Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder

“Nullnull, was soll man denn da schreiben?”, mag sich gestern so mancher Medienvertreter nach dem Spiel gefragt haben. Der RasenLehm hätte sicher so manchen Anlass geboten und Erik Meijer sagte entsprechend nach dem Spiel: “Tut mir leid für die Jungs, die hier ihre Heimspiele spielen müssen.” Aber das ist so und klarkommen müssen damit beide Teams. Dankesschreiben für den Zustand der Spielfelder nimmt sicher gerne die FIFA entgegen, die den internationalen Rahmenplan (pdf) aufgestellt hat und verfügte, bis wann alle nationalen Wettbewerbe zu Ende gespielt sein müssten.

Und natürlich könnte so manche Statistik belegen, seit wievielen Minuten die Stürmer erfolgslos sind, in wievielen Spielen der Rückrunde der 1. FC Wundervoll ohne Torerfolg auskommen musste und welch negativen Lauf die Mannschaft hat. Allein das weiß auch jeder so.

Viel imposanter daher, dass von denRängen eine Unterstützung kam, als ob die Jungs in den rot-weißen Trikots noch einmal im Aufstiegskampf mitmischen würden. Anfeuerung des eigenen Teams, Kosenamen für die gegnerischen Spieler und den Schiedsrichter. Und dazu eine Hymne für Torsten Mattuschka, den unermüdlichen Racker im Mittelfeld, der knapp mit einem Freistoß an Stuckmann scheiterte. Vom Spiel wird sicherlich nicht viel in Erinnerung bleiben, aber dieses Lied bleibt im Ohr.

[audio:http://www.textilvergehen.de/audio/torsten_mattuschka_waldseite.mp3]

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25 thoughts on “Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder

  1. Großartig – das ist mein Ohrwurm für die nächsten Stunden ;)

    Zum Spiel bleibt wirklich nicht viel, außer zum Platz: Bald kommen wir an qualitativ hochwertige Rasenplätze wie in Emden ran ;)

  2. Ich weiß ja nicht, ich weiß ja nicht… In meinen zehn Jahren als Uffjesprungener hab ich mich ja eigentlich daran gewöhnt, dass bei Union das eiserne Gesetz gilt, dass einzelne Spieler keine Sonderbehandlung erfahren. Abgesehen von den Okeke Gesängen jedenfalls kann ich mich in meiner Zeit als Stadionbesucher an keine Einzelne-Spieler-Sprechchöre erinnern. Ich fand das eigentlich immer hübsch, diese Stärkung des Kollektivs und Mannschaftsgedanken von den Rängen. Sicher kein Beinbruch, wenn das jetzt anders wird (und das Ding war wirklich sehr eingängig), aber ein bißchen schade find ich es schon.

  3. ich hab schon dreimal versucht, einen klaren gedanken zu fassen, heute – aber immer kommt so´n kleenes männeken angehüpft und singt “tors-ten-ma-tu-huschka, du bist der beste mann …” – da wird man reineweg bekloppt von :)

  4. Ich schließe mich da mal nahtlos an meinen Vorredner mars an. Das Liedchen ist zwar ganz eingängig und bei besonderen Leistungen wurden Spieler immer auch mal extra besungen; nur hoffe ich, dass das auch auf ein Minimum reduziert bleibt. Immerhin positiver das Ganze als lauthals einzelne Spieler zu fordern.

  5. Sollte bei einzelnen Bemühungen um Spieler bleiben. Der Letzte, der sein “eigenes” Lied hatte, war mMn Ingo Wunderlich!?

  6. Steffi, nachdem ich viel Kommentare in den Foren und der Presse las, habe ich voller Hoffnung auf den deinigen gewartet und wurde nicht enttäuscht.

    Die Jungs auf dem Platz kämpften mit dem Drek am Schuh und das taten sie mit Vehemenz und in vielerlei Variationen. Die Jungs und Mädels auf den Rängen kämpften mit und das war wieder einmal das warum ich so gern bei Union bin.
    Da wird nicht Mosquera ausgepfiffen wie es in vielen anderen Spielstätten dieser Republik schon längst geschehen wäre, bei uns wird ein anderer Spieler statt dessen gefeiert und besungen.

    Das Liedchen geht mir schon den ganzen Tag nicht aus dem Kopf und nun hab ich auch noch einen neuen Klingelton.

    Vergessen wir nicht die schöne Choreo am Anfang.

    Dieser in vieler Hinsicht graue Nachmittag, wurde zu einer bunten und fröhlichen Angelegenheit in unserem Wohnzimmer.

    Daher immer und immer wieder EISERN UNION!

    Ps. @Mars und Stephan es war genau die richtige Reaktion und niemand braucht Angst haben, dass das Kollektiv weniger besungen oder nun in Zukunft einzelne Spieler ständig hervorgehoben werden. Nicht bei uns. Aber unsere Waldseite, hat ein perfektes Gespür für Timing und dem was gut tut der Unionerseele. Grosser Respekt und ich hätte in dem Moment gern drüben gestanden.

  7. Naja. Einen Zusammenhang mit Tusches Leistung gestern war für mich nicht erkennbar, insofern verstehe ich nicht so recht, was Du mit Timing meinst, @Palei. Insgesamt weckt das Besingen einzelner Spieler bei mir bestenfalls ambivalente Assoziationen: vom unseligen “Okeke – ohoh” zum ewigen “Ingo am Ball” (und gab’s da nicht auch was für Markus Zschiesche?) traf es selten meine Lieblingsspieler, vor allem aber ging es mir immer auf den Wecker, dass sich diese Gesänge völlig von Leistung und Spielgeschehen abgekoppelt hatten. Da konnte Okeke den zehnten dämlichen eigentornahen Rückpass spielen, und wurde trotzdem gefeiert wie keiner seiner konzentrierteren und besser spielenden Mitspieler. Ich hab nix gegen das Feiern von z.B. “Ja-an Glinker”, wenn er uns mal wieder den Arsch gerettet hat, bei Tusche gestern sehe ich den Anlass nicht: weder hat er irgendwie herausragend (oder überhaupt) gut gespielt, noch schien er mir besonders aufmunterungsbedürftig.

  8. Nun ja, immerhin ist Tusche einer, der aus der OL mit uns kam. Davon gibt es nur noch drei andere und eienr davon spielt kaum noch. Und von daher ist Tusche nicht ein 08/15-Profi. Kann man schon mal machem. Auch wenn ich die Puristen des Kollektivgedanknes verstehe.

    Die Melodie wird angeblich auch von Gladbacher Fans benutzt. Behauptet ein Kollege aus Spandowien.

    Den dich gedrängte Terminplan verdanken wir zum Teil der UEFA, die für ihr diesjähriges Königsklassenendspiel mit dem 22. Mai erstmals einen sonst den Ligen vorbehaltenen Samstag für sich reserviert hat. http://de.wikipedia.org/wiki/UEFA_Champions_League_2009/10

  9. @bunki danke für den Hinweis mit der UEFA. Es war diese unheilige Allianz aus Zürich (FIFA) und Nyon (UEFA), die uns mindestens den Rasen gekostet hat.

    @all Ich habe das gestern nicht so dogmatisch gesehen, dass damit jemand massiv in den Vordergrund gehoben wurde und die Mannschaft dahinter hat zurückstehen müssen. Erstens hatte das Lied mehr Text als “Okeke ohoho” oder “Ingo am Ball, Ingo am Ball, Olé! Olé!”. Und dann hat es etwas Stimmung gebracht in einem Spiel, das eher nicht davon lebte, dass es hin und her ging. Außerdem war es jemandem gewidmet, der sehr mannschaftsdienlich spielt. Ging für mich in Ordnung.

  10. Und ich dachte, dass der Torsten Mattuschka-Gesang die pure Ironie ist. Seit Anfang des Jahres hat er doch nur noch die Kacke am Schuh. Aus dem Spiel heraus kommt kaum ein Ball an und die Freistöße landen immer wieder beim Gegner.
    Aber wie immer ist die Leistung einzelner Spieler immer eine Frage der Betrachtungsweise. Also zerreist mich nicht gleich!

  11. @Sebastian:
    Ich meine das durchaus nicht dogmatisch und bei Tusche geht sowas ja auch in gewisser Weise allgemein in Ordnung. Ich hatte gestern auf Grund der m.E. verbesserungswürdigen Darbietung der Mannschaft schlechte Laune und empfand vielleicht auch deshalb die Diskrepanz zwischen dem Feiern des Spielers und dem Geschehen auf dem Platz besonders störend.
    Für mich war es eher ein Spiel zum Anfeuern als zum Jubeln.

  12. @keano Timing bezog sich nicht auf Tusches Leistung oder seine Bedürftigkeit ob einer Aufmunterung, es hätte auch zwei, drei andere treffen können. Tusche jedoch spielt nach vorn, er spielt für die Mannschaft und er macht auch gern mal nen Tor, daher ist er wohl am ehesten prädestiniert gewesen für ein Liedchen.
    Timing bezog sich auf den die immer länger dauernde “Durststrecke” der Mannschaft, die fehlenden Ergebnisse und das langsame aber stetige nach unten klettern in der Tabelle.
    In anderen Spielstätten wäre zumindest der eine oder andere Spieler inzwischen in Grund und Boden gepfiffen worden (wie wir es schön am Wochenende wieder beobachten konnten).
    Unsere Jungs und Mädels auf den Rängen greifen sich einen unserer Jungs die fürs Tore schiessen verantwortlich ist und besingen ihn, vehement und andauernd. So gehört sich das in unserem Wohnzimmer.
    Ein besseres Timing kann es nicht geben um den Jungs auf dem Platz zu zeigen, dass wir da sind, mit einer besonderen Aktion.

  13. @Palei:
    Da hast Du natürlich recht.
    Es ist schön zu wissen, dass der Support gerade in schwierigen Zeiten da ist.

  14. Das ist wie Tiere angucken. Ich stand mal über einem Becken mit zwei Delphinen, und ich war da allein. Die beiden Tiere haben mich aufs herzergreifendste angefleht : “Hol uns hier raus” haben sie gefiept, ” da drüben ist der Ozean, da müssen wir hin” und ich habe mit Entsetzen begriffen, daß sie es ernst meinen.
    Ich stellte mir dringend vor, sofort einen Hubschrauber zu besorgen, um diese Tiere damit zu befreien. Hätte ich eine Millionen Dollar gehabt, wären die beiden Delphine am selben Tag frei gewesen.
    Ich weiß bis heute nicht, ob ich diese ´spielenden´ Tiere begriffen oder interpretiert habe.
    Meine Idde bei dem schönen Ohrwurm der Nuckeltras war, Ok Tusche kommt nicht klar, also muntern wir ihn ein wenig auf, loben wir ihn zu guten Taten hoch, muntern wir ihn auf und nach seiner Gurkerei sprang dann ja auch ein gut geschossener Freistß dabei heraus.
    Aber wahrscheinlich wollte das Tier hinterm Zuckertor nur spielen, mich hats auch aufgeheitert.

  15. @Bunki

    die Melodie wurde schon häufiger benutzt, etwa von tottenham-fans zu paul stalteri:

  16. Für mich ist die Melodie seit Jahren mit St. Pauli verbunden. Aber so ist das ja mit allen was in Stadion besungen wird…irgendwo gab es 99,9 % der Melodien und Lieder sowieso schon.
    Choreo war nett, aber die Farbe, die Farbe … das tat schon ein wenig weh und auch nicht so pralle, dass man unsere Farbkombi von rot-weiß auf weiß-rot umdichtet, nur um ja im “Reim dich oder ich fress dich”-Stil zu bleiben. Egal…macht n Haufen Arbeit und die wurde für den Verein getätigt und somit Daumen hoch an das TSK für diese Choreo.

  17. @Palei der mann und ich, wir sind uns zwar zum verwechseln ähnlich – aber das war jetzt tatsächlich sein text ;)

  18. da hat der Mann aber mal so geschrieben, wie du es tun würdest … mehr oder weniger.
    Was mir bei der Aufnahme aufgefallen ist, er braucht ein ordentliches Kopfhörermikro.

    Wann ist wieder Geschenkezeit… Ach ist das lange hin.

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  20. Nöö du, Milan.
    Qualität geht doch des Öfteren vor Quantität.
    Deinen polemischen Seitenhieb, seitens der Ultrà(-Kultur) sagt doch Einiges aus. Die Amphibologie “Nuckeltras” steht dann doch eher peinlich im Raum, zumal nicht genau erläutert.
    Also – man(n) muss mitnichten sein bester Kunde sein…

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