Das Derby 1. FC Union gegen Hertha und die Geschichte von Santi Kolk

Ich bin mir ja durchaus sicher, dass mich das Spiel des 1. FC Union gegen Hertha elektrisieren wird, wenn ich morgen ins Stadion komme. Bis jetzt ist davon aber noch nicht viel zu spüren. Auch, weil es im Vorfeld viele Nebengeräusche gibt, die gar nicht so viel Lust auf das Spiel machen. Wie etwas diesen etwas albernen Vergleich der Instagram-Aktivitäten der Spieler von Hertha und Union.

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Unions erstes Tor gegen Hertha: Santis Glanz und Neuhaus 200 Prozent

Diese Übersetzung des englischen Texts von Jacob Sweetman hat ExWuschel angefertigt, Daniel hat sie redigiert. Vielen Dank dafür.

Santi Kolk hat diese Geschichte noch nie zuvor erzählt.

Und während er sie erzählt, ist es, als ob ich ein Gewicht spüren kann, das von seinen Schultern genommen wird. Sein größter Moment in einem Union-Trikot – ein Tor, von dem er sagt, dass es eins seiner besten ist – wird von einer hartnäckigen Traurigkeit überlagert. Und vom Zorn eines missachteten Stürmers. Er erweckt den Eindruck, nie wirklich so, wie er sollte, in diesem Moment schwelgen zu können. Wegen der anderen Dinge, die ihn angekotzt haben.

Testspiel 1. FC Union Berlin gegen Deportivo La Coruna am 25 Juli 2010. Nach dem Schlusspfiff jubeln von rechts: Santi Kolk, Björn Brunnemann, Halil Savran, Ahmed Madouni, Torsten Mattuschka, Foto: Matze Koch

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Union’s first goal against Hertha: Santi’s glamour and Neuhaus’ 200 Percent

Die deutsche Version dieses Textes von Jacob Sweetman findet ihr hier.

Santi Kolk has never told this story before.

And as he does it’s as if I can sense a weight being lifted off his shoulders. His greatest moment in a Union shirt, a goal he says is up there with any that he ever scored, is dogged by an abiding sadness. And the wrath of a striker scorned. He gives the impression that he will never really be able to revel in it like he should because of the other things that pissed him off.

1. FC Union Berlin vs. Deportivo La Coruna July 25, 2010. Union players after the final whistle, from right to left: Santi Kolk, Björn Brunnemann, Halil Savran, Ahmed Madouni, Torsten Mattuschka, Photo: Matze Koch.

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Auf einen Kaffee mit Santi Kolk.

Montag Morgen. Eine Tasse Kaffee dampft auf dem Tisch. Zeit, sich anzusehen, was in Holland los ist. Saisonstart auch dort. Eigentlich aus Berliner Sicht so interessant wie die Brandenburg-Liga. Aber seit der überstürzten Ausleihe Santi Kolks vom 1.FC Wundervoll an NAC Breda lohnt sich ein Blick. Zwar glaube ich nicht daran, dass Kolk jemals als Spieler nach Berlin zurückkommen wird. Aber für den Fall der Fälle möchte ich schon Bescheid wissen. Also Aufnahme vom Sonntagsspiel starten.

Breda bekam es zum Auftakt mit Meisterschaftsanwärter FC Twente zu tun und hatte dem wenig entgegenzusetzen. Kolk konnte sich den Elfmeter zum 0:1 für Twente von der Bank aus ansehen. Erst in der 69. Minute durfte er rein. Dem ideenlosen Spiel von Breda konnte Kolk keine Impulse geben. Erst in den letzten fünf Minuten schien ein Ruck durch das Team zu gehen. Dabei auch zwei Szenen von Kolk der im 4-3-3 als rechter Stürmer spielte.

Einmal bricht Santi an der Mittellinie durch, läuft knapp 20 Meter mit dem Ball und spielt den Konter schwach aus. Sein Pass verunglückt. Zwar bleibt der Ball bei Breda, aber zu allem Überdruss pfeift der Schiedsrichter den Vorteil weg. In der zweiten Szene kommt Kolks Stärke zum Tragen. Er zieht mit dem Ball von rechts kommend Richtung Tor und schließt gleich von der Strafraumkante ab. Ein harter flacher Schuss, den der Torhüter nicht festhalten kann. Doch es fehlt ein Stürmer, der den Abpraller gedankenschnell verwandelt. Breda verliert am Ende völlig verdient 0:1 gegen Twente Enschede.

Von diesem einen Spiel ist wenig abzuleiten, was die genaue Form von Kolk angeht. Zu sehen sind die Ansätze seines Könnens und vielleicht ein Grundproblem, das neben seinem Heimweh ausschlaggebend für seine schwere Zeit in Berlin sein könnte. Als rechter Flügel-Stürmer in einem 4-3-3 hat er seine Stärke. Doch diese Position gibt es so im Spielsystem bei Union nicht. Kolk machte mir viel zu häufig den Eindruck, ein hochbegabter Fremdkörper bei Union zu sein. Mein Kaffee ist alle und ich bin mir nach diesem Spiel sicher, dass Santi nicht mehr zurückkommt.

Zusammenfassung von NAC Breda – FC Twente Enschede auf eredivisielive.nl

Das Tor zum Herzen.

Die Alte Försterei ausverkauft. Das Flutlicht angeschaltet. Die zweite Hälfte läuft schon lange an diesem 17. September 2010. Gute 60 Jahre nach dem letzten Pflichtspiel gegeneinander steht es im Berliner Derby zwischen dem 1.FC Union und Hertha BSC 0:1. Dem frühen Tor von Peter Niemeyer folgt ein Spiel von Union, das niemand für möglich gehalten hat. Zweifel an der Mannschaft nach dem Pokal-Aus in der ersten Runde gegen Halle und den mageren Ergebnissen in der Liga werden vom Team weggerannt. Hertha spielt, als ob sie von einem Auto angefahren wurden. Die Spieler wanken. Doch sie fallen nicht.

Eine knappe Viertelstunde vor Abpfiff geht der Kapitän. Sein potentieller Nachfolger kommt. Mattuschka macht Platz für den leichtfüßigen Santi Kolk. Knapp fünf Minuten nach seiner Auswechslung nimmt der Holländer den Ball unweit der Mittellinie an. Er wird nicht angegriffen. Dann macht Santi, was er kann. Er sieht den Platz. Und läuft einfach los. Keiner geht ihm entgegen. Er nimmt Fahrt auf. Als sich ihm dann Mijatovic in den Weg stellt, hält er einfach drauf. Aus vielleicht 20 Metern. Danach passiert etwas, was alle im Stadion so gesehen haben. So und nicht anders. Wie in Zeitlupe fliegt der Ball. Ebenso langsam scheint Maikel Aerts zu fallen. So lang er sich auch streckt, der Ball dreht sich von den Torwarthandschuhen des holländischen Keepers weg in das Tor. Das Zuckertor.

Santis Treffer ist die Erfüllung einer Sehnsucht. Endlich ein Treffen auf Augenhöhe. Kein Freundschaftsspiel, wo der Eintritt auch mit Ost-Mark bezahlt werden konnte wie 1990. Kein Benefizspiel vor einigen hundert Fans im Olympiastadion, weil in Köpenick mal wieder die Pläne hoch flogen, aber das Geld knapp war. Keine Pflichtspiele in der Regionalliga gegen Hertha BSC II. Nein. Auch kein schönes Stadioneröffnungsspiel, das nur noch mehr die Sehnsucht nach dem richtigen, dem echten Spiel geweckt hat. Nein, es geht in der gleichen Liga gegeneinander. Zwar nicht unter den gleichen Voraussetzungen, aber unter den gleichen Wettkampfbedingungen. Um drei Punkte. Und um ein kleines bisschen mehr.

Für die drei Punkte hat es nicht gereicht. Es blieb beim 1:1. Aber das kleine bisschen mehr war nach der Partie im Gesicht von Werner Gegenbauer zu lesen. Mit verschränkten Armen an die Wand des heillos überfüllten Medien-Containers gelehnt, verfolgte der Präsident von Hertha die Ausführungen von Markus Babbel auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Seine Augen schauten ins Leere. Der Mund ein Strich. Worte mussten nicht gewechselt werden, um zu sehen, was in Gegenbauer vorgeht.

Der Rest sind Zahlen, die nichts über die Zuneigung zu Santi Kolk aussagen. Sieben Spiele über volle 90 Minuten. Insgesamt vier Tore geschossen. Einmal mit Gelb-Rot vom Platz geflogen. Die Rolle des Anführers konnte er weder auf dem Spielfeld noch daneben ausführen. Die blieb Mattuschka vorbehalten. War er auf dem Platz, sah es aus, als würden seine Mitspieler nicht verstehen, was Santi spielen will. Dazu immer wieder Verletzungen. Für eine längere Reha ist er wieder zurück nach Holland gegangen. Er wohnte lieber am Potsdamer Platz als in der Nähe des Stadions. So ganz ist Kolk nie beim 1.FC Union angekommen. Am Ende sah es so aus, als hätte er richtig Heimweh gehabt. Obwohl ihn alle immer herbeigesehnt haben. Kolk und Union – Eine Liebe, die keine Beziehung geworden ist.

Mach’s gut, Santi. Danke für das Tor. Und das kleine bisschen mehr.

Grüße aus dem Sommerloch

Noch drei Tage, dann geht es wieder richtig los beim 1. FC Union. Endlich. Wir wagen uns ebenfalls aus dem Sommerloch und werden beim Trainingsauftakt am Montag entspannt durchzählen, wer das rot-weiße Trikot in der neuen Saison auftragen wird. Vier neue Spieler, dazu sieben Spieler aus der neuen U23 Mannschaft.

Der Applaus für Jérôme Polenz, so er denn beim Trainingsauftakt einlaufen darf, wird sich vielleicht in Grenzen halten. Schließlich blockiert er nach seiner Aussortierung im Winter eine Stelle im Kader. Und bis zum Schluss der Transferzeit am 31. August ist eine quälend lange Zeit. Mal sehen, wer in dem Poker den längeren Atem hat – Spieler oder Verein.

Ansonsten tat sich in der Sommerpause nicht viel. Bis auf die Aufreger um Santi Kolk, Tom Persich und Matias Concha passierte gar nichts. Ob das gut oder schlecht ist, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Union steht zu Saisonbeginn der 2. Liga am 15. Juli in Konkurrenz mit der Frauen-WM. Hinzu kommt die verstärkte mediale Zuwendung zu Hertha, die sich wieder auf den Bundesligabetrieb vorbereiten. Es wird spannend sein, zu sehen wie Union trotzdem weiter seinen eigenen Weg in Berlin gehen wird, ohne in der Aufmerksamkeit abzurutschen.

Teve059 – In der Instabilität stabil

Wieder 0:1. Dieses Mal allerdings zu Hause. Gemeinsam unterhalten wir uns über die schwankenden Ergebnisse von Union. Themenliste:
  • Spielanalyse (mit O-Ton vom Trainer der Löwen, Rainer Maurer)
  • Einzelkritik zu Santi Kolk, Björn Brunnemann und Karim Benyamina (mit O-Ton von Trainer Uwe Neuhaus
  • Wie wird's Wetter? Die Aussichten für Union.

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Teuer erkauft.

Vom kuscheligen Platz auf der Couch, am Tresen oder auch von den Zuschauerrängen sagen sich solche Sätze ganz leicht, wenn die Ergebnisse mal nicht stimmen. Die Spieler müssten Gras fressen. Und jetzt müsse dorthin gegangen werden, wo es weh tue.

Beim 2:0 des 1. FC Union Berlin über den MSV Duisburg musste der medial schon mit dem perfekten Moment seiner Entlassung konfrontierte Trainer Uwe Neuhaus drei Mal gezwungenermaßen auswechseln. Und die Zuschauer bekamen plastisch illustriert, was sich auch hinter der Phrase “Gras fressen” verbergen kann.

Ahmed Madouni

Der neue Abwehrchef blieb kurz vor Ende der ersten Hälfte nach einem Zusammenprall mit dem eigenen Torhüter liegen. Neben dem Tor von Jan Glinker wurde er behandelt. Duisburgs Angriffe ließen in der Zeit Erinnerungen an das Spiel in Osnabrück wach werden. Dort kassierte Union ein Gegentor, als der Innenverteidiger Göhlert außerhalb des Platzes behandelt wurde. Dann das Zeichen zur Bank. Wechsel. Wie im Heimspiel gegen Hertha, als Rauw verletzt vom Platz musste, kam Göhlert kalt ins Team. Madouni ging mit schmerzverzerrtem Blick und Eisbeutel auf der Schulter zur Kabine.

Nach der Pressekonferenz verblüffte Trainer Neuhaus die Journalisten mit einer kleinen Ausführung über die verschiedenen Grade einer Schultereckgelenksprengung. Niemand wusste etwas mit seinen Begriffen Tossy 1, Tossy 2 und Tossy 3 anzufangen. Aber ganz sicher wird diese Woche bei den Nachfragen nach der Diagnose von Madouni von Seiten der Journalisten mit der Rockwood-Einteilung gekontert.

Michael Parensen

Frisch von einer mehr als langwierigen Verletzung im linken Knie genesen, zeigte Parensen im Spiel gegen Hertha und Osnabrück wie wichtig er für das Aufbauspiel von Union ist. Er ging auch gegen Duisburg keinem Zweikampf aus dem Weg. Bei einem Zusammenprall in der zweiten Halbzeit mit Duisburgs Julian Koch, der erst gar nicht so schlimm aussah, blieb Parensen liegen. Koch fiel beim Zusammenprall auf das lädierte linke Knie des Unioners.

Wieder das Handzeichen für eine Auswechslung. Von den Rängen kamen Anfeuerungsrufe und es berührte wohl alle im Stadion als der weinende Michael Parensen auf einer Trage aus dem Stadion getragen wurde. Fast alle Mitspieler versuchten ihn auf dem Weg aus dem Stadion zu trösten und gute Besserung zu wünschen. Aber auch dieser Bruch wurde von der Mannschaft bewältigt.

Der Moment der Auswechslung von Michael Parensen im Stadion
[audio:http://www.textilvergehen.de/audio/2010_09_26_union_duisburg_auswechslung_parensen.mp3]

Halil Savran

Erst im Nachhinein erklärte Uwe Neuhaus, dass auch seine dritte Auswechslung nicht freiwillig erfolgte. Savran wurde von Wadenkrämpfen geplagt und musste in der 71. Minute durch Mosquera ersetzt werden. Für Uwe Neuhaus war das Spiel gegen Duisburg damit eine Partie, in der er nicht durch Einwechslungen eigene Impulse setzen konnte.

Santi Kolk

Der Abgang des Holländers passt nicht ganz in diese Kategorie, da er selbst verschuldet war. Allerdings passt er doch wieder hinein, denn er schwächt Union im nächsten Auswärtsspiel bei 1860 und zwingt Uwe Neuhaus neben den beiden Umstellungen für die verletzten Parensen und Madouni zu einem dritten Personalwechsel.

Kolk erhielt zwei Minuten vor Schluss nach einem kurzen Gefecht mit einem Duisburger Spieler vom Schiedsrichter die gelbe Karte. Noch während der Referee ihm die Karte zeigte applaudierte der Holländer und machte eine Handbewegung, die wohl dem Duisburger Spieler signalisieren sollte, dieser hätte sich vorher fallengelassen. Ob die Gesten dem Schiedsrichter oder dem Gegenspieler galten, war unwichtig, denn Kolk erhielt prompt die gelb-rote Karte.

Der Holländer gab sich danach zerknirscht, erkärte allerdings, er hätte nicht gewusst, dass man in Deutschland für Händeklatschen eine gelbe Karte erhalten würde. Kapitän Mattuschka, der beim Schiedsrichter nach eigenen Angaben noch “Fingerspitzengefühl” gefordert hatte, stellte Kolk allerdings auf Nachfrage keinen Rabatt für die Strafe für die Mannschaftskasse in Aussicht, denn das wüsste dieser bestimmt, dass es für solche Aktionen Gelb gibt.

Bilder: Stefanie Lamm