Ist mit Damir Kreilachs Abschied eine Spielergeneration bei Union gescheitert?

Spielerverabschiedungen sind normalerweise etwas für den Saisonabschluss. Gerade weil es an den letzten Spieltagen für Union schon lange nicht mehr um Entscheidendes ging, konnte man sich daran gewöhnen, sich im Mai auf die emotionale Verarbeitung der typischen Umwälzungen im Fußballgeschäft zu konzentrieren. Das ist bei Damir Kreilach nun anders, denn er geht mitten in einer Saison, die sportlich noch nicht entschieden ist. Um davon nicht abzulenken, wird der Verein Damir in der Halbzeitpause, nicht vorher verabschieden – so argumentierte jedenfalls Pressesprecher und Kommunikations-Geschäftsführer Christian Arbeit auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Es steht zu hoffen, dass die Verabschiedung dann nicht von einem negativen Spielstand überlagert werden wird.

Die Morgenpost schreibt mit einer harschen Überschrift über Damir Kreilachs Weggang als ‘Unions Abschied von einer gescheiterten Generation’. Dabei zieht sich eine Doppeldeutigkeit durch den Text von Sebastian Stier, die am deutlichsten in diesem Satz zum Ausdruck kommt: “Neben vielen Leistungsträgern dürfte auch Trainer Hofschneider kaum über den Sommer hinaus im Amt zu halten sein.” Trennt sich Union von dieser ‘Generation’ Spieler, weil sie ‘gescheitert’ ist, oder verlassen die Spieler das ‘gescheiterte’ Projekt Union. In Kreilachs Fall sind wohl beide – mit diesen Formulierungen nicht unbedingt gut beschriebenen – Motive vorhanden.

Wenn vom Scheitern einer Generation gesprochen wird, muss auch erwähnt werden, dass es in den Jahren, die Damir Kreilach bei Union verbracht hat, eine sportliche Entwicklung nach oben gab. Dass diese in der aktuellen Saison nicht weiterging, und eventuell verkehrt wird, reicht nicht unbedingt, um das ganze Unternehmen für gescheitert zu erklären – gerade weil (oder: obwohl) etwa Kreilach in dieser Saison eine eher marginale Rolle gespielt hat.

Spiel-Plan

André Hofschneider wollte sich gestern noch nicht darauf festlegen, den nicht mehr gesperrten Toni Leistner zurück in die Startaufstellung zu holen oder an der Dreierkette aus Bielefeld festzuhalten. Gegen letzteres spräche, dass die Umstellung von Regionalliga auf Zweite Liga für Marvin Friedrich Hofschneider zu Folge durchaus anstrengend sei.

Bleibt die Frage, ob mit Toni Leistner zwingend auch die Viererkette zurück käme, oder ob Leistner nicht Friedrich auch direkt in diesem System ersetzen könnte. Insofern Bielefelds Ausrichtung mit zwei Spitzen einer der Gründe war, auf die Dreierkette zu setzen, wäre das auch gegen Düsseldorf einen Gedanken wert. Denn auch die Mannschaft von Friedhelm Funkel spielt oft mit Rouwen Hennings und einem weiteren Stürmer.

Bei näherem Hinsehen ist aber zweifelhaft, ob diese Anpassung an den Tabellenführer zielführend wäre. Denn einerseits variiert Funkel die Grundausrichtung seiner Mannschaft recht oft und setzt dabei auch Systeme mit einem Stürmer ein, gegen die eine Dreierkette eher ineffizient wäre. Und andererseits gehört zu den Konstanten in Düsseldorfs Spiel, dass sowohl Stürmer als auch Mittelfeldspieler sich gern in den Raum vor der Abwehr orientieren, den Düsseldorf im Aufbau mit möglichst wenigen Pässen sucht. Genau dort hatte Union in Bielefeld mit nur einem Sechser und im Herausrücken nicht immer epischen Verteidigern am wenigsten Zugriff.

Auf der Düsseldorfer Pressekonferenz wurde Friedhelm Funkel nicht müde zu betonen, dass er Union noch immer für eine der besten Mannschaften mit dem stärksten Kader in der Liga halte. Auch, dass Union noch eine Siegesserie starten oder gar den Anschluss nach vorn herstellen könnte wollte er – danach gefragt – nicht ausschließen. Aber Friedhelm Funkels Aussagen sind auch nicht immer streng evidenzbasiert.

Gemessen an der Qualität der zugelassenen und erarbeiteten Chancen ist Düsseldorf übrigens noch immer nicht klarer Tabellenführer, sondern knapp vor den Abstiegsrängen. André Hofschneider hat also durchaus recht wenn er sagt, die wesentliche Qualität der Fortuna sei es, in günstigen Momenten Tore zu schießen.

Neben dem Platz

Ganz unabhängig vom Ausgang des Spiels am Samstag gibt es in diesem Jahr etwas zu feiern – das 50jährige Jubiläum des Pokalsieges von 1968. Dazu plant die Waldseite offenbar eine Choreo, für die am Wochenende Spenden gesammelt werden.

Unter anderem um den Stellenwert solcher Choreos geht es in einem Film der ARD, für den Autoren über einen längeren Zeitraum Ultras begleitet und sowohl Fans als auch Beobachter interviewt haben, um ein Bild der Szene auch aus der Innenperspektive zu zeichnen. Das Ergebnis ist am Sonntag um 17.15 im ‘Ersten’ zu sehen.

Und sonst so

Eine der Fanszenen in Deutschland, in denen sich rechtsextreme und antifaschistische Gruppen gegenüberstehen, ist die des MSV Duisburg. Bei dessen Spiel in Darmstadt kam es zu Angriffen der rechten Hooligans auf Ultras, nachdem unter den Bannern im Auswärtsblock eins mit dem Slogan “Zebras gegen Rechts” war. Der Verein hat nun in einem Statement politisch dazu verhalten und erklärt, ‘Übergriffe’ nicht dulden zu wollen und die ‘Aggressoren’ zu sanktionieren – zunächst mit Hausverboten.

Auch der NOFV versucht weiterhin, irgendwie mit Nazis im Fußball umzugehen, und stellt sich dabei nicht besonders geschickt an, um es mild auszudrücken. Gestern lud der Verband nun zu einer Pressekonferenz in Berlin ein, um über die neuesten Entwicklungen in der Auseinandersetzung mit Babelsberg zu berichten. Dann allerdings orientierte der Regionalverband, der auch und vor allem für seine Kommunikation in der Kritik steht, sich ausgerechnet an der Trump Administration. Die hat im letzten Jahr veranlasst, die Pressekonferenzen im Weißen Haus nicht mehr zu übertragen und aufzeichnen zu lassen. So auch der NOFV, der die Journalisten bat/aufforderte, für die folgende zwei Stunden lange (!) Pressekonferenz Kameras und Mikrophone abzuschalten ( RBB). So ist das Eingeständnis, einen “stilistischen Fehler gemacht” zu haben, als man in der Urteilsbegründung für die Strafe gegen Babelsberg ‘Nazischweine raus’-Rufe erwähnt zu haben, nur schriftlich festgehalten. Der Verband behauptet, nur Pyros seien Grundlage der Strafe gegen Babelsberg, der Verein möchte diese nur bezahlen, wenn der Verband sich unmissverständlich gegen rechtsextreme Gewalt positioniert. Es soll in der kommenden Woche Gespräche zwischen beiden Seiten geben.

Eine harmlosere Form der Vermischung von Politik und Fußball zeigt dieses Diagramm:

Die Schicksale des FCK und der SPD scheinen verbunden

Viele weitere schöne Beispiele für Dinge, die korrelieren, sich aber wahrscheinlich nicht gegenseitig verursachen, sammelt übrigens diese Seite.

13 Gedanken zu „Ist mit Damir Kreilachs Abschied eine Spielergeneration bei Union gescheitert?

  1. konsequent wäre es von den Journalisten gewesen, die PK des NOFV komplett zu verlassen. hinterher über fragwürdige regeln zu jammern ist doch nur feige.

  2. PS: völlig aus der luft gegriffen ist die SPD-FCK-Korrelation übrigens nicht, wenn in betracht gezogen wird, dass kurt beck als ausgesprochener sugardaddy des FCK galt.

  3. Was ist das für ein Gerede von einer „gescheiterten Generation“? Das ist unheimlich ärgerlich, weil es verallgemeinert und sich am Ende auf rein gar nichts bezieht; es sich aber in so einem dunstigen Kneipenrumor bequem macht.
    Auch wenn ihr das Stück Stimmungsmache der Morgenpost entlehnt, taugt es kaum zur Überschrift.

  4. Gescheitert ist höchstens das aktuelle Team am Ziel Aufstieg (auch wenn’s noch rechnerisch möglich ist). Aber die “Spielergeneration” als solche gibt’s im Grunde ja gar nicht, da ständig Spieler kommen und gehen. Wer zählt denn da alles zur gescheiterten Generation, und wer nicht?
    Hinzu kommt, dass das Ziel Aufstieg ja noch recht neu ist. Einem altgedienten Spieler wie Damir vorzuwerfen, das nicht zu erreichen, obwohl er mit einer ganz anderen Perspektive einst geholt wurde, ist ungerecht.

  5. @Christoph Naja. Im Sommer steht durchaus ein personeller Umbruch an, in dem Spieler, die mit dem Ziel des Aufstieges zu Union gekommen sind, den Verein verlassen werden, ohne dieses Ziel erreicht zu haben. Insofern ist die Frage, wie man ihre Zeit bei Union bewertet, legitim. Dass ich das Label ‘gescheitert’ nicht für passend halte und das Argument in der Morgenpost nicht klar finde, steht ja im Text.

  6. Wenn Leistner in die Dreierkette rücken sollte, dann mit Sicherheit als zentraler Innenverteidiger. Stellt sich die Frage, wer den Platz von Friedrich auf der rechten Seite übernehmen würde, sollte seine Kraft noch nicht für 2 Spiele reichen? Ich rechen daher eher mit der Variante Viererkette.

  7. Torrejon ist nicht so stark wie Leistner und steht in der Hierarchie auch hinter ihm. Warum sollte er also den zentrale Abwehrdirigenten geben, wenn ein stärkerer zur Verfügung steht. Da Wette ich ganz klar dagegen. In der Theorie könnte Leistner sicher auch neben der Zentrale auflaufen, es würde aber meinen Eindrücken der letzten Jahre widersprechen und eine kleine Degradierung darstellen. Unwahrscheinlich.

  8. Ich würde das weniger hierarchisch sehen, sondern eher, auf die Aufgaben schauen, die man jeweils hat. Wenn Union mit Dreierkette spielen würde [wovon ich nicht ausgehe], müssten die Halbverteidiger oft in den Raum vor ihnen rücken und Stürmer dahin verfolgen beziehungsweise vorrückende Mittelfeldspieler aufnehmen. Das ist nicht Torrejóns Stärke, wie man zum Beispiel beim Gegentor in Bielefeld gesehen hat. Er ist also in der absichernden Rolle besser. Die Aufgaben im Aufbauspiel unterscheiden sich dagegen ebenso wie die Fähigkeiten der beiden nicht so stark.

  9. @Daniel Roßbach welche Spieler würdest du den noch zu der gescheiterten Generation dazu zählen? Das kann ich nicht nachvollziehen. Der Kader harmoniert nicht, es gibt anscheinend viele Befindlichkeiten, so dass Unbehagen herrscht. Dann will man weg, dass ist wie im richten Leben. Bis morgen im Stadion.

  10. Pingback: Abschied von Damir Kreilach: Taschentücher nicht vergessen! | ***textilvergehen***

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