Was die Polizei vor dem Dortmund-Spiel empfiehlt: Rechtzeitige Anreise

Das Spiel in Dortmund bestimmt die Themen der Berliner Medien und sicher die Gespräche all derer hinfahren. Interessanterweise arbeiten sich die Berliner Medien nur am sportlichen Thema ab. So wird Felix Kroos’ neue Rolle als Nicht-mehr-Stammspieler thematisiert (Berliner Zeitung, Kurier), natürlich auch das Thema Favoritenrolle gestreift (Tagesspiegel). Die liegt noch mehr als vor 2 Jahren beim letzten Aufeinandertreffen im Pokal bei Borussia Dortmund. War Union 2016 der Underdog, dann ist das Team heute angesichts der Offensivkraft der Gastgeber wirklich nur mit einer Außenseiterchance dabei. Gerade auch, weil das Toreschießen zuletzt so schwer fiel und Torgefahr benötigt werde im Pokal, um vielleicht doch weiterzukommen (Morgenpost, BZ). Im Gegensatz zu den letzten Spielen viel zu tun bekommen wird Torhüter Rafal Gikiewicz (Bild). Ihr seht: Ein bunter Strauß an Themen.

Weiterlesen

Profifußball: Im Osten geht schon lange nicht mehr die Sonne auf

Ich bin heute morgen über einen Tweet gestolpert, der mich etwas stutzig gemacht hat:

Danach musste ich erst einmal die Drittligatabelle genauer studieren. Bei noch sieben ausstehenden Partien sind die Mannschaften aus Ostdeutschland im Prinzip aus dem Aufstiegsrennen raus: Cottbus (Platz 6, sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz), Halle (Platz 7, neun Punkte Rückstand) und Erfurt (Platz 8, neun Punkte Rückstand) haben nur noch theoretische Chancen. Chemnitz (Platz 10) und Dresden (Platz 12) sind jenseits von gut und böse. Rostock (Platz 15) muss aufpassen, dass die Mannschaft nicht noch in die vierte Liga abstürzt.

Dazu steht noch Aue in der Zweiten Liga seit gestern Abend auf einem direkten Abstiegsplatz. Für nahe Auswärtsspiele in der nächsten Saison sieht es mau aus. Vielleicht können wir uns mit Sky darauf einigen, dass auch Spiele gegen Braunschweig oder Nürnberg als Ostderbys gelten…

Union - Cottbus 2012/13Foto: Matze Koch

Bei aller Sentimentalität, die diejenigen haben, die Mannschaften aus der dritten oder vierten Liga (FC Carl Zeiss Jena …) noch vor über 25 Jahren im Europapokal haben spielen sehen, sehe ich keinen Grund für Alarmstimmung. Jedenfalls nicht speziell in Ostdeutschland. Erstens ist die 3. Liga auch Profifußball. Und zweitens gibt es zwei strukturelle Voraussetzungen, die Bundesliga-Fußball in Ostdeutschland enorm erschweren. Es gibt zu wenige Metropolregionen und Kapital hat sich aus historischer Sicht logischerweise nicht in Ostdeutschland gesammelt. Mindestens einer dieser zwei Faktoren ist aber zur Finanzierung mittlerweile zwingend notwendig. Ohne Metropole und die damit einhergehende Werbebedeutung für eine Region funktionieren in der Bundesliga nur noch Hoffenheim, Wolfsburg und Leverkusen. Diese Vereine funktionieren durch einzelne Kapitalgeber und hebeln damit die Gesetzmäßigkeit aus, dass eigentlich nur noch Großstädte die Chance auf Bundesliga-Fußball haben.

Nur Dresden und Leipzig haben eine reelle Chance auf Bundesliga

Was bedeutet das für den Ostfußball? Es heißt, dass eigentlich nur Dresden und Leipzig (jeweils noch über 500.000 Einwohner) noch Voraussetzungen für den finanziell aufwändigen Profifußball haben. Deshalb ist der Schritt von RB, nach Leipzig um so logischer zu verstehen. Mit Abstrichen ist noch in Chemnitz, Halle und Magdeburg Potential. Erfurt und Rostock sehe ich wackelig. Eine Großstadt ohne Profifußball ist auch kein spezielles ostdeutsches Phänomen. Fragt mal in Essen nach.

Das ist allerdings nur die Betrachtung der Voraussetzung einer Metropolregion als Einzugsgebiet und der Chance der Klubs als Werbeträger in dieser Region. Hinzu kommt die Finanzkraft der Region. Hier stößt Union mit Berlin-Brandenburg bereits an Grenzen. Wie es um die Finanzkraft von regionalen Firmen in Ostdeutschland bestellt ist, überlasse ich eurer Phantasie.

Als weitere Faktoren neben dem sportlich guten Händchen würde ich noch ausmachen: Good Governance im Verein (seriöses Wirtschaften), Nichtvorhandensein von rechten bzw. Hooliganstrukturen (niemand möchte in solch einem Umfeld werben) und die Anziehungskraft des Vereins in der Region. Eine ruhmreiche Vergangenheit ist nettes Beiwerk, aber nicht zwangsläufig notwendig. Für Union haben diese Faktoren eine ebenso wichtige Bedeutung. Der Verein ist darauf angewiesen, in Zukunft noch mehr finanzielle Ressourcen zu erschließen, wenn er alleine in der Zweiten Liga mithalten möchte.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren halte ich es eigentlich für normal, wenn nur zwei bis vier Vereine aus Ostdeutschland in Bundesliga und Zweiter Liga spielen. Alles andere ist die Ausnahme.

Und als kleinen Hinweis zu dem Tweet ganz oben: Hertha spielt als einziger Verein in Ostdeutschland in der Bundesliga. Wird ja manchmal vergessen, dass der andere Berliner Verein nicht im luftleeren Raum antritt …

Union in den Medien

Medial spielt der Systemwechsel von Viererkette auf Dreier-Abwehr eine Rolle (Berliner Zeitung und Morgenpost). Bild/BZ beschäftigt Polters aufwändige Spielweise. Unser Podcast fällt osterbedingt dieses Mal aus. Wir waren alle mit Eiersuchen beschäftigt …

Für den geplanten Doku-Film “Wir sind die Kranken“, der sich mittels Crowdfunding finanzieren möchte, gibt es einen ersten Trailer. Mehr Infos kommen später.