Eine Lizenz mit Bedingungen, viele Fragen und keine Antworten

Mit Spiel-Lizenzen verstehe ich keinen Spaß. Schon gar nicht, wenn es um Union geht. Aber dieses kribbelige Gefühl der 90er und frühen 2000er Jahre hatte ich schon fast vergessen. Bis gestern Union selbst damit herausrückte. Der Verein muss bis zum 3. Juni Bedingungen erfüllen, um die Lizenz zu erhalten.

Foto: Matze Koch

Das klingt nach Gelber Karte und ist es auch. Auf der Vereinswebsite sagt Präsident Dirk Zingler dazu:

Die Konzernlizenzierung, in der neben der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Vereins auch die Belastungen aus Bau und Betrieb unseres Stadions betrachtet werden, verlangt uns große Anstrengungen ab. Alles alleine und aus eigener Kraft zu stemmen, ist kein leichtes Unterfangen, aber wir werden die Bedingungen fristgerecht erfüllen.

Mich würde schon interessieren, was der Haken ist. Ist es das positive Eigenkapital, das jeder Verein aufzubauen verpflichtet ist? Oder liegt es wirklich an der Stadion AG, wie Kurier und Morgenpost meinen? So ganz sicher bin ich mir dabei nicht, sehe aber seit vielen Monaten die Anstrengungen, das Stadion profitabel zu machen. Die Lizenzierung schaut sich vor allem die Leistungsfähigkeit in die Zukunft gerichtet an. Und zwar gewöhnlich nur für die nächste Saison.

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Es ist mehr als unbefriedigend, aber ich kann ohne weitere Informationen einfach keine Schlüsse daraus ziehen. Außer, dass es weiter so ist, dass Vereine durchaus einen Wettbewerbsvorteil haben, denen gegen günstige Miete ein vom Steuerzahler errichtetes Stadion inklusive Cateringrechte zur Verfügung gestellt wird. Denn solch einen Bau profitabel zu betreiben ist eine große Herausforderung. Da macht es sich gut, alle Risiken als Bad Bank beim Steuerzahler zu hinterlassen.

Aber ändert ja nichts an der Lage von Union. Ebensowenig wie das Wissen darum, dass es bei der aktuellen Lizenzierung auch andere Vereine mit Bedingungen erwischt hat. Mich persönlich beruhigt auch nicht, dass schon alles gut werden wird. Ich hätte gerne Informationen dazu. Einfach weil ich schon einmal eine Saison abgefeiert habe und danach alles nichts mehr galt.

Ich weiß nur: Mehr beim Verein sparen als bisher ist nicht möglich, ohne in den Geschäftsbetrieb einzugreifen. Deswegen kann die Lösung nur lauten: Investieren, um die Einnahmesituation in Zukunft zu verbessern. Sparen selbst ändert daran ja nichts. Mich würde mal interessieren, ob die DFL-Lizenzierung überhaupt Investitionen vorsieht, die mal für einige Jahre die Bilanz verhageln.

Sportliche Themen treten aktuell etwas zurück

Wen angesichts dieses Themas das Befinden von Roberto Puncec oder Mo Amsif interessiert, der wird bei BZ oder Bild glücklich.

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4 Gedanken zu „Eine Lizenz mit Bedingungen, viele Fragen und keine Antworten

  1. Das Eigenkapital kann eher nicht der Aufhänger für die Bedingungen sein, da die Verbesserung des negativen (!) EKs unter Auflagen für die kommende Saison fallen würde. Wichtiger für die Lizenz ist die Liquiditätssituation (laufende Einnahmen vs. laufende Ausgaben übers Jahr gesehen). Vielleicht müssen wir eine Liqiditätsreserve in Höhe X nachreichen? Näheres siehe Anhang IX der Lizenzordnung (LO) der DFL. Ich hoffe, wir werden da zeitnah durch den Verein aufgeklärt.

  2. Ich habe seit gestern auch ein grummeln im Magen, auch wenn ich Herrn Zingler natürlich vertraue, wenn er sagt, dass die Bedingungen erfüllt werden. Ich fand die Zahlen bei der letzten Mitgliederversammlung jetzt auch nicht so schlecht, immerhin hatten wir wieder einen positiven Jahresabschluss. Aber nagut, es hilft ja alles spekulieren nicht, jetzt müssen wir tatsächlich abwarten.

  3. Ich hab eigentlich keine Sorgen, dass das nicht gutsusgeht. Aber warum wird der Jahresabschluss des Vereins und der Konzernabschluss der Vereinsgruppe eigentlich nicht einfach auf der Homepage veröffentlicht? Sind das riesige Geheimnisse die den normalen Unioner nichts angehen? Transparenz würde wilden Spekulationen vorbeugen…

  4. Pingback: Die Suche nach dem Polter-Ersatz im Sturm läuft weiter | ***textilvergehen***

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