Blog State of the Union

Michael Parensen wird bei Union auch nach außen sichtbarer werden

Über das Gespräch von Union-Präsident Dirk Zingler mit Union-Geschäftsführer Kommunikation Christian Arbeit im Union-Klub-Medium AFTV (Teil 1 und Teil 2) wurde bereits viel geschrieben. Bild/BZ nahmen daraus mit, warum Dirk Zingler sich sicher ist, dass Urs Fischer und Oliver Ruhnert bleiben. Weil sie Spaß bei ihrer Arbeit haben. Klingt vielleicht platt, ist aber ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Die Morgenpost (Bezahl-Link) nahm daraus den Teil mit, in dem der Union-Präsident erzählte, dass in der Bundesliga niemand mehr Union leiden könne. Das liegt aber weniger daran, dass der Verein etwas ausgefressen hätte, sondern daran, dass man nicht der bunte Vogel ist, der mal kurz vorbeischaut und dann wieder geht, so dass alle weiter ihrem Geschäft wie gehabt nachgehen können. Zingler bemüht das Bild vom Katzentisch, an dem man nicht Platz nehme.

Union klaut anderen Clubs Punkte und Geld

Und um in diesem Bild zu bleiben: Union setzt sich ungefragt an den großen Tisch, sagt: „Schönes Essen habt ihr“, und macht sich den Teller voll, so dass den anderen weniger bleibt. Oder um es sehr direkt zu sagen: Union klaut anderen Vereinen aktuell Punkte und Geld. Nicht als Subvention für den ausgedörrten Fußball-Osten, sondern weil man es sich verdient hat. Dieses Thema ist im Prinzip in der Liga präsent seit Union das erste Mal die Klasse hielt. In der neuen Saison schlägt es sich auch ganz deutlich in den Zahlen beim Fernsehgeld nieder. Bei der Präsentation der Zahlen auf der nächsten Mitgliederversammlung wird man das am Vereinsetat, und auch im Vergleich zu anderen Clubs sehen.

Stadionausbau als Entwicklungsschritt

Und dann ist da die Infrastruktur. Zingler spricht über den Stadionausbau, bei dem man auf der Zielgeraden der Vorbereitung liege, und vom Nachwuchsleistungszentrum, das nächstes Jahr fertig sein wird. Mit dem Dreh, man würde damit Hertha ärgern, ist die Berliner Zeitung in ihrer Bewertung der Aussage des Präsidenten eher alleine. Ich wüsste wirklich nicht, was der Stadionausbau mit Hertha zu tun hat.

Das einzige, was es gibt, ist eine Parallelität beim Wunsch, ein Stadion zu bauen. Und selbst das ist nicht ganz korrekt. Denn Union baut aus, auch wenn es rechtlich den Anforderungen eines Neubaus genügen muss und Hertha baut neu, hat aber noch nicht einmal ein Grundstück sicher. Keiner der beiden Clubs will bauen, um den anderen zu ärgern, sondern um sich selbst zu verbessern.

Und das ist auch der Punkt, den man da sehen muss. Zinglers aktuelle Lieblingsphrase ist die vom neuen Plateau, das der 1. FC Union erreicht in einer Entwicklung. Plateau deswegen, um eine Schwelle zu signalisieren, die Union überschreitet. Aber auch, um den Fans und Mitgliedern eine uns allen innewohnende Furcht vor dem Absturz zu nehmen. Von einem Plateau kann man nicht so leicht stürzen. Der Union-Präsident spricht von einem neuen Plateau, das der Club finanziell erreichen würde, weil man sich auf die Bundesliga vorbereitet habe und sie auch annehme.

Wenn Zingler solche Dinge sagt, muss ich immer an Steffen Baumgart denken, wie er im Podcast von Felix Kroos und dessen Bruder Einfach mal luppen davon erzählte, wie die letzte Bundesliga-Saison von Paderborn ablief. Da wurde nicht in den Kader investiert, um die Klasse zu halten, sondern es war mehr wie eine Gewinnmitnahme der einmaligen Teilnahme am Wettbewerb. Sicher, Paderborn ist da ein gebranntes Kind, weil sie einmal nach dem ersten Bundesliga-Aufstieg fast ins Nirgendwo abgestürzt sind. Man kann sich auch übernehmen.

Union hat sich aber entschieden, die Bundesliga anzunehmen und ein etablierter Erstliga-Club zu werden. Ja, auch dieser Weg kann in die Zweite Liga führen. Weil sportlicher Erfolg nicht planbar ist und Union ebenso wie andere Bundesliga-Mittelklasse-Vereine auch mal absteigen kann. Bremen, Schalke, Mainz, Stuttgart, Augsburg, Hertha, Mönchengladbach oder Frankfurt kennen das aus den vergangenen Jahren. Aber das Union-Ziel ist mittlerweile offensichtlich: Der natürliche Lebensraum des 1. FC Union soll wie für die anderen Mittelklasse-Clubs die Bundesliga sein. Und dazu gehört, Stichwort Plateau, eben ein ausgebautes Stadion und ein Nachwuchsleistungszentrum mit entsprechender Infrastruktur.

Was konkret Dirk Zingler zum Stand der Vorbereitungen für den Stadionausbau (Verkehrskonzept, das unter anderem 4.000 Fahrradstellplätze vorsieht, etc.) gesagt hat, könnt ihr auch im Kurier nachlesen.

Professionalisierung des Frauenfußballs bei Union

Neben diesen vielen Punkten, die Zingler in dem Gespräch angesprochen hat, das vom inhaltlichen Aufbau auch als Rede zur Lage von Union hätte durchgehen können, ging es auch um die Professionalisierung des Frauen-Fußballs bei Union. Strategisches Ziel ist dabei die Bundesliga. Wenn ich das höre, denke ich gleichzeitig auch immer an den letzten Bauabschnitt am Bruno-Bürgel-Weg und das geplante Amateur-Stadion dort. Wäre schön, wenn beides klappt. Stichwort Plateau.

Bei der Vorbereitung zur Professionalisierung des Frauenfußballs sagte Zingler: „Es war gar nicht so einfach, eine Fußball-Lehrerin zu finden. Auch der DFB muss da mehr liefern. Auch da ist noch eine Menge Symbolik. Wie fördere ich Trainer-Ausbildung bei den Frauen? Die ist heute noch unterschiedlich zu den Männern. Da werden wir uns einmischen in Zukunft. Denn wenn wir es machen, dann machen wir es richtig.“

Union will Nähe beibehalten

Zwei Punkte aber sind aus Fansicht tatsächlich noch wichtig aus dem Gespräch. Da ist zum einen das Stichwort Nähe, die Union trotz Wachstum beibehalten möchte. Dazu hat sich Zingler sehr ausführlich geäußert und es ist auch ein Thema, das wir in unserer aktuellen Podcast-Episode zum Saisonabschluss ausführlich thematisiert haben. Nicht im Kontext mit dem Wachstum als Bundesligist, sondern im Kontext mit den Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen in den vergangenen mehr als zwei Jahren, die uns sehr viel Nähe gekostet haben. Es ist diese Nähe, die zur Vereins-DNA gehört und aus der Union so viel Kraft schöpft.

Michael Parensen wird sichtbarer werden

Der zweite wichtige Punkt betrifft die Rolle von Michael Parensen, der mit der neuen Saison präsenter sein wird. „Wir werden Michael Parensen in der kommenden Saison deutlicher in die Leitung der Lizenzspielerabteilung integrieren. Er wird mehr Verantwortung übernehmen, er wird sichtbarer sein. Er wird sich die Aufgaben mit Oliver Ruhnert stärker teilen“, sagte Zingler.

Michael Parensen und Dirk Zingler, Foto: Matthias Koch

Weiter sagte der Präsident: „Michael wird eher präsenter hier sein, Oli wird sich noch stärker um Kaderplanung kümmern, wird mehr draußen sein, wird sich mehr Spieler persönlich anschauen. Er bleibt Chef der Abteilung, er bleibt auch Geschäftsführer der Abteilung. Aber Michael wird seinen nächsten Schritt machen und wir werden ihn öfters sehen, auch das eine oder andere Mal am Mikro. Mir ist wichtig und es ist auch der Wunsch des Vereins, dass er seine Entwicklung fortsetzt. Er macht ja parallel den Manager-Lehrgang.“

Ich finde das aus verschiedenen Gründen gut. Erst einmal weil es die Entwicklung einer Person bei Union betrifft, die den Übergang vom Profi in die Vereinsstrukturen schafft. So wird Identität geschaffen beziehungsweise erhalten. Aber es geht nicht um Identität als Begründung für einen Job, sondern weiter um Leistung und Eignung. Der weitere Aspekt ist der, dass Union hier auf zwei Ebenen vorbaut.

Einerseits kann man das als Eingrenzung der Arbeitslast von Oliver Ruhnert sehen, um schlimmstenfalls Entwicklungen wie bei Max Eberl vorzubeugen. Wobei ich Unions Manager so einschätze, dass er da selbst vorher die Reißleine ziehen würde. Und es geht darum, auch dem vorzubeugen, dass man im Falle eines Falles plötzlich ohne Manager dasteht. Strategisch ist das tatsächlich sinnvoll gedacht. Wie es am Ende in 3 bis 5 Jahren aussieht, ist eine andere Sache. Aber es gibt auf jeden Fall eine Art Vorbereitung, die dazu führt, dass man idealerweise nicht Getriebener einer Entwicklung ist, sondern Treiber.

Wer wie ich sich die Interviews von Union lieber anhört, kann sie sich übrigens auch als Podcast abonnieren. Einfach diese Adresse in eurer Podcast-App hinzufügen.

Und sonst so?

Im DFB-Pokal spielt Unions Männer-Mannschaft in der ersten Runde beim Chemnitzer FC.

Fotos vom Sieg der U17 der Frauen gegen Turbine Potsdam gibt es hier bei Facebook.

Und die Bild (Bezahl-Link) hat eine Top 50 der Union-Spieler seit Club-Gründung 1966 aufgestellt.

11 Kommentare zu “Michael Parensen wird bei Union auch nach außen sichtbarer werden

  1. zentralesMittelfeld

    Eine gute Zusammenfassung bzw. Einordnung des Interviews. Ich muss sagen, mir gehen diese ständigen Hertha – Union Vergleiche der Medien auf den Zeiger. Berlin ist auch groß genug für zwei Vereine in der Ersten Liga. Klappt in anderen Städten (außerhalb Deutschlands) ja auch. In Liverpool baut Everton ein neues Stadion und die Anfield Road wird ausgebaut. In Madrid zieht Atletico in einen Neubau und plant viele Erweiterungen zu einem großen Sportgelände, während Real das Bernabeu komplett modernisiert.
    In Mailand plant man zusammen, die San Siro Ruine abzulösen. In London entstehen nach und nach neue Stadien. usw.
    Das sind größentechnisch natürlich andere Klubs, aber irgendwo muss man ja mal anfangen, sonst rennt man ewig hinterher.

    Vielleicht sollte man als regionale Zeitung mal die Landespolitik unter die Lupe nehmen, denn ohne deren Unterstützung wird es für beide Vereine schwer, sich, die Infrastruktur und damit auch die Stadt weiterzuentwickeln.

    • Wuhleblut

      @zentralesMittelfeld

      Nun ja, wenn selbst in einer extrem kritischen Situation des eigenes Vereins, Frau Renate Döhmer (Aufsichtsratmitglied Hertha BSC) auf der MV nichts besseres einfällt, als über die Vorherrschaft in der Stadt zu reden, dann weißt du auch, woher die Medien ihre Intention haben.

      Zitat Renate:
      „Wir haben furchtbare Krisen durchlebt, sind aber nie daran zerbrochen. Deswegen bin ich mir sicher, dass wir die Vorherrschaft in der Stadt zurückholen. Ich würde gern ‚Scheiß Union‘ sagen, aber das gehört sich ja nicht.“

  2. Michael

    Und diese Frau D. bei Hertha ist Ü70, hat also die „Wind und Mehr“-Phase beider Vereine vor 1989 miterlebt.
    Was also haben wir ihr getan das sie sich so äußert? Völlig unverständlich sowas.

    Sowieso: wie oft gestern bei der Hertha unser Name fiel ist schon erstaunlich.

  3. TimoEis

    Das Micha als Manager aufgebaut werden soll, ist gut und zugleich schlecht. Wir wollen doch den Oli ganz lange behalten. Wird interessant zu sehen, wie Sie sich die Aufgaben konkret teilen.

    • Da gibt’s garantiert genug zu tun für 2 Leute. Die Frage ist, ob man sich durch Eitelkeiten und Machtansprüche ins Gehege kommt, oder beide versuchen, die Vorteile der Konstellation zu nutzen.

  4. Das sich das Repertoire der Herthafans im wesentlichen auf Ha Ho He Hertha BSC und Scheiss Union beschränkt ist ja hinlänglich bekannt. Das sich jetzt aber ein(e) Miglied(in) des Aufsichtsrats dem Pöbel anbiedernt und beifallheischend auf dieses „Niveau“ begiebt, ist einfach nur widerlich und zeugt von der leider immernoch vorhandenen Westberliner Arroganz und Ignoranz.

    U.N.V.E.U.

    • Londonkraut

      @DESC:
      Das hat Nullkommanichts mit Westberlin zu tun, sondern is schlicht strunzdoof.
      Dummheit kennt weder Himmelsrichtungen, noch unterschiedliche Sozialisationen.

    • @Londonkraut:
      Westberliner Arroganz trifft es hier schon sehr gut. Da geht es auch nur bedingt um eine Himmelsrichtung. Es ist ein eigenständiger Begriff, mit einer ziemlich definierten Bedeutung.

      Ich selbst verwende den Begriff (Redewendung) eher nicht, weil er oft mitschwingen lässt, dass man selbst etwas Besseres ist.

  5. Tschechow

    „Weil sportlicher Erfolg nicht planbar ist und Union ebenso wie andere Bundesliga-Mittelklasse-Vereine auch mal absteigen kann. Bremen, Schalke, Mainz, Stuttgart, Augsburg, Hertha, Mönchengladbach oder Frankfurt kennen das aus den vergangenen Jahren. “

    — Augsburg kennt den Abstieg aus der BL noch nicht, oder hab ich was verpasst?

  6. Matikovski

    Ja war wohl ein Wink. Augsburg kann ruhig absteigen. Weitere Kandidaten Bochum und Charlottenburg.

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