Felix Kroos ist im offensiven Mittelfeld deutlich wertvoller

Felix Kroos hatte im Trainingslager die Berichterstattungzur Kenntnis genommen, in der es darum ging, dass er womöglich nicht mehr Kapitän sein werde. Und in diesem Kontext sind die Aussagen des zentralen Mittelfeldspielers zu sehen, die Morgenpost, Kurier und Bild/BZ dokumentieren. Da ging es zum einen um die Aufarbeitung der vergangenen Saison, in der es nicht gelungen ist, die individuelle Qualität der Spieler als Mannschaft auf den Platz zu bringen. “„Wir müssen wieder mehr als Einheit auftreten. Es waren auch zu wenig Spieler da, die Verantwortung übernommen haben. Eindeutig zu wenig. Da erhoffe ich mir mehr von einigen Spielern“, sagte Kroos gestern. Wenn ich mir die Verpflichtungen von Union anschaue, dann passen die auch zur Diagnose von Kroos, indem vor allem auf fertige Profispieler, die schon einiges erlebt haben, gesetzt wurde. Und das ist vielleicht die Chance für andere Spieler, sich an denen zu orientieren und persönlich weiter zu entwickeln.

Felix Kroos im Trainingslager Klosterpforte, Foto: Michael Hundt/Matze Koch

Ich war nicht wahnsinnig überrascht, dass sich an Felix Kroos ein gewisser Graben durch die Kommentare zieht. Es gibt Leute, die finden ihn super (und ich gebe zu, dass ich dazu gehöre) und es gibt Leute, die einfach mehr von ihm sehen wollen. Um eine bessere Grundlage für diese Diskussion zu haben, habe ich Daniel von Eiserne Ketten gebeten, mir mal die relevanten Daten zu Felix Kroos’ letzter Saison zusammenzusuchen und zu bewerten. Er hat auf die Daten von whoscored.com zurückgegriffen. Hier sind die Daten als Screenshots, die Daniel genutzt hat:

Und das ist, was Daniel dazu sagt;

Die Auswahl zeigt jeweils zentrale Mittelfeldspieler (beziehungsweise die Spieler in den Einsätzen, die von Opta so klassifiziert werden), die mehr als 5 Spiele gemacht haben, mit allen Statistiken pro 90 Minuten gerechnet.

Abschlüsse
Kroos ist Durchschnitt in Bezug auf die Anzahl von Abschlüssen, fast alles Fernschüsse. Er hat also aus seiner Rolle kaum Situationen gehabt, in denen er im Strafraum angekommen ist, um Angriffe in der zweiten Welle zu verwerten. Das machen Leute wie Neuhaus schon (der dribbelt da aber auch selber rein). Bei anderen, wie Damir, kommen Standard-Abnahmen dazu. Alles mehr eine Funktion der Rolle als seiner Qualitäten, aber nicht nur.

Abgefangene Bälle
Während Prömel da sehr gut ist (natürlich nicht so überragend wie Dominic Peitz…), ist Kroos unterdurchschnittlich. Das ist nicht so super für seine Position, fehlt vielleicht doch ein bisschen Dynamik/Tempo/Antizipation.

Zweikämpfe
Kroos auch da hinter Prömel, aber ligaweit hohem Wert von geführten Zweikämpfen, von denen er aber mehr verliert als vergleichbare Spieler. Defensiv insgesamt nicht super effektiv.

Torschussvorlagen (‘key passes’)
Unterdurchschnittlich, spielt dazu halt zu weit hinten, das hatten wir ja oft genug besprochen. Schießt auch keine Freistöße/Ecken wie andere weit vorne in der Liste.

Pässe
Obwohl Union eine der Mannschaften mit mehr Ballbesitz war, ist Kroos Wert für gespielte Pässe (kurze wie lange) überdurchschnittlich, aber bei weitem nicht Spitze. Das hatte damit zu tun, dass Union mit dem Spielaufbau nicht immer ins Mittelfeld gekommen ist, und da relativ wenig kombiniert hat. An beidem war Kroos aber auch beteiligt. Außerdem auch wieder relativ viele Fehlpässe.

Dribblings
Unterdurchschnittlich viele, okaye Erfolgsquote.

Verlorene Zweikämpfe am Ball
Mittelmäßig pressingresistent.

Um Whoscored mit ihrer (nicht so super verlässlichen) automatischen Schwächen/Stärken Analyse zu zitieren: Player has no significant weaknesses.

Aber: Man fragt sich auch, was Kroos der Mannschaft denn bringt: er hat sehr wenige markante Offensivaktionen. Er ist defensiv insgesamt nicht sehr wirkungsvoll. Er trägt nicht wirklich dazu bei, den Spielaufbau nach vorn zu richten oder sehr sicher zu machen (hier wären fortgeschrittene Statistiken aber interessant, die zeigen, wie weit er den Ball nach vorne bringt).

Wie gestern schon gesagt, hat Felix Kroos in der vergangenen Saison vor allem im defensiven Mittelfeld gespielt. Und die kurze Analyse von Daniel ist eigentlich eine fast komplette Argumentation dafür, ihn seinen Stärken entsprechend weiter vorne einzusetzen. Dazu kommt, dass Unions Spielaufbau in der vergangenen Saison zwar über die Innenverteidigung stattfinden sollte, sich aber die Sechser wie Kroos eher noch haben fallen lassen, so dass der Aufbau relativ einfach zugestellt werden konnte.

Und sonst so?

Ich weiß nicht, für wie viel Kopfzerbrechen die Nachricht aus Birmingham gesorgt hat, dass der englische englische Ligaverband sich geweigert hat, Kristian Pedersen als Spieler zu registrieren. Grund dafür sollen das nicht eingehaltene Financial Fair Play gewesen sein, weshalb der Klub nun von der Liga unter ein Transfer-Embargo gestellt wurde. All das hatte zuerst das Blog almajir.net berichtet, dessen Informationen später auch von anderen Reportern bestätigt wurden. Dieses Transfer-Embargo kann aufgehoben werden. Kristian Pedersen trainiert weiterhin in Österreich mit dem Team.

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Der Kicker hat in seiner Montagsausgabe ein langes Interview mit Torsten Mattuschka geführt. Ein paar ganz kleine Ausschnitte daraus gibt es in der BZ.

Und wir haben gestern unseren vorletzten WM-Podcast aufgenommen:

Zur deutschen Nationalmannschaft wird gerade viel gemeint. Ich bin mir weiterhin ziemlich sicher, dass es hier fast gar nicht um sportliche Dinge geht, sondern die Popularität der Nationalmannschaft dazu benutzt wird, aktuellen gesellschaftlichen Debatten ein Gesicht zu geben. Dass es schwierig ist, komplexe Themen wie Integration, Werte und Migration auf einen Satz, ein Bild zu reduzieren, versteht sich von selbst. Ich finde, dass dieser Beitrag im Blog Spielbeobachter einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben in Berlin zeigt und uns zum Nachdenken anregen kann.

Die Süddeutsche Zeitung kommentiert in Bezug auf die Nationalmannschaft, dass der DFB das Team habe, das er verdiene. Ich würde auch sagen, dass ein Verband, der mit ungeklärten Zahlungen (manche würden es auch Korruption nennen) und äußerst geringem Aufklärungswillen bei diesem Thema vielleicht nicht allzu laut über Werte reden sollte.

In Sachsen hat die Polizei über Jahre gegen die Ultras der BSG Chemie Leipzig wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt und dabei Telefongespräche mit über 400 Personen abgehört (LVZ). Das Verfahren wurde ergebnislos eingestellt. Woraus sich der Anfangsverdacht überhaupt ergeben hat, ist nicht klar.

Zum Thema schöne neue Stadion-Welt gibt es diesen Text aus dem Oberbayerischen Volksblatt. Für mich klingt das wie der blanke Horror und es macht mich fast schon wahnsinnig, dass die vollkommen überzeichnete Stadion-Vision mit dem Google-Dome in Berlin aus dem neueren Union-Theaterstück dagegen schon wieder harmlos herüberkommt.

Und weil wir es uns verdient haben, auch weiter zu lachen, hier ein Tor, dass tatsächlich wie vernagelt war:

5 Gedanken zu „Felix Kroos ist im offensiven Mittelfeld deutlich wertvoller

  1. Wäre es nach Statistik gegangen hätte Löw auch Petersen mitnehmen können der angesichts seiner Einsätze eine hohe Torquote hatte ;-)

    Ich bleib bei meiner Kritik das Felix Kroos bisher zu wenig zeigte. Und ein Kapitän ist er in meinen Augen auch nicht. Er muß nicht jede Woche das entscheidende Tor schiessen aber als Kapitän erwarte ich das man voran geht und die Truppe mitreißt a la Baumgart oder Tusche. Seinen Worten folg(t)en zu wenig Taten. Aber das ist subjektiv.

  2. Meiner Meinung nach hat Felix Kroos auch in der letzten Saison (ich hab jetzt keine Statistiken dazu gewälzt) häufiger auf der offensiveren 8 gespielt und seltener den alleinigen 6er gegeben. Leider konnte er auch in seinen Spielen auf der offensiveren Position keine nennenswerten Akzente setzen. Daher zweifle ich die Blog-Überschrift an. Vielleicht wird jetzt unter Urs Fischer alles anders, aber das werden wir wohl erst im Ligaalltag erfahren. Bisher habe ich noch so gar keine Ahnung, was unsere aktuelle taktische Ausrichtung angeht. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  3. Und ich bleibe dabei, jenseits aller Statistiken ist er der erhebliche Faktor im Union Mittelfeld. Im positiven und im negativen, spielt er gut läuft es besser bei Union, spielt er schlecht, schlechter. Und am schlechtesten, wenn er gar nicht spielt.
    Bei ihm ist es wie bei Khedira, stets schlecht beurteilt aber immer wichtig für die Mannschaft. Ein Trainerspieler eben.

  4. Für mich ist die taktische Ausrichtung ein erheblich höher zu gewichtender Faktor, als die Form einzelner Spieler. Wenn Daube mal Kroos vertreten durfte, dann habe ich da keine signifikante Leistungsabfall gesehen. Daher würden mich mal die statistischen Daten zu Daube im Vergleich zu Kroos interessieren (Aufgabe an Daniel ;-) ).

  5. ich habe nach dem 2:6 in nürnberg vor einiger zeit gesagt, dass ich kroos, der damals noch ausgeliehen war, nicht fest holen würde. widerlegt sehe ich mich heute nicht.

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