Frohes Fest!

Das war das schönste Weihnachtssingen seit langem. Und dabei war ich noch nicht einmal vor Ort, weil ich stattdessen zu Hause Plätzchen gebacken habe. Aber dank der Live-Übertragung kam alles in der Küche an und verbreitete bei Glühwein eine ähnlich weihnachtliche Atmosphäre wie im Stadion.

Während ich in den vergangenen Jahren ein bisschen das Gefühl hatte, dass die Mitmachrate beim Singen etwas mau geworden war und Stadionsprecher Christian Arbeit etwas nachhelfen musste, war das gestern ein Abschluss dieses unfassbaren Jahres, wie wir ihn uns alle wahrscheinlich gewünscht haben.

Mit Stadtmeister-Gesängen, mit einem Chor in Höchstform, einem vollen Stadion, das nur zum Singen da ist, und vor allem immer mit den richtigen Worten. So hat Pfarrer Ulrich Kastner in der vielfachen Betonung der jüdischen Herkunft von Jesus daran gemahnt, dass wir alle gemeinsam dafür Sorge tragen, dass sich unsere Nachbarn sicher fühlen können. Christian Arbeit hat das Stadion singen lassen, wenn es singen wollte. Und das Weihnachtssingen war unabhängig von einem Fernsehzeitplan, in dem die Veranstaltung in einem bestimmten Zeitfenster hätte fertig sein müssen. Das tat ihr sichtbar gut.

Predigt vom Weihnachtsmann

Und dann kam da noch der Weihnachtsmann. Ich bin tatsächlich immer sehr gespannt, ob er uns als Fans und Verein die Leviten liest. Denn wir finden uns und Union zwar toll, aber es läuft längst nicht alles so, wie es sein sollte. Doch dieses Jahr, und das ist im Erfolg sicher nichts Ungewöhnliches, habe ich das Gefühl gehabt, dass wir alle näher zusammengerückt sind, während es im Vorjahr eher nach dem Gegenteil aussah.

Ob das jetzt an den Mikros bei den Capos auf der Waldseite liegt, weiß ich nicht. Oder daran, dass der Kurvenflyer auch hinter der Gegengerade verteilt wird. Oder dass wir alle mehr miteinander ins Gespräch kamen. Oder, und das ist nicht unwahrscheinlich, wir im Erfolg zusammen geblieben sind, weil einfach nicht mehr Leute ins Stadion passen.

Und doch ganz ohne mahnende Worte vom Weihnachtsmann ging es nicht.

Schnell wurde jedermann bewusst,
auf uns hat Fußball-Deutschland Lust.
Da kommt ein Stadtbezirks-Verein
und hat Erfolg, wie kann das sein?
Der Zaubertrank heißt Fußball pur,
heißt Mitbestimmung, Fankultur.

Und aus dem Köpenicker Wald

erscheint Union als Lichtgestalt.
Zeigt einen Weg aus der Misere,
zeigt auf, wie schön der Sport doch wäre.

Sind nichts Besonderes. Und man lernt:
Die anderen haben sich entfernt.
Vom eigentlich sozialen Zweck
und geben ihn für Kohle weg.

Denn was ich sage, ist kein Scherz,

sie opfern alles dem Kommerz.
Ob Stadionname, Fußballspiel,
da geht verloren das Wir-Gefühl.

Drum Eiserne seid auf der Hut,
erhaltet euch dieses wichtige Gut,
eure Form der Leidenschaft,
aus der ihr zieht unbändig Kraft.
Lasst uns die Konsumenten schocken
und weiter diese Liga rocken.
Die Alte Försterei, eine Bastion.
Und niemals vergessen: Eisern Union!

Ich kann mich den Worten nur anschließen. Die Fankultur bei Union macht natürlich aus, dass der Verein vieles zulässt und sich offen zeigt. Aber vor allem, dass alle etwas machen können für andere. Da gibt es riesig große Dinge wie das Weihnachtssingen selbst, die Organisation von Sonderzügen oder dem Drachenbootrennen. Aber eben auch viele Kleinigkeiten wie die Kinder, die beim Hoffenheim-Spiel Becher für die Alte Försterei 2 gesammelt haben. Einfach machen. Das fand ich bei Union schon immer am besten.

Becher sammeln für die Alte Försterei 2, Foto: Sebastian Fiebrig

Becher sammeln für die Alte Försterei 2, Foto: Sebastian Fiebrig

Das sind die Medienberichte vom Weihnachtssingen:

Ruhnert will Verstärkung holen, wenn Prömel nicht fit wird

Sportlich gibt es ein paar Nachrichten: Innenverteidiger Nicolai Rapp wurde bis Saisonende zum SV Darmstadt 98 verliehen, was für beide Seiten ein guter Deal ist (Vereinsmitteilung). Rafal Gikiewicz knabbert noch an der Niederlage und wünscht sich für die Rückrunde noch einmal 20 Punkte (Bild, Kurier). Die hätten wir sicher alle gern, dafür muss aber noch einmal alles klappen und alle zusammenstehen. Michael Parensen genießt dagegen die Bundesliga (Kurier). Das zeigt, dass es sehr verschiedene Wege gibt, um sich gemeinsam dem Ziel Klassenerhalt zu nähern.

Was das Thema Verstärkungen betrifft, so hängt das laut Oliver Ruhnert am Gesundungsprozess von Grischa Prömel (Tagesspiegel). Kann er in die aktive Reha wechseln, so wird Union im Winter nicht nachlegen.

Damit hat sich auch das Thema Steven Skrzybski erst einmal erledigt. Aber vielleicht kommt er ja trotzdem in der Rückrunde als Spieler ins Stadion. Falls es Düsseldorf für ihn wird, hoffe ich allerdings, dass am letzten Spieltag bereits für Union alles klar ist. Sonst wäre das kaum zum Aushalten.

Frohes Fest und vielen Dank

Zum Schluss möchte ich den 24. Dezember dazu nutzen, um mich einmal bei den vielen Leuten zu bedanken, die dafür sorgen, dass es Textilvergehen in der Form überhaupt gibt. Ein ganz großer Dank geht an den 1. FC Union Berlin, der sich dafür eingesetzt hat, dass Steffi auch in der Bundesliga fotografieren darf. Vom Verein wurde extra Wert darauf gelegt, dass man sich damit ausdrücklich keine positive Berichterstattung “einkauft”, sondern weiter auf unsere Unabhängigkeit Wert legt. Es passiert viel Gutes bei Union im Stillen, aber ich finde, dass man diese Herangehensweise ruhig mal lobend erwähnen darf.

Ein großer Dank geht an all die Kollegen, die professionell für Medien arbeiten. Das wird manchmal übersehen, dass Textilvergehen ohne sie ganz anders aussehen würde. Was wären wir ohne die vielen Fotos von Matze Koch? Denn immer wenn irgendwas mit Union los ist, steht Matze schon mit der Kamera bereit. Selbst bei uns in der Uckermark kam er schon vorbei und hat aus luftiger Höhe unseren Landsitz fotografiert. Das gleiche gilt für die Fotos von Tobi auf unveu.de und alle anderen Fotografen, die uns ihre Bilder nutzen lassen (Grüße an die Hauptstadtarroganz und überhaupt die Frauenfußballabteilung von Union). Das ist überhaupt nicht selbstverständlich.

Während wir den Aufstieg feiern, sortiert Matze Koch auf dem RBB-Boot Fotos, Foto: Sebastian Fiebrig

Während wir den Aufstieg feiern, sortiert Matze Koch auf dem RBB-Boot Fotos, Foto: Sebastian Fiebrig

Was für die Fotografen gilt, stimmt auch für die schreibenden Journalisten. Ohne ihre Artikel würde der tägliche “State of the Union” ganz schön dünn ausfallen. Hier muss ich mal ganz kurz eine Lanze für den Boulevard brechen (ja, ich war früher auch selbst Boulevard-Journalist), weil die roten Zeitungen (wie sie in Berlin genannt werden) gerne mal als “Schundblätter” bezeichnet werden. Ich lese sie, was Union betrifft, täglich. Und es gehört schon eine Menge dazu, jeden Tag etwas über Union zu schreiben. Und auch immer zu Union zu gehen, wenn Training ist. Egal in welcher Liga. Denn diese Kollegen waren auch in der 4. Liga da.

Wenn eine Berichterstattung stattfindet, die Grenzen überschreitet (gab es dieses Jahr im Falle einer Ex-Frau eines Union-Spielers), dann benennen und kritisieren wir das. Aber ich würde kein Berliner Medium, das regelmäßig über Union berichtet, ausschließen. Nur weil ich vielleicht die Zeitung persönlich nicht lese. Denn das ist nun einmal das ganze Spektrum der Berichterstattung über Union.

Kurier-Redakteur Mathias Bunkus spricht mit Union-Trainer Frank Lieberam nach der 2:3-Niederlage bei Neuruppin im September 2005, Foto: Matze Koch

Danke auch an alle Union-Anhänger, die uns Hinweise und Tipps für unsere Texte geben. Wir haben schon eine Menge an automatischen Alerts eingerichtet, aber trotzdem geht uns viel durch die Lappen. Was würden wir beispielsweise ohne Erik machen, wenn es um schwedische Medien geht oder ohne Jacek und andere Leserinnen und Leser bei polnischen Texten? Schreibt uns weiter Nachrichten per Whatsapp, Mail, Instagram, Facebook, Twitter und so weiter. Das hilft sehr. Auch wenn wir nicht alles aufnehmen können.

Ein besonderer Dank geht an die Ziegenunioner (hier vor allem Micha, der sehr hartnäckig war) für die Einladung zum Gespräch mit Ali. Miteinander reden statt nur übereinander. Auch ein Punkt, der uns dieses Jahr sehr beschäftigt hat.

Und am Ende vielen Dank für die Unterstützung, die ihr uns dieses Jahr habt zukommen lassen. Sei es in finanzieller Art (wir konnten Daniel und Nadine dadurch beispielsweise Podcast-Technik kaufen, damit sie auch aus Cottbus oder Oberschöneweide zugeschaltet werden können) oder durch Geschenke. Und vor allem durch die vielen Worte. Manchmal ist es nur ein Abklatschen am Bierstand. Manchmal ein längeres Gespräch auf Auswärtsfahrt. Wenn mir erzählt wird, wie die Podcasts, die Fotos von Steffi oder der “State of the Union” Teil eines Union-Alltags geworden sind, dann ist das für mich schier unglaublich und nichts, womit ich jemals gerechnet hätte, als ich Steffi 2009 gefragt habe, ob ich auch mal was für Textilvergehen machen kann.

Frohe Weihnachten!

Ein Teil vom Textilvergehen bei der Aufstiegsfeier am 29. Mai 2019

Ein Teil vom Textilvergehen bei der Aufstiegsfeier am 29. Mai 2019

11 Gedanken zu „Frohes Fest!

  1. Danke für den tollen Blog und Euer ganzes Engagement! Frohe Weihnachten Euch Allen!

  2. Ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest dem kompletten Textilvergehen, tankt neue Kraft und vielen lieben Dank für die tollen State of the Unions, Podcasts, Photos und Taktikanalysen! Ihr seid klasse!
    Rutscht gut rein in ein tolles neues Jahr. Eisern!

  3. Habt schöne Tage und einen guten Rutsch! Danke für die täglichen News und auf viele weitere Jahre! Und größten Respekt für eure Arbeit, an alle.

    Frohe Weihnachten!

  4. Vielen Dank für all die Arbeit die Ihr in Textilvergehen steckt, sei es der State of the Union, der Podcast oder sonstliche Aktionen. Leider bin Ich selbst erst dieses Jahr auf euch gestoßen, doch hat sich State of the Union schnell quasi zum täglichen Ritual entwickelt. Und auf dem Podcast freue Ich mich seither nach jedem Spiel. Alles zusammen hilft mir persönlich näher an Union ran zu kommen, als “Fern” Unioner aus dem hohen Norden Deutschlands nicht immer das einfachste.

    Nochmal danke für alles, bleibt so wie Ihr seid und habt ein schönes Weihnachtsfest!

  5. Ganz ohne Kritik an den Medien geht es auch zu Weihnachten nicht. Wer das gestrige Weihnachtssingen beim RBB verfolgt hat mußte leider auf die wie ich finde sehr schöne Predigt vom Weihnachtsmann verzichten was sehr schade war.
    Aber egal Euch ruhige und besinnliche Feiertage und macht so weiter wie bisher.

  6. Auch von mir schöne Feiertage und tausend Dank für euren Einsatz! Euer Blog und Podcast spiegeln für mich alles wieder was Union ausmacht, viele Themen, viele Meinungen, viele Emotionen, alles für Union! Freue mich schon euch auch mal zum abklatschen am Bierstand abzupassen!

  7. Ich wünsche Eurem Team und Euren Familien schöne Feiertage. Vielen Dank, dass Ihr dieses sowieso schon unfassbare Jahr mit Eurer Arbeit noch ein bisschen geiler gemacht habt.

    Eisern!

  8. Meine Mutter, Jahrgang 61, die DDR bis zum Ende miterlebt, war ein wenig enttäuscht, dass das pure DDR Lied „Guten Abend schön Abend“ gesungen wurde. Musste dabei direkt an den Beitrag neulich zur Ostalgie denken.
    Meint ihr, dass man sich soetwas auch sparen könnten? Versucht der Verein da Crowdpleasing für die DDR Verschönigenden zu betreiben?
    Bin ein wenig ratlos.

    Wünsche euch tolle Weihnachten! Danke für alles, womit ihr uns dieses Jahr beschenkt habt!

  9. Liebe Karo, ich kann die Kritik an “Guten Abend schön Abend” nicht nachvollziehen. Was ist aus Deiner Sicht schlecht daran, ausser dass es auch in der DDR gesungen wurde? Ich finde es schön. Egal wo es herkommt – was ich bei den anderen Liedern übrigens auch nicht weiss. LG, Christian

  10. Als ein aus einem christlichen Familienhaus stammender Westdeutscher – Großvater war Pastor -, der seit 1995 im Osten (damals Eisenhüttenstadt als Ausgangspunkt) lebt, sind mir diese unterschiedlichen Lieder immer sofort aufgefallen. Mich haben sie nie gestört, obwohl natürlich der thematische Schwerpunkt weg von der Religion geschoben wurde ( in aller Kürze gut nachzulesen übrigens hier: https://www.weihnachtslieder.biz/ddr-weihnachtslieder).

    “Tausend Sterne sind ein Dom” steht für mich choralsmäßig auf einer Stufe mit “Maria durch einen Dornenwald” ging. da ist mir die Herkunft völlig egal.

    Ich finde, dass alle ihre Berechtigung haben, ohne irgendwie ostalgisch oder westalgisch (gibt es das Wort überhaupt?) zu sein.

    Danke @Sebastian fürs ein bisschen gerade rücken, was die Meiden angeht.

    In diesem Sinne ein gesegnetes Fest.

  11. Der Weihnachtsmann hat mich angequatscht (is so´n Krümelkacker!), ich möge doch bitte einen Text”fehler” gerade rücken.
    Drum Eiserne seid auf der Hut,
    erhaltet euch dies edle Gut,
    So stimmt der Rhythmus auch wieder! ;)
    Ach so – Ostfux hat nix mit Fux zu tun. Auch das sollte klargestellt werden!
    Ansonsten – Danke für das Medien-Lob (wäre mir nie in den Sinn gekommen, meckern ist einfach immer leichter), danke für eure Offen- und Streitbarkeit.
    In der Hoffnung, dass man sich auch im neuen Jahr aneinander reiben kann:
    Einen guten Rutsch und ein gesundes 2020!

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