Es ist nie zu früh für Sechs Punkte

Der 1. FC Union spielt heute in Augsburg, und es ist keine Übertreibung, zu sagen, dass es ein Sechs-Punkte-Spiel ist. Daran ändert auch nichts, dass es erst der zweite Spieltag ist, oder dass man für jeden Sieg nur drei Punkte bekommt. Union braucht in dieser Saison ein paar Siege, und Niederlagen für andere Mannschaften, und heute hat man in Augsburg Gelegenheit für beides zu sorgen. (Auf diesen Punkt hebt auch das New Yorker Union-Blog in seiner Vorschau ab.)

Apropos Christian Gentner: Er wird nicht spielen können, berichtet Bild (Bezahl-Link). Dass Gentner angeschlagen war, hatte Urs Fischer schon in seiner Pressekonferenz am Donnerstag gesagt. Angesichts der Tatsache, dass Gentner zum Auftakt nach einer Halbzeit, in der er kaum Aktionen hatte, ausgewechselt wurde, und dem Fakt, dass sich noch kein Stamm-Mittelfeld bei Union herausgebildet hat, sollte man diesen Ausfall aber sicher nicht überbewerten.

Auch Florian Hübner und Maurice Arcones (Opfermann, wie Urs Fischer sagt) werden fehlen. Und von wegen fehlen: Für einige Sitzplatz-Auswärts-Karten gibt es in Augsburg eine Tageskasse.

Spiel-Plan

Das Spiel gegen Augsburg wird eher kein Festival des wunderschönen Ballbesitz-Fußballs werden. Denn es ist nicht zu erwarten, dass Union auch in so einem Spiel von seinem übergeordneten Plan abrücken wird, der mehr Schnellangriffe und Umschalt-Aktionen als geordneten Spielaufbau vorsieht.

Aber auch gegen Leipzig hat sich ja in Ansätzen gezeigt, dass Union mit diesen Schnellangriffen zu guten Szenen kommen kann. Denn es gibt Spieler (wie Christopher Trimmel), die eröffnende Bälle dazu auch in der Bundesliga spielen können, und es gibt Außen, die den Raum dazu mit Geschwindigkeit öffnen und nutzen können.

Die Frage ist dann natürlich, wie viel Platz Augsburg Union dafür lässt. Im ersten Spiel der Schwaben, dass sie genauso hoch wie Union gegen eine Spitzenmannschaft verloren haben, hat Augsburg vor allem versucht, in einem tiefen Block zu verteidigen. Das hat nicht funktioniert. Sie haben aber auch hin und wieder mal versucht, höher anzugreifen. Und in Ballbesitz zuerst im Zentrum in die gegnerische Hälfte zu spielen, und dann im letzten Drittel die Angriffe nach Außen zu verlagern. Zumindest die ersten Schritte dieser Angriffe waren gar nicht so unerfolgreich. Wenn es aber gelingt, diese Pässe abzufangen, gibt es auch Platz für Konter.

Und erinnert ihr euch noch an die Rants und Kommentare im Tagesspiegel in letzter Zeit? In der Zeitung ist jetzt ein entgegengesetztes Meinungs-Stück erschienen, in dem Kit Holden, einer der Engländer, die zu Union gefunden haben, erklärt, warum das so ist.

Rafal Gikiewicz, Unioner des Jahres?

Zwischendurch ist Rafal Gikiewicz noch für die letzte Saison und seine starke Bilanz ausgezeichnet worden. Das Geld, das damit verbunden ist – 2500 Euro – spendet der Torhüter der Aktion “Eisern trotz(t) Handicap”, die sich für Unionerinnen und Unioner mit Behinderung engagiert.

Dass Rafal Gikiewicz Bewerbung um den Titel ‘Unioner des Jahres’ stark ist, wissen wir aber ja schon lange. Dieser Titel wird jetzt auch offiziell vergeben, hier kann darüber abgestimmt werden. Spenden für “Eisern trotz(t) Handicap” haben auch die Pokalsieger von 1968 gesammelt, schreibt der Verein.

Gegen Repression…

Die Junge Welt hat einige Fanhilfen aus verschiedenen Fanszenen nach einem Fazit der Saison gefragt. Nach dem ersten ist nun auch der zweite Teil dieser Befragung erschienen.

Und sonst so

Zwischen dem Chemnitzer FC und seinem (ehemaligem) Spieler Daniel Frahn wird es zu einem Gerichtsverfahren kommen. Der CFC hatte Frahn fristlos gekündigt, nachdem er zum zweiten Mal seine Affinität zum nazistischen Teil der Fanszene des Vereins bekundet hatte. Frahn klagt nun dagegen, schreibt die Freie Presse.

Dieser juristische Disput ist aber nicht das eigentliche Problem in Chemnitz. Das ist vielmehr, dass die rechtsextremen Gruppen dort offenbar die hegemonialen im Umfeld des Vereins sind. Das zeigt die Solidarisierung mit Frahn. Und das zeigen auch die Erfahrungen, die die wenigen Menschen machen, die sich im Umfeld des CFC aktiv gegen sie positionieren. Von den Bedrohungen, denen sich ein Mitglied des Fanklubs ‘Sektion Vielfalt ausgesetzt sieht, schreibt der Spiegel.

Nicht einzelne Vorfälle, sondern diese Vormachtstellung ist es auch, was das vereinbarte Test/Freundschaftsspiel zwischen Union und Chemnitz problematisch macht. Wenn man so ein Spiel veranstaltet, zumindest wenn man sich dabei nicht klar positioniert, legitimiert man inakzeptable Kräfte.

Zum Schluss

Etliche Leser*innen und Autor*innen dieses Blogs haben sich gestern in Spandau getroffen:


Als ich am Mittwoch Feine Sahne Fischfilet in Dresden gesehen habe, ist mir unwillkürlich dieses Union Lied eingefallen:

26 Gedanken zu „Es ist nie zu früh für Sechs Punkte

  1. Daniel, gutes neues Lied zum mitgrööölen…
    Ich wäre dabei…
    Eisern ♥️ ⚪ ⚽

  2. Chemnitz: Gegner in der Liga kann man sich nicht aussuchen. Die für Testspiel schon. Deshalb ist die entscheidung für cfc instinktlos. Gute gelegenheit für einen boykott

  3. Daniel Frahn wäre verrückt, wenn er gegen diese Kündigung nicht vorgänge. Rein arbeitsrechtlich hst er sich nichts zu Schulden kommen lassen, seine politische Einstellung spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle.
    Und zum Testspiel: Ich denke, wir treten an um dem CFC im finanziellellen Überlebenskampf zu helfen, und nicht um deren Kurve zu unterstützen. Womit für mich das Thema erledigt ist!

  4. Gerade weil der Verein auf dem rechten Auge blind ist und Fangruppen, die sich gegen den rechten Mob positionieren, bedroht werden, ist umso wichtiger hinzufahren und diese Fangruppen zu unterstützen. Wir dürfen uns nicht zurückziehen und den Verein sich selbst überlassen. Wenn tolerante und weltoffene Fans des CFC keine bunte Fahne hissen dürfen, da sie andernfalls Prügel beziehen, dann sollten wir hinfahren und diese Fahne in diesem Stadion hissen. Niemals auch nur einen Schritt gegenüber Nazis und rechter Gewalt weichen.

  5. Ich finde nicht, dass man mit einem solchen Spiel die rechte Szene beim Chemnitzer legitimiert. Und mir ist auch nicht klar, was Union da noch machen soll? Der Verein hat sich in Form von Dirk Zingler gestern beim RBB noch einmal klar positioniert und aber auch die Linie deutlich gemacht, lieber durch Taten als durch Worte zu sprechen. Was den Klub Chemnitzer FC betrifft, finde ich, dass der nicht noch zusätzlich ausgegrenzt werden darf. Und das täte man, würde man jetzt die Partie absagen.
    Das Daniel Frahn gegen die fristlose Kündigung juristisch vorgeht, halte ich für absolut normal. Ich würde jedem Arbeitnehmer einen Vogel zeigen, der das nicht macht. Da geht es schlicht und ergreifend um Geld. Und zwar immer. Es wird da sicher zu einer außergerichtlichen Einigung kommen wie häufig in solchen Fällen.

  6. “Nicht einzelne Vorfälle, sondern diese Vormachtstellung ist es auch, was das vereinbarte Test/Freundschaftsspiel zwischen Union und Chemnitz problematisch macht. Wenn man so ein Spiel veranstaltet, zumindest wenn man sich dabei nicht klar positioniert, legitimiert man inakzeptable Kräfte.” Dann darf man aber auch auf dem linken Auge nicht Blind sein und eben keine Artikel einer linksextremistischen Zeitung verlinken (Junge Welt).
    “Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet die Zeitung und sieht in ihr das „bedeutendste und auflagenstärkste Printmedium im Linksextremismus“.

  7. Junge Welt und Feine Sahne… Ganz wohl ist mir nicht dabei, als politisch neutraler.

  8. Zu Aspekten wie Neonazismus, Rassismus, Hass und Hetze kann man sich nicht „neutral“ verhalten, liebe(r) Majus.
    Entweder du findest das gut oder schlecht.

  9. @ Carsten
    Extremismus bekämpft man niemals mit Extremismus. Gestern war übrigens der Tag des Hitler-Stalin-Paktes.
    Wir müssen niemanden Schützenhilfe geben – das müssen Vereine intern klären.

  10. Schade, dass Menschen, die sich gegen Rassisten, Faschisten und andere rechte Hetzer einsetzen, immer wieder mit Linksextremisten gleichgesetzt werden.

  11. @ Carsten
    Du hast doch auf Majus so reagiert, der eben Linksextremisten benannt hat. Was läuft schief bei Dir?
    Ich bin auch politisch neutral und mir sind die beiden letzten Diktaturen in Erinnerung, weshalb ich jeglichen Extremismus ablehne.

  12. Wenn Widerstand oder auch nur Kritik gegen Nazis und Faschismus als Extremismus gilt, hat der Faschismus längst gewonnen.

    Die vermeintlich “politisch neutralen” sind bestenfalls extrem naiv oder nur zu feige ihre Zustimmung offen zu zeigen. Diese Nichtpositionierung toleriert Faschismus und diskreditiert demokratisches Engagement.
    Achja, Trolle gibt es auch viele, die stetig mit der herbeifantasierten “Hufeisentheorie” daherkommen und auf diese Weise rechtsextreme Ideologien als legitime “Meinung” verteidigt, solange nicht erst das vermeintliche Gegenstück gleichbehandelt würde.

  13. @majus
    Ich habe im heutigen SotU links gefunden, die von der BILD, Berliner Zeitung/Kurier, Tagesspiegel und der Jungen Welt kommen. Kein einziger Verweis zu Feine Sahne? Ich verstehe deine Meinungsäußerung nicht. Wenn dir Textilvergehen politisch nicht gefällt, brauchst du es nicht zu lesen.

  14. Ideologie sorgt immer für eine selektive Wahrnehmung…und Verbrechen im Namen des Guten.
    Menschlichkeit ist das oberste Gebot.

  15. Ich stimme Majus zu. Politisch Extreme Ansichten (hier betone ich wiedermal das ich damit Links UND Rechts meine) haben nichts im Fußball und speziell bei Union zu suchen. Gerade bei unserer Vergangenheit ist es zynisch, Blätter wie Neues Deutschland (altes SED BLATT!) oder Neue Welt als Quellen zu benutzen bzw. zu hofieren.

    Haarsträubend finde ich es dabei zu behaupten, dass man damit politisch rechtsextreme Ansichten toleriert oder keine Menschlichkeit zeigt. Wer so etwas behauptet, hat meiner Meinung nach einiges nicht verstanden.

  16. Interessant, das verlinken von Artikeln ist gleichbedeutend mit hofieren…
    Auserdem möchte ich noch darauf hinweisen, dass die extremen “Ansichten” in einem Teil des Spektrums seit nunmehr 30 Jahren nicht nur “Ansichten” bleiben, sondern sich immer und immer wieder in Morden, Mordanschlägen und Mordserien manifestiert haben…

  17. @Bastos: wer heute noch Neues Deutschland als altes SED Blatt bezeichnet, hat den Schützengraben des kalten Krieges noch nicht verlassen und nicht mitbekommen, welche Veränderungen es in Deutschland in den letzten 30 Jahren gegeben hat. Du solltest mal ein Neues Deutschland lesen, dann würdest du sehen, dass es kein altes SED Blatt mehr ist.

  18. @Eisernjuho
    Und Die Linke ist nicht die alte SED, richtig? :D

    Auf 3 Punkte heute. Eisern Union.

  19. 30 Jahre ist die Mauer weg und wann verschwindet die Mauer endlich aus den Köpfen? Sehr merkwürdig welche Wortwahl und Vergleiche hier gefällt werden ohne sich fachlich mit den Themen auseinanderzusetzen.

    Die Linke kann nicht die alte SED sein, da auch Bürger der alten Bundesländer Mitglieder der Partei sind. Um es in deiner Sprache auszudrücken: Wusste nicht das West-Bürger im Ost einer Partei angehören dürften. Zudem ist die Assoziation zu SED Blatt doch sehr weit hergeholt. Wusste bis heute nicht, dass das ND eine vom Staatsapparat gelenkte Zeitung ist.

    Aber zurück zum CFC: der Verein und die Fanszene brauchen Hilfe und keine Ausgrenzung. Andernfalls wird der Verein für immer ein Teil/Aushängeschild der rechten Szene sein.

  20. Bleiben wir doch im hier und jetzt, sonst ist jeder SPD Wähler auch Marxist, wenn wir schon zurückblicken ;o) Mir geht es ziemlich auf die Ketten eine Auslösehandlung gleich in ein politisches Meinungsbild einer Person oder -gruppen zu manifestieren ohne den/die Menschen zu kennen. Nix ist schwarz weiß! Das ist viel zu einfach. Zwischen “neutral” (was ist das eigentlich? So ein “ich höre an Musik eigentlich alles” Ding?) und Extrmismus überspringt man eine gewaltige Menge an Menschen!
    Und natürlich fährt man auch genau darum zum Spiel des CFC und tritt dort bunt und vielfältig auf um egal wem zu zeigen, dass wir rechtes Gedankengut nicht tolerieren.

    Freu mich auf Punkte aus der Puppenkiste gleich!

  21. Mal wieder zu viel Politik und zu wenig Sport. Ich muss die Seite wohl künftig meiden.

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