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Stadionausbau Alte Försterei: Noch kein Baubeginn absehbar und doch jetzt schon zu klein

Dies ist ein Gastbeitrag. Die Meinung des Autoren gibt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.

Es ist Ende der Saison 2016/17: Union schickt sich an, erstmals an der 1. Bundesliga zu schnuppern und gleichzeitig werden, in Vorausschau zum 100-jährigen Stadionjubiläum 2020, die Ausbaupläne der Alten Försterei der Öffentlichkeit vorgestellt. Unioner sind begeistert und fangen an, zu träumen.

Fünf Jahre später, im Sommer 2021 scheinen hingegen die Leichtigkeit und die greifbare Stadionzukunft etwas verflogen, denn vieles von dem geplanten Ausbau ist nach wie vor in der Schwebe. Aktuell wünscht sich der Verein, zuletzt im Schreiben an seine Mitglieder, Baurecht ab Sommer 2022. Der Präsident Dirk Zingler äußerte sogar mehrfach die Hoffnung für einen Baubeginn zumindest noch in seiner Amtszeit (bis Juni 2025). Aber der Planungs- und Genehmigungsprozess des Umbaus zieht sich mehr und mehr und gleichzeitig strapaziert die Ticketsituation doch arg die Nerven und Zufriedenheit von Mitgliedern, Fans und Zeughaus-Mitarbeitern.

Nicht erst mit Corona gab und gibt es Einzelkarten nur für Mitglieder über eine Spieltagsverlosung und Dauerkarten nur als Erbschaft aus der Vorsaison. In dieser Saison wird für internationale Spiele nun bereits ins Olympiastadion ausgewichen. Angesicht viel zu weniger vorhandener Sitzplätze der Alten Försterei (entsprechend den Uefa-Regularien) kommt das landeseigene Stadion ganz im Westen auf Unions Weg nun kaum überraschend.

Doch auch über die Saison hinausgeblickt ist Entspannung beim Stadionthema leider nicht in Sicht. Die Dinge gestalten sich auf Grund des noch immer offenen Verkehrskonzeptes weiterhin äußerst mühsam. Die Bahn plant gar erst 2026/27 den Regional-Bahnhof Köpenick fertigzustellen, was womöglich eine Stadioneröffnung bis dahin noch verzögern könnte.

Neben diesen aktuellen bauplanerischen Schwierigkeiten zeigt sich darüber hinaus, dass die Probleme aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet noch größer werden dürften, denn bereits jetzt wäre das zukünftige Stadion an der Alten Försterei‘ mit dann 37.000 Plätzen viel zu klein.

Videoanimation des neuen Stadions An der Alten Försterei vom 20.06. 2017, Foto: Michael Hundt/Matthias Koch

Bereits ein kurzer Überschlag offenbart die zukünftige Situation: Aktuell würde noch nicht einmal jeder der ca. 38.000 Mitglieder einen Platz finden. Zudem blieben nach Abzug von Gäste- und Sponsorenkarten bestenfalls 30.000 Plätze über. Zieht man dann noch die zu vermutenden 15.000 Dauerkarten für Mitglieder ab, stünden gerade noch ca. 15.000 Tickets für die wohl mindestens 23.000 verbliebenen Mitglieder zur Verfügung. Ohne, dass es auch nur eine Karte für den freien Verkauf oder eine Zweitkarte für ein Mitglied gäbe.

Um ein klares Bild darüber zu bekommen, was auf Union und die Mitglieder in den kommenden Jahren zukommen wird, habe ich deshalb detailliert die Stadionfrage analysiert. Hier die konkreten, sicher überraschenden Ergebnisse:

Die Analyse

Die Einschätzung ‚viel zu klein‘ fußt auf einer umfangreichen Untersuchung. Grundlage bildet hierfür eine quantitative Analyse von 38 deutschen Fußballvereinen seit dem Jahr 2004 (über die 1. und 2. Bundesliga sowie Dritte Liga). Dabei wurden verschiedene Kennzahlen der Vereine ermittelt und statistisch ausgewertet, wie u.a.: Gesamtzuschauerzahlen, Auswärtszuschauer, Stadionauslastungen, Mitgliederzahlen, Einzugsgebiete und Fanpotentiale.

Wo kommt Union her, wo geht Unions Weg hin?

Schauen wir uns zuerst die Mitgliederentwicklung, als zentralen Kennwert der Größe der Fanfamilie eines Vereins, an. Mit 38.009 Mitgliedern (Ende Juni 2021) belegt Union Berlin aktuell den 11. Platz der mitgliederstärksten Fußballvereine Deutschlands, nachdem Hertha BSC Union auf Grund einer Mitgliederkampagne jüngst wieder überholt hat.

Vor zehn Jahren, Anfang 2011, lag Union hingegen als noch neuer Zweitligist mit ca. 7.000 Mitgliedern bundesweit auf Platz 24 – als schon damals gar nicht so kleiner Mitgliederverein. Binnen eines Jahres erreichte Union mit der landesweit und international wahrgenommenen Aktion der ‚Alte-Försterei-Aktie‘ erstmalig 10.000 Mitglieder und damit bereits Platz 20. Wahrscheinlich leitete sich auch hieraus der von Präsident Dirk Zingler in der Vergangenheit wiederholt formulierte Anspruch ab, sportlich zu den Top20-Fußballvereinen Deutschlands zählen zu wollen.

Bemerkenswert: Bereits zu dieser Zeit stammten nur ca. 25% der Mitglieder aus dem Bezirk Treptow-Köpenick, ca. 45% aus dem Rest von Berlin und ca. 30% von außerhalb Berlins. Seither hat Union einen bemerkenswerten Mitgliederzulauf erfahren – mit jährlich durchschnittlich über 20% Wachstum (Hertha BSC ca. 8%). Dahinter steht eine Dynamik die hierzulande in diesem Zeitraum nur Vereine wie der SC Freiburg, Eintracht Frankfurt, Dynamo Dresden, SC Paderborn, Erzgebirge Aue, 1.FC Magdeburg und der SV Darmstadt vergleichbar nachzeichnen konnten.

Allgemein muss man sagen, geht in den letzten Jahren, nach einer langen Boomphase, das Wachstum der Mitgliederzahlen in deutschen Fußballvereinen insgesamt jedoch merklich zurück – auch bereits vor Corona. Z.B. stagnieren die Mitgliederzahlen beim FC Bayern München, bei Bayer Leverkusen und Mainz 05 oder sinken sogar, wie bei Borussia Dortmund, dem VfL Wolfsburg, der TSG Hoffenheim oder dem Hamburger SV.

Umso beeindruckender ist in einem solchem Umfeld, dass die eben beschriebene 10-Jahres-und-20%-Dynamik von zwei Vereinen über die letzten fünf bzw. drei Jahre sogar noch durch ein beschleunigtes Mitgliederwachstum getoppt wurde: Eintracht Frankfurt und Union Berlin. Damals 14. im Ranking (16.000 Mitglieder) ist Frankfurt mit heute 91.100 Mitgliedern bereits 6. der Rangliste und wird nach der Corona-Unterbrechung wohl weiter zulegen.

Union machte gleichfalls einen gehörigen Schritt nach Vorn: nicht zuletzt mit dem Mitgliedersprung im Rahmen des Aufstiegs in die 1. Bundesliga (Sommer 2019). Binnen eines Jahres begrüßte Union damals über 15.000 Neumitglieder. Das sind absolute Zahlen, die in der Bundesligahistorie überhaupt nur Vereine wie der FC Bayern München, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, der 1. FC Köln oder der FC Schalke 04 erreichten. Und das sind – statistisch betrachtet – die Größenordnungen eines 100.000+ Mitglieder-Clubs.

Genau dieses Potential wird auch vermutlich für Adidas ein entscheidender Grund gewesen sein, bei Union als Ausstatter einzusteigen. Neben dem möglichen Argument den erstklassigen Fußball-Osten nicht ganz dem Rivalen Nike zu überlassen (siehe Hertha BSC und RB Leipzig). Auch wenn Corona der Mitgliederentwicklung Unions einen zwischenzeitlichen Dämpfer verpasst hat, wird der Trend, ähnlich zur von Europa beflügelten Eintracht – insbesondere bei sportlichem Erfolg und wieder öffnenden Stadien – auch in Zukunft mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit fortgesetzt werden.

Binnen des letzten Jahres sind, trotz der schwierigen Umstände, Unions Mitgliederzahlen von 36.957 (06/2020) auf derzeit 38.009 Mitglieder gestiegen. Lediglich ein derzeit völlig überraschendes Negativ-Ereignis innerhalb des Vereins könnte diese Entwicklung stoppen.

Was bedeutet das für die potentiellen Zuschauerzahlen des 1. FC Union Berlin?

Für die oben bereits erwähnte Untersuchung der 38 Bundesligaclubs wurden mittels Recherche ca. 500 Datenpunkte zusammengestellt, mit deren Hilfe eine Regressionsanalyse durchgeführt wurde. Diese erlaubt sehr zuverlässige Aussagen über das heutige reale Zuschaueraufkommen von Union (wenn es keine Auswirkungen von Corona mehr gäbe) und jenes in fünf Jahren (wenn das Stadion unter Umständen umgebaut wäre). Und das Ganze für die 1. und 2. Bundesliga sowie die Dritte Liga. Für die Fünf-Jahres-Perspektive wurde coronabedingt eine moderate Weiterentwicklung des Vereins unterstellt (deutlich unter dem der letzten 10 Jahre), die sich unter anderem durch ein Mitgliederaufkommen von dann ca. 42.000 Mitgliedern im Sommer 2022 zeigen würde.

Die folgende Grafik zeigt demgemäß die realistisch zu erwartenden durchschnittlichen Zuschaueraufkommen pro Spieltag nach Ligen, heute und in fünf Jahren.

Man sieht deutlich, wenn Union den Ausbau bereits erfolgreich bestritten hätte, wäre die Alte Försterei (ohne Corona) heute schon viel zu klein für die 1. Bundesliga und gerade noch ausreichend für die 2. Bundesliga. In Zukunft würde das Stadion sogar nur zu einer wechselnden Existenz zwischen 2. Bundesliga und 3. Liga passen.

Angesichts der ursprünglichen Planungen von Ende 2016 bzw. Anfang 2017 ist das nicht verwunderlich. Für damalige Verhältnisse war es – auch auf Grund der finanziellen und sportlichen Möglichkeiten – angemessen. Doch nicht zuletzt auf Grund der Entwicklung der letzten drei Jahre passen die Ausbaupläne zu den sich realistisch abzeichnenden Zukunftspotentialen des Vereins nicht mehr. Wenn sich Bauvorhaben ungeplant und unbeabsichtigt verschieben, kann darin auch eine Chance liegen, veränderte Sachverhalte zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu beurteilen.

Bei 83.000 potentiell zu erwartenden Zuschauern (Dortmund-Niveau) reibt man sich als Unioner wahrscheinlich erstmal verwundert die Augen. Doch bei den über Erwartungswerte prognostizierten Zuschauerzahlen von Union muss man berücksichtigen, dass es neben einem Stadionbauboom (zieht potentiell immens viele neue Mitglieder und Zuschauer nach) noch zusätzliche verstärkende Einflussfaktoren auf die Zuschauerzahlen gibt, über die viele andere Clubs der 1. Bundesliga nicht verfügen: Wie zum Beispiel das zunehmend attraktive Fußball-Pur-Erlebnis und die besondere Atmosphäre im Stadion (wo der Stadionbesuch an sich schon zum Erlebnis wird), die Hauptstadtattraktivität für Auswärtsfahrer, das überdurchschnittliche Bevölkerungspotential der Metropolregion Berlin-Brandenburg und nicht zuletzt eine über viele Jahrzehnte in unteren Ligen wie ein Diamant geschliffene, leidensfähige, leidenschaftlich beseelte und zugleich begeisternd ansteckende, treu- verrückte Fanfamilie, die bisher immer geduldig und uneingeschränkt hinter ihrer Mannschaft stand.

Letzteres zeigt sich etwa auch darin, dass Union, ganz außergewöhnlich für einen Bundesliga- Debütanten, im Vergleich zum Beispiel zu Hertha BSC eine um etwa 7% höhere Stadionauslastung bei Auswärtsspielen in der Saison 2019/20 erreichte (bei identischen Heimmannschaften). Normalerweise sind neue Emporkömmlinge in der 1.Bundesliga gerade keine Zuschauermagneten.

Doch unabhängig von der sportlichen Augenhöhe ist Union in der Bundesliga offenbar auch auswärts attraktiv und ein besonderes Stadionerlebnis – allein durch seine Fans und ihre stimmungsvolle Unterstützung. Auch eine eigens für die Premierensaison 2019/20 durchgeführte Reichweiten-Analyse aller 18 Bundesligaclubs hat gezeigt, dass die internationale Presse (umfasste über 2.000 Medien) offenbar einen Gefallen am Union-Weg fand. Hierbei kam Union auf Platz 5 aller Bundesligisten (als einziger nicht europäisch spielender Club in den Top 5).

Auch die Verlängerung von Hauptsponsor Aroundtown vor einigen Wochen kann entsprechend wenig verwundern (Vereinsmitteilung). Denn leistungsmäßig hat Union bei der Image- und Markenbekanntheitssteigerung für Aroundtown (gerade auch bei der internationalen Kundenzielgruppe), trotz Corona und leerem Stadium, für die kolportierten 2,5 Mio. € (entspricht ca. 0,2% des durchschnittlichen Jahresgewinns von Aroundtown) jährlich geradezu herausragend abgeliefert. Im Vergleich zum Bundesligaschnitt 2019/20 wären für diese Präsenz und Werbeleistung bei anderen Bundesligaclubs eher 6 Mio. €, in der Saison 2020/21 sogar über 7 Mio. € zu zahlen gewesen.

Zurück zur Stadionfrage: Historische Daten zeigen, dass für Vereine aus den Großstädten Deutschlands große Stadien und entsprechende Stadionerlebnisse den enormen Fan- und Mitgliederzahlen immer vorausgingen, diese also zu großen Teilen quasi erst generierten. Das gilt in besonderer Weise auch für einen Hauptstadtverein wie Union Berlin (allein im Bezirk Treptow- Köpenick leben mehr Menschen als in Gelsenkirchen, Mönchengladbach oder Leverkusen). Wenn das Stadionerlebnis dazu im Mittelpunkt – im Kern des Fandaseins – als Unioner steht, bedingen sich bei halbwegs sportlichem Erfolg die Größe des Stadions und die Größe der Union-Familie enorm gegenseitig. Dabei bedeutet ein zu großes Stadium ein beträchtliches wirtschaftliches Risiko, ein zu kleines aber auch.

Ca. 40 Millionen Euro will Union für die Erweiterung um 15.000 Plätze ausgeben. Dies entspricht im Vergleich zu anderen Bundesligastadien etwa mittleren durchschnittlichen Neubaukosten pro Stadionplatz. Da sollte das Geld, genau wie bei Spielertransfers, möglichst optimal für die Zukunft investiert sein.

Wie man bei der Stadionfrage zu Fehleinschätzungen gelangen kann, zeigt die eingangs erwähnte Datenanalyse. Der Tivoli von Alemannia Aachen, die Arena für den TSV 1860 München (vor allem für die Zweite Liga) und das Fritz-Walter-Stadion für den 1. FC Kaiserlautern waren und sind deutlich zu groß und damit sowohl finanziell als auch für die Stimmung im Stadion enorm belastend gewesen für die Vereine. Genauso zeigt die Untersuchung, dass das gerade neu entstehende Wildparkstadion für den Karlsruher SC gleichfalls etwas zu groß geraten wird.

Hingegen sind der Analyse nach die Stadien von Werder Bremen, Schalke 04, dem 1.FC Köln und Eintracht Frankfurt, für deren Fanaufkommen seit Jahren jedoch deutlich zu klein. Dass von diesen vier Mannschaften in den vergangen beiden Saisons ganze Drei gegen den Abstieg spielten, kann man für Zufall halten. Man kann aber auch vermuten, dass, wenn Mitgliedervereine ihre Trümpfe nicht ordentlich ausspielen und entsprechend ihr volles Fanpotential abrufen (wie Mönchengladbach oder Dortmund), sich ihre wirtschaftlichen und sportlichen Chancen gerade gegenüber Investorenclubs (allein der VfL Wolfsburg bekommt als Unternehmenstochter von Volkswagen etwa 70 Mio. € jährlich vergütet) nachhaltig verschlechtern.

Weitergehende Analysen haben gezeigt, dass man als Mitgliederclub zumindest 30% dieser Investorenzuschüsse anderweitig finanziell kompensieren können sollte, sonst hat man im sportlichen Wettbewerb keinerlei reelle Chance gegenüber diesen Clubs. Immerhin würde für Union allein die Differenz zwischen einem 37.000-Zuschauer- und einem 57.000-Zuschauer-Stadion ca. 10 bis 12 Mio. € Unterschied bei den jährlichen Ticketeinnahmen in der Bundesliga bedeuten (ein Betrag, der sich durch Catering, Fanartikelverkauf, gestiegene Attraktivität bei Sponsoren und Spielern, Mitgliedschaften etc. wohl schnell nochmal verdoppeln würde).

Im Gegensatz zu den eben genannten sieben Vereinen mit nicht maßgerechten Stadien haben Hertha BSC mit ihrem Stadionneubauplan von 55.000 Plätzen und der SC Freiburg mit dem gerade neu gebauten Stadion von 34.700 Plätzen ihr Zuschauerpotential – Stand heute – sehr realistisch und gut eingeschätzt. An beiden Vereinen könnte sich Union bei der Stadionfrage ein Beispiel nehmen.

Wie die folgende Grafik zeigt, hat Union heute genauso viele Mitglieder wie Hertha BSC, plant aber, ein über 30 Prozent kleineres Stadion als Hertha zu errichten. Und das obwohl, historisch betrachtet, bei beiden Vereinen (wie bei den meisten Bundesligaclubs) der jährliche Zuschauerschnitt auch noch deutlich über der entsprechenden Mitgliederanzahl liegt.

Auch wenn man bereits einfache statistische Vergleiche ansetzt, fällt auf, dass Union mit dem Erweiterungsbau der Alten Försterei viel von seinem Zuschauer- und Mitgliederpotential brach liegen lassen wird. Als, wie bereits erwähnt, heute elft-mitgliederstärkster Fußballclubs Deutschlands (bereits in einem Jahr wird man wohl Neunter sein) würde Union mit der endgültigen Ausbaustufe der Alten Försterei über das wahrscheinlich fünfzehnt-größte Stadium aller heutigen 36 Bundesligisten verfügen (über die aktuelle, historisch einmalige Zusammensetzung der 1. Bundesliga sollte man sich nicht täuschen lassen). Klingt erstmal nicht so schlecht: mit dem wirtschaftlichen Potential des Stadions gerade noch gerettet auf einen Nicht-Abstiegsplatz.

Doch direkt hinter Union folgen die 30.000 Zuschauer-Stadien der vier Investorenclubs Augsburg, Leverkusen, Hoffenheim und Wolfsburg. Die ca. 3-4 Mio. € möglichen jährlichen Mehreinnahmen Unions aus dem etwas größeren Stadion werden sie sehr leicht kompensieren können. Ohne die finanziellen Mittel eines Investors würde sich Union, wirtschaftlich betrachtet, damit aus eigener freier Entscheidung heraus, dauerhaft bestenfalls auf Platz 19 der deutschen Fußballvereine platzieren. Ein Verbleib in der 1. Bundesliga könnte dann nur durch wiederholte, außergewöhnliche sportliche Leistungen erreicht werden. Das Jahr für Jahr zu wiederholen, wird sehr schwer.

Daraus ergibt sich für Union im Prinzip eine entscheidende Quintessenz: Möchte der Club Fußball ganz oben erfolgreich spielen und feiern, seine Werte dort hörbar und sichtbar vertreten und sich gleichzeitig keinesfalls dafür an einen Investoren verkaufen, dann sollte man Herzensangelegenheit von zehntausenden oder gar hunderttausend kleinen Investoren – sprich Mitgliedern – werden wollen.

Das Besondere ist: Union hat dieses Potential. Als einer von ganz wenigen Clubs hierzulande und vor allem als einziger der ehemaligen Ost-Clubs. Gegenwärtig ist Leipzig mit seinem globalen Energydrink-Vermarktungs-Modell wirtschaftlich und sportlich die Nr.1 im Fußball-Osten und prägt damit nicht nur den Fußball als solchen. Denn bei genauerer Betrachtung sieht man, dass der aufmerksamkeitsmächtige Fußball nicht nur Spiegel, sondern selbst auch bedeutender Impulsgeber unserer Gesellschaft ist.

Dass Rasenballsport den Fußball-Osten dominiert, muss mittel- und langfristig aber so nicht bleiben. Union kann beweisen, dass es auch anders geht auf dem Weg nach oben. Ob Unions Werte wirklich authentischer, ehrlicher, gemeinschaftlicher und vermeintlich zukunftsfähiger sind als andere, zeigt sich dann, wenn sie unten und oben funktionieren. Dann hätten sie das Potential, Dinge neu zu beleuchten, größere Wirkung zu entfalten und bestehende destruktive Zustände im Profifußball und vielleicht auch in der Gesellschaft langfristig zu transformieren. Dafür wäre es aber unabdingbar, dass unter anderem für alle Mitglieder der Union-Familie und für unioninteressierte Fußballbegeisterte zumindest gelegentliche Stadionbesuche mit Freunden oder Familie möglich sind.

Ein Stadionbesuch ist für die meisten Unioner geradezu sinnstiftender Wesensausdruck. Und anders als bei vielen Fußballclubs ist nicht der sportliche Erfolg, sondern der Stadionbesuch als solches mit direktem Kontakt zur Mannschaft und anderen Union-Fans, sowie das nahe und pure Erlebnis des Spiels ein ganz entscheidender Faktor, durch den ein Eiserner und seine Identität geschmiedet wird.

Verbleiben die Karten auf Grund der großen Knappheit gewissermaßen nur unter Alt-Unionern und besteht für andere keine Möglichkeit, diesen eben beschriebenen Wesensausdruck selbst schrittweise zu erleben und zu leben, droht förmlich eine ganze Generation von Unionern auszufallen, weil niemand ewig vor dem verschlossen gebliebenen Stadiontor verharren und sich irgendwann entsprechend enttäuscht abwenden wird.

Vor diesem Hintergrund erscheint die erfolgreiche Europapokal-Qualifikation unseres Vereins als dreifaches Glück. Union hat damit nicht nur die Chance, international zu spielen und neue Erfahrungen zu sammeln, sondern auch mehr und neuen Mitgliedern ein wiedererweckendes Live-Erlebnis mit der Mannschaft zu ermöglichen und gleichzeitig, beim längeren Verbleib im Wettbewerb (über den Winter hinaus), das Zuschauerpotential unter derzeitigen, realen Bedingungen auszutesten.

Und damit auch die Gelegenheit, den eigenen Standort bei der Stadionfrage gegebenenfalls neu zu justieren. Trotz des fremden und wenig gemütlichen Stadions wäre unter normalen Bedingungen zwischen 45.000 und 75.000 Zuschauern sicher alles drin. Und dass Union im Olympiastadion erfolgreich rauschende Fußballfeste feiern kann, wurde in der Vergangenheit ja bereits hinlänglich bewiesen.

Was heißt das nun für den geplanten Ausbau der Alten Försterei?

Ginge es, in Anbetracht der dargelegten Hintergründe, die Ausbaupläne nochmal zu erweitern und das noch offene Verkehrskonzept entsprechend anzupassen? Auf Nachfrage bei Union heißt es dazu, dass ein Ausbau über 37.000 Plätze hinaus nicht geplant ist, auch weil sie in den Machbarkeitsstudien für den Standort als unrealistisch eingestuft wurden.

Die derzeit noch laufenden Gespräche zu den Verkehrskonzepten befassen sich entsprechend lediglich mit perspektivischen Verkehrsflüssen von 37.000 Menschen. Damit deutet sich an: Wird die geplante finale Stadionerweiterung umgesetzt, so droht sich Union mit seinen heutigen und zukünftigen stadionhungrigen Fans und Mitgliedern unbeabsichtigt in ein echtes Dilemma zu manövrieren. Denn, wie oben erwähnt, hätten auch bei einer erweiterten Alten Försterei viele Union-Mitglieder nach wie vor keine realistische Chance auf eine regelmäßige Karte (ganz zu schweigen von Nicht-Mitgliedern).

Frustrierende Situationen beim Ticketverkauf würden regelmäßig wiederkehren. Zudem würde sich Union als Mitgliederverein auch auf wirtschaftlicher Ebene mittel- und langfristig buchstäblich selbst zwischen Abstieg der 1. Bundesliga und dem oberen Drittel der 2. Bundesliga einzementieren. Höhere sportliche Ambitionen wären dann nur über absolut außergewöhnliche Leistungen wie in den vergangen zwei Saisons denkbar, aber über längere Frist kaum vorstellbar. Langfristig geht sportlicher Erfolg nur mit entsprechendem wirtschaftlichem Erfolg einher.

Abschließend lässt sich sagen, dass trotz der möglichen Wahrnehmung bei vielen Fans, Union bei etlichen Aspekten schon seit einiger Zeit kein kleiner Verein mehr ist und inzwischen als eines der spannendsten Fußballprojekte Europas bereits zum Sprung zu den Großen ansetzt.

Was also tun beim Stadionthema? Worüber könnte, worüber müsste man vielleicht sogar nachdenken?

Dieser Frage soll morgen im 2. Teil der Analyse nachgegangen werden.

25 Kommentare zu “Stadionausbau Alte Försterei: Noch kein Baubeginn absehbar und doch jetzt schon zu klein

  1. Sehe das ähnlich,die 37000 Plätze reichen nicht aus.
    Es wäre klug sich zwischen 40-50000 Mann Stadion einzustellen damit stellt man die Zukunft sicher .
    Und das mit dem Baubeginn darf nicht nur vom erweiterten Bhf Köpenick abhängig sein !
    Baut einen zweiten Auf/Abgang
    am Bhf Köpenick ,lasst die Bahnen im 5 min Takt fahren ,Straßenbahn ebenfalls (Natürlich mit Wendeschleife) 5min Takt und eventuell noch eine neue Bus Verbindung Richtung Ostkreuz.
    Nur Mal nebenbei,in Wendenschloss wird soviel gebaut glaubt einer von euch das neue Straßen entstehen,mehr Trams fahren ??
    Bestimmt nicht !! Und gebaut wird trotzdem .
    Union spielt alle 14 Tage in der AF. aber die neuen Bewohner in Wendenschloss müssen jeden Tag die alten Wege nehmen…Hallo ,finde den Fehler.
    Eisern Union

    • 40-50.000??
      Also bitte, wer soll das denn füllen? Gegen Leverkusen sind kaum alle Tickets weggegangen und für den ersten EC-Auftritt seit 20 Jahren gibt es auch noch Karten. Jaja, Schulanfang, Covid, kein Bock auf die Umstände… aber – bitte die Kirche im Dorf lassen! Der Text sagt selber, dass “schon vor 10 Jahren 30% der Mitglieder nicht aus Berlin stammten”. Das wird sich heute leicht verschoben haben, aber sicher nicht sooo stark. Und viele wurde ja jetzt nur Mitglied um überhaupt mal eine Chance auf Tickets zu haben (oder einfach nur um das Recht zu behalten, die Jahreskarte erneuern zu dürfen, so wie meine Wenigkeit…), aber sicherlich nicht IMMER.
      Mich würde wundern, wenn wir ein Stadion jenseits der 40.000 Zuschauer dauerhaft füllen könnten. Und wir sollten ehrlich zu uns selber sein – was Urs und sein Team hier seit 3-4 Jahren zaubern ist außerirdisch! Auch dieser gelebte Traum wird einmal vorbei sein. Und dann möchte ich nicht in einem halbvollen Stadion mit Mäuschenstimmung wohnen, so wie die Alte Dame in ihrer besten Graue-Maus-Zeit. Dann lieber Potential nach ganz oben verschenken, aber im Zweifel immer noch ein geiles Wohnzimmer haben.

      Bitte realistisch bleiben!

  2. Maria Draghi

    Interessanter Beitrag; jedenfalls Danke für die Mühe.
    Bei einigen Annahmen scheinen mir zu stark die sehr erfolgreichen Jahre in jüngster Vergangenheit extrapoliert worden zu sein, was dann auch die Gesamtaussage verfälschen könnte. Aber ohne genauere Infos über die verwendeten Daten und Annahmen möchte ich gar nicht allzu viel Kritik anbringen.
    Danke für die Mühe und die thematisch hochspannende Wortmeldung.

    • Wuhleblut

      Wow, sehr viele text. Klingt alles sehr spannend und interessant. Danke dafür!

      Ich tu mich ein wenig schwer mit dieser Zahl an Mitglieder. Die Kartenvergabe führte ja erst mal dazu, das sehr viele Menschen Mitglieder wurden.
      Zu dem, davon hab ich in meinem Umfeld viele, haben viele Menschen auch ihre Kinder als Mitglied eingetragen oder auch Ehepartner, einfach um die Chance der Kartenvergabe zu erhöhen. Das mag am Ende vllt nur ein kleinen Teil ausmachen, zeigt jedoch, dass nicht jedes Mitglied potentiell im Stadion steht.
      Ebenfalls gibt es viele Mitglieder die exilier sind und kaum bis garnicht ins Stadion kommen/gehen.
      Hinzu kommt noch der sportliche Erfolg. Union spielt seit knapp 4-5 Jahren mega erfolgreich. Es geht quasi immer höher. Das wird aber nicht so bleiben. Was passiert, wenn union die nächsten 3-4 Jahre mittelmäßig spielt, wirklich gegen den Abstieg und sogar runter muss?

      Genauso wissen wir auch nicht, wie sich die alte Försterei entwickelt, wenn mal das Stadion umgebaut wurde. Ist sie dann immer noch so legendär?
      Wie ist die Akustik, wie lassen sich Gesänge von sek2 auf sek3 und 4 übertragen, wenn darüber auch noch Ränge stehen.
      Vllt ist dann unserer Stadionerlebnis gar nicht mehr so toll wie vorher.

      Für mich wird hier halt zu sehr auf den Erfolg geschaut, aber Parameter, wie Veränderung der Gesellschaft, individuelle Gründe für eine Mitgliedschaft, sportliche Entwicklung und so die (Fan-)Veränderungen durch einen Umbau des Stadions werden nicht beachtet.

      Aber noch mal:
      Danke für diesen Blogbeitrag
      Das war sehr interessant!

  3. Interessanter Beitrag, den ich im Wesentlichen auch teile, wäre da nicht Corona. Dass für viele der Stadionbesuch aktuell nicht mehr interessant genug ist, sieht man in nahezu allen Stadien. Keine Lust auf Hygienemaßnahmen, keine Lust sich testen zu lassen, personalisierte Tickets, Angst sich anzustecken, etc. Gründe sind hier vielfältig. Niemand weiß, wann das Stadionerlebnis wieder so wird wie wir es kennen und lieben. Nächstes Jahr? In 5 Jahren? Oder wird dieser Sport nur noch Geimpften & Genesenen vorbehalten? Wie lang dauert es, bis der Fußball wieder Stadien füllt? Ungewiss. Wird es überhaupt wieder einmal so wie es war? Vielleicht ist der Ausbau auf 37k genau richtig in dieser Situation. Weiß man nicht.

    Hätten wir diese aktuelle Situation nicht, dann würde ich deiner Analyse voll und ganz folgen.

  4. kleinkeul

    Tolle Überlegungen. Ob sie realistisch sind oder nicht, will ich nicht bewerten. Marktwirtschaftliche Analysen gehen halt auf oder nicht.
    Was ich aber schon lange sehr bedauere und hier sehr gut auf den Punkt gebracht wird ist, dass wir eine ganze Generation vor der Tür stehen lassen. Es war sehr auffällig gegen Bilbao, dass mehr Kinder im Stadion waren. Dies hat mich an dem Tag gefreut und traurig gemacht zugleich.
    Ich hoffe die Verantwortlichen im Verein lesen mit oder haben ähnliche Einschätzungen um möglichst realistische Pläne zu entwickeln um unseren Kindern Union im Stadion nicht vor zu enthalten. Das wäre mein Wunsch.
    UNVEU

  5. Vielen Dank für diesen großartigen, sehr fundierten Artikel. Interessant wäre noch, wenn zu den Zahlen die Quellen angegeben würden, denn dann könnte jeder sehen, ob er oder sie mit den angenommenen Hypothesen einverstanden ist.

    Als Zugezogener und (trotzdem ?) überzeugter Unioner finde ich die Idee, den Verein langfristig auch sportlich als Gegenmodell zu den Dosen- und Werkclubs zu etablieren, jedenfalls sehr spannend.

  6. Lösung wäre vielleicht ein Konzept, das im Bereich der Oberränge unkompliziert Erweiterungen ermöglicht, die dann bei einem eventuellen Abstieg auch wieder leicht zurückgebaut werden können.
    Augsburg hat ja laut Wiki seine zweite Ausbaustufe noch nicht realisiert (wird sie vielleicht nie realisieren), aber immerhin eben rechtzeitig mitgeplant.

    • Stadion Augsburg steht halt irgendwo in der Pampa, da ist dann vieles einfacher als mitten in der Stadt.

  7. Danke für diesen Artikel!
    Ich denke aber nicht, dass die Prognosen in die Zukunft alle in der Form stimmen, bzw dieses auch andere Folgen haben würde. Ein Grossteil des Flairs, der Union derzeit so attraktiv macht, ginge mit einem soviel größeren Stadion und einer wie oben skizzierten Wachstumsstrategie bzgl eines optimierten “Gesamtertrags” verloren, oder liesse sich zumindest nicht so erhalten wie es jetzt (auch schon nicht mehr ganz so) ist.

    In einem großen Stadion mit einem plötzlichen Anstieg an neuem Stadionpublikum, muss sich dieses ja auch erstmal finden – ebenso wie das “Altpublikum” (also die aktuelle Auslastung seitdem die AF dauerausverkauft ist, auch erst 3-4 Jahre her) sich den neuen Gegebenheiten anpassen muss, wird zu allerlei Veränderungen führen.
    Mit jedem neuen Stadionplatz geht auch das Risiko einher, dass die AF nicht mehr die AF bleibt wie wir sie kennen, und worauf sich letztlich die ganze “Wachsstumsstrategie” stützt.
    Das wiederum hätte direkte Folgen für die Identifikation der Fans – und vor allem der aktiven Fanszene – und damit auch dem Image des Clubs. Dann wäre Union vielleicht wirtschaftlich erfolgreich und in der Bundesliga etabliert, hätte aber dieselben Herausforderungen wie andere Vereine, die mehroderweniger beliebig vermarktet werden und dann auch keine Priorität auf das Stadionerlebnis mehr legen, bzw legen können (etabliert in der oberen Tabellenhälfte = oft internationale Spiele = hohe Qualität im zT doppelbesetzten Kader = teuer = riskant = benötigt TV-Gelder dauerhaft auf hohem Niveau = Fokus auf Vermarktung = Stadionerlebnis kann nicht mehr Prio 1 sein).

    Ich stimme aber der wahrscheinlich etwas zu geringen Kapazität des geplanten Neubaus angesichts der Mitgliederzahlen und Kartengesuche zu. Aber ich glaube, dass es immer noch besser wäre eine etwas zu kleine und fast immer volle Hütte zu haben (auch wenn das die Tickets zu Gold und Erbstücken macht – das gilt ja auch längst für Vereine mit bereits deutlich größeren Stadien), als ein aus wirtschaftlichen Gründen größeres Stadion, das dann allerlei andere Probleme aufwirft, die nachhaltig in den Verein und sein Umfeld wirken und damit das bestehende Gefüge gefährden.
    Würde man die Kapazitätsfrage im Sinne der oben genannten erwarteten Zuschauerzahlen lösen wollen, müsste ein Neubau an anderer Stelle her. Schon der geplante Ausbau wirft ja eine Serie an ungeklärten Problemen bzgl. Lage, Verkehr und An/Abreise, Lärm und Müll auf, die Union oder sogar Berlin nicht einfach ändern kann (ohne Spree und Dahme umzuleiten und die Wuhlheite zu planieren…).
    Und wenn mal in diese Richtung gedacht werden sollte, könnte Union auch direkt von Fanta gekauft und nach Heilbronn umgezogen werden…

    • Maria Draghi

      M.E. übrigens ein sehr wichtiger Aspekt: Das Angebot “künstlich” knapp halten ist in vielen Fällen eine erfolgreiche Strategie. Dortmund oder BMG nutzen eben nicht ihr volles Potenzial aus – wie es der Text suggeriert – sondern tun dieses eben nicht. BMG könnte regelmäßig – z.B. gegen Köln oder Bayern – auch doppelt so viele Tickets verkaufen, wie aktuell in den B.-Park passen.
      Insofern ist es nicht grundsätzlich falsch, eine Stadionkapazität weit unter der Mitgliederzahl zu haben.

      Denn – nicht vergessen – ein Stadion(aus-)bau muss auch finanziert werden. Deshalb habe ich vor Jahren immer gegen den Ausbau auf 37.000 argumentiert; allerdings ist mein Hauptargument – Klumpenrisiko – in den Vorjahren etwas entkräftet worden, bzw. Union hat gezeigt, dass man mit Klumpenrisiko gut umgehen kann.

      Trotzdem, wie gesagt, Danke für die umfangreiche Wortmeldung. Schade, dass es unter den Berliner Union-Journalisten keinen gibt, der auch nur 1% deiner Neugier und deiner Kreativität bei der Themenfindung aufweisen kann.

  8. Andi der Kroate

    Am Besten unterhalten wir uns über das Thema, wenn Corona vorbei ist und das Baurecht erteilt wurde. Bis dahin kann noch viel Wasser die Spree runterfließen. Ich fand schon die aktuellen Ausbaupläne überdimensioniert aber was weiß ich denn schon.

  9. Danke Daniel,
    für diesen sehr guten und sicher absichtlich auch etwas polarisierenden Aufschlag.
    Mir scheint der prognostizierte Bedarf von um die 50Tsd Plätzen einigermaßen realistisch. Das ist insbesondere vor dem Vergleich mit anderen europäischen Metropolen die ebenfalls 2 oder oder mehr Erst-Liga Vereine haben nicht aus der Luft gegriffen. Der einzig limitierende Faktor ist aus meiner Sicht tatsächlich Corona – hier sollten wir aber davon ausgehen dürfen, das wir in absehbarer Zeit wieder eine normale Situation haben. Und dann wollen wir endlich wieder gemeinsam – mit unseren Kindern – das Stadionerlebnis genießen.
    Der springende Punkt ist aber: Wir diskutieren den zweiten vor dem ersten Schritt: Die Stadt Berlin benötigt bis heute 5 Jahre (nach oben offen) um eine Verkehrsplanung zu erstellen und dann zu genehmigen. Das ist ein unglaublich langsamer Vorgang der an Ignoranz kaum zu überbieten ist. Wenn unsere Vorfahren vor mehr als 100 Jahren so an die Planung der Berliner S-Bahn gegangen wären, dann wären wir heute noch Provinz. Hier müssen wir alle gemeinsam arbeiten – und ich glaube, wir haben durch TESLA eine nicht zu erwartende Schützenhilfe erfahren. Dieser Produktionsstandort wird Logistik in jeder Hinsicht benötigen (Hotels, Wohnungen, Kitas, Schulen etc). Ich bin auf den morgen zweiten Teil deines Beitrages schon jetzt gespannt.
    Noch einmal vielen Dank und macht weiter so!
    Eisern Union

  10. Vielen Dank für den tollen Artikel !!!!
    Der beste von Textilvergehen der bisher erscheinen ist und der mir voll und ganz aus dem Herzen spricht !!!
    Ich hoffe die Union Verantwortlichen lesen ihn sich gnau durch !! Jeder von uns Unionnern ist irgendwann einmal von jemandem mit ins Stadion genommen worden . Vom Vater (wie bei mir) vom Bruder, Freund ,Arbeitskolegen , u.s.w. und hat dann den Union Virus aufgenommen !!! Dieses ist seid langen aber nicht mehr der Fall . Ich z. B. habe viele anfragen von Arbeitskollegen , Freunden auch aus dem Ausland (Italien) , die fragen ob ich sie mal mit ins Stadion nehmen kann ? Un als ich ihnen dann sagen muss das , das nicht geht und ich als Mitglied in 2 erst Bundesliga Jahren erst 2× im Stadion war, wird die’s mit völligen unverständlichen staunen Registriert . Ich bin zwar nicht so gut in umgang mit den Elektronischen Medien, aber die Kartenvergabe im Netz ist vollkommen desolat !!!! Ich möchte einfach wie viele 1000 andere Unionfans an die Kasse oder Vorverkauf gehen und dort 1 oder 2 Karten kaufen . Die’s geht aber nur mit einem größeren Stadion als da jetzt geplanten .
    Ich gehe seid 1969 zu zu Unoin ins Stadion bin seid 1971 Mitgliede und habe den Unionvirus bekommen als ein Unioner mir seine Fahne in die Hand drückte und ich das ganze Spiel damit Wedeln könnte . Das mus doch heute auch noch möglich sein !! Aber leider nicht bevor das Stadionum mit mehr als die 37000 Zuschauer ausgebaut wird !
    Auch mus ich feststellen das durch die nicht möglichen Stodion besuche sich Union irgendwie von mir entfernd ,( ich weiß nicht wie ich es anders beschreiben soll .)
    Bitte lieber Vorstand werdet bitte noch mehr Aktiv !!!! Eisern

    • Kann mich in dem Kommentar gut wiederfinden. Ich bin erst zu Beginn der Saison 2018/19 so richtig zum Verein gestoßen. Mein erstes Spiel konnte ich allerdings erst in der ersten Bundesliga-Saison besuchen (gegen Frankfurt).

      Als kompletter Neuling ist es momentan wirklich auch selbst schon unheimlich ermüdend im Stadion einen Platz zu finden. Gefühlt überall wird man weggeschickt, weil viele schon ihre Stammplätze haben für ihre Bezugsgruppen. Wenn man dann auch noch alleine im Stadion ist, macht das vieles noch schwieriger. Auch ich habe viele Freunde, die gerne mal mitkommen würden, aber eben auch noch nicht bereit wären, dafür gleich Vereinsmitglied zu werden. Auch jetzt, wo Karten dann doch mal in den freien Verkauf gehen, ist eigentlich nichts gewonnen, weil ich als Mitglied schon früher meine Karte bekomme und die Plätze neben mir bzw. im gleichen Sektor dann bis zum freien Verkauf meist schon weg sind.

      Von Dauerkarten fange ich gar nicht erst an zu träumen.

  11. Danke für den hervorragenden Artikel, zu einem wirklichen heiiklen Thema. Ich befürchte zu wissen, wohin der Artikel im zweiten Teil führen wird. Bin gespannt auf die Argumente. Dass sich unser Verein in den letzten Jahren massiv verändert, spürt man doch an allen Ecken und Enden. Hoffe, dass wir den eiseren Kern und das Familiengefühl bewahren können. Und zugleich möchte auch ich mit Freunden wieder regelmässig ins Stadion können und dafür Tickets bekommen. Danke an den Autor, dass er sich zu diesem nicht einfachen Thema vorwagt. Eisern.

  12. Man könnte ja auch für 40 T ausbauen und eine Ticketrotation einbringen. Könnten ja auch 1/2 Dauerkarten verkauft werden so oder so ähnlich. Natürlich nur mit einer viel viel viel besseren Ticketing Software.
    Eisern

    • Und man sollte mal nach Alternativen suchen, die uns nicht nur von den Öffis abhängig machen. Sonst wird das nie was mit dem Stadionausbau.

  13. Matikovski

    Alle Achtung! Sehr guter Businessplan.

    Erbitte unverzügliche Vorlage beim Hauptsponsor zum freiwilligen Ausgleich für die Präsenz und Werbeleistung.

    Die Erweiterungskosten bitte mit den aktuellen Lohn- und Materialkosten seriös unterfüttern.

    Mir werden hier zu oft die Mitgliederzahlen zu Grunde gelegt. Erste Überprüfung im Sommer 2022 mit ca. 42000 Mitglieder möglich.

    In aller Freundschaft mal daran denken, welche Kapazität am gewollten Standort maximal möglich sein könnte.

    Und manchmal daran denken was so in Aachen, bei 1860 und Lautern passiert ist.

  14. Was soll das???
    Zuende gedacht bedeutet dass, wir reißen das teilweise von Unionern gebaute Stadion ab und bauen vollkommen neu oder Union sucht sich einen neuen Standort für das neue Stadion. Wer will das????

  15. @bunkinho

    Interessanter Text und sehr schön argumentiert. Allerdings kann man nicht einfach Gästefans und VIP- + Sponsorenkarten en bloc abziehen. 3800 gehen Gäste, die übrigens 4200 überwiegend an Personen, die auch Mitglied sind. Selbst wenn es nur die Hälfte wären und ich gehe eher von mindestens 75 Prozent aus, wären das dann 15.00 Tickets für 21.000 bis 20.000 Mitglieder. Ein deutlich entspannteres Verhältnis als jetzt, wo von den 22.012 11.500 an Dauerkarteninhaber gehen und 2400 an Gäste.

  16. […] Teil 1 über Unions Umbaupläne für die Alte Försterei wurde mittels einer Analyse gezeigt: Union …. Einem, möglicherweise in fünf Jahren fertigen 37.000 Zuschauer-Stadion stünden absehbar […]

  17. Ronald Schröder

    Sehr seriöser Text, aber was passiert , wenn es wieder die 3. LIGA ist oder die fünfte, wo ich mich verliebt habe? Ja das Stadion ist zu klein, auch nach der Erweiterung, aber lassen wir es doch so. Dann bleibt es immer noch unser Wohnzimmer. Und damit meine ich, dass die Fans sich wieder wohl fühlen, die schon länger zu unserem Verein gehen, als die Aufstiegsfans! Als Fahrer unseres Fahrzeughauses und Mitarbeiter von Union, möchte ich bloß mal anmerken, was bei Dortmund los ist zum Spieltag. Da stehst Du nur im Stau und weißt nicht, wie Du es pünktlich schaffen sollst! Dagegen ist es bei uns human. Eiserne Grüße Ronny

  18. […] hatten einen Gastbeitrag, der sich in zwei Teilen der Frage widmete, ob Unions geplanter Stadionausbau nicht zu klein geraten würde und welche Alternativen es gebe. Ich sehe sowohl die Prämisse, Union hätte zukünftig in der […]

  19. Die Leute kommen doch auch wegen dem engen Stadion. Einfach mathematisch hochrechnen… na wenn die Welt so einfach wäre. ;)

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