Hat Union jetzt die Strahlkraft des FC Bayern oder was will Adidas in Berlin?

Als Union gestern mit diesem von der Werbe-Agentur Jung von Matt Sports gestalteten Bild verkündete, dass adidas als Ausrüster von 2020 an einsteigen werde, habe ich doch die Augenbraue gelupft. Einerseits weil damit vielleicht die Preise für Trikots steigen werden. Aber vor allem weil Adidas sich meines Wissens aus dem Ausrüster-Geschäft für Mannschaften zurückziehen wollte. In der Bundesliga gibt es beispielsweise gerade nur den FC Bayern, der diese Marke als Ausrüster hat (hier die ganze Liste).

Noch im Sommer des vergangenen Jahres hieß es laut eines Unternehmenssprechers: “Im Zuge unserer Strategie konzentrieren wir uns noch stärker auf Partnerschaften mit jungen, aufstrebenden Spielern sowie auf Kooperationen mit ausgewählten Top-Vereinen und -Verbänden im internationalen Fußball.” (Aussage aus Die Welt).

Nun ist Union aus unserer Sicht sicher ein Top-Verein und aus Sicht vieler Zweitligisten vielleicht (finanziell) so etwas wie der FC Bayern der Zweiten Liga (ignorieren wir mal die jeweiligen Bundesliga-Absteiger), aber realistisch betrachtet ist Union aber vor allem das: ein Zweitligist. Und nun? Ab nächster Saison tragen Unions Spieler Schuhe von Adidas und ab übernächster Saison bis 2025 auch Trikots und so weiter.

Laut Kurier bringt das 700.000 Euro pro Jahr. Eine unglaubliche Summe für einen Zweitligisten. Ich bin beim Schuhwerk übrigens gespannt, was mehr zählt: Ein privater Ausrüstervertrag eines Spielers oder der Ausrüstervertrag des Vereins. Ich sehe das als Investment von Adidas in einen Verein, der vielleicht in die Bundesliga aufsteigen kann und durch seine Andersartigkeit in der Bundesliga auffällt. Und vielleicht ist es wirklich so, dass Adidas damit auch ein Statement gegen Nike und dessen zukünftige Europazentrale in Berlin setzt, wie die Morgenpost das bewertet.

Was auch immer der Vertrag wirklich beinhaltet und was die Beweggründe für Adidas sind, für Union ist das ein wirklich gutes Zeichen. Denn es zeigt auch, dass Unions kantige (und bisweilen kauzige) Außendarstellung einen Wert inmitten glattgebügelter Profiklubs hat. Das ist wirklich mal ein großer Vertrag mit einem Großen der Branche. Auch wenn vielleicht am Ende die Trikots teurer werden.

10 Jahre Michael Parensen

Michael Parensen im Wandel der Zeit

Michael Parensen im Wandel der Zeit, Screenshot: AFTV

Union hat gestern ein knapp viertelstündiges Video über Michael Parensens große Momente auf AFTV veröffentlicht. Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht, dass er mit 7 Treffern doch so viele Tore geschossen hat. Das Video ist eine hübsche Zeitreise, weil dort beispielsweise noch der alte Spielertunnel (oder eher überdachte Spielerbrücke) zu sehen ist. In Berliner Zeitung/Kurier erschienen gestern auch Beiträge über Parensen.

Vor dem Spiel heute Abend gegen Köln geht es in den Vorberichten vor allem um Neuzugang Carlos Mané (Bild/BZ, noch nicht online) und wie er potentiell Geschwindigkeit zu Unions Spiel beitragen kann, wie man Simon Terodde stoppen kann (Kurier) oder um das große Ziel Bundesliga-Aufstieg (Morgenpost). Ich denke noch nicht so weit, sondern wäre einfach froh, wenn Union die nächsten zwei Partien gegen Köln und beim FC St. Pauli so erfolgreich wie möglich gestalten kann. Dann können wir weitersehen.

Und sonst so?

Der RBB hat eine bemerkenswerte Recherche zur angeblich aufgelösten rechten Fangruppe “Inferno Cottbus” veröffentlicht, derzufolge die Gruppe die Fanszene unter einem anderen Label komplett dominiert. Es lohnt sich die 3 Beiträge zu lesen:

Und bei Tennis Borussia gab es gestern eine (in negativer Sicht) bemerkenswerte Mitgliederversammlung, die ihr unter dem Hashtag #tebemv auf Twitter nachlesen könnt. Man kann das durchaus als feindliche Übernahme eines Vereins durch kurz zuvor eingetretene Mitglieder sehen. Einen Kommentar dazu schreibt der Tagesspiegel hier und worum es im Hintergrund geht steht hier.

Statement des Vereins-Accounts auf Twitter, Screenshot: @tennisborussia

7 thoughts on “Hat Union jetzt die Strahlkraft des FC Bayern oder was will Adidas in Berlin?

  1. Tragisch was da bei TeBe passiert ist. Ich weiß, im nachhinein ist man immer schlauer und hat gut reden, ABER: ist es nicht extrem fahrlässig in der heutigen Zeit eine Satzung zu haben die:
    – (unbegrenzte) Stimmenüberschreibung
    – Stimmrecht quasi am Tag des Eintritts
    zulässt?
    Ich meine wie oft haben die aktiven Fans jetzt in den letzten Jahren ihren Verein vor Einzelbestimmern retten müssen, bzw haben Sonnenkönige TeBe in die Insolvenz getrieben? Mit dieser jüngsten Geschichte, plus den warnenden Beispielen von 1860 und H96 zum Thema 50+1 vor Augen – hat niemand in den letzten Jahren (als man durchaus die Möglichkeit hatte) daran gedacht die Satzung mit ein paar Schutzklauseln zu versehen, bzw zumindest diese Punkte entsprechend zeitgemäß anzupassen?

    Sorry, so leid wie mir das ganze tut aber bisweilen muss man sich auch den Vorwurf gefallen lassen es versäumt zu haben hier die Weichen zu stellen. Gerade mit der Historie an dubiosen “Vereinsführungen”.

  2. @Kai und ich sehe diese Entwicklung bei Tebe mit einem lachenden Auge und amüsiere mich. Sie haben es nicht anders verdient und man hätte ihnen da mehr Weitsicht gewünscht aber sollen sie sich ruhig zerfleischen oder auflösen.
    Die Fans können dann mit der S-Bahn zu ihren Freunden nach Babelsberg fahren.

    Und ja, ich bin nachtragend wg.der Vergangenheit zwischen TB und Union :-)

    Als objektiver Fan allerdings kann man darüber nur den Kopf schütteln, nur das ich bei TB sicher nicht objektiv bin ;-)

  3. Hatten wir gestern nicht mit dabei aber – bei den Schuhen zählen laut Verein private Ausrüster mehr als Adidas. Oder anders: Die Spieler dürfen weiter selbst entscheiden, welche “Arbeitsgeräte” sie verwenden. (so in etwa der O-Ton)

  4. TEBE? Ich habe nirgends gelesen wie es eigentlich weitergehen soll, also was die Pläne für die Zukunft sein sollen.
    Mal abgesehen davon, Fünftligist, Zuschauerschnitt 457. Nun ja.

  5. Ich stimme @Michael zu.
    Als Unioner sehe ich die Situation bei TeBe auch mit einem lachenden Auge und amüsiere mich. Ich habe mir gestern bei Twitter glatt ne Packung Chips aufgemacht. Ganz hervorragend alles.

    Und niemals vergessen: Lila Weiße ….

  6. Also ich finde es echt schade und traurig was bei TeBe grade abgeht. Dabei läuft es ja sportlich endlich wieder rund und es könnte nach vielen Jahren endlich wieder nach oben gehen! Bin damals echt gerne ins Mommsenstadion gegangen. Berlin könnte einen weiteren höherklassig spielenden Verein gut vertragen!

    Union ist ein gutes Beispiel dafür, wie man sehr erfolgreich etwas langfristig aufbauen kann und dabei die Fans mitnehmen kann! Auch ein sympathischer Verein!
    Eine gesunde Rivalität untereinander soll ja sein, aber Schadenfreude finde ich absolut unangebracht. Egal ob “Bluten für Union” oder “We Save TeBe”, ich habe beide Vereine schon unterstützt. Und ich wünsche beiden eine erfolgreiche Zukunft!

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