Aufstiegsangst gab es bei Union auch schon vor 17 Jahren

Die Diskussion um den Aufstieg in die Bundesliga ist älter, als ich es selbst in Erinnerung hatte. “So’ne Scheiße, wir steigen auf”, hieß es vor 2 Jahren. Und dieser Gesang drückte in einer seltenen Gleichzeitigkeit die Gefühlslage vieler Unioner aus, die einerseits gerne gewinnen und oben stehen wollen, aber im selben Moment auch Angst vor der Macht des Kapitals der Bundesliga haben und den Verlust der eigenen Identität und Stadionkultur fürchten. Davon konnte vor fast genau 17 Jahren nicht die Rede sein, als es im Programmheft vor dem Spiel gegen Arminia Bielefeld hieß: “Vorsicht Aufstieg!”

Programmheft 17/01-02

Um Identität, Kultur, zu viele Plastiklubs und so weiter ging es aber 2002 nicht. Stattdessen darum, wie oft Union am Aufstieg gescheitert ist. Das Erlebnis des verlorenen Relegationsspiels gegen Osnabrück war noch frisch. Und überhaupt die kompletten 90er, in denen sich Union den Ruf der Unaufsteigbaren hart erarbeitet hat durch finanzielle Unzulänglichkeiten im Verein und sportliches Scheitern kurz vor dem Ziel.

Programmheft 17/01-02

Warum ich das gerade vor dem Spiel heute gegen Paderborn aufschreibe? Einerseits weil mich unser Leser Stephan Grune darauf aufmerksam gemacht hat und freundlicherweise mir die entscheidenden Passagen des Programmheftes abfotografiert hat. Aber andererseits vor allem, um zu zeigen, wie sich Union und die Grundgedanken von Fans im Laufe der Zeit ändern. Ich habe manchmal das Gefühl, dass Union heute vor allem über das Thema Fußballkultur identifiziert wird. Aber es ist eben zuallererst ein Fußballverein, der in der Meisterschaft spielt, um so gut wie möglich abzuschließen. Und da steht bei einem glücklichen Ende eben der Aufstieg.

Ich finde es übrigens gut, wie sich dieses Stigma der Unaufsteigbaren schleichend aus der Alten Försterei verabschiedet hat. Nur noch beim Thema Relegation werden einige (mich eingeschlossen) noch grün und gelb im Gesicht, weil wir einfach diese Spiele gegen Osnabrück im Jahr 2000 nicht vergessen können.

Ansonsten gefällt mir, dass statt des ungläubigen und unsicheren “So ‘ne Scheiße, wir steigen auf” (das vor 2 Jahren absolut seine Berechtigung hatte) nun selbstbewusster das hier gesungen wird:

Union du wirst Siegen,
glaub an dich und es wird wahr,
die erste Bundesliga ist für uns zum Greifen nah,
die Zeit ist nun gekommen, ihr werdet es alle sehen,
der erste FC Union wird nun endlich oben stehen

Das Thema Aufstieg dominiert heute vor dem Spitzenspiel gegen den SC Paderborn natürlich auch die Berliner Medien. Dabei geht es noch einmal um den Gegensatz zwischen starker Offensive (Paderborn) und starker Defensive (Union). Wie das ausging in der Hinrunde wissen wir allerdings auch alle. 0:0 stand es am Ende.

Wir hatten ja vor März vom Monat der Wahrheit gesprochen, weil 3 von 4 Partien gegen Mannschaften im oberen Tabellendrittel gespielt werden würden Die Bewertung des Monats hängt jetzt nach 2 Siegen und 1 Niederlage ein bisschen von der heutigen Partie ab, denn gegen Aufstiegskonkurrenten steht es 1:1 (Sieg in Kiel, Niederlage in Heidenheim) Aber egal wie es ausgeht, danach ist die Geschichte Aufstiegskampf noch nicht erledigt.

Auf den anderen Plätzen

Vorgestern hat das 2. Frauenteam sich genauso wie die erste Mannschaft für das Pokalfinale qualifiziert. Im Pokalwettbewerb der Berliner 2. Team setzten sich die Frauen mit 14:0 gegen Berolina II durch.

Siegerselfie nach dem 14:0 im Halbfinale des Pokals, Foto via Hauptstadtarroganz

Wer das Team auch mal anfeuern möchte, bekommt am Sonntag die Möglichkeit dazu. Dann geht es in der Verbandsliga gegen Hertha 03 (12.45 Uhr, Ernst-Reuter-Sportplatz).

Ebenfalls dieses Wochenende, nämlich heute spielt die U19 der Männer in der Bundesliga gegen Dynamo Dresden (Anpfiff 13 Uhr, im FEZ).

Wer beim Tippspiel Twitterförsterei mitmacht, kann sich nun über Preise freuen. Folgendes hat @ExWuschel zusammengetragen:

Und sonst so?

Wer sich für Geld interessiert, kann gerne beim Kurier lesen, wie das mit den Prämien beim 1. FC Union Berlin geregelt ist. Für mich ist das im Alltag weniger interessant, da es für mich keinen Unterschied macht, ob Christopher Trimmel, Felix Kroos oder Sebastian Polter einen großen Schein mehr oder weniger erhalten, wenn Union gewinnt. Für mich ist das eine Erfolgsbeteiligung, weil der Verein je nach Platzierung am Saisonende auch erfolgsabhängig TV-Gelder kassiert. Aber der Kurier rückt nicht nur Zahlen raus, sondern erklärt auch die technischen Details, wann Geld ausgezahlt wird (und wann nicht). Und das ist durchaus interessant.

Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet erst einmal nicht

Das Bundesverwaltungsgericht hat den Fall des Gebührenbescheids des Bundeslandes Bremen an die DFL für die Mehrkosten eines Einsatzes beim Hochrisikospiel zurück an das Oberlandesgericht verwiesen. Grundsätzlich seien solche Gebühren aus Sicht des Gerichts nicht rechtswidrig, allerdings sieht man noch Nachholbedarf bei der Erhebung der Gebühren (RBB). Sollte sich das etablieren, sehe ich schon mal viele neue Gerichtsverfahren, in denen über die Höhe der Gebühren gestritten wird. Und während ich es bei der Arbeit gewöhnt bin, jede Minute meiner Arbeitszeit einem Projekt zuzuordnen, damit es am Ende korrekt abgerechnet werden kann, stelle ich es mir bei der Polizei interessant vor, wie dann entschieden wird, was im Rahmen eines normalen Polizei-Einsatzes passiert und was zusätzliche Dienstleistung ist. Der Grundsatz bei Gebühren ist ja der, dass klar erwartbar ist, wie hoch sie sein werden. Das dürfte noch lustig werden.

Statt sich in einem aus meiner Sicht endlosen Prozess von Gerichtsverfahren zu zu verfangen, wäre es sinnvoller gewesen, das Thema Prävention und deren Finanzierung anzugehen. Hier sehe ich die Klubs tatsächlich in der Verantwortung, die sich in der Mehrheit gerne mit Corporate Social Responsibility brüsten, aber das unangenehme Thema Fanarbeit gerne mal mit spitzen Fingern anfassen.

Einen völlig anderen Ansatz fahren 11Freunde in der Berichterstattung, indem sie einen Polizei-Einsatz im Olympiastadion journalistisch begleiten. Der kommt angenehm unaufgeregt herüber und befasst sich mit dem, was an der Basis während eines Spiels passiert. Hier ist allerdings zu beachten, dass Berlin politisch eine eher ruhige Linie fährt. Ich würde gerne erfahren, wie das eigentlich in Bundesländern mit Hardliner-Innenministern aussieht. Also Hessen oder Nordrhein-Westfalen.

Zum Thema Kosten von Polizei-Einsätzen gehört auch, dass das Nicht-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts andere Bundesländer nicht zwingt, solche Gebühren einzuführen.

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Auswärtsfahrt zur Alten Försterei und zu Gast beim Lernzentrum des 1.FC Union Berlin: Christian Arbeit (Union Berlin) begrüßte die Jugendlichen aus Bielefeld, Dortmund, Wolfsburg und München. Vanessa Maas vom Lernzentrum Ostkurvensaal hielt bereits den Workshop zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Auch die Themen „Hate Speech“ und „Peer Ausbildung“ werden bei der Auswärtsfahrt besprochen. Zum Rahmenprogramm gehört ein Besuch der Berliner Unterwelten und natürlich wird sich morgen das Spiel von Union Berlin gegen SC Paderborn angeschaut! Ein großes DANKE an dieser Stelle an die Bundeszentrale für politische Bildung, die diesen Austausch unter anderem ermöglicht hat! #auswärtsfahrt #unionberlin #alteförsterei #antidiskriminierung #learningbydoing #nohatespeech #peertopeer @lernen_mit_kick @stadionschule_bielefeld @bvb_lernzentrum @vfl.wolfsburg @1.fcunion @bpb_de

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Das Lernzentrum des 1. FC Union erhielt Besuch von Jugendlichen aus dem Bundesgebiet. Wer sich für Lernort Stadion interessiert, kann sich auf dieser Website darüber informieren. Das Projekt bündelt bundesweit Lernzentren in Stadien, die politische Bildung und soziale Kompetenzen vermitteln sollen.

Neues aus dem Hause Grindel: Die Zeit berichtet, der DFB-Präsident habe Nebeneinkünfte verschwiegen. Er selbst streitet das ab.

Und zum Schluss noch ein kleines Bilderrätsel: Auch wenn wir glauben, dass Michael Parensen schon immer bei Union spielt, so stimmt das nicht. Er spielte sogar schon gegen Union. Wer weiß, in welchem Spiel dieses Foto aufgenommen wurde und welche Unioner darauf zu sehen sind (auch wenn sie hier vielleicht noch nicht das Trikot des 1. FC Union tragen)?

Foto: Hajo Obuchoff

9 Gedanken zu „Aufstiegsangst gab es bei Union auch schon vor 17 Jahren

  1. Danke für das Foto des Programmheftes. Das Duell gegen Bielefeld war mein erstes Unionspiel und mein Sich-verlieben-und-nie-mehr-gehen-Moment. Mit einem wunderbaren Freistoßtor von Kostadin Vidolov. Dass das schon 17 Jahre her ist…

  2. Klar und deutlich erkennen wir Patrick Kohlmann auf dem Foto und daher dürfte es sich um folgendes Spiel handeln:

    Regionalliga Nord · 17. Spieltag: 1. FC Union Berlin vs Borussia Dortmund II 2:0
    18.11.2006 – 14:00 Uhr – An der Alten Försterei

    :D

  3. Nicht zu vergessen Nico Patschinski, Andreas Biermann und Karim Benyamina, die damals schon das richtige Trikot trugen.

  4. Es macht wehmütig Andreas Biermann auf dem Foto zu sehen. Sein Tod ist auch bald schon 5 Jahre her.

  5. Ich werde Euch NIE mehr am Spieltag vor dem Spiel lesen.

    Wie kann man so ein Thema am Matchday besprechen???

    Am Spieltag darf es keine Zweifel geben, man muss voller Überzeugung in ein Match gehen.
    Als Sportler weiß man das.

    (ist wirklich ernst gemeint)

    Alles auf rot.

    Eisern.

  6. Das hat wirklich nichts mit guten Fussball zu tun, sondern mit der defensiven Ausrichtung des Trainers Urs Fischer!! Die abwärts Tendenz ist ganz klar zu erkennen. Aus 5 Spielen nur 7 Punkte ist nun mal nur Durchsicht und nicht mehr!!

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