? Geschenke!

Trotzdem gehe ich seit einigen Jahren zum Weihnachtssingen in das Stadion an der Alten Försterei. Nicht, weil ich besonders gut singen kann. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Auch nicht, weil es immer neue Teilnehmerrekorde zu vermelden gibt. Denn Wachstum ist nicht alles. Ich schaue gerne in die Gesichter. Vom Kerzenlicht in der Hand angescheint suchen sie im Gesangsheft die Zeilen, singen konzentriert mit. Die Augen sind groß. Die Gesichter ernst, manchmal gelöst. Ich spüre, wie alle inne halten. Weil alle fühlen, was sie hier zusammenbringt. Zusammenhalt. Und das erste Mal vor Weihnachten spüre ich das, was mir die Werbung seit Wochen entgegenschreit: Besinnlichkeit.

Frohes Fest Euch allen!

Bilder: Stefanie Lamm

Ich bin kein Berliner.

Es ist Zeit für ein Geständnis. Ich komme nicht aus Berlin. Und meine Großmutter stammt nicht aus Schlesien, wie es sich für einen anständigen Berliner gehört. Schlimmer noch: Ich bin Sachse. So, jetzt ist es raus. Vorbei die Zeit, da ich besonders laut berlinerte, um nicht inmitten der Unionfans aufzufallen. Nur echten Sachsen fiel auf, wie ich mich verstellte. Aber wir Auswärtigen, die wir uns in der Alten Försterei “Ostdeutschen” Fußball ansehen wollten, schauten uns nur verstohlen an. Verpfiffen wurde noch nie einer. Denn wir alle wollten doch nur Fußball pur sehen.

Doch das ist jetzt vorbei. Johannes Schneider outet sich im Tagesspiegel nicht nur selbst, sondern uns alle, indem er uns krawallartig zuruft: “Ihr seid keine Unioner!” Doch nicht nur das. Für die Scheiß-Stimmung sind wir auch verantwortlich. Wir alle, die wir bei der Erwähnung des BFC Dynamo nicht Schaum vor dem Mund haben, sondern nur mit der Achsel zucken. Wir sind Fremde und werden es immer bleiben. DDR-Fußball ist für uns wie Dieter Kürten im Aktuellen Sportstudio. Wir haben mal davon gehört. Aber die emotionale Bindung dazu ist genauso stark wie die zu Angela Merkel.

Doch die reine Bloßstellung reicht Schneider nicht. Im Tagesspiegel benennt er auch noch einen Schleuser beim Namen: J. Ein Rheinländer. Eingefleischter Gladbach-Fan. Der sich Union als Zweitklub hält und nun alle Auswärtigen nach Köpenick einschleust. Mit einer gewieften Taktik, gegen die sich die armen Ossis gar nicht wehren können, werden sie vom alten, bösen Kapitalismus unterwandert. Denn die Neuen wollen angeblich nur mal “interessiert umherblicken”.

Wie es der Zufall will, habe ich J. kennengelernt. Letzte Woche. In Mitte natürlich. Beim Italiener. Wo sonst? Wir saßen alle zusammen. Noch wusste ich nichts von dem besonderen Schicksal, das uns beide eint. Wir redeten über Journalismus. Bis wir auf Fußball kamen. “J. ist ein ganz großer Union-Fan. Geht zu jedem Spiel!”, sagte plötzlich mein Gegenüber. Ich sah nach links. J. wurde rot. “Schon. Eigentlich bin ich ja Gladbach-Fan. Aber seit ich in Berlin bin…”, druckste er herum. Nun war es raus. Wir erzählten uns gegenseitig unsere schönsten Union-Geschichten. Wie wir uns vom interessiert dabei stehenden Zuschauer zum Schal schwenkenden Fan wandelten. Wir, die wir Kategorien wie Erstklub und Zweitklub haben. Wir, die bei einem Aufeinandertreffen von Erst- und Zweitklub nicht wissen, wie wir mit unserem Gefühl umgehen sollen. Heim oder Gast? Noch gibt es keine Kategorie für beides.

Und nun? Wie geht es für uns weiter, die wir nicht schon als Kinder an die Alte Försterei geschleppt wurden? Wir müssen stark sein. Wir müssen dazu stehen. Wir sind nicht von hier. Wir sind keine Berliner. Aber wir sind Unioner. Nicht wegen der Legende des unterjochten Klubs in der DDR. Sondern wegen Schneeschippen, Oberliga, Stadion bauen und jetzt auch Stadion kaufen. Heimat ist vor allem Gefühl und Liebe. Und glücklicherweise nicht Herkunft.

Matthias Sammer: “Wir sind wir.”

Matthias Sammer wird gerne als Querkopf bezeichnet. Im Sportgespräch mit dem Deutschlandfunk (26:45 Min, Download als MP3) wird aber klar, dass er eigentlich vor allem anders spricht als viele, die von der Waschmaschine DFB weichgespült wurden. Der Sportdirektor vertritt seine Meinung engagiert und streitet auch dafür.

Sammers persönlicher Ehrgeiz wird deutlich, wenn er über die Nationalmannschaft spricht und den Vergleich mit Spanien: “Wir sind Deutschland. Wir sind wir. Der Blick zu anderen sollte jetzt nicht mehr stattfinden.” Er will, dass die Nationalmannschaft ihren eigenen Weg findet. Vielleicht, weil die Kopie nie so gut wie das Original sein kann. Das sagt er aber nicht.

Sammer ist penibel. Die Wichtigkeit seiner Arbeit als Sportdirektor hebt er heraus, indem er klare Sätze sagt wie: “Spieler entwickeln sich immer von unten nach oben.” Das ist griffig. Das kommt gut an. Vor allem ist es ein Satz, der nie falsch ist. Doch wenn er seine fünf Säulen der Leistungsvoraussetzungen des Fußballs durchdekliniert, sieht man den perfektionistischen Matthias Sammer förmlich vor sich. “Konstitution. Kondition. Technik. Taktik. Persönlichkeit.” Er betet die Begriffe herunter. Ihm scheint ein System wichtig, wo ein Schritt auf den anderen folgt. Alles genau durchgeplant. Auffällig, wie stark er die Persönlichkeit betont. Das erinnert an Christian Beeck, der auch in der Persönlichkeitsentwicklung den Knackpunkt für eine Profikarriere sah.

Sammer ist ein Kind des Fußballs. Doping kommt in dieser Weltsicht nicht vor. Als er darauf angesprochen wird, kommt er wieder aus sich heraus. Das ist der streitlustige Matthias Sammer. Er bringt das bekannte Argument, dass Doping im Fußball nichts brächte. Vielleicht weil das in seiner Vorstellung so ungeheuerlich ist. Doch es wirkt fremd. Ganz so als hätte es die DopingFälle Hoffenheim oder Juventus Turin nie gegeben. Spätestens da wird wieder eins klar: Bei aller Andersartigkeit ist Matthias Sammer trotzdem vor allem ein Fußballfunktionär.

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