Was die Polizei vor dem Dortmund-Spiel empfiehlt: Rechtzeitige Anreise

Das Spiel in Dortmund bestimmt die Themen der Berliner Medien und sicher die Gespräche all derer hinfahren. Interessanterweise arbeiten sich die Berliner Medien nur am sportlichen Thema ab. So wird Felix Kroos’ neue Rolle als Nicht-mehr-Stammspieler thematisiert (Berliner Zeitung, Kurier), natürlich auch das Thema Favoritenrolle gestreift (Tagesspiegel). Die liegt noch mehr als vor 2 Jahren beim letzten Aufeinandertreffen im Pokal bei Borussia Dortmund. War Union 2016 der Underdog, dann ist das Team heute angesichts der Offensivkraft der Gastgeber wirklich nur mit einer Außenseiterchance dabei. Gerade auch, weil das Toreschießen zuletzt so schwer fiel und Torgefahr benötigt werde im Pokal, um vielleicht doch weiterzukommen (Morgenpost, BZ). Im Gegensatz zu den letzten Spielen viel zu tun bekommen wird Torhüter Rafal Gikiewicz (Bild). Ihr seht: Ein bunter Strauß an Themen.

Was uns allerdings von Seiten der Polizei und Ordner erwarten wird, nach den Auseinandersetzungen von einigen Polizisten und Herthafans am Wochenende im Westfalenstadion, kriegen wir nicht serviert. Das ist einerseits klar, weil die Nachwehen mit sämtlichen sinnvollen und schwachsinnigen Kommentaren (hier ein besonderer Vertreter der letzten Kategorie, der von Fan-Scharia phantasiert und Wasserwerfer gegen Pyrofackeln fordert) im Rest der Berichterstattung abgefrühstückt werden.

Wer noch einmal sehen möchte, was da im Gästeblock im Westfalenstadion passiert ist, kann sich dieses Video ansehen:

Insgesamt muss man konstatieren, dass die Situation für Fußballfans in Nordrhein-Westfalen angespannt bleibt. Dessen Innenminister Reul hat die erwartbare harte Linie gegen Randalierer ausgerufen (WAZ). Und gleichzeitig dürfte das sowieso schon sehr arg strapazierte Verhältnis zwischen Hertha-Verantwortlichen und Fanszene einem weiteren Belastungstest unterzogen werden. Hertha-Manager Michael Preetz, sonst eher nicht die Person, die sich bei Hertha zu Fanthemen äußert, sagte in der Pressekonferenz vor dem Pokal-Spiel gegen Darmstadt: „Abenteuerlich, ich finde es abenteuerlich. Ich kann dazu nichts anderes sagen. Einen möglicherweise unverhältnismäßigen Einsatz der Polizei mit Gewalt zu rechtfertigen, das muss mir mal einer erklären.“

Führe ich mir die vielen Wortmeldungen zu Gemüte, muss ich feststellen, dass offensichtlich das Jahr 2012 angerufen hat, und seine Debatte “Pyro ist gleich Gewalt” wiederhaben möchte. In diese Richtung geht auch ein Kommentar der Berliner Zeitung.

Was bedeutet das nun für Union? Laut Polizei-Pressekonferenz würde sich nichts am Einsatzkonzept ändern. Aber wenn ich mir die Aufrufe zum rechtzeitigen Erscheinen am Stadion so ansehe, vermute ich mal, dass mit sehr ausgiebigen Einlasskontrollen gerechnet werden kann (im Fanbrief schreibt die Polizei, wer nicht 1,5 Stunden vor Anpfiff am Stadion ist, würde wohl nicht den Anpfiff erleben). Noch einmal solch eine Fast-Panik wie vor zwei Jahren will die Polizei mit mehreren Sperren auf dem Vorplatz verhindern. Außerdem halten die Fanzüge laut Polizei direkt am Bahnhof Westfalenstadion, was die Situation am Hauptbahnhof in Dortmund vielleicht etwas entspannt.

Wichtiger Hinweis: Das Stadion öffnet ab 16 Uhr.

Weil auch das Stadion in Dortmund keine Taschen größer als A4 (hier der Hinweis des BVB) zulässt, habe ich mir nach fast 30 Jahren wieder eine Bauchtasche gekauft, um zumindest Portemonnaie und Ladekabel mit mir herumtragen zu können. Taschen können zwar auch abgegeben werden, aber das muss jeder selbst entscheiden, ob das so toll ist, wenn es mögliche Sperrvorrichtungen auf dem Stadionvorplatz gibt.

Ich will mir die Fahrt nach Dortmund jedenfalls nicht vermiesen lassen. Es geht kurz vor dem Spiel ins Fußballmuseum, wo nur diese Woche eine kleine Sonderausstellung zum Arbeiterfußball zu sehen ist. Der Arbeitersport war ein Parallelverband zum DFB. Mehr dazu in diesem Beitrag vom Deutschlandfunk. Schade, dass man diesem Thema nur eine Woche widmet.

Podcast

Im Podcast zum 0:0 gegen Dynamo Dresden hatten wir gestern Kevin Albrecht vom Ostfußballpodcast “Drübergehalten” zu Gast. Das war ein sehr unterhaltsames Gespräch, in dem es auch darum ging, was da eigentlich bei Dresden so los ist (Minge-Intrige, Capo-Wechsel, Ehrenspielführer-Stasi-Debatte um Ede Geyer) und wir haben auch noch diskutiert, was eigentlich Ostfußball ist und wie lange es das Wort wohl noch geben wird.

Leide habe ich die Aufnahme versaut, weil ich aus Versehen über mein Computermikro und nicht über unsere Headsets aufgenommen habe. Vielleicht ist es trotzdem okay für euch. Es klingt kurz vor unserem zehnjährigen Podcastbestehen (am 4.11.2008 ist die erste Episode erschienen) ein bisschen so wie früher.

Und sonst so?

Hier noch einmal der Aufruf zur Winterspende zum Heimspiel gegen Fürth als Bild:

Foto: via Fanprojekt

12 Gedanken zu „Was die Polizei vor dem Dortmund-Spiel empfiehlt: Rechtzeitige Anreise

  1. Kannst das Belly Bag ja wie einen Patronengurt über eine Schulter und schräg über der Brust tragen. Siehst dann zwar aus wie ein Dealer am Kotti, aber es steckt immerhin ne Menge Zeitgeist im Look.

  2. Die Gürteltasche ist gerade bei Fußballfans wieder komplett in Mode getreten, da sie gerade wegen solchen Kontrollen sehr präzise ist und auch ein guter Schutz gegen Taschendiebe. Auch in der Festivalszene mittlerweile ein must have. Das YT Video ist leider nicht mehr verfügbar.

  3. Gerade das Video von Hertha in Dortmund angeschaut.
    Es ist einfach nur zum Kotzen… die Initiative geht hier eindeutig von der Polizei aus… hätten die das Banner einfach liegen lassen, wäre NICHTS passiert.

    Eigentlich kann man hier der Einsatzleitung der Polizei nur massive Inkompetenz oder Absicht und Berechnung unterstellen. Denn was das Wegnehmen eines Ultra-Banners für Reaktionen provoziert sollte auch bei der Dortmunder Polizei bekannt sein…

    Es bleibt fast nur der Schluss, dass die Polizei genau diese Bilder provozieren wollte! Um sie dann zu instrumentalisieren. Mich macht das unheimlich wütend.

  4. @Pándorà: das Video muss direkt in YT aufgerufen werden, über die Einbettung ist es gesperrt

  5. Kann es sein, dass die Dortmunder Polizei jetzt schon mit ihrem „Fanbrief“ auf Krawall gebürstet ist? Wir sind doch noch gar nicht da!? Und wir können nur so kommen,wie unsere Züge es zulassen! Auch vor zwei Jahren sind wir fröhlich aus den Zügen raus,allerdings grenzte die Organisation der Stadt an einem Desaster und ich war froh, dass unsere Leute Schlimmeres verhindern konnten!

  6. @katha Vor zwei Jahren hielten die Fanzüge im Hauptbahnhof und nicht am Stadion. Der letzte Zug kommt gut zwei Stunden vor Anpfiff an (laut Plan). Das ist zwar knapp nach Polizeiplanung, aber auch noch nicht katastrophal. Ich bin auf die Absperrungen gespannt, die so eine Massenbewegung wie damals verhindern sollen. Und ich bin gespannt, ob der Einsatzleiter wirklich wie angekündigt lieber den Anstoß verschieben lässt, als die Sicherheit der Zuschauer zu gefährden. Vor zwei Jahren sah das noch anders aus.

  7. Wenn ich mich recht erinnere, wurde vor 2 Jahren der Anpfiff verschoben – glaube um 15min. Bin mir aber nicht sicher.

  8. Letztes Mal würde erst mit 30 Minuten Verspätung angepfiffen. Statt 20.30 Uhr erst um 21 Uhr. Geholfen hat es nicht ganz so viel.

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