Blog State of the Union

Braucht Union einen Systemwechsel?

Der 1. FC Union Berlin hat in seinen ersten beiden Bundesliga-Spielen gegen die Teams, die nicht zu den schwächeren der Liga gehören, jeweils einen Punkt geholt und spielerisch auch einiges Gutes gezeigt. Trotzdem geben die beiden Spiele auch Anlass, die ein oder andere Frage an die Ausrichtung der Mannschaft zu stellen.

Paul Jaeckel Union Berlin
Das Defensivkonzept von Union für Paul Jaeckel und die Dreierkette stieß in einigen Situationen an seine Grenzen. Photo: Matze Koch.

Dabei geht es vor allem um das zentrale (defensive) Mittelfeld, wo Rani Khedira ziemlich auf sich allein gestellt ist. Das sorgt defensiv wie offensiv für gewisse Herausforderungen für das Team, wie auch gegen Hoffenheim zu sehen war. Da sind einerseits die Chancen für den Gegner, die entstehen, wenn es Spieler schaffen, in den Halbräumen links und rechts von Khediras Position den Ball zu bekommen und gefährliche Pässe zu spielen. Union will solche Situationen verteidigen, indem einer der drei Innenverteidiger aus der Abwehrkette heraus rückt und die anderen beiden hinter ihm verschieben und so die entstandene Lücke schließen.

Allerdings hat das Spiel in Hoffenheim und konkret das Tor zum 2-1 gezeigt, dass es Situationen gibt, in denen dieses Prinzip nicht aufgeht, und das nur bedingt etwas mit individuellen Fehlern zu tun hat. Denn in dieser Situation musste Union dieses Herausrück-Maneuver in zu schneller Folge auf beiden Seiten machen, sodass im Moment des Passes auf den Torschützen Bruun Larsen nur Robin Knoche in der letzten Verteidigungslinie war und seine beiden Kollegen halb aufgerückt in der Luft hingen. Dabei passierten auch Fehler in der Umsetzung: Marvin Friedrich fiel nicht schnell genug wieder in seine Ausgangsposition zurück, und Paul Jaeckel war auch auch zu spät im Herausrücken, um Vorbereiter Andrej Kramarić zu stören.

Taktik Union Berlin
Die Graphik mit den Pässen von Union zeigt, dass das Mittelfeld spielerisch recht stark in der Luft hängt. Graphik: Between the Posts.

Aber vor allem zeigt diese Szene, dass Unions aktuelles Verteidigungskonzept in solchen Momenten systematisch an seine Grenzen stößt. Braucht Union also eine Systemumstellung, um diese Anfälligkeit zu beheben?

Vielleicht. Besonders häufig gelingt sowas den meisten gegnerischen Mannschaften nicht, auch wenn sich einige vielleicht besonders darauf konzentrieren werden. Möglicherweise kann man es ihnen in den vorderen Mannschaftsteilen auch noch konsequenter schwer machen, dazu zu kommen. Und absolute defensive Sicherheit gibt es auch im Fußball nicht.

Mich würde es aber auch nicht wundern, wenn wir demnächst eine andere Formation von Union sehen würden. Denn so richtig funktioniert das aktuelle Mittelfeld mit einem Sechser und zwei Achtern auch offensiv nicht: In vielen Spielaufbau-Phasen ist keiner der Mittelfeld-Spieler anspielbar, Rani Khedira hatte zum Beispiel gegen Hoffenheim kaum Passwege nach vorne und so fehlte auch Marcus Ingvartsen weitgehend die Bindung zu Unions Spiel. Das ganze Mittelfeld könnte also vielleicht am Ball besser eingebunden werden und gleichzeitig defensive Stabilität gewinnen.

Die Aufgabe für Urs Fischer und sein Team ist es dann aber natürlich, bei einer Umstellung Unions aktuelle Stärken – das sind vor allem das Zusammenspiel von Taiwo Awoniyi und Max Kruse und die guten Momente im hohen Pressing – nicht zu verlieren.

Podcast

Über einige dieser taktischen Facetten haben wir gestern auch in unserer Podcast-Folge zum Spiel in Hoffenheim gesprochen, aber auch darüber, wie wir Unions Europa-Pokal Auswärtsspiel in Finnland verfolgt und miterlebt haben, ohne hingefahren zu sein, und wie ansteckend die Euphorie davon war:

Eine neue Episode gibt es auch von Kiek An.

Und schon auf das Wochenende nach vorn schauend war ich für ein Segment im Gladbach-Podcast der Rheinischen Post zu Gast. Den gibt es auch in dieser Kuration von Folgen anderer Podcasts, in denen es um Union geht, die man wie einen eigenen Podcast-Feed abonnieren kann.

Das schreiben die Berliner Medien heute

In der Berliner Presse lesen wir unter anderem, dass Paul Jaeckel froh über seine Entscheidung ist, mit Union statt mit Fürth in der Bundesliga zu spielen:

Europa-Pokal im Olympiastadion

Der Verein hat gestern gezeigt, wie die Motto-Shirts für das Spiel im Olympiastadion aussehen. Die übrigen Karten dafür gibt es im freien Verkauf.

19 Kommentare zu “Braucht Union einen Systemwechsel?

  1. Mottoshirt sieht bescheiden aus.

    Zum Gladbachspiel schon eine persönliche Bitte.
    Meldet euch an beim Taz Unioner für die Schifffahrt. Momentan sind es zuwenig sodaß es wohl keine Fahrt auf der Spree geben wird was ich bedauern würde, weil ich gerne mit jemandem ganz lieben teilnehmen würde und so oft hat man nicht die Chance beides (Spiel+Schiff) zu vereinbaren aufgrund Ticketknappheit.

    Zurück zur Werbung ;-)
    Danke.

  2. Team Taktik

    Wenn das Problem wirklich im System liegt:
    Wie ist dann zu erklären, dass sowohl Hoffenheim als auch Leverkusen in der zweiten Halbzeit so gut wie keine Torchancen mehr hatten, ohne das das System komplett verändert wurde?

    • Meine Erklärung wäre, dass diese breakdown Situationen ja nicht soo häufig sind, also auch gerne mal eine Zeit lang nicht vorkommen. Und, dass insgesamt besser im Spiel sein halt auch hilft, sie zu verhindern, weil zb Hoffenheim dann eben nicht die Gelegenheit für so einen neuen Ansatz wie beim 2-1 hat.

  3. Team Taktik

    Naja, aber das “besser im Spiel” sein würde ja bedeuten, dass es doch individuelles Zweikampfverhalten im Mittelfeld und nicht ein systematisches Problem ist. Und die zweite Hz hat ja gezeigt, dass es mit einer etwas anderen Ausrichtung auch in der Grundordnung gut funktionieren kann.

    • Ja genau, dem wollte ich gar nicht widersprechen. Je besser man das System umsetzt, desto seltener kommt es zu den defensiven Zusammenbrüchen. Mein Punkt war, dass sich manche davon in dem System wohl nicht vermeiden lassen mit einer realistischen Quote in der Umsetzung. Aber auch da kann man eben durchaus sagen, dass man mit dem Risiko leben will/kann, weil es insgesamt gut genug funktioniert.

  4. Gregor Beushausen

    Sorry, ich bleibe dabei: Der Abgang von Andrich ist durch Khedira in keiner Weise zu kompensieren. Und Marcus Ingvartsen muss jetzt endlich zeigen, dass er sich in der Bundesliga durchbeißen kann, vor allem in den Zweikämpfen. Ich les’ nahezu überall die Hinweise auf Unions “besten Saisonstart” bislang. Keine Frage: Die beiden ersten Gegner waren spielstarke Teams. Von daher könnte man im Prinzip mit zwei Punkten zufrieden sein. Ich geb’ allerdings zu bedenken, dass es im Vergleich zur abgelaufenen Saison gegen diese beiden Gegner bereits vier Punkte w e n i g e r sind. Kommenden Sonntag gegen Gladbach steht Union bereits unter Zugwang: Im dritten Spiel muss nun der erste Sieg eingefahren werden – Kuopion hin, Kuopion her.

    • Ich denke, die Schwierigkeiten, die wir bis jetzt gesehen haben, haben sehr wenig mit Rani Khedira individuell zu tun.

      Den Vergleich zu den Ergebnissen gegen Lev und Hoffenheim in der letzten Saison halte ich für absolut nicht zielführend. Erstens, weil das Abschneiden letzte Saison nicht der Maßstab sein kann, zweitens, weil beide Siege in diesen Partien 20/21 ziemlich glücklich waren, und drittens, weil wir eben in der aktuellen Situation in beiden Spielen Außenseiter waren. Und was für ein Zugzwang das sein soll, seh ich auch nicht.

    • Genau so ist es

  5. Team Taktik

    Ja, aber gibt ja kein perfektes System im Fußball. Dementsprechend müsste man die Frage jedes mal stellen, wenn irgendjemand ein Gegentor kassiert, weil der Gegner es schafft diese Schwäche zu nutzen. Außerdem sieht man ja auf der rechten Abwehrseite, die das System schon länger spielt die Fehleranzahl sehr gering ist, während auf der linken Seite, die ja nach Gießelmanns Einsatzzeiten letzte Saison eigentlich komplett neu ist, das Timing beim rausrücken bzw. Das Einrücken des Außenverteidigers in die dann Viererkette noch schwierig ist und sich finden muss. Wie gut das funktionieren kann hat aber die letzte Saison gezeigt.

  6. SchrödingersKlatche

    Noch kein Spiel verloren dazu ein klarer 4:0 Erfolg und das bei so vielen Neuzugängen. Spricht alles andere als für ein Systemwechsel. Weniger Populismus bitte !

  7. Gregor Beushausen

    @Daniel……mal ganz, ganz ehrlich: Waren die beiden Buden gegen Hoffenheim (Abpraller) nicht auch ein wenig “glücklich”? Ich finde, dass mein Vergleich durchaus zulässig ist. Und was Khedira angeht: Warten wir einfach mal ab. Ich bin gern bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen.

  8. Die Debatte ist ja nun sowas von überflüssig.
    Die Saison ist noch jung und die Mannschaft muss sich noch finden.
    Wir sollten stolz sein auf die Ergebnisse und nicht meckern.
    Andere Teams kassieren auch Gegentore.

  9. Ich binn der gleichen Meinung wie Gregor !
    Khedira und Haraguchi können Andrich in keiner Weise erstzen ! Es muss eine neue Lösung für die 6er Position her . Abgeshen davon hatte Friedrich am Sonntag nicht sein besten Tag , was ja auch mal vorkommen kann.
    Aber ich bin überzeugt das das Trainerteam da eine Lösung findet . Ich hoffe es !

  10. Christopher87

    Meiner Meinung nach gibt es überhaupt keine Grund das System in Frage zu stellen . Sicherlich gibt es noch viel Arbeit um es zu perfektionieren.

    Es gab wieder einmal ne Menge Neuzugänge die sich auch erst einmal zusammen finden müssen . Ich denke wir sollten alle nicht vergessen wo Union herkommt und auch nicht die letzten beiden Spielzeiten über bewerten . Keine Frage es waren zwei fabelhafte Spielzeiten aus Union Sicht. Wir waren aber auch sehr gut vorbereitet und hatten den Vorteil als Underdog in die Spiele zu gehen. Wir hatten nie Druck gehabt unbedingt punkten zu müssen und das spricht ja wohl für die tolle sportliche Leistung. Wir waren keiner Zeit Abstiegs gefährdet. Das ganze Team macht einen bemerkenswerten Job . Die Spieler sind bereit diese kämpferische Union Mentalität zu leben und Zeigen dies auch.

    Ich lese hier die Kommentare und denke mir, bin ich im Forum vom FC Bayern???

    2 Liga Spiele und das System wird hinterfragt ?
    Sorry da bin ich raus .

    Zu Andrich : er war immer ein auffälliger Spieler auf dem Platz und präsent in den Zweikämpfen und dennoch habe ich auch von ihn Spiele gesehen wo die Leistung nicht gerade berauschend war.
    Andrich ist weg !
    Und ich bin mir ganz sicher das die Mannschaft das auch gut verkraften wird.

    • Das System ist ja nichts in Stein gemeißeltes, sondern halt einfach nur immer die aktuelle Herangehensweise, die Stärken und Schwächen hat. Wenn man die analysiert, stellt man ja nichts grundsätzlich in Frage. Und die Flexibilität und Bereitschaft, da Sachen zu ändern, gehören zu den Stärken von Urs Fischer und Union in der Bundesliga.

  11. Entschuldigt ! Aber imm nur betonen wie toll es war und wo wir herkommen bringt uns nicht weiter ! Um sich weiter zu entwicklen , was man in der Bundesliega stendig machen muss, brauch man neue Ziele ! Das kann also nur heißen , einen besseren Tabellenplatz wie im Vorjahr !

    • Hmm, immer einen besseren Tabellenplatz, als im Vorjahr könnte irgendwann echt problematisch werden. Was machen wir dann in dem Jahr nachdem wir Meister geworden sind? ;-)
      Laß uns mal in der Liga etablieren. Wird schwer genug mit aktuell drei Wettbewerben. Irgendwann geht das dann einfach mal an die Substanz. (y)

  12. Christopher87

    Genau etablieren!
    Besserer Platz wie im Vorjahr …. Ich lese wohl nicht richtig.

    Und natürlich betone ich das , weil man dadurch Punkte geholt hat die wir nie und nimmer eingefahren hätten.
    Es heißt sich zu etablieren und genau diese Saison wird es sein um es zu zeigen mehr nicht . Platz 12 z.B. wäre ein Riesen Erfolg mit der dreifach Belastung und den Veränderungen. Zu dem hat doch die Bundesliga in ihrer mehr als 50 jährigen Geschichte gezeigt wie es vereinen ergehen kann mit genau der Einstellung @ Biene …….

    Es wird finde ich alles überbewertet.

    Nächstes Jahr schlagen wir Gladbach mit der Leistung von heute 5:0 oder was ?

    Immer schön realistisch bleiben und schon garnicht von uns den eigenen Fans Druck aufzubauen!!!!
    Es gibt Vereine die sich in 10 Jahren versucht haben sich etablieren und nicht das erreicht haben was wir geschafft haben . Eine glückliche Zeit für uns mehr auch nicht ! ( die natürlich auch durch harte Arbeit entstanden ist)

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