Kaffeeberliner

Die Spielzeit ist beinahe vorüber und es wird langsam Zeit, ein Fazit zu ziehen. Der Aufstieg in den von Vereinsseite als “DFL-Bereich” titulierten Elitekreis der 36 besten Mannschaften führte für die Anhänger des 1. FC Wundervoll zu einer Umgewöhnung. Der Spieltag findet nun an vier verschiedenen Tagen zu komplett unterschiedlichen Anstoßzeiten statt.

Vor allem die Termine am Sonnabend und Sonntag sind eine Herausforderung. Das gilt für Familien genauso wie für Singles. Der Besuch eines Fußballspiels muss mittlerweile streng in die Wochenplanung eingebaut werden. Sei es, dass der Mittagsschlaf der Kinder bereits drei Tage früher begonnen wird, zeitlich vorzuziehen. Auf dass das Kind am Spieltag bereits um 10 h morgens mit den Mittagschlaf beginnen kann und pünktlich zum Gang ins Stadion wach ist. Für den anderen Teil der Stadionbesucher ist das Weckerstellen vor dem Spieltag zur Pflicht geworden. Gefrühstückt wird dann im Stadion das Menü “Alte Försterei”. Eigentlich überflüssig zu sagen, dass das Kaffeeangebot ausgebaut werden sollte. Vor dem Anpfiff ein doppelter Espresso anstatt wie früher ein Halbliterbecher Bier ist das Gebot der neuen DFL-Zeit.

Das gleiche betrifft die Planung von Auswärtsspielen. Anstatt wie früher bestimmte Arbeitstage mit den fußballfremden Kollegen zu tauschen, gilt es jetzt dem Chef die in der Bewerbung vorgegaukelte Flexibilität abzuverlangen. Zwei Wochen vor dem Spiel eine Ansetzung als Freitags- oder Montagsspiel zu erfahren, ist dafür eine echte Bewährungsprobe. Gleiches gilt für Freitagspiele nach Europapokalspieltagen oder Qualifikationsspielen der Nationalmannschaften. Da kann es schon einmal vorkommen, dass der Anhänger 18 Uhr alleine im Stadion steht, weil das Spiel der eigenen Mannschaft erst 20.30 h angepfiffen wird. Als Ausgleich für ein nichtstattfindendes Bundesligaspiel am Freitag.

Nebeneffekt des Aufstieges aus der 3. Liga ist natürlich, dass bei Auswärtsspielen nicht mehr der einzige Ticker beim Abstürzen beobachtet werden muss, weil einige Anhänger ihre Finger nicht von der F5-Taste lassen konnten. Die zweite Liga kommt bequem in das Café der Wahl. Und so ist ein Spiel auf dem Betzenberg auch mal bei Kaffee und Käsekuchen zu genießen. Ganz ohne buckelige Verwandtschaft. Mit Freunden.

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