Freedrich at last

Union nimmt das mit der Bundesliga offenbar doch relativ ernst. Gestern wurde (mit ausgezeichneter Hashtag-Disziplin) der nicht-ganz-so-neu-Zugang Marvin Friedrich bekannt gegeben. Und dann kam von Union offenbar aus Versehen etwas zu zeitig, und später dann offiziell, auch noch die Meldung, dass Christian Gentner ebenfalls zu Union kommt.

In jedem Fall kann man mittlerweile feststellen, dass der Urlaub von Union in der Bundesliga eher in die Preisklasse Karibik als Usedom fällt. Es ist fast, als hätte Investor Windhorst das Geld für Hertha an den falschen Verein überwiesen.

Gentner

Christian Gentner noch gegen Union im Relegations-Hinspiel; Photo: Matthias Koch

Sportlich sind diese beiden Verpflichtungen durchaus spannend. Denn in der Innenverteidigung hat Union jetzt mit Neven Subotic, Florian Hübner und Friedrich schon drei Spieler, die man problemlos in das Regal Startelf stellen kann. Marvin Friedrich hat in der vergangenen Saison jedenfalls auf Bundesliga-Level gespielt.

Dazu kommen mit Schlotterbeck, Parensen Alternativen, die ihrer Position im Kader angemessen sind. Nicht nur hinter dem Verbleib von Lars Dietz, sondern auch von Nikolai Rapp kann man aber vielleicht ein Fragezeichen setzen (obwohl letzterer ja auch im zentralen Mittelfeld eine Rolle spielen könnte).

Wozu Christian Gentner

Aber a propos zentrales Mittelfeld. Das war gestern am frühen Abend noch die Stelle mit dem deutlichsten Nachholbedarf, denn eigentlich ist Manuel Schmiedebach der einzige echte Sechser im Kader. Christian Gentner muss als Verstärkung für diesen Teil der Mannschaft gedacht sein, zumindest insofern, als er Grischa Prömel für die defensivere Position freimachen könnte.

Christian Gentner im zentralen Mittelfeld ist nun eine Besetzung, die zumindest nicht für Ballbesitzfußball steht. Aber den kann von Union in dieser Saison ohnehin niemand erwarten. Vielleicht gibt das Vorbereitungs-Auftakt-Spiel heute Nachmittag gegen Brøndby ja erste Hinweise darauf, wer in welcher Rolle eingesetzt werden wird.

Dass mit Gentner nicht nur irgendein, sondern der am stärksten Identität-stiftende Spieler des VfB Stuttgart nach der Relegation gegeneinander zu Union wechselt ist ansonsten natürlich noch ein schwerer Fall von “ausgerechnet”. Und bei VfB-Fans nur ein mittelmäßig populärer Zug. Aber schließlich hat Stuttgart Gentner keinen Vertrag mehr angeboten.

Interessant ist jedenfalls noch, dass Gentner nur einen Einjahres-Vertrag unterschrieben hat. Das könnte durchaus für beide Seiten eine Absicherung für die Zukunft sein.

Aber die Strategie, gestandene Spieler zu verpflichten, die irgendwo in der Nähe des Niveaus gespielt haben, auf das man kommen möchte, hat ja in der vergangenen Saison schon funktioniert. Die kurzfristige Frage ist dann, was für eine Mannschaft Urs Fischer daraus baut. Und die mittel- bis langfristige, wie stimmig die Altersstruktur des Kaders ist und wie verkraftbar der finanzielle Einsatz dafür ist.

Gestern habe ich hier geschrieben, dass ich nicht weiß, warum Neven Subotic am Ende der Saison bei ASSE nicht mehr gespielt hat, nachdem er zuvor Stammspieler war. Hier ist eine Erklärung, die mit einer Verletzung und anschließender Formkrise zu tun hat – die mir aber überwindbar vorkommt.

Zu Neven Subotic und seinem Engagement neben dem Platz ist ansonsten dieses Interview zu empfehlen. Über seine Gründe, zu Union zu kommen und seine Rolle dort sagt Subotic in der Bild (print) ein paar Worte.

Neue Nickis

Ach ja, und dann gab es ja auch noch die Vorstellung von Unions neuen Trikots. Eins ist rot, eins ist weiß und eins hat merkwürdige neon-Farben. Außerdem gibt es verschiedene subtile Muster im Stoff. Alles in allem relativ unspektakulär – was bei Trikots ja schonmal bedeutet, dass nichts schief gegangen ist.

Das waren aber übrigens nicht die einzigen neuen Anziehsachen gestern:

Celta

In der ganzen Aufregung habe ich gestern vergessen zu Erwähnen, dass Union Celta als Gegner für das internationale Freundschaftsspiel zum Abschluss der Vorbereitung am 3. August bekannt gegeben hat. Dabei ist das durchaus aufregend, denn Celta spielt ganz hübschen, technisch guten Fußball. Und die Geschichte von Iago Aspas dort ist eine sehr schöne.

Und sonst so

Union war Thema im englischen Fußball-Magazin When Saturday Comes:

8 Gedanken zu „Freedrich at last

  1. Mega State of the Union Text, Daniel!

    Danke und schönes Wochenende.

  2. Mit den neuen Transfers scheint Urs dann wirklich sein System umzustellen, sieht für mich sehr stark nach einem zukünftigen 3-5-2 aus.
    Und gerade mit der großen Anzahl an Spieler im Kader, hat Urs etliche Möglichkeiten dieses System zu spielen.
    Er könnte mit Prömel, Gentner und Schmiedebach sich total defensiv reinstellen aber auch mit einem Abdullahi, Becker, Ujah und Ingvartsen voll auf Tempo setzen.
    Bin sehr gespannt.

  3. Die Gentner-Verpflichtung ist die erste namhafte, die ich nicht nachvollziehen kann. Wenn Daniel hier vermutet, dass er als 6er eingesetzt werden soll, kann das nur Spekulation sein. Gentner wurde in den letzten Jahren von den diversen VfB-Trainern hin und hergeschoben, er hatte keine feste Position mehr. Nach meinem Eindruck war er eher weiter vorn wertvoller. Ich kann nur hoffen, dass Urs Fischer in diesen Transfer mit eingebunden war und er eine klare Vorstellung hat, wo er Gentner einsetzen will.
    Hier übrigens die kritische Würdigung Gentners durch eine VfB-Fanseite (und Podcast): https://rundumdenbrustring.de/gentner
    Lennart, der diesen Artikel bereits vor einigen Tagen geschrieben hat, hat sich gestern bei Twitter entsprechend hämisch über den Transfer geäußert:
    “Ich finde es ja vor allem amüsant, dass sich der @fcunion ausgerechnet den Kapitän jener Trümmertruppe holt, die man mit zwei Unentschieden in die zweite Liga geschickt hat. Ansonsten bin ich, wie bei #Ulreich, einfach froh, dass der #VfB das Problem nicht mehr hat. #Gentner”
    https://twitter.com/l_sauerwald/status/1147231097945755651

  4. Die Häme, wobei Überheblicheit und Arroganz sind treffender, waren in dem Podcast, in dem Daniel zu Gast war, auch in der Folge vom 2:2 nicht zu überhören, als sie sich über ihn und ihr eher zurückhaltendes Verhalten geäußert haben. Die zwei gingen klar vom Stuttgarter Sieg aus und meinten, Union sei nicht mehr als ein mittelmäßiger Verein der zweiten Liga. In diesem oder einem verwandten Podcast wurde der Spielstil auch nur als Kreisklasse beschrieben. Daher habe ich absolut kein Mitgefühl für die Stuttgarter Podcaster (k. A. ob Brustring oder SGT.. STG…??) gehabt.
    Gentner mit dem Jahresvertrag sehe ich als Bereicherung und dass er nun von Stuttgart kommt, hängt ja auch damit zusammen, dass die ihn nicht mehr wollten. Das muss man klar festhalten. Und wer Gentner die Saison (ich habe alle Spiele der ersten Liga auf Sky gesehen) gesehen hat, hat einen guten Mittelfeldspieler sehen dürfen, der auch immer mit viel Einsatz punktet.

    Ach ja, zum Testspiel und Saisonauftakt: Ich war sehr sehr positiv von Ujah und Flecker überrascht. Die Altunioner haben weitgehend auch überzeugt. Das Überraschende war aber der mutige, in größeren Teilen schon gut anzusehende Kombinationsfußball, der aber auch mit Bällen in den Raum und Tiefe (bekanntes Mittel) glänzen konnte. Ich hoffe, dass Union diese Stärken ausbauen kann. Das hat wirklich Spaß gemacht!

    Geständnis: Ich habe das Trikot nun doch gekauft. Die Befürchtung, dass ein “SA” das Trikot “ziert”, hat sich nicht erfüllt. Außerdem ist es nicht der hässliche weiße Kasten geworden. Die Argumente/Gedanken, dass der Sponsor nicht lupenrein ist, teile ich nach wie vor, aber man muss auch sagen, dass er sich nicht ins Stadionerlebnis einmischt und das ist mir als Stadiongänger mit DK durchaus wichtig. Bei Wettanbietern gibt es bei der Einmischungspolitik größere Bedenken.

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