Man muss ja keine Flaschen werfen

Die internationale Fußballwelt diskutiert seit Mittwochabend, ob die Atmosphäre in einem Fußballstadion vielleicht doch hin und wieder Einfluss darauf hat, was auf dem Platz geschieht. Erinnert daran wurden alle von Liverpools Sieg in der Champions League, der auch bei mir einen Ohrwurm hinterlassen hat. Es ist nicht unbedingt wahrscheinlich, dass Unions Spiel morgen gegen den Meidericher Sportverein ähnlich hohe mediale Wellen schlägt, aber das heißt ja nicht, dass der Effekt auf das Spiel nicht ähnlich groß sein könnte. (Und nein, das ist keine Aufforderung, Flaschen auf Duisburgs Bus zu werfen wie das in Liverpool passiert ist – ganz im Gegenteil.)

Photo: unveu.de

Eine Meldung aus der Pressekonferenz von André Hofschneider und vom Training am Nachmittag danach könnte wenn nicht für Erleichterung, dann doch etwas mehr Zuversicht sorgen: Steven Skrzybski wird Union am Samstag wahrscheinlich wieder zur Verfügung stehen. Matze Koch berichtet für B.Z./ Bild, dass Skrzybski den von Hofschneider angekündigten Test im Trainingsspiel bestanden habe. Das gilt auch für Marc Torrejón, der wieder für die Startelf in Frage kommt. Der weiter angeschlagene Simon Hedlund ist dafür offenbar eher nicht vorgesehen.

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Es mag so aussehen, aber Steven Skrzybski ist nicht Unions einziger Spieler. Aber es wäre schon hilfreich, könnte er spielen; Photo: unveu.de

Spiel-Plan

Duisburg ist eine etwas merkwürdige Mannschaft. Der Aufsteiger, trainiert von Ilja Gruev, ist anders als Fürth oder Regensburg keine Konter-Mannschaft: nur drei Mannschaften kommen seltener nach Kontern zu Abschlüssen. Der MSV ist aber auch nicht wirklich ein Vertreter von Ballbesitzfußball: es haben auch nur vier Mannschaften weniger davon. Und schließlich sind lange Bälle, vorzugsweise auf den auch von Hofschneider als ‘Kante’ angesprochenen Onuegbu ein prägendes Stilmittel, kommen aber auch nur recht selten vor und unterdurchschnittlich oft an.

Das Resultat dieser gemischten Spielanlage ist aber eine durchaus produktive Offensive, die sich die fünft-besten Chancen der Liga erspielt. Die Grundlage dazu ist vor allem, dass Duisburg den Ball oft lang genug im Aufbau zirkulieren lässt, den Gegner etwas aufrücken zu lassen und besagte lange Bälle nicht unvorbereitet zu spielen. Außerdem scheut sich der Meidericher SV nicht, durch das Pressing des Gegners hindurch auch Pässe in die Zentrale zu spielen, von wo Fröde und Schnellhardt das Spiel dann gern wieder auf die Außenverteidiger verlagern.

Für das Spiel am Samstag bedeutet das, dass es (zur Abwechslung mal) ein lohnenswertes Ziel für Unions Pressing gibt: eben die Ballzirkulation, die Duisburgs lange Bälle vorbereitet, zu verhindern. Es wird interessant sein zu sehen, ob André Hofschneiders Union das versuchen wird, und falls ja, wie gut es gelingt. Dazu würde sich allerdings das 352 System der letzten Spiele nicht unbedingt eignen, da es aus dieser Ordnung schwer ist, auf den Flügeln Druck auf den Ball auszuüben.

André Hofschneider fand übrigens auch für Duisburg, das seine letzten vier Spiele und zuletzt zu Hause 1-4 gegen Kaiserslautern verloren hat, die üblichen lobenden Worte: diese Ergebnisse seien den Leistungen nicht gerecht geworden. Das gilt zwar nicht für das 0-5 in Kiel, aber durchaus für die gegen Düsseldorf (wie üblich) und Braunschweig. In der ersten Hälfte des Spiels gegen Lautern scheiterte Duisburg einige Male am Pfosten, und an schlechter Konterabsicherung.

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Die Expected Goals (Chancenqualitäts)-Tabelle der Liga, zusammengestellt von Tim vom Übersteiger

Beim Blick auf diese Tabelle zeigt sich, dass die Liga vielleicht doch nicht ganz so verrückt ist, wie es scheint. Denn die Mannschaften, die unten stehen (zumindest gerade noch so, da dieser Block in den punktgleichen Pulk herein reicht) verdienen das für Ihre Leistung. Nur Düsseldorf (spielt immer noch wie ein Absteiger) und Dresden fallen drastisch aus der Rolle.

Und sonst so

Es gibt viele phantastische Fußball-Photos von Union Spielen. In den Bildern von Stuart Roy Clarke kommt Union nicht vor, weil es zu selten in England spielt. Großartig sind diese Bilder aber trotzdem.

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