Der Tabellenführer spielt wie ein Abstiegskandidat

Das Trainingslager in Spanien ist vorbei, und was Spieler und Vereinsmitarbeiter so auf Instagram posten (viele Bilder vom Spazierengehen in Valencia), sieht eher wie der Abschied aus einem Urlaub aus. Aber in den Rückblicken auf die schönsten Erlebnisse der der letzten Wochen – wie hier von Marcel Hartel – kommt durchaus auch Fußball in einer Weise vor, die daran erinnert, dass die Mannschaft durchaus auch an sich gearbeitet hat.

In jedem Fall ist Union zurück in Köpenick, anderthalb Wochen bevor die Liga mit dem Spiel in Kiel weitergeht. Wie eng dort alles beieinander ist, illustriert diese Tabelle ganz schön, die zeigt, welche Plätze jeder Verein nach dem Doppelspieltag theoretisch belegen könnte.

    André Hofschneider zeigt sich in seinem Fazit des Trainingslagers zuversichtlich. Was er über Spielsystem (Pressing ja, aber mit Ballbesitz schon zum Belastungsausgleich) und Formation (442-Raute, um die Qualität des Kaders zu nutzen) sagt, wird sich an den kommenden Spielen beweisen müssen. Es ist zumindest spannend, wen Hofschneider mit den ‘besten Fußballern’ meint, die er mit der Raute auf den Platz bringen kann. Denn für Steven Skrzybski, Simon Hedlund, Philip Hosiner, Akaki Gogia und Sebastian Polter sind auch in dieser Formation nur drei Positionen da, während sich am Konkurrenzkampf um die Sechser- und die zwei Achter-Planstellen im Vergleich zum 433 auch nicht viel ändert.

  • Union-Chefcoach „Wollen jedes Spiel gewinnen und haben die Möglichkeit dazu“ (Kurier)
  • Trainer Hofschneider verpasst Union ein neues System (Morgenpost)

In der B.Z. zieht Sebastian Polter eine überwiegend positive Bilanz seiner persönlichen Rückkehr zu Union – auch wenn der Aufstieg, der dabei offenbar Teil der Zielsetzung ist, sich als ein Projekt heraus stellt, dass auch drei Jahre dauern könnte.

Verdiente Tore

Tim von Der Übersteiger hat sich dankenswerterweise die Mühe gemacht, die ‘expected goals’ Werte, die FiveThirtyEight für jedes Spiel berechnet, zu sammeln und in einer Tabelle zusammenzufassen. Zur Erinnerung: Dieser Wert gibt an, für wie viele Tore die Chancen, die sich eine Mannschaft erspielt (bzw die sie zulässt) ‘normalerweise’ (also im Durchschnitt über viele ähnliche Situationen hinweg) gut sind.

Aus Union-Sicht zeigt sich dabei, dass man in Wirklichkeit deutlich mehr Tore schießt (33) als zu erwarten wäre (26), aber auch einige mehr hinnehmen muss (26 statt knapp 24). Damit hat Union aber trotzdem die viertbeste Bilanz nach Qualität der erspielten und zugelassenen Chancen, weil einige andere Vereine an der Tabellenspitze die Erwartungen noch deutlicher übertreffen.

Der krasseste Fall ist Tabellenführer Düsseldorf, der die Chancenbilanz eines Abstiegskandidaten auszuweisen hat. Wenn echte und erwartete Tore auseinandergehen, liegt das entweder daran, dass eine Mannschaft irgendwelche speziellen Fähigkeiten hat, die es ihr erlauben, ähnliche Situationen besser zu gestalten als es üblich ist. Oder daran, dass sie Glück mit den eigenen Abschlüssen und Chancen ihrer Gegner hat. Düsseldorf hat mir bisher wenig gezeigt, dass die erste Option vermuten lassen würde.

Man könnte also erwarten, dass die Mannschaft von Friedhelm Funkel sich mit ihren Ergebnissen den Erwartungen annähern und weniger oft gewinnen wird. Das gilt nicht für Aufsteiger Kiel, die ihre starke Saison auch mit der besten ‘xG’-Bilanz untermauern.

5 thoughts on “Der Tabellenführer spielt wie ein Abstiegskandidat

  1. Also laut Expected Goals sollten wir mit der Hinrundenplatzierung einigermaßen zufrieden sein? So war auch mein subjektiver Eindruck nach den gezeigten Leistungen. Viel Glück gehabt, trotz all des ärgerlichen Unvermögens, das uns viele Punkte gekostet hat.

  2. Schön wäre, wenn Andre mehrere Spielsysteme nebeneinander im petto hätte, damit wir nicht von Teams aus Sandhaufen oder Heidenheim ausgerechnet werden

  3. herzlichen Dank für die Analyse! Die erste Tabelle zeigt ja deutlich wie eng es diese Saison zu geht, die zweite Tabelle bestätigt mir dass mal abgesehen vom (Trainerwechselbedingten) Einbruch beim Spiel gegen Dresden am 9.12. die Hinrunde doch ganz gut gelaufen ist, nun bin ich gespannt ob es im Trainingslager gelungen ist bei allen die Leistung herauszu”kitzlern” welche sie ja schon ab und zu gezeigt hatten (die Einen mehr die Anderen weniger), ausserdem bin ich gespannt wie unser Neuzugang Lars Dietz so spielt, hat da jemand Erfahrungen und kann ihn einschätzen? Ansonsten gilt wieder: auf gehts, kämpfen und siegen! EISERN UNION!

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