Zu den Fanprotesten gibt es differenzierte Positionen – und absurde Kritik

So ganz bin ich noch nicht darüber hinweg, wie Unions Spiel gegen Kiel am Dienstag gelaufen ist. Und falls jemand Gefahr läuft, das nicht mehr so genau vor Augen zu haben: Steffis Fotos sind immer toll, aber diesmal besonders empfehlenswert.

Manuel Schmiedebach bemüht sich, Kiels Angriffsbemühungen zu neutralisieren. Foto: Stefanie Fiebrig

Natürlich war Sebastian Polters Auftritt – der vielleicht für die demnächst zurück kommenden Suleiman Abdullahi und Joshua Mees als Inspiration wirken könnte – die Geschichte dieses Spiels. Daran kommt auch Holstein Kiel nicht vorbei:

Aber es fanden eben auch die 75 Minuten zuvor statt. In denen gab es zwar guten Fußball, und hatte auch Union gute Szenen, war aber eher Kiel die spielbestimmende Mannschaft. Warum das so war, habe ich in der Analyse ein wenig erörtert. Außerdem steht dort, womit Christopher Lenz Union in seinem ersten Ligaspiel von Beginn an weitergeholfen hat und warum Akaki Gogia gerade der wichtigste Spieler in Unions Offensive ist.

Eine taktische Betrachtung mit noch stärkerem Fokus auf Kiel gibt es hier.

Die Berliner Medien kennen im Nachhinein des Spiels gegen Kiel weiterhin nur drei Themen: Sebastian Polter, Sebastian Polters Comeback nach seinem Achillessehnenriss und Sebastian Polters Wirkung auf Unions Spiel:

Stimmen über Stimmungsboykotte

Der Stimmungsboykott während der ersten zwanzig Spielminuten – den ich im Stadion gerade mit gelegentlichem ‘Schhhh’ als ganz amüsante Art des Protests empfand – wurde in dieser Woche in vielen Stadien eingehalten. Aber nicht in allen:

Die Magdeburger Fanszene beteiligte sich mit dieser Erklärung nicht daran. Weil das Statement nicht “zu sehr ins Detail gehen” möchte, weiß man, ohne selbst bei den Diskussionen dabei gewesen zu sein, nicht, ob die wirklich übermäßig unsachlich geführt wurden und welche “haarsträubenden” Vorschläge es vielleicht gab. Auch ‘Block U’ meint ja, dass die letztlich gefundene Form angemessen sei.

Mit den damit verbundenen Forderungen haben wir uns auch gestern im Podcast auseinandergesetzt – und die meisten davon für unterstützenswert befunden. Außerdem hat Robert dabei noch eine Idee für eine weitere Stufe des Protests aus der Erinnerung geholt.

Man muss sich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen um zu sagen, dass Robin Dutts Beitrag zu der Debatte weniger differenziert war:

Dass die Forderungen der Fanszenen ehrenamtliches Engagement – das Dutt sich statt (?) des Protestes wünscht – tatsächlich einfacher machen würde, ist dabei nur eine von mehreren Inkohärenzen. Dass Dutt quasi insinuiert, die Kampagne sei von Dresdner Ultras initiiert worden, um sich den Vorteil gedämpfter Stimmung beim Spiel in Bochum zu verschaffen, rutscht dann ins Absurde ab.

Public Service Announcement

Für das Pokalspiel in Dortmund (das gegen Nürnberg gestern 7:0 gewonnen hat – das sollte Union besser hinbekommen können) gibt es noch (Sitzplatz-)Karten.

Und sonst so

Irgendwo zwischen absurd und ambitioniert dürften die Pläne der Hamburger Polizei anzusiedeln sein, die eine strenge Fantrennung für das Derby zwischen dem HSV und St. Pauli anstreben.

Neuer und aus Grundrechts- und Datenschutz-Perspektive bedenklicher ist, dass die Polizei auch ein Portal zum Upload von Bildern und Videos eventueller Ausschreitungen einrichtet, wie es das schon bei den Protesten gegen G20 gab. Das Fanprojekt St. Paulis lehnt das in einer Stellungnahme ab.

Was im Vorfeld des Spiels so alles an Provokationen ausgetauscht wurde, und welche tatsächlich schwerwiegenden Übergriffe es gab, kann man beim Millernton nachlesen.

Und wer sich mal wieder die (leicht romantisierende) Außenperspektive auf Union und die zweite Liga insgesamt (am Beispiel von eben Union, Dresden und Magdeburg) ansehen möchte, kann das in diesem Video von Copa90 tun. Das lohnt sich schon deshalb, weil darin auch Jacob Sweetman zu Wort kommt, dessen Worte man auch hier hin und wieder lesen kann:

Ein Gedanke zu „Zu den Fanprotesten gibt es differenzierte Positionen – und absurde Kritik

  1. Absurd finde ich ja das es in HH 3 Sonderzüge geben soll von Landungsbrücken bis Bahrenfeld (nicht Stellingen!) und nur für Paulifans. Das wäre hier so, als würden Unioner von Alexanderplatz bis Charlottenburg einen eigenen Zug bekämen.

    Zu Robin Dutt Worte Worte verlieren ist Zeitverschwendung.

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