Blog State of the Union

State of the Union: Endlich wieder Parkplatz-Party

Union du wirst siegen, glaub an dich und es wird wahr,
die zweite Bundesliga ist für uns nun endlich da …

Am Sonntag um 14 Uhr können wir im Beckersbergstadion in Henstedt-Ulzburg das Team von Ailien Poese zum Zweitliga-Aufstieg anfeuern. Die Zeit bis dahin könnt ihr entweder mit Männerfußball (da gibt es irgendein Turnier in Deutschland) oder mit Darts (Freitag und Samstag finden die Poland Darts Masters in Gliwice statt) herumbringen. Oder aber ihr lest und hört ein bisschen über Union und den Fußball an sich. Deshalb kommen hier ein paar News und Tipps.

Bleiben wir bei unserem hervorragenden Frauen-Team, das leider verletzungsbedingt auf Marie Becker verzichten muss (Vereinsmitteilung). Wer es nicht wie wir nach Henstedt-Ulzburg schafft, kann hoffentlich den Frauen am Sonntagabend am Stadion zum Aufstieg gratulieren. Denn es ist eine Parkplatzparty geplant. Los geht es 20 Uhr und gegen 21.15 Uhr wird das Team  erwartet (Vereinsmitteilung).

Aufgrund des 8:0 im Hinspiel empfinde ich diese Vorplanung weder als unsportlich noch als arrogant. Ganz im Gegenteil: ich freue mich über diese erneute Gelegenheit, allen Spielerinnen und dem Staff für eine unfassbare Saison zu danken und ihnen zu der Leistung zu gratulieren. Und ich möchte wirklich allen dieses Interview mit Malin Hegeler vom SV Henstedt-Ulzburg (Kieler Nachrichten) ans Herz legen.

Darin bringt sie nicht nur zum Ausdruck, was für ein Erlebnis das Hinspiel im Stadion an der Alten Försterei für sie war (schon alleine der Effekt aufgrund des lauten Stadions nicht mehr die Mitspielerinnen hören zu können), sondern auch wie viele Welten jetzt schon teilweise zwischen Union und dem SV HU liegen. Neben den wirklich rührenden Worten wird noch einmal deutlich, wie sehr die Zeit der Amateurvereine im Frauenfußball und auch die der reinen Frauenfußballvereine langsam abläuft. Das ist die andere Seite der Professionalisierung. Um so bitterer ist für einen Club wie Henstedt-Ulzburg diese Regelung mit der Aufstiegsrelegation.

Das Hinspiel um den Zweitliga-Aufstieg machte viel Spaß, Foto: Stefanie Fiebrig

Für mich noch ein kleines Rätselraten ist die Zahl der zugelassenen Zuschauer am Sonntag. Zwar fasst das Beckersbergstadion theoretisch 4500 Fans, aber laut Union gab es nur 1500 Tickets (Vereinsmitteilung). Die Kieler Nachrichten berichten dagegen, das Ordnungsamt habe nur 700 Zuschauer für den Sportplatz zugelassen. Fakt ist: die Partie ist ausverkauft. Langsam fühle ich mich mit der Karte für das Rückspiel ähnlich privilegiert wie beim Stadtderby gegen Hertha in der Männer-Bundesliga, als wir aufgrund der Coronamaßnahmen nur mit 200 Unionfans im Gästeblock des Olympiastadions standen.

Noch einen Vorbericht gibt es beim RBB.

Am Sonntag um 14 Uhr spielt übrigens auch die U23 ihr Rückspiel um den Aufstieg. Ziel ist die Regionalliga. Nach dem 1:1 im Hinspiel gegen den FSV Babelsberg wird das sicher sehr spannend.

Kommen, gehen, bleiben: Neues von den Männern

Kurzzeitig kam bei mir das Gefühl auf, alle anderen Clubs außer Union würden durch die Bank weg neue Spieler verpflichten. Okay, Robin Gosens wurde mit fast jedem italienischen Verein in Verbindung gebracht. Aber ansonsten passierte eigentlich gar nichts.

Naja, fast nichts. Morten Thorsby wurde durch Genua fest verpflichtet (Kaufpflicht) und Jamie Leweling durch Stuttgart. Bei Tymoteusz Puchacz (ja, der steht tatsächlich noch bei Union unter Vertrag) und Jordan ist die Situation noch unklar. Überhaupt die Leihspieler. Ich hoffe, dass Union mit Horst Heldt in Zukunft in diesem Bereich mehr Klarheit schafft. Ich habe jedenfalls komplett den Überblick darüber verloren, welche Spieler Union wohin verliehen hat.

Am Donnerstag gab es die erste offizielle Verpflichtung mit Ivan Prtajin vom SV Wehen Wiesbaden (Vereinsmitteilung). Klassischer Mittelstürmer, dem Oliver Ruhnert in der Pressemitteilung die Attribute kopfballstark, robust und laufstark zuordnete. Für Mikkel Kaufmann und Chris Bedia, die beide bisher bei Union enttäuschten, ist diese Verpflichtung sicher keine vertrauensbildende Maßnahme.

Außerdem soll Verteidiger Leo Querfeld von Rapid zu Union wechseln (BZ schreibt etwas mehr über ihn). Aktuell ist er in Berlin, allerdings mit der österreichischen Nationalmannschaft wegen der EM.

Leo Querfeld in Berlin, Foto: @leoquerfeld/Instagram
Leo Querfeld in Berlin, Foto: @leoquerfeld/Instagram

Union vor Gericht

Michael Parensen und der 1. FC Union Berlin haben sich zur Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht getroffen aufgrund einer Kündigungsschutzklage von Parensen. Das kam durchaus überraschend, weil bei der Kommunikation zur Trennung zwischen Parensen und Union nicht von einer Kündigung durch Union die Rede war (Vereinsmitteilung vom 7. April).

Auch in der zeitlichen Reihenfolge ist das interessant, weil nun bekannt wurde, dass bereits fast drei Wochen zuvor (am 18. März) Parensen gekündigt wurde. Bei der Güteverhandlung wirkte die Argumentation von Union (Parensens Stelle würde wegfallen, weil es keine Champions League mehr gibt) wenig glaubwürdig. Jedenfalls wurde keine Einigung erzielt (Kicker). Aber ich gehe davon aus, dass sich beide Seiten vor dem nächsten Termin im Juni 2025 außergerichtlich einigen werden.

Am 16. März war Michael Parensen beim Spiel gegen Bremen noch an der Seitenlinie im Einsatz, zwei Tage später erhielt er seine Kündigung, Foto: Matthias Koch

Auf den anderen Plätzen

Ich weiß, es ist Männer-EM und wir kriegen uns alle kaum ein vor Aufregung. Aber das einzig wahre Ranking ist schon fast drei Wochen alt. Der Spielbeobachter hatte nämlich alle Trikots der teilnehmenden Länder bewertet. Meine Favoriten: Albanien (auswärts), Serbien (auswärts) und Polen (heim). Ich mag es wohl im Moment etwas schlichter.

Ich weiß, Ihr habt schon drauf gewartet. Das offizielle EURO-24-Trikot-Ranking! Nach Gruppen. Jetzt! Hier! Kommen Sie, gucken Sie, fahren Sie noch eine Runde, jetzt rückwärts! #euro24shirts

— mars (@spielbeobachter.bsky.social) May 27, 2024 at 14:28

In der früheren Zentrale des MfS gibt es zur EM auch verschiedene Veranstaltungen (Übersicht). Aus Union-Sicht interessant dürfte die am 23. Juni sein mit dem Titel „Union Berlin & Fankultur in der DDR“.

Titelbild der Ausstellung zum Arbeitersport, Foto via Münzenbergforum

Empfehlen kann ich auch die Ausstellung „Der andere Fussball: 100 Jahre Arbeiterfussball – 125 Jahre Arbeitersport“ im Willi-Münzenberg-Forum (Website). Ich hatte die Ausstellung vor einigen Jahren bei einer Auswärtsfahrt nach Dortmund dort im Fußballmuseum gesehen und fand es sehr interessant. Denn mir war bis dahin gar nicht klar, wie sehr die Fußballgeschichte in Deutschland vom DFB geprägt ist und wie wenig alles außerhalb davon überhaupt als zum Fußball zugehörig gekannt wird. Ja, das ist keine bahnbrechende Erkenntnis. Jede Person, die sich mit der Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland beschäftigt, weiß das. Oder auch diejenigen, die für eine gleichwertige Darstellung von Männerfußball in der DDR mit dem in der Bundesrepublik sind.

Der Arbeiterfußball jedenfalls war eine eigene Welt mit eigenen Fußballregeln und einem aus heutiger Sicht fremden Sport-Ethos. Die gesamte Bewegung hat sich mit Absicht vom bürgerlichen DFB abgegrenzt. Bis 1933 mit der Machtübernahme der Nazis der gesamte Arbeitersport verboten wurde. Zurückgekommen ist die Bewegung in dem Maße nie wieder. Wenn ihr die Gelegenheit habt, schaut euch die Ausstellung an. Sie ist bis 20. Juli geöffnet. Es gibt rund um die EM auch einige Veranstaltungen dort.

Arbeit auf die Ohren

Im Podcast des Berliner Ensembles war Christian Arbeit zu Gast und hat sich mit Marion Brasch das Stück „Spielerfrauen“ angesehen.

Sportwetten und Sucht

Die Spatzen pfeifen es vom Dach des Forsthauses. Möglicherweise bekommt Union einen neuen Trikotsponsor. Für mich beginnt damit wieder die Zeit, in der ich hoffe, dass es kein Wettanbieter wird. Warum Sportwetten und die damit verbundene Sucht ein riesiges Problem sind, macht dieser Beitrag über den früheren Pressesprecher des 1. FC Köln deutlich, der aufgrund seiner Sucht den Job verlor (Sportschau).

Ende gut

Wenn ihr dabei seid, den Glauben an den Fußball zu verlieren, lest diese kurze Geschichte von Mara. Sie geht nicht nur für alle gut aus, sondern zeigt auch die verbindende Kraft des Fußballaberglaubens.

Es sind die kleinen Dinge und der große Aberglaube des Fußball-Fan-Daseins, die manchmal Unmögliches möglich machen.

Ein Thread.

— maramuster.bsky.social (@maramuster.bsky.social) May 22, 2024 at 21:38

3 Kommentare zu “State of the Union: Endlich wieder Parkplatz-Party

  1. Sehr schön, dass Ihr Euch trotz des Stresses immer wieder mal zu Wort meldet. Eure Beiträge erweitern meinen Horizont und bringen viele Dinge wunderbar auf den Punkt. Und der Podcast zum Saisonrückblick war großartig. Einfach mal Danke 🤩

  2. Icke schließe mich mal Ecki an und sage auch einfach mal DANKE für die tolle Arbeit die ihr leistet .

  3. Haltevici

    Neuer Trikot Sponser?
    Wo kommt das denn her?

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