Blog State of the Union

Hat Oli Ruhnert schon den Ersatz für Christopher Lenz gefunden?

Nachdem sich Oliver Ruhnert im Mediengespräch am Montag zum ersten Mal etwas ausführlicher über die Planung Unions für die kommende Saison geäußert hat, gibt es jetzt auch etwas häufiger Namen von potentiellen Neuverpflichtungen zu lesen. Der neueste davon ist Tymoteusz Puchacz, ein 22-Jähriger Linksverteidiger von Lech Poznan aus Polen (BZ).

Oliver Ruhnert Union Berlin Transfers
In Oli we trust. Photo: Matze Koch.

Dass Union einen neuen Linksverteidiger braucht, um den Abgang von Christopher Lenz zu kompensieren, ist klar. Nachdem ich mir ein paar Spielszenen von Puchacz angesehen habe (Achtung, Halbwissen!), kommt er mir wie ein körperlich robuster, dynamischer Außenverteidiger durchaus mit Offensivdrang und ordentlichen Flanken vor. Für Poznan hat er in den vergangenen zwei Saisons in der ersten polnischen Liga und in dieser Saison auch in der Europa League gespielt, wo ihm immerhin in zwei Spielen gegen Standard Lüttich drei Torvorlagen gelungen sind (während Poznan in den anderen Spielen gegen Rangers und Benfica ziemlich klar unterlegen war).

Dass außerdem Paul Jaeckel von Fürth zu Union wechseln wird, hat inzwischen der Manager der Franken, Rachid Azzouzi, so gut wie bestätigt (Kurier). Jaeckel kommt aus Eisenhüttenstadt, hat in der Jugend von Energie Cottbus und Wolfsburg gespielt und spielt seit drei Saisons bei Fürth in der zweiten Liga.

Der Kurier referiert außerdem, was Oliver Ruhnert über den Fitnesszustand einiger Spieler gesagt hat. So hofft Union wohl schon noch darauf, dass Sheraldo Becker in dieser Saison noch einmal eingreifen kann. Dagegen wird Anthony Ujah diese Saison wohl abschreiben und hoffen, in der kommenden wieder fit zu sein. Dass Ujah noch für ein Jahr bei Union unter Vertrag steht und auch wirklich eine Option sein kann, lässt sich angesichts seiner Serie von Verletzungen in diesem Jahr leicht vergessen. Und natürlich ist unklar, ob und in wie guter Form er nach all den Problemen zurück kommt, auch wenn es laut Ruhnert nun Fortschritte gibt. In jedem Fall hat Ujah dem Kader in dieser Saison merklich gefehlt.

Anthony Ujah Sheraldo Becker Union Berlin
Anthony Ujah und Sheraldo Becker beim Derby gegen Hertha, Photo: Matze Koch.

Leon Dajaku hat auch wenn er fit war nur eine geringe Rolle gespielt, fällt nun aber auch noch für etliche Wochen und wohl bis Saisonende aus. Ich gehe nicht davon aus, dass wir ihn nocheinmal für Union spielen sehen werden.

Auch angesichts dieser Personalien stellt sich die Frage, wie Union das letzte Fünftel der Saison mit den Spielen gegen die Topteams der Liga angehen will. Denn eigentlich fehlen für den natürlichen Spielstil der Mannschaft in diesen Spielen – wie bewährt aggressiv im tiefen Mittelfeldpressing verteidigen und Konter fahren – eben die passenden Offensivspieler, vor allem Becker und Awoniyi. Bei Unions fitten Angreifern bin ich mir eher unsicher, dass sie für solche Aktionen vor allem das nötige Tempo haben, auch wenn mich Marius Bülter und Cedric Teuchert da gerne eines besseren belehren dürfen.

Will man sich aber nicht darauf verlassen, dann ist die Frage, wie man die Mannschaft stattdessen ausrichtet. Übertrieben gesagt gibt es zwei Optionen: Auf Offensive weitestgehend verzichten und versuchen, gegen nominell überlegene Gegner erst einmal nur auf den defensiven Teil des Plans zu setzen, weil ein Unentschieden ja schon ein gutes Ergebnis ist und ein, zwei Tore auch mal passieren können. Oder noch mehr dem eigenen Ballbesitzspiel vertrauen und zu versuchen, sich auch gegen Teams wie Wolfsburg so offensive Präsenz zu verschaffen.

Es fällt mir tatsächlich schwer zu sagen, welche Strategie die bessere Aussicht auf mehr Punkte hat, und zu prognostizieren, in welche Richtung Urs Fischer, das Trainerteam und die Mannschaft in dieser Phase der Saison – in der Union ja wirklich noch etwas gewinnen kann – gehen werden.

Über die Ausrichtung für das Saisonfinale schreibt auch die Morgenpost. Andreas Baingo schreibt in seiner Kolumne über Unions Chancen gegen Bayern.

Derby-Nachwirkungen

Vom Derby gegen Hertha vor zwei Tagen liegen noch ein paar Rauchschwaden über Köpenick. Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt wegen des Feuerwerks auf/über dem Stadion und dem kleinen Brand, den es ausgelöst hat (Kicker, Kurier). Auch die BZ thematisiert das und fragt, wie der entstanden sein könnte.

Und wer die eigene Wahrnehmung des Spiels und seiner Begleitumstände nochmal mit einer blau-weißen vergleichen möchte, kann den Damenwahl-Podcast hören.

Und sonst so

Apropos Hertha: Dort hat man schnell auf die revanchistischen und queer-feindlichen Kommentare von Torwarttrainer Zsolt Petry, die wir gestern hier angesprochen haben, reagiert und ihn freigestellt.

16 Kommentare zu “Hat Oli Ruhnert schon den Ersatz für Christopher Lenz gefunden?

  1. Wuhleblut

    Die Freistellung des Hertha Torwarttrainer zeigt ziemlich deutlich, wie ungebildet viele Fans (egal welcher Verein) sind.
    Da werden eben mal homophone und ausländerfeindliche Äußerungen als Meinung tituliert und Offenheit + Toleranz als linker Mainstream betrachtet.
    Hinzu kommt das komplett falsche Verständnis der Meinungsfreiheit.
    Ich frag mich ja, was die Schützer des Trainers für Eltern und Schulen hatten.

  2. Schmidti

    Wenn der Herr Puchacz zu Union kommt, dann haben wir nach den Bildern zu urteilen, den ältesten 22 Jährigen der Welt verpflichtet. Könnte auch kurz vor seinem Karrieende stehen :D

    • Ich geh mal trotzdem davon aus, dass sein Geburtsdatum stimmt und er nicht vorzeitig gealtert ist. Erinnert mich ein bisschen an Kristian Pedersen.

    • @schmidti Wenn ich mir seine Bilder auf Instagram anschaue, dann sieht er mit Vollbart schon so aus, als ob er bei “Das Boot” mitspielen könnte. Ohne Bart kommt er schon eher altersentsprechend rüber. Von der Freizeitkleidung sowieso.

  3. silberhacke

    Tymoteusz Puchacz ist eine merkwürdige personalie – in der saison 20/21 hat er 21 ligaspiele gemacht, war 16 mal in der startelf und hat 0 tore und 0 assists vorzuweisen. unter strom setzt mich das nicht gerade.

    • UnionerHC

      Wenn das nicht so wär, wäre nicht Union sondern Leverkusen oder Hoffenheim an ihm dran.

    • silberhacke

      so gesehen dürfte kruse niemals bei uns spielen.

  4. Irgendwie gefällt mir die Kolumne von Andreas Baingo :)

    @silberhacke: ging uns das bei anderen Spielern nicht auch schon so? Da vertraue ich mal Oli und Urs :D

  5. silberhacke

    @lock wenn ich sehe, wie schwer es ist, effektive offensivkräfte zu bekommen, sind wir darauf angewiesen, dass der druck von hinten und aus der mitte kommt. lenz hat für einen solchen druck gesorgt. und die frage, die im blog gestellt wurde war ja, ob ruhnert schon den ersatz für lenz gefunden hätte. und ich glaube nein. am ehesten haben wir es hier mit einem soliden verteidiger für die bank zu tun.

  6. @Daniel: soweit ick mich (richtig) erinnere, wurde Dajaku für 1,5 Jahre, also auch für die kommende Saison ausgeliehen… 😉

    • Oh, das stimmt, zumindest steht das bei Transfermarkt, in der Mitteilung zur Verpflichtung von Union stand es nicht. Aber es würde mich auch so nicht wundern.

  7. Felix Morgenstern

    Ja, hat er: Julian Ryerson! 😁

  8. @silberhacke; stimmt schon, aber bedenke, auch Lenz hat seine Zeit gebraucht . Aber ich verstehe schon grundsätzlich, was du meinst. Ich will dir nicht widersprechen, sondern positiv zu reden ;)
    @Felix, auf jeden Fall Ryerson, aber ist er nicht eher jemand fürs MF? Außerdem hat er oft auch den Kapitän vertreten, wenn ich mich recht entsinne. Wir brauchen auf jeden Fall jemanden, meine ich.

  9. Das Hauptproblem dürfte im Angriff liegen, da hat man mit Musa und Dajaku leider zweimal daneben gegriffen.
    Mag sein, dass sie in ein paar Jahren soweit sind, aber danach kann man nicht gehen, wenn alle Stürmer verletzt sind.
    Vielleicht fragt man nochmal bei Junker nach…

    • naja, Union ist kein Fussballkonzern der “fertige” Spieler einkaufen kann, bei denen die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass sie sehr schnell Stammspieler mit einem Kicker-Notenschnitt von 2 werden.

      Es ist doch völlig normal, dass ausgeliehene und vor allem junge Spieler aus kleineren Ligen und/oder mit wenig Spielpraxis beim bisherigen Verein erstmal eine Weile brauchen, um ins neue Spielsystem und in die Mannschaft zu wachsen. Solche Spieler darf man nicht nach 5-10 Spieleinsätzen endgültig bewerten, und erst nicht nach den “typischen” offenkundigen Erfolgskriterien, sondern wie sie die vom Trainer zugewiesenen Rolle im Team erfüllt haben (dessen Bewertung durch den Trainer oft eine andere ist als die im Kicker).

  10. […] sagte vor dem Spiel, dass man damit die Geschwindigkeit im Konter zurückbekommen wollte, die in den Spielen gegen Topteams notwendig ist. Das funktionierte im Ballvortrag vor allem über Endo, und bei Unions größter Chance in der […]

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