Stadionverbote fordern statt sich mit den Ursachen beschäftigen

Bernd Schultz ist Präsident des Berliner Fußballverbands. Eigentlich könnte nach diesem Satz Schluss sein, weil er mit dem Profifußball in Berlin nichts zu tun hat und über die Attraktivität des Amateurfußballs in unserer Stadt schweige ich lieber. Aber Bernd Schultz hat eine starke Meinung zu dem Überfall auf das Kleinfeld-Spiel der AK40 zwischen Union und BFC am Freitag Abend:

Im Gegensatz zu Stimmen beim 1. FC Union bin ich der Meinung, dass konsequent durchgeführte Stadionverbote durchaus ein Mittel sind.

Das sagt er in der Bild. Wie Stadionverbote den Vorfall am Freitag Abend verhindert hätten, verschweigt Bernd Schultz. Aber ich helfe ihm da gerne aus: Sie hätten nichts verhindert. Das häufige Mittel eines bundesweiten Stadionverbots ist nicht bis zu Spielen der AK40 gültig. Im Zweifelsfall hätte ein lokales Betretungsverbot da mehr Wirkung gehabt. Allerdings bringt das auch nichts bei Spielen ohne Ordnungsdienst und Sicherheitskonzept. Im Falle einer Festnahme von Tätern könnten diese höchstens noch für den Verstoß gegen das Verbot belangt werden. Aber als Präventivmaßnahme bringt das soviel wie ein Schild am Sportplatz, auf dem steht “Schägerei verboten!”

Foto: Matze Koch

Im Kurier relativiert Schultz die Forderung nach Stadionverboten, indem er dort sagt: “Die sind zwar nicht das allein seligmachende Mittel. Aber es wäre ein klares Zeichen gewesen.” Ein Zeichen setzen, auch wenn es nichts bringt. Nichts verdeutlicht die Erfolge des Berliner Fußballverbandes mehr als dieser Satz. Das ist pure Hilflosigkeit gepaart mit Aktionismus.

Kommen wir zum nächsten, dem BFC Dynamo. Der Klub schreibt auf seiner Website: “Der BFC Dynamo verurteilt diesen feigen Überfall und fordert eine lückenlose Aufarbeitung der Vorfälle durch den 1. FC Union.” Wieder so eine Forderung. Ich verurteile diesen Überfall auch, wie ich jede Schlägerei verurteile. Apropos lückenlose Aufklärung: Wie hat der BFC den Einsatz von Feuerlöschern seiner Anhänger gegen die Polizei bezeichnet, der für den Großteil der verletzten Polizisten beim Regionalliga-Derby verantwortlich war? Hier haben wir es: “Beim Verlassen des Gästeblocks, nach Ende der Partie, kam es aufgrund der versperrten Abgangswege vereinzelt zu Auseinandersetzungen zwischen Fans des BFC Dynamo und den Ordnungskräften, wobei es leider mehrere Verletzte gab.”

Und auch der 1. FC Union sollte nicht zu kurz kommen. Unabhängig von strafrechtlichen Aufarbeitung durch die Polizei hätte ich gerne eine Auseinandersetzung im Verein darüber, wie der Umgang mit dem BFC in Zukunft aussehen soll. Wo ist denn die Grenze, wenn ein paar provozierende Nasen bei einem Altherrenspiel zu solch einer Selbstjustiz führen? Gilt das demnächst auch für Jugendspiele? Auch die Dimensionen sollte sich jeder vor Augen führen. Was hat der 1. FC Union durch solche Vorfälle zu verlieren?

Und dann noch dieser Kommentar im Kurier, in dem Bunki einen Traum aufschreibt, in dem alle dem BFC die kalte Schulter zeigen. Ein anderer sei ihm gerade zerstört wurden:

Der, dass ich mit meiner Tochter, der Bunkine, ungestört in die Alte Försterei gehen kann. Und nicht immer vorsichtig in den Busch gucken muss, ob da irgendwelche Kasperköppe daraus hervorspringen. Danke dafür!

Ich weiß ja nicht, in welche Försterei Bunki geht, aber ich gehe seit Jahren mit meinen Kindern ins Stadion. Und zwar immer Stehplatz. Von Sektor 3 bin ich in den inoffiziellen Familienblock Sektor 4 umgezogen. Weil dort einfach mehr Platz ist. Der gefährlichste Moment, den ich erlebe, ist der, wenn ich die “Purzelchen” vergessen habe. Ernsthaft Bunki, komm doch mal rüber und schau es Dir an.

Podcast zum Thema Kollektivstrafen beim 1. FC Köln

Anlässlich der Auseinandersetzungen zwischen organisierter Fanszene und dem 1. FC Köln war ich gestern Abend beim Bockcast zu Gast. Neben mir sprachen zwei Effzeh-Fans und Maik vom Fanzine Übersteiger des FC St. Pauli. Je länger ich über dieses Gespräch nachdenke, desto mehr bin ich der Meinung, dass die Haltung des 1. FC Union nicht naturgegeben ist und wir sie auch schützen müssen. Vor Leuten wie Bernd Schultz und Leuten, die deutlich mehr Druck ausüben können.

Den ganzen Podcast gibt es hier.

Jede Schlägerei schadet Union

“Wo Dummheit auf verletztes Ehrgefühl trifft”, hätte eine gute Überschrift für die Schlägerei beim Punktspiel zwischen der AK40 des 1. FC Union und des BFC Dynamo auf dem Kunstrasenplatz neben der Ballspielhalle Hämmerlingstraße sein können. Aber von Anfang an:

Am Freitag Abend griffen ungefähr 20 bis 30 Union-Anhänger die Fans der Gästemannschaft der AK40 des BFC Dynamo an. Das Spiel musste unterbrochen werden. Verletzt wurden zwei Gästefans und ein Spieler des BFC.

Foto: Matze Koch

Soweit die Fakten. Union verurteilt diesen Angriff in einer offiziellen Mitteilung. Es ist nun bereits das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass Union-Anhänger BFC-Fans angreifen. Welche Auswirkungen das auf das größere Gefüge haben wird, kann sich jeder ausrechnen. Es wird Union auf jeden Fall schwerer fallen, bei Politik und Polizei für seine Anhänger einzutreten und dabei Erfolge zu erzielen. Vor Inkrafttreten des neuen Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG) in Berlin wird im Tagesspiegel beispielsweise die Verlängerung der möglichen Inhaftierung von möglichen Straftätern vor möglichen Auseinandersetzungen mit den Randalen beim Derby Union II gegen BFC begründet. Es muss jedem bei Union klar sein, dass jede noch so kleine Schlägerei mit dem 1. FC Union in Verbindung gebracht werden wird. In diese Richtung zielt auch der Tagesspiegel-Artikel: Der Ruf wird ruiniert

Und dabei ist es egal, wie hirnbefreit man sein muss, um Schmähgesänge gegen Union anzustimmen, wenn nur wenige Meter entfernt in der Fankneipe “Abseitsfalle” beim Quiz “Wer wird Unionär” eine nicht unbeträchtliche Zahl von Anhängern der organisierten Fanszene anwesend ist. Als ob ich zum “Dü-dü-dü-Lied” ins Sportforum nach Hohenschönhausen fahren würde.

Das entschuldigt die Schlägerei bei einem Punktspiel nicht. Mir fehlt immer noch ein Weg, sich mit dem BFC auseinanderzusetzen ohne gleich in Polizeiberichten zu landen. Daran hat sich seit dem Spielabbruch in Stockholm Anfang des vergangenen Jahres nichts geändert. In die Richtung geht auch der Kommentar im Berliner Kurier. Diejenigen, die mit dem BFC Dynamo noch Rechnungen offen haben, sollten sich genau überlegen, wie sie diese Auseinandersetzung in Zukunft führen wollen. Denn wenn diese weiter so wie bisher laufen, sehe ich eine mögliche Bruchlinie zwischen Verein und organisierter Fanszene und auch innerhalb der Fanszene.

Eine andere Sicht auf die Ereignisse hat Marko auf Facebook:

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Die Verantwortung von Polizeimeldungen und der Sinn von Recherche

Unabhängig davon gab es gestern auch wieder zu beobachten, was passiert, wenn Polizeimeldungen komplett kopiert werden. So sprach die Polizei in der ersten Meldung von einem Freundschaftsspiel zwischen BFC und Union und einem kompletten Spielabbruch. Entsprechend lautete die Zeile der Polizeimeldung “Den Begriff Freundschaftsspiel wohl nicht verstanden”.

Heraus kam zunächst so etwas:

Der Tagesspiegel ist hier nur ein Beispiel. In dem Fall reagierten die Onlineredaktionen aller Berliner Medien ähnlich. Publizieren statt recherchieren. Erst nach Intervention mindestens eines Berliner Journalisten änderte die Berliner Polizei ihre Meldung. Weitere Berichterstattung zum Fall findet ihr hier: Berliner Zeitung, Morgenpost, Kurier

Wenn ihr Lust auf angenehme Unterhaltung habt, kommt doch 13.30 ins Zoschke-Stadion zum Regionalliga-Spiel der U23 gegen Viktoria oder 15 Uhr zur Autogrammstunde von Sebastian Polter und Christopher Quiring ins Forum Köpenick.

Stephan Fürstner aus Fürth könnte Unions neuer Sechser werden

Der Kurier berichtet, dass Union an Stephan Fürstner interessiert ist. Wobei “interessiert” noch eine Untertreibung ist. Schließlich war der defensive Mittelfeldspieler aus Fürth am Montag zu Besuch bei Union. Die Verpflichtung des 27-Jährigen wäre ein guter Schritt, um die Mannschaft für künftige (vielleicht höhere) Aufgaben zu komplettieren. Ein fester Sechser, der sowohl das schnelle Konterspiel beherrscht, als auch den Spielaufbau gegen einen tief gestaffelten Gegner, fehlt aktuell. Die Frage ist, was Stephan Fürstner noch in seiner Karriere erreichen will. Mal im Stadion an der Alten Försterei Heimspiele austragen, tatsächlich in die Bundesliga aufsteigen … Ich weiß es nicht. Aber der neue Vertrag dürfte für den Profi aus Fürth der sogenannte letzte große Vertrag werden.


Foto: Matze Koch

Für Wirbel sorgt weiter der Versuch des Verfassungsschutzes, bei Union V-Leute anzuwerben. Die Berliner Zeitung bezeichnet den Anbahnungsversuch als dilettantisch. Das ist allerdings kein Argument, das gegen den Verfassungsschutz spricht. Der Dilettantismus des Geheimdienstes im Umgang mit V-Leuten ist legendär. Laut BZ wird der örtliche Bundestagsabgeordnete von Treptow-Köpenick mit dem Innenministerium Kontakt aufnehmen.

Und sonst so: Maxi Thiel trainiert wieder und soll bei gutem Verlauf im Mai noch ein paar Spiele machen, vermeldet die Bild. Kosovo verliert 0:2 gegen Bremen. Mitgespielt hat nur Valmir Sulejmani. Morgen um 11 Uhr spielen die Union-Frauen auch gegen Werder. Zweite Bundesliga Nord im Stadion Dörpfeldstraße.

Der Geheimdienst interessiert sich für Unions Fanszene

Ich bin etwas fassungslos und stehe vor einem Rätsel. Gestern gab die Eiserne Hilfe bekannt, dass es mehrfache Anwerbungsversuche des Verfassungsschutzes bei einem Unionfan gegeben habe. Mal davon abgesehen, wie die Einstellung zu V-Leuten ist, frage ich mich, warum die Fanszene des 1. FC Union Ziel des Inlandsgeheimdienstes wird.

Bisher tauchten Anhänger von Union nur einmal im brandenburgischen Verfassungsschutzbericht auf. Das war vor zwei Jahren und es ging um die Gruppierung Crimark, die kurz danach Auftrittsverbot bei Union erhielt. Seitdem tauchte die Gruppe und damit Union nicht mehr in Berichten des Geheimdienstes auf. Im letzten Tätigkeitsbericht des Berliner Geheimdienstablegers vom Juli des vergangenen Jahres (pdf) tauchen keine Berliner Fußballvereine auf. Deshalb würde mich schon interessieren, welche gesellschaftlichen Umstürze bei Unionfans aktuell angeblich geplant werden. Die offiziellen Beobachtungsfelder in Berlin sind übrigens: Rechtsextremismus, Linksextremismus, Ausländerextremismus und Spionage.

Der einzige Zusammenhang, den ich mir aus Ereignissen der letzten Monate erklären könnte, wäre der Versuch eines als Union-Anhänger bezeichneten Hooligans, Hogesa-Strukturen in Berlin aufzubauen.

Testspiel in Erkner bringt Spielpraxis und viele Tore

Mein Vorschlag als Zeile über das 14:1 beim Landesligisten FV Erkner wäre: “Torjäger aus Union-Nachwuchs schon jetzt besser als Sebastian Polter”. Der A-Junior Nils Stettin traf bei dem Test gleich fünf Mal und damit einmal mehr als Sebastian Polter (4 Treffer). Wo wir gerade beim Stürmer sind, macht die Bild aus dem Konjunktiv der Kicker-Meldung aus Mainz (Trainer Martin Schmdit sagte: “Wenn er so weitertrifft, ist er durchaus denkbar.”) ganz schnell eine Tatsache: “Dort ist er jetzt Teil der Kaderplanung für die nächste Saison geworden.”

Zurück zum Test gegen Erkner. Die Eisernen haben ein paar Bewegtbilder vom Spiel:

Kämpfen Benny!

Einen Gruß aus dem Krankenhaus schickte Benjamin Köhler. Wir sind weiter bei Dir, Benny!

koehler

Steven Skrzybski bleibt bei Union und Erkner ruft

Bei Sportkommentatoren ist Steven Skrzybski bestimmt genau so beliebt wie in den 90ern Michael Rzehaczek vom VfL Bochum. Der wurde dann einfach “Ratschi” genannt. Für Skrzybski hat sich noch kein einfacher Name gefunden. Aber dafür ein Vertrag bis 2018.

Union Training 2014/15Foto: Matze Koch

Der Stürmer hatte unter dem vorherigen Trainer Uwe Neuhaus immer ein bisschen Pech. In der Wintervorbereitung zerschoss er im Training die Netze, um sich dann im Frühjahr, wenn die Unionstürmer traditionell schwächeln, sich eine Verletzung einzutreten. In der Zeit hat er an seinem “sexy Body” gearbeitet und ist dadurch sehr robust geworden. Kein Vergleich mit dem schmächtigen Skrzybski von vor drei Jahren.

Über die Vertragsverlängerung berichten: Kurier, BZ/Bild

Obwohl vor allem das defensive Gerüst der Mannschaft eine Baustelle ist, auf der Norbert Düwel und sein Team genug zu tun haben, ist immer wieder der Sturm ein Thema. Die BZ bringt einen Text, der mit “Terodde, der Torjäger den Union nicht mehr wollte” überschrieben ist.

Ich bin voll bei dieser Antwort:

Und als ob Wasserstandsmeldungen Bewegung in den Fall Polter bringen würden, zitiert der Kicker Mainz-Trainer Martin Schmidt zur Frage, ob Sebastian Polter ein Kandidat für die nächste Saison in Mainz wäre, mit: “Wenn er so weiter trifft, ist er durchaus denkbar.” Das ändert natürlich alles ;)

Wer es heute 16.30 nach Erkner schafft, wird wahrscheinlich ein Team ohne Fabian Schönheim (Adduktoren), Björn Jopek (Infekt) und Steven Skrzybski (Sprunggelenk) sehen.

erkner

 

Update von 11:25 Uhr: Beim Tagesspiegel gibt es noch etwas mehr zum Spiel der Unionprofis Zejnullahu, Nebihi und Sulejmani für Kosovo gegen Eintracht Frankfurt (0:0) zu lesen. Sehr schön, dass uns wenigstens mal ein kleiner Einblick gegeben wird, wie es ist, Sport für ein kleines Land zu machen. Vor allem, wenn ein Großteil gar nicht in dem Land lebt. Ich bin sehr gespannt, wie es für Kosovo weitergeht und wie sich die Identität ausprägt. Litauen als größeres Land hat ebenfalls über die Welt verstreute Landsleute und macht deshalb so etwas wie die Weltspiele der Litauer (Lithuanian World Games), um eine gemeinsame Identität über den Sport beizubehalten.

Drei Unioner beim 0:0 des Kosovo gegen Eintracht Frankfurt auf dem Platz

Gestern Abend spielte Kosovo mit drei Unionern im Team im Freundschaftsspiel gegen Eintracht Frankfurt 0:0. Angesichts der Thomas-Schaaf-Defensive bei den Hessen weiß ich gar nicht, welcher Mannschaft ich mehr zu den null Gegentoren gratulieren soll.

Kosovo - Frankfurt 2015
Foto: Matze Koch

Von den Unionern stand nur Valmir Sulejmani in der Startelf. Matze Koch war sogar vor Ort.

#fcunion international. #Kosovo #eintrachtfrankfurt. Nur die Harten sind vor Ort.

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In der zweiten Halbzeit kamen noch Eroll Zejnullahu und Bajram Nebihi auf das Feld. Wer Interesse an bewegten Bilder hat, bitte sehr:


Eintracht Frankfurt vs Kosovo 0-0 Full… von enteritament

Medial bin ich etwas gelangweilt. Wer Interesse an der Torwartsituation bei Union hat, wird bei BZ/Bild und Kurier sicher fündig. Achtung Spoiler: Noch ist nichts entschieden.

Und ob der VfR Aalen nun zwei Punkte wegen Verstößen gegen die Lizenzbedingungen erhalten hat oder nicht, dürfte zumindest aus sportlicher Sicht bei Union niemand interessieren. Auch wenn die BZ anderes behauptet. Zehn oder zwölf Punkte Vorsprung auf Aalen machen für Union keinen Unterschied. Denn hier gilt allein: Vor dem Erreichen der 40 Punkte jubelt niemand. Noch zwei Siege also.

Es sind die kleinen Dinge

Da wir uns auch sonst so an kleinen Dingen erfreuen können, möchte ich an dieser Stelle behaupten, dass der Union-Fanshop mindestens die schönsten Kartons der Liga verschickt. Ach was, das sind die schönsten überhaupt.

Wow! Was für stylishe Kartons der #FCUnion verschickt.

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Sebastian Polter auf Trabi-Safari

Erst einmal die niedrig hängenden Früchte pflücken. Das könnte die Strategie von Union in Person von Manager Nico Schäfer sein, wenn er an die vom Trainer gewünschte Kaderzusammenstellung für die nächste Saison geht. Am ehesten klarzumachen sind dabei die Verlängerungen auslaufender Verträge (Beispiel Christopher Quirings neuer Vertrag bis 2017 aus der vergangenen Woche) und das Ziehen von Kauf-Optionen in Leihverträgen (das wären Martin Kobylanski und Maxi Thiel). Währenddessen geht es auch darum, ablösefreie Spieler anzusprechen und nicht nur finanziell von Union zu überzeugen. Für Vorort-Führungen bietet sich die aktuelle Länderspielpause an. Checkt als die Webcams im Stadion. Vielleicht war der neue Sechser gestern schon zu Besuch und hat sich alles angeschaut …

Union - St. Pauli 2014/15Foto: Matze Koch

Als letztes oder vorletztes steht Sebastian Polter auf dem Programm. Dass sein sportlicher Ehrgeiz und seine Karriereziele für ihn Vorrang haben, ist klar. Die Frage ist, ob Union ihm Bundesliga wird bieten können. Im lesenswerten Interview mit der BZ/Bild macht der Angreifer das auch deutlich:

Einerseits will ich mich sportlich weiterentwickeln und irgendwann vielleicht in der Nationalelf oder in internationalen Wettbewerben spielen. Da ist es sinnvoller in der 1. Bundesliga zu spielen. Als Zweitligaspieler kann man nicht Nationalspieler werden. Andererseits weiß ich es zu schätzen, was ich an Union habe.

 

Ich werde am Ende der Saison alles abwägen und mit dem engsten Familien- und Berater-Kreis eine Entscheidung fällen. Ich hoffe, dass es die richtige ist. Die sportliche Zukunft ist mir am wichtigsten.

Am besten gefällt mir das Bild mir Sebastian Polter vor dem himmelblauen Trabant und sein Vorhaben, sich im Sommer eventuell mit seiner Frau ein Trabi-Cabrio auszuleihen. Vielleicht sollte sich die gesamte Mannschaft als Event zum Teambuilding für eine Trabi-Safari (hier oder hier) anmelden. Zweitakter gibt es in Mitte genug.

Union endlich auch einmal von der Länderspielpause betroffen

Martin Kobylanski spielt mit Polens U21 und Christopher Trimmel ist für Österreich auf Abruf. Bajram Nebihi, Eroll Zejnullahu und Valmir Sulejmani sind für den Kosovo im Einsatz. Über das kosovarische Trio berichten Kurier und Morgenpost. Das Land ist nicht komplett anerkannt, weil der Weg zur Unabhängigkeit umstritten war. Details bitte woanders nachlesen, dafür reicht hier der Platz nicht. Aber ein Amselfeld spielt eine nicht ganz unwichtige Rolle darin.

Steffi hat übrigens gestern beim 11mm-Fußballfilm-Festival Torsten Mattuschka in der Kurzfilmjury getroffen:

 

Unter welchen Umständen bleibt Sebastian Polter?

Das ist die große Frage, die nach jedem Tor des 23-Jährigen Angreifers gestellt wird: Unter welchen Umständen bleibt Sebastian Polter? Der Kurier gibt uns darauf heute folgende Antwort: 20 Prozent Bleibewahrscheinlichkeit. Die Zahl vor den Prozenten ist Quatsch, das weiß auch der Kurier. Aber sie symbolisiert die Chancen von Union ganz gut. Denn Polter ist “Eigentum” von Mainz 05 und wenn bis Saisonende gar nichts passiert, ist er ab 1. Juli dort wieder Spieler.

Foto: Stefanie Fiebrig

Ob er in Mainz eine realistische Chance hat oder haben wird, kann ich nicht vernünftig beurteilen, würde aber eher sagen: Nein. Wenn sich die Rheinhessen die Frage auch so beantworten, ginge es für sie darum, den Vertrag des Stürmers (aktuell bis 2017 an Mainz gebunden) zu beenden. Mit einer vernünftigen Ablöse selbstverständlich.

Eine marktwertgerechte Ablöse (siebenstellig) wird Union so nicht bieten können. Und hier kommen wir zum Knackpunkt. Denn auf eine angemessene Ablöse wird Mainz zwar pochen können, aber sie können Polter nicht dazu zwingen, einfach irgendwo zu unterschreiben. Wenn Mainz also nein sagt, muss Polter ja sagen. Und zwar zu Union. Nur dann kann überhaupt etwas funktionieren. Vorher braucht Nico Schäfer gar nicht erst in die Schatulle im Forsthaus lunschen, ob genug Geld da ist.

Die Bedingungen für Polter nennt Bunki im Kuriertext sehr klar: Quasi eine Dauerspielerlaubnis, familiäres Umfeld und meiner Meinung nach das Wichtigste für eine junge Familie: Die Aussicht, auf absehbare Zeit mal nicht umziehen zu müssen.

Die Frage ist nicht, was Polter will, sondern, was Union will

Aber es gibt eine Frage, die der Kurier nicht benennt, und die meiner Ansicht nach Union dem Spieler Sebastian Polter und als Verein sich selbst beantworten muss: Wohin geht die sportliche Reise? Was sind die Ziele von Union? Es gibt Spieler mit längeren Verträgen, die ganz klar mit Union in die Bundesliga wollen. Ein Bleiben von Polter würde mir signalisieren, dass der Verein das auch will. Doch wie signalisieren Norbert Düwel, Nico Schäfer und Dirk Zingler dieses Ziel Sebastian Polter? Das ist für mich die große Frage im Poker um den Stürmer.

Für Union wäre der Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga die nächste große Erzählung nach dem “Marsch zurück in die Zweite Liga” und dem “Stadionbau”. Ob der Verein als Gesamtkonstrukt dafür finanziell und mental bereit ist, vermag ich nicht zu sagen. Aber ohne probieren, wird man es nicht herausfinden. Aber nur mit diesem Ziel wird Union überhaupt eine 20-prozentige Chance auf den Verbleib von Sebastian Polter haben.

Der Stürmer kann übrigens auch im Tor spielen. Kleiner Tipp für Norbert Düwel ;)

Und was schreiben die anderen?

Die Berliner Zeitung und der Tagesspiegel beschreiben die Erleichterung nach dem Sieg vom Freitag und mahnen, dass der Klassenerhalt noch nicht sicher sei. Der Tagesspiegel jagt mir dabei im dritten Absatz einen riesigen Schreck ein. Stimmen die Eintragungen in meinem Familienkalender etwa nicht?

Nach der Länderspielpause spielt Union gegen die beiden Abstiegskandidaten Erzgebirge Aue und den VfR Aalen. Anschließend geht es zum SV Sandhausen, der ebenfalls noch nicht durch ist.

Kurzer Check im Spielplan. Das nächste Spiel bleibt gegen Sandhausen und danach kommt Aalen. Aue ist erst die sechstnächste Partie. Und zwar am 9. Mai.

Die BZ/Bild macht was mit Torhütern.

Wie geht es weiter mit Björn Jopek?

Die BZ hat heute einen interessanten Text über den Altersschnitt der aufgelaufenen Union-Mannschaft. Es geht um den Verjüngungsprozess, den Düwel einleiten sollte. Gegen St. Pauli soll mit einem Altersschnitt von 25,1 Jahren die jüngste Union-Startelf in der Zweiten Liga auf dem Platz gestanden haben. Das ist schön. Aber letztlich ist es auch nur ein Wert ohne Aussage. Über die Qualität des Teams sagt der Altersschnitt nichts aus. Höchstens etwas über die Perspektive, falls die Mannschaft gut spielt. Dann kann so ein Gerüst länger tragen. Ungefähr so wie das Team, das 2009 in die Zweite Liga aufgestiegen ist.

1.FC Union Berlin - 1.FC Kaiserslautern 0:0Foto: Stefanie Fiebrig

Wo wir gerade bei Perspektive sind: Die BZ stellt meiner Meinung nach die richtige Frage nach der Perspektive von Björn Jopek. Er musste gegen St. Pauli in der ersten Halbzeit für Michael Parensen raus. Meiner Ansicht nach, weil er mit Fehlpässen in der Vorwärtsbewegung Konter von St. Pauli eingeleitet hat und nicht die gewünschte defensive Stabilität aufwies.

Für mich sieht es aus, als ob Jopek seine Position unter Düwel nicht gefunden hat. Bei Neuhaus, war er der junge Mattuschka. Stark bei Standards und mit sehr guten Pässen in die Spitze. Ähnlich wie Tusche kommt Jopek nicht über die Geschwindigkeit. Da hat ihm Eroll Zejnullahu im Zentrum schon überholt. Deshalb liegt es nahe, ihn mit siener Spielübersicht auf der Sechserposition auszuprobieren. Doch dort zeigte er für mich nie die Sicherheit, die von einem Sechser (auch bei der Doppelsechs) erwartet wird.

Der Vertrag von Björn Jopek, 21, läuft im Sommer aus. Meiner Vermutung nach wird sich die Frage nach einer Verlängerung beantworten, wenn klar ist, auf welcher Position Jopek spielen soll. Die Sechserposition wird es sicher nicht sein. Das hat er mit Torsten Mattuschka gemeinsam.

Sebastian Polter, seine Eltern, seine Frau und seine Kinder

In der Morgenpost gibt es einen Text, der alles erzählt, was ihr schon immer über Sebastian Polter wissen wolltet. Ich sage nur Ultras Helene Fischer.

Assist Maulwurf, Tor Polter

Sören Gonther sprach nach dem Spiel ins Sky-Mikro für mich die Hälfte der Wahrheit über das 1:0 gegen St. Pauli.

Ich weiß nicht, wer da oben gegen uns ist! Robin hat alle Bälle sicher weggekloppt und dann kommt in der letzten Minute so ein Maulwurf aus dem Rasen und haut ihm das Ding gegen das Schienbein.

Die andere Hälfte gehört Sebastian Polter, der diesem Rückpass auf den Torwart hinterherging und nicht abdrehte, als Gästekeeper Robin Himmelmann den Ball annahm und sich etwas vorlegte. Auch nicht als der Torwart ausholte, um die Kugel wegzuschlagen. Als der Ball versprang, war Sebastian Polter da. Wie viele Spielzeiten haben wir uns nach so einem Stürmer gesehnt…

Medial stehen sich heute zwei Fraktionen gegenüber: Diejenigen, die von einem Platzfehler sprechen und diejenigen, die einen Torwartfehler gesehen haben. Bild/BZ mit “Megabock” und “Pauli-Tollpatsch” (Wie war das nochmal mit dem Nachtreten bei Leuten, die schon unten sind?) suchen den Fehler bei Himmelmann. Bei Tagesspiegel, Morgenpost und Berliner Zeitung sind sich die Autoren (Platzfehler) nicht mit denjenigen in der Redaktion einig, die Überschriften und Vorspann schreiben (“Torwartfehler” und “Torwartschnitzer”). Der Kurier ist eindeutig Fraktion Platzfehler, aber verursacht mit der Überschrift physische Schmerzen bei mir: “St. Pauli-Torwart Robin Himmelmann poltert in die Hölle”. Echt jetzt?

Als kleines Gedanken-Experiment für das Wochenende: Was wäre wohl passiert, wenn Daniel Haas dank Rasen den Ball beim Abschlag nicht getroffen hätte? Wäre dann seine “Verunsicherung” wegen Düwels Torwartwechselei der Grund? Oder wären sich auch fast alle Beobachter einig, dass es ein Platzfehler war?

Union hat weiter sichtbare Probleme

Vom Sieg abgesehen, gab es wenig Positives vom Spiel. Düwel ersetzte Michael Parensen auf der 6 und brachte dort Björn Jopek. Der Junge hatte einen rabenschwarzen Tag und ermöglichte durch Fehlpässe in der Vorwärtsbewegung St. Pauli einige Konter. Nach nur 30 Minuten machte Düwel den Wechsel rückgängig. Parensen schloss die Lücke im defensiven Mittelfeld sehr ordentlich. Was die Offensive angeht, lahmt Union auf links gewaltig. Thiel und auch Brandy fehlen dort als Unruheherde sehr. Für meinen Geschmack landeten aus der Unionabwehr zu viele Bälle direkt beim Gegner. Die Probleme im Spielaufbau scheinen sich schon so weit herumgesprochen haben, dass selbst Teams im Abstiegskampf wie St. Pauli gegen die Union-Verteidigung Pressing spielen.

Aber der Sieg vor der Länderspielpause gibt etwas Ruhe zum Arbeiten. Und die Null stand am Ende bei Daniel Haas. Oder um Norbert Düwel zu zitieren: “Die Mannschaft hat heute nicht ihr bestes Spiel gemacht. Aber das ist mir egal. Drei Punkte. Das ist wichtig.”


Foto: Tobi/unveu.de

Schön, dass gestern Abend Karim Benyamina und Benny Köhler im Stadion waren. Und schön auch, dass Christopher Quiring nach seinem Beinahe-Abschied zum Ende der Ära Neuhaus seinen Vertrag verlängert hat und mindestens bis 2017 bei Union bleibt.

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Foto: Stefanie Fiebrig / Tweet von @sirhenry33