Ein schlecht gelaunter Verteidiger und Dirk Zingler spricht über den, dessen Name nicht genannt werden darf

Gestern beim Mannschaftsfoto zierte sich Toni Leistner, der sehr klar kommuniziert hat, dass er den Verein verlassen möchte. Man könnte durchaus auch sagen, dass es aussah, als hätte der Verteidiger schlechte Laune gehabt. So schreibt es jedenfalls der Kurier, der damit auch eine Herausforderung auf das Team und den Zusammenhalt der Mannschaft zukommen sieht. Ob die Unlust von Leistner aber wirklich etwas mit seinem bisher nicht gestatteten Wechsel zu Norwich City zu tun hat, können wir alle nicht genau sagen.

Fakt ist, dass Dirk Zingler gestern im Interview mit dem Kicker klar gemacht hat, dass er Leistner nicht gehen lassen möchte, weil der Union-Präsident mit solch einem Wechsel das Vereinsziel Bundesliga-Aufstieg nicht gefährden möchte:

Aber wir sind kein Ausbildungsverein. Unser Ziel ist es, uns als Klub weiterzuentwickeln und aufzusteigen. Das gelingt nur, wenn du die Spitze im Kader zusammenhältst. Danach richtet sich unser Handeln aus, und das wissen alle Spieler. Auf der anderen Seite hat ein Zweitligist keine unverkäuflichen Spieler. Wir wollen aber unseren Topleuten die Perspektive aufzeigen, mit uns in die 1. Liga aufzusteigen und nicht in die 1. Liga wechseln zu müssen.

Präsident Dirk Zingler bei der Vorstellung des Stadionausbaus am 20. Juni 2017, Foto: Matze Koch

Viel Aufregung gab es um das Thema Investor in dem Interview. Aber ehrlich gesagt hat der Unionpräsident dort nichts anderes gesagt als bereits in früheren Gesprächen in diesem Jahr. Es gebe Klubs, die würden mit einer Ausgliederung der Profiabteilung gut fahren, und es gebe Klubs, die tun das nicht. Es gebe Klubs, die würden mit einem Investor gut fahren, und es gebe Klubs, die tun das nicht. Es sei nicht allein dieser Punkt, der darüber entscheide, ob ein Klub sich gut entwickelt. Ich mag diese Unaufgeregtheit von Zingler bei solchen Themen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass andere Vereine den Einstieg von Investoren als Allheilmittel preisen.

Dabei ist die Entscheidung für einen Investor zuerst einmal nur eine Entscheidung über eine Beteiligung und den (meist einmaligen) Zufluss von externen Finanzmitteln. Die können auch ganz schnell weg sein, wenn es mit dem Rest der 1000 Entscheidungen nicht klappt, die Zingler erwähnt. Ist ja nicht so, als ob Union noch nie eine Erfahrung mit einem Investor gemacht hätte (Hallo, Her Kölmel). Vielleicht kann man dieses Interview auch im Zusammenhang mit der Finanzierung des Stadionausbaus sehen. Doch da hat Zingler bei der Vorstellung der Pläne am 20 Juni dieses Jahres relativ klar gemacht, dass er das über die Verwertung vereinseigener Grundstücke und ein Hypothekendarlehen finanzieren möchte.

Die Berliner Zeitung sieht in dem Interview vor allem, dass Zingler Union Stück für Stück auf etwas vorbereitet, das kommen könnte. “Was immer wieder erwähnt wird, verliert nach und nach seinen Schrecken”, schreibt die Zeitung. Dem kann ich mich voll und ganz anschließen. Dirk Zingler führt kein Interview, weil er gefragt wird oder weil es die Routine im Fußballkalender verlangt, sondern er wählt sie und das entsprechende Medium danach aus, ob er etwas zu sagen hat und zu wem. Die Message mit dem Investor hat der Kicker über die Nachrichtenagentur dpa verteilen lassen, weshalb sie nun überall auf allen Medien-Websites zu sehen ist. Exakt das, was der Verein wollte. Und vielleicht hat auch Toni Leistner das Interview gelesen und ist deshalb mies gelaunt gewesen. Wir werden es jedenfalls nicht erfahren.

Hier die anderen Berliner Medien zum Kicker-Interview:

Die anderen Spieler hatten jedenfalls gute Laune:

Und die Bild/BZ erklärt uns, warum es wegen Berkan Taz zwei verschiedene Mannschaftsfotos gab:

Und Fabian Schönheim hat sich scheinbar vorgenommen, in der neuen Saison scharf zu schießen:

🏹 #bogenschießen #robinhood #malwasanderes #focus #konzentration #allesangespannt #shitistdasschwer #fs34

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4 Gedanken zu „Ein schlecht gelaunter Verteidiger und Dirk Zingler spricht über den, dessen Name nicht genannt werden darf

  1. Die oben erwähnte klare Kommunikation von Toni Leistner muss mir entgangen sein. Wo kann ich das nachlesen?

    P.S.: die Sportlerwahl des Berliner Verbandes + FuWo ist keine Erwähnung wert? o_O

  2. Gebeten haben soll! ;-) Klare Kommunikation sieht für mich dann aber doch anders aus. Öffentliche Äußerungen von ihm zu dem Thema sind mir weiterhin nicht bekannt.

  3. also ich habe bislang keine schlüssige erklärung von vereinsseite zur stadionfinanzierung gelesen, sondern nur medienberichte, die sich inhaltlich aber teils widersprochen haben. die einzige klare aussage von vereinsseite ist die geplante Verwendung von gewinnen aus dem verkauf entwickelter Immobilien. dabei ist klar, dass die union-immobilien keine 38 mio. erbringen werden. nebenbei: wenn private Immobilien verkaufen ist das erst nach 10 jahren steuerfrei. wenn der verein eine immobilie mit gewinn verkauft stellt sich also mindestens die frage, ob der gewinn steuerfrei ist und nebenbei stellt sich die frage, ob der verein durch den verkauf seinen Status als gemeinnützig verliert.

    viele fragen – fast keine antworten. “klare kommunikation” sieht jedenfalls für mich anders aus.

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