Die Botschaft von Union ins Land hinaustragen

Jetzt kommen sie alle, die Simon-Terodde-Geschichten. Dabei ist der Angreifer nun schon über 2 Jahre nicht mehr bei Union. Und die offensive Qualität bei Union ist nun so weit gestreut, dass eine Gegenüberstellung zweier Angreifer wie es Bild/BZ mit Quaner vs. Terodde macht aus meiner Sicht nicht zielführend ist. Was ist denn mit den anderen Spielern, die bei Union Tore schießen? Denn aus meiner Sicht ist diese Verteilung der offensiven Durchschlagskraft im Angriff (gehen wir mal weg von den letzten zwei Ligaspielen) die Qualität des aktuellen Union-Jahrgangs. Es geht nicht nur um einen Spieler wie bei Sebastian Polter oder Bobby Wood. In dem Zusammenhang: Herzlichen Glückwunsch an Steven Skrzybski zum 24. Geburtstag heute!

Aber an der Terodde-Geschichte geht insgesamt wohl kein Weg vorbei, denn auch im Kurier und beim Tagesspiegel (zwar nur ein reinkopierter Agenturtext, aber immerhin seit 2 Wochen mal wieder was über Union) gibt es Texte zum Stuttgarter Angreifer.

Von Jens Keller werden wir heute in der Pressekonferenz ab 13.30 Uhr (live auf AFTV) etwas zum Spiel hören. Wir wissen zwar auch, dass der Trainer wenig über Spieler und Spielsysteme bekanntgibt, aber vielleicht sagt er auch, dass Christopher Trimmel einsatzbereit ist.

Seit Dirk Zingler auf der Jubiläumsmitgliederversammlung im Januar uns alle aufgefordert hat, für Union, für unsere Fankultur und ihren Erhalt ins Land hinauszugehen und zu missionieren, nehme ich Anfragen von anderen Fußballblogs und Zeitungen gerne an und verkünde die Botschaft von Union. Auf dass unser Verein außerhalb von Neufünfland nie wieder mit dem BFC verwechselt wird. Und dass wir nie wieder als St. Pauli des Ostens bezeichnet werden, sondern als Original wahrgenommen werden.

Deshalb habe ich im VfB-Blog Rund um den Brustring Fragen rund um Union beantwortet. Besonders am herzen lag mir die Erklärung, dass man als ostdeutscher Klub nicht zwangsläufig nur mit der Vergangenheit in der DDR verknüpft werden muss, sondern sich sich der Zukunft zugewandt (sorry, das musste jetzt sein 😂) entwickeln kann. Hier ein kurzer Auszug, das gesamte Interview findet ihr hier:

Rund um den Brustring: Noch eine Frage zum Selbstverständnis: Sieht man sich bei Union über 25 Jahre nach der Wende noch als Ostverein, wie es viele Vereine in den neuen Bundesländern tun, oder eher als Berliner Verein?

Sebastian: Natürlich ist Union ein Ostverein. Ich kann ja die geographische Lage nicht verändern. Union ist genau so ein Ostverein wie es Hertha BSC (der mitgliederstärkste Verein in Ostdeutschland) oder Rasenballsport Leipzig ist.

Aber die Frage zielt ja eher darauf ab, ob Union noch ein DDR-Verein wäre. Das würde ich aus meiner Sicht verneinen. Natürlich gibt es die Herkunft des Vereins, die je nach Alter der Anhänger auch eine Rolle spielt. An das Klischee der Staatsfeinde bei Union glaube ich nicht so gerne. Das kommt vor allem daher, dass Union der einzig zivile Berliner Fußballklub in der DDR war. Und ehe man zum Armeesportklub oder Klub des Geheimdienstes (BFC Dynamo) geht, war Union eher die Wahl. Aber so ein einfaches Gut-Böse-Denken auf die Anhänger zu übertragen, halte ich für problematisch. Es gab ja vor allem viel grau in der DDR :).

 

Warum ich die Sache mit dem DDR-Verein verneine? Erstens ist Union nun schon länger ein Verein im vereinigten Deutschland als in der DDR. Außerdem hat Berlin eine sehr spezielle Kultur, die sehr viel vermischt. Hier Leute nach Ost und West zu fragen, sorgt nur für fragende Gesichter. Besonders stark hat der Stadionbau von 2008 bis 2009 die Identität des Vereins geprägt. Es haben so viele Fans mitgebaut, dass aus meiner Sicht diese ganze DDR-Identität dahinter Stück für Stück verblasst ist. Ich bin überzeugt davon, dass Union nicht so attraktiv für neue Fans wäre, wenn diese DDR-Identität heute noch bestimmend wäre. Außerdem kommt noch hinzu, dass Union in der DDR sportlich (bis auf einen Pokalsieg) ein erfolgloser Verein war, der zwischen erster und zweiter Liga pendelte. Das unterscheidet den Klub von Vereinen wie Magdeburg, Dresden, Jena oder den BFC Dynamo, die allesamt Dauergäste im Europapokal waren und mit der DDR tatsächlich auch ihre sportliche Bedeutung verloren haben.

 

Union ist ein Verein in Köpenick und zieht aus dieser Herkunft eine besondere Identität. So wie jeder Stadtteil von Berlin eine eigene Identität hat. Wenn wir es also von weit weg betrachten, ist Union ein ostdeutscher Verein. Und wenn man sich dem Klub annähert, dann ist es erst ein Berliner und dann ein Köpenicker Verein.

Stadionausbau: Woher kam die Lizenzänderung für mehr Sitzplätze?

Eine kurze Aufklärung zum gestrigen Text über den Stand der Planung für den Ausbau des Stadions an der Alten Försterei. Ich wusste nicht, wie es zu der Änderung in der DFL-Lizenzierung kam, die ab nächstem Jahr eine deutliche Erhöhung der Sitzplatzkapazität im Stadion vorsieht. Mehrere Leser erzählten übereinstimmend in den Kommentaren, dass Dirk Zingler auf der Fanklubtagung meinte, die Initiative dafür sei von Darmstadt und Karlsruhe ausgegangen, die beide an Neu- bzw. Umbauten ihrer Stadien arbeiten.

Ob über solche Wege wirklich Druck auf Kommunen ausgeübt werden kann, einem Profiklub die Investitionen in ein Stadion abzunehmen und sie dafür dem lokalen Steuerzahler aufzubürden, weiß ich nicht. Zumindest in Karlsruhe scheint das Stadionprojekt auf dem Weg des Vollzugs zu sein (SWR). In Darmstadt hingegen ist der Neubau wegen rechtlicher Bedenken (Anwohner) erst einmal vom Tisch (Bild vom Juli).

Die einzigen, auf die diese Lizenzänderung tatsächlich eine Auswirkung hat, sind Vereine mit kleinen Stadien und der 1. FC Union mit seinem hohen Stehplatzanteil. Da hilft auch der Bestandsschutz für aktuelle Vereine in der Zweiten Liga nicht, wenn eventuell Heidenheim und Union aufsteigen sollten. Das ist tatsächlich eine kurzsichtige Entscheidung. Aber sie ist auch nicht in Stein gemeißelt. Vielleicht kann sie ja ebenso zurückgenommen werden.

Andererseits bietet diese Regelung für Union die Möglichkeit, über den Sündenbock DFL mehr Sitzplätze ins Stadion zu integrieren und damit den Umsatz pro Fan bei Spielen zu erhöhen. Es ist in dem Fall vor allem eine Abwägungssache, wie das Stadion so umgebaut werden kann, dass die Atmosphäre im Stadion nicht grundlegend verändert wird. Denn kein Mensch möchte wie in anderen Zweitliga-Stadien halbleere Gegengeraden sehen.

Apropos Umsatz pro Kunde. Ich möchte, dass dieser Person, die Stehplatzkarten für Sektor 4 für den Preis von jeweils 50 Euro bei ebay Kleinanzeigen anbietet, der Blitz beim Scheißen trifft:

4 Gedanken zu „Die Botschaft von Union ins Land hinaustragen

  1. Wie immer sehr informativ. Aber insbesondere der letzte Part liegt mir am Herzen. Der Schwarzhandel rund um das Stadion wird immer stärker und keiner tut etwas dagegen. Inzwischen stehen die Händler teilweise direkt vor dem Eingang und verlangen derart unverschämte Preise, dass sie rot werden müssten vor Scham. Ich würde mir eine Initiative wünschen, die diesem Problem, ähnlich kreativ wie dies am Millerntor passiert ist, etwas entgegensetzt.

  2. Umso mehr ich über die Ausbauten der anderen Stadien lese, umso mehr bezweifle ich den Inhalt der die hier kolportierten Aussagen von Dirk Zingler auf der Fanclubtagung. Alleine hätte Union sicher nicht dagestanden!

    ^^

  3. Sory-aber es ist falsch zu behaupten der Verein unternimmt nichts gegen den schwarzhandel-es gibt da zum einen Mich-ich nehme jedes ticket was zu viel ist zum echtpreis an und geb es weiter-zum zweiten mache ich überall wo es geht darauf aufmerksam das man Tickets nicht einfach an Leute die nicht asls Unioner zu identifizieren sind Weitergibt.Die Karten auf dem schwarzmarkt kommen zu 90% von Unionern deren Kumpels sie im Sich gelassen haben!

  4. Pingback: Texas’ Rückkehr für einen Tag | ***textilvergehen***

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