Der Saisonauftakt gegen Aue hatte alles, was Union ausmacht: Wiedersehen, Trauer und pure Freude

“Es gibt nichts Schöneres als das erste Spiel nach der Sommerpause”, sagte gestern eine Freundin, als wir ungefähr eine Stunde vor Anpfiff des Spiels gegen Aue schon auf der Tribüne standen. Und sie hatte recht, denn das ist der einzige Spieltag, in den alle ohne Ballast hineingehen. Die Hoffnungen gehen noch steil, und es wurden noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Das einzige ist die Ungewissheit. Als Union noch nicht die Haupttribüne hatte und die Wege der sportlich Verantwortlichen noch etwas sichtbarer waren als heute, saß Nico Schäfer vor dem ersten Spiel mal rauchend auf der Treppe des Mannschaftscontainers. Nicht weil er kein Zutrauen in die neuen Spieler hatte, sondern weil er nicht wusste, ob das alles so gut passt wie es sich in der Vorbereitung anfühlt. Denn mit dem ersten Spieltag ist das alles weg. Jeder Eindruck aus der Vorbereitung zählt nicht mehr.

Trainer Urs Fischer vor Anpfiff, Foto: Stefanie Fiebrig

Und diese Nervosität, die damals Nico Schäfer umgab, die konnten wir auch bei der Union-Mannschaft spüren. Nicht, weil die Spieler plötzlich schlecht spielten oder sich nichts trauten. Es war mehr so das Selbstverständnis, das den Bemühungen der Mannschaft im Spiel nach vorne abging und der allzu verständliche Drang, lieber auf Nummer sicher zu gehen. Lieber einmal zu viel zu Rafal Gikiewicz zurückgespielt als den Ball verlieren. Das hatte den schönen Effekt, dass von Aue nach vorne bis auf 3 Aktionen in der ersten Halbzeit (einmal ein Freistoß, den Gikiewicz zur Seite abwehrt und zwei Querspiele im Strafraum, von denen Nazarov die letzte eigentlich verwandeln muss) nichts kam. Aber auch von Union kam offensiv nicht viel. Fernschüsse und Standardsituationen. Die erste torgefährliche Aktion im Strafraum (ein Kopfball von Sebastian Andersson) kam erst nach gut einer Stunde.

Was mir sehr gut gefallen hat, waren die Pässe von Manuel Schmiedebach direkt nach vorne. Schon allein dafür hatte sich eigentlich die Aufstellung von lauf- und dribbelstarken Spielern wie Kenny Prince Redondo, Marcel Hartel und Andy Gogia gelohnt. Auch wenn noch nicht jeder Laufweg passte und häufig der erste Ballkontakt und die Mitnahme nicht perfekt waren (hier sind wir aber auch von Steven Skrzybski in der zweiten Halbserie der vergangenen Saison verwöhnt), so gefiel mir, dass daraus eine gewisse Dynamik entstand und wir kein Ballgeschiebe vor dem gegnerischen Strafraum sahen. Wenn sich die Mannschaft hier besser zusammen findet, werden wir sicher an der Offensive viel Spaß haben. Sebastian Andersson als Zielspieler machte sich auch gut.

Was uns alle sicherlich überrascht hat, war die Aufstellung der Innenverteidigung mit Michael Parensen statt Lars Dietz. Hier hat Trainer Urs Fischer sich letzten Endes dann für Erfahrung entschieden. Das passte im Großen und Ganzen, auch wenn ich mich erst noch daran gewöhnen muss, dass die Innenverteidiger nach dem Weggang von Toni Leistner auch mal ein Kopfballduell verlieren können. Zu sehen war auch, dass beide Außenverteidiger in Sprintduellen mit schnellen Konterstürmern vor allem darauf setzen müssen, ein gutes Stellungsspiel an den Tag zu legen. Denn mit der Schnelligkeit können sie nicht mithalten. Alles in allem zeigte die Mannschaft aber genau das, was Urs Fischer als Teil des Saisonziels ausgegeben hatte: Stabilität. Aues Läufe in die vermeintlich freien Räume liefen häufig ins Leere und nur bei Diagonalbällen hatte Union einige Probleme.

Nach dieser kurzen, etwas kritischeren Analyse, können wir uns nun ungehemmt freuen über das feine Standardtor von Felix Kroos zum 1:0. Nachdem Union in der vergangenen Saison nicht ein direkter Freistoßtreffer gelang, war das ein passender Auftakt in diese Spielzeit. Dieser Treffer war so schön, dass Martin Männel im Tor von Aue nicht einmal den Versuch unternahm, so zu tun, als ob er den Ball erreichen könnte. Ich möchte hier auch nicht hören, dass das Spiel 0:0 ausgegangen wäre. Denn es ist diese Qualität, die Union hat und einwechseln kann, die dann den Unterschied macht.

Felix Kroos gönnen ich nach dem Kapitänswechsel diese Genugtuung ganz besonders.

Ich würde sehr gerne in den nächsten Spielen mal sehen, wie Felix Kroos und Manuel Schmiedebach zusammen auf dem Platz harmonieren. Denn ich glaube, dass Union noch nie so spielstark auf diesen Positionen unterwegs war. Aber das hängt tatsächlich davon ab, wie viel Trainingsrückstand Kroos nach seiner Verletzungspause in der Vorbereitung hat, und vor allem gehe ich davon aus, dass Union in der nächsten Partie gegen Köln vor allem auf Kompaktheit und schnelle Konter setzen wird. Etwas mehr zur Rollenverteilung von Manuel Schmiedebach und Grischa Prömel könnt ihr in der Taktik-Analyse bei Eiserne Ketten nachlesen.

Hier findet ihr Fotos vom Spiel:

Und hier die Berichte der Berliner Medien:

Auch beim Hüpfen vor der Waldseite gab es noch Abstimmungsprobleme in der Mannschaft. Aber das sollte sich ebenfalls im Saisonverlauf ergeben.

Besonders nahe ging mir die Verabschiedung der verstorbenen Unioner in der Halbzeitpause, als Christian Arbeit einen Brief des in Indonesien verunglückten Maurice vorlas:

Gänsehaut in der Halbzeit. #RIPMaurice #fcuaue @1.fcunion

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Und gefreut habe ich mich über dieses Banner, das Bezug auf ein Shirt eines Union-Auswärtsfahrers in London nahm:

Ach, es ist so schön, wieder zusammen ins Stadion zu gehen. Das kann keine TV-Übertragung leisten. Die zeigte gestern nur ein an Höhepunkten armes Spiel. Wir aber weinen um Maurice in der Halbzeitpause, freuen uns über das Wiedersehen mit unserer Bezugsgruppe und bierduschen nach Felix’ Tor.

Und sonst so?

Damir Kreilach hat Bastian Schweinsteiger mal gezeigt, wo der Bartel den Most holt:

Die Tore könnt ihr euch hier ansehen:

Toni Leistner hingegen verlor das erste Ligaspiel mit QPR 0:1 gegen Preston North End.

Und noch etwas in eigener Sache: Wir fahren heute in den Urlaub. Das ist einerseits sehr schön (für uns), kann sich aber hier etwas negativ auswirken, da wir dort eher maues bis gar kein Internet haben. Wir versuchen trotzdem den “State of the Union” und den Podcast weiter zu veröffentlichen. Aber seht es mir nach, dass ich vielleicht nicht um 23 Uhr noch 10 Kilometer fahre, um an einem Ort mit Internet den Podcast hochzuladen, sondern das dann erst am nächsten Tag mache.

6 Gedanken zu „Der Saisonauftakt gegen Aue hatte alles, was Union ausmacht: Wiedersehen, Trauer und pure Freude

  1. Den Urlaubsgrüßen schließe ich mich an.

    Hast du die Möglichkeit den Text zum Abschied an Maurice nochmal online zu stellen? Ich stand zu dem Zeitpunkt gerade für Purzelchen an und hatte dazu noch zwei Kinder bei mir…wäre super

  2. Der Bitte um Veröffentlichung des Briefs und den Urlaubswünschen schließe ich mich an…

  3. Schöne Tage und erholt euch gut.

    Nicht desto trotz, so wie gestern brauchen wir gegen Köln nicht auftreten, da können wir lieber gleich Zuhause bleiben.
    Vorne nix und Hinten Glück.

  4. Ja, um Euphorie zu schüren, taugte das Spiel nicht. Dafür sah es zu sehr noch nach dem Hofschneider-Stil aus. Andererseits könnte gerade das bisschen mehr Stabilität am Ende den Unterschied machen. Dennoch: Offensiv war erst nach den Einwechselungen (v.a. Hedlund) ein bisschen Zug drin.

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