Eine richtige A-Elf hat Union jetzt nicht mehr. Und das ist gut.

Das 2:1 gegen Queens Park Rangers war ein Sommerkick, der sich ganz entspannt wegschauen ließ. Viel weniger anstrengend beim Zuschauen als der Versuch, mit der S-Bahn vom Alex nach Köpenick zu fahren. Die Sperrung der Stadtbahn im Osten zwischen Ostbahnhof und Lichtenberg war mir einfach entgangen und so hetzte ich mit Regional-Express und Straßenbahn zum Stadion. Lediglich in der ersten Halbzeit machte der englische Zweitligist, der eine Menge Spieler in seinen Reihen hatte, die von der Körperstatur eher an Rugby- als an Fußballspieler erinnerten, offensiv etwas Dampf und forderte die Defensive um Toni Leistner und Marc Torrejon ein wenig. Die beiden zeigten dabei einige Abstimmungsschwierigkeiten.

So blieb gestern Zeit, sich etwas die neuen Spieler anzusehen. Von denen hatte sicher Marcel Hartel den besten Eindruck hinterlassen. Wobei das auch ein bisschen seiner Rolle geschuldet war. Während sich Damir Kreilach wie so häufig sehr weit vorne mit reinschob, agierte er hinter den Spitzen, fand häufig die Balance zwischen Abspiel und Dribbling und konnte seine Mitspieler in Szene setzen. Er war wenig fassbar in seiner Rolle und etwas unberechenbar.

Und bei Felix Kroos, der dafür eine Position nach hinten auf die Sechs rutschte, sah es so aus, als würde er den Spielaufbau von dieser Position aus bevorzugen. Aber auch hier gilt: Defensiv wurde er kaum gefordert. So wie auch die Ö-Abwehr mit Fabian Schönheim und Christoph Schösswendter, die ich auf der Suche nach kurzen Namen gestern einfach Schöni und Schössi genannt habe. Beide konnten sich mangels englischer Offensivbemühungen nicht auszeichnen.

Jens Keller wollte sich gestern nach dem Spiel immer noch nicht auf einen Stammkeeper für die Saison festlegen. Aber die Signale stehen wohl vor allem für Jakob Busk auf grün, der sich gestern im eins gegen eins mehrfach auszeichnen konnte, sein Spiel offensiv interpretierte und lautstark die Vorderleute dirigierte. Das Gegentor für den zur Halbzeit für Busk gekommenen Daniel Mesenhöler sah unglücklich aus, weil der Ball ewig in der Luft war. Andererseits weiß ich nicht, ob Mesenhöler als Keeper außerhalb des Fünf-Meter-Raums Flanken wegfausten muss. Da kann man als Keeper auch ein entsprechendes Kopfballspiel der Vorderleute erwarten. Hier das Gegentor:

Sehr viel Pech hatte dafür in der Offensive Sebastian Polter, der im Vergleich zu Philipp Hosiner nicht so spritzig und aggressiv wirkte. Aber daraus jetzt Aussagen für die Partie gegen Ingolstadt am Samstag abzuleiten, wäre mir doch zu viel. Hier Hosiners Elfmetertor.

Es lag vielleicht auch am wenig präsenten Gegner, aber auffällig war, dass selbst nach dem Komplettwechsel um die 60. Minute herum (nur Steven Skrzybski spielte komplett durch), es keinen Abfall im Spiel von Union gab. Damit dürfte das Transferziel, den Kader so zu ergänzen, dass auf jeder Position ein echter Konkurrenzkampf entsteht, geglückt sein. Ich sehe aktuell eine Mannschaft, in der Jens Keller viele Optionen hat und ich bin gespannt, ob und wie der Trainer sie nutzen wird. Dass wir noch einmal eine Saison sehen, in der Jens Keller quasi kaum durchwechseln wird, bezweifle ich.

Probespieler Matthias Stingl wird am Mittwoch Union wieder verlassen, sagte Jens Keller gestern noch. Danach werde man entscheiden, ob und wie es mit ihm weitergeht.

Hier die Berichte der Berliner Medien zum Spiel:

Fotos von der Partie gibt es hier:

Und hier noch die Erinnerung an die Tippspielrunde Twitterförsterei, bei der ich auch mitmache. Bisher sind wir 91 Leute: