Heiner Bertram sieht seine Arbeit als Fundament des aktuellen Union-Erfolgs

Union lässt uns ordentlich zappeln was Zugänge zum Team betrifft. Aber spätestens ab Montag, wenn alle aus dem Urlaub zurück sind, können wir mit Verkündungen rechnen. Und sollte Max Kruse tatsächlich bei Union aufschlagen, hoffe ich, dass es dann mit den Insta-Storys vom Pokern im Casino vorbei ist. Dabei bekomme ich nämlich immer so merkwürdige Flashbacks aus Unions Vergangenheit. Hier ist ein Morgenpost-Artikel von 2008, der sich auch mit Pokerrunden beim BFC Dynamo befasst. Mal abgesehen von dieser Nico-Patschinski-Erinnerung verbinde ich nichts Positives mit Glücksspiel und halte schon Sportwettenwerbung für eine Zumutung.

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Dirk Zingler hält 30.000 Union-Mitglieder innerhalb der nächsten 5 Jahre für möglich

Die Bild (€, Bezahl-Link) hat für ihre Rubrik “Mein Klub in 5 Jahren” mit Präsident Dirk Zingler gesprochen. Beim Titel der Rubrik hatte ich erst an ein Vorstellungsgespräch gedacht, bei dem sich die Klubs wie in Höhle-der-Löwen einem Investor vorstellen. Aber es ist ganz harmlos. Dirk Zingler weicht eigentlich in keiner Antwort von dem ab, was wir bereits wissen. Aber er begründet jede Maßnahme wie beispielsweise den Stadionausbau noch einmal ausführlich. Der sei Grundlage, dass Union wirtschaftlich bisher durch die Stadionkapazität gesetzte Grenzen überschreiten könne und allein der Klub davon profitiert, da Union zur absoluten Minderheit der Vereine zählt (nur Schalke und der BVB machen das auch so), die beispielsweise Catering für das Stadion und VIPs komplett selbst abwickeln. Wird mehr Geld verdient, macht sich also nicht ein Zwischenhändler sich die Taschen voll.

Präsident Dirk Zingler, Foto: SF/Matze Koch

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Union ist auswärts nur Durchschnitt. Und deshalb ist das Magdeburg-Spiel so wichtig.

Mal von dem ganzen Sicherheitsaspekt, der die Partie des 1. FC Union beim 1. FC Magdeburg etwas zu überlagern drohte, hat das Spiel für beide Teams eine so große sportliche Bedeutung, weil es kurz vor Weihnachten noch einmal den entscheidenden Trend setzen kann, der dann die Winterpause mental bestimmt. Union ist zwar in der Liga bisher ungeschlagen, hat aber auswärts vor allem Unentschieden geholt (6 Stück und nur 1 Sieg). In der Auswärtstabelle reicht es bei  7:6 Toren in 7 Spielen nur für Platz 10. Für Urs Fischer gilt es, mit einem Sieg oben dranzubleiben und langsam etwas Platz zur Konkurrenz nach unten zu schaffen. Und gleichzeitig wirklich der Atem im Nacken von Hamburg und Köln zu sein. Der Kurier beschreibt diese Ausgangssituation sehr schön.

Bild: via Kicker.de

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Gute Nachricht für Ritter Keule: Weder Felix Kroos noch Rafal Gikiewicz eignen sich als Maskottchen

Vielleicht sollten die Union-Spieler das mit den Reisen zu den WM-Spielen ihrer Nationalmannschaften einfach sein lassen. Nach Felix Kroos war gestern auch Rafal Gikiewicz in Moskau. Polen verlor wie Deutschland sein Auftaktspiel. Damit dürfte auf jeden Fall der Arbeitsplatz von Ritter Keule in der nächsten Saison gesichert sein, denn weder Kroos noch Gikiewicz eignen sich somit als Maskottchen (um auch mal einen platten Pseudozusammenhang herzustellen wie das gerade so beliebt ist). Bei Bild gibt es noch etwas mehr zum Ausflug von Unions neuem Keeper zur WM.

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Statt neuer Gerüchte ist jetzt Ruhe im Karton

Nein, heute gibt es keine neuen Gerüchte von Sport1. Und in der Bild gibt es heute als große Geschichte (leider nicht online): “Berater bestätigt, was Bild meldete: Lieberknecht wird nicht Union-Trainer”. Im Prinzip ist das eine Nicht-News, denn genauso gut könnte man schreiben: “Joachim Löw wird nicht Union-Trainer”. Die Kollegen werden aber sicher ihre Gründe haben, warum der Sportchef persönlich eine solche Meldung ins Blatt hebt. Mein Highlight war darin das Zitat von Lieberknecht-Berater Marc Kosicke: “Es hieß auch, Torsten sucht Kita-Plätze für seine Kinder. Dabei gehen die längst zur Schule.” Der Sport1-Text, der dieses Kindergarten-Gerücht unter anderem veröffentlicht hat, ist übrigens nicht mehr aufrufbar:

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Grüße an die Bild: Wenn jemand das Präsidium auflöst, dann sind wir das

Ich hatte gestern bei Chris Icke auf Facebook den Aufruf gelesen, auch in schwierigen Zeiten wieder geschlossen und zusammen zu stehen. Gerade, weil die Mannschaft diese Unterstützung aktuell sehr dringend benötigt. Und wir uns gegenseitig dieser Unterstützung auch versichern müssen. Wahrscheinlich war ich nicht alleine fassungslos und konsterniert am Sonnabend beim 0:1 gegen Dresden. Aber egal wie unzufrieden ich bin oder wie viele Fragen von der Vereinsführung nach der Keller-Entlassung und Hofschneider-Verpflichtung noch unbeantwortet sind, die Mannschaft und auch der Trainer bekommen von mir jede Unterstützung, weshalb ich diese Worte hier voll mittrage:

Facebook: Chris Icke

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Zahlen, die hinterfragt werden sollten

Für ein bisschen Aufregung hat gestern dieser Text des Kuriers gesorgt, der seltsam unkritisch einfach die Zahlen der Berliner Polizei aus ihrer in “Szenekunde Sport” umbenannten Datei übernimmt. Da kann man jetzt Lügenpresse schreien und behaupten vom Kurier sei nie jemand bei Auswärts- oder Heimspielen dabei, wie ich es in Kommentaren auf Facebook gelesen habe. Oder man kann einmal tief durchatmen, sich einfach fragen, ob die Leute in einer Redaktion nicht miteinander sprechen. Da hätte ein Gespräch mit Sportkollegen durchaus geholfen, zu dem Schluss zu kommen, dass ein kritischer Umgang mit den Darstellungen der Polizei angebracht ist. Erinnert sei hier an die Vorkommnisse rund um das Spiel gegen Austria Salzburg (Morgenpost), bei dem die Darstellungen der Polizei erst durch Videomaterial von Union komplett korrigiert wurden.

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Mir wird ein Paul Thomik fehlen.

Die Saison ist fast zu Ende. Jetzt könnten Trainer oder Spieler ein Fazit ziehen. Wir haben uns aber gedacht, wir überlassen das den Journalisten, die Union das ganze Jahr über verfolgt haben. Bis zum letzten Spieltag am 15.Mai in Karlsruhe wird jeden Tag ein Berliner Sportjournalist beim Textilvergehen sein Saisonfazit ziehen. Bereits zu Wort gekommen sind Mathias Bunkus (Berliner Kurier), Sebastian Stier (Tagesspiegel), Jürgen Schulz (BZ/Taz) und Matze Koch (freier Journalist und Fotograf).

Klaus-Dieter Vollrath (Bild) verfolgt Union seit 2000.

Aufgrund der wirtschaftlichen Bedingungen, die der 1.FC Union hat, wurde nicht nur eine durchwachsene, sondern eine ordentliche Saison gespielt. Auch wenn es zwischendurch grausame Partien und wenig Heimsiege gab. Gerade letzteres hatte Union immer ausgezeichnet. Trotzdem kann und muss der Verein mit diesem Ergebnis zufrieden sein.

Was den Kader betrifft, sehe ich im Sturm durch den Wegfall von Benyamina eine schwere Aufgabe auf Union zukommen. Das wird nicht einfach, angemessenen Ersatz zu finden. Halil Savran hat dort noch nicht geschafft, was er erreichen wollte. Auf den anderen Positionen sollte etwas gepackt werden, wobei mir persönlich von der Spielanlage her ein Paul Thomik fehlen wird.

Grundsätzlich finde ich es erst einmal gut, dass Union das schwierige zweite Jahr überstanden hat. Ich glaube auch, dass sich der Verein längerfristig mit einfachen Mitteln, mit viel Kampf, vielleicht auch kleinen Überraschungen in der zweiten Liga festsetzen wird. Ich wage es zu bezweifeln, dass Union in diesem Jahr einfach nur Glück mit den schwachen Mannschaften unten hatte.

Weiterbildung

Wir waren in der letzten Woche auf der re:publica 2010 und haben uns unter anderem eine Veranstaltung angesehen, die mit dem Thema “Deutsches Fussball-Bloggen im Jahr der WM” warb. Dort ging es größtenteils um bestimmte Unsicherheiten, denen sich (nicht nur) Fußballblogger ausgesetzt sehen: Dürfen Vereinslogos zur Berichterstattung verwendet werden? Darf während eines Spiels das Fußballfeld photographiert werden? Wie sieht es mit der Einbettung von Videos aus Youtube aus?

Ein Ansprechpartner war der für “Internet” verantwortliche Vertreter der Presseabteilung von Hertha BSC, Robert Burkhardt. Und dieser sprach, dass eine Verwendung des Logos von Hertha aufgrund des Urheberrechtes im Internet nicht genehmigt werde. Der anwesende Rechtsanwalt Thorsten Feldmann relativierte diese Aussage, indem er darauf hinwies, dass der Schöpfer dieses Logos sicher bereits über 70 Jahre tot sei und das Logo damit gemeinfrei. Eine pauschale Untersagung mit Bezug auf das Urheberrecht muss also nicht gegeben sein. Der zweite Punkt ist der, dass die Verwendung eines Logos im Zuge einer Berichterstattung sicher nicht durch das Urheberrecht untersagt werden kann. Unsere Frage, ob der Kicker für seine Print- oder Onlineausgabe um Erlaubnis für das Abdrucken des Logos gefragt hat, wurde verneint. Gegen die Bild-Zeitung, die als Sinnbild des sportlichen Misserfolgs das Logo zertrümmert darstellt, werde nach Auskunft von Robert Burkhardt ebenfalls nicht vorgegangen. Hier gelten also zwei unterschiedliche Maßstäbe. Um Rechtstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen, helfen uns zwei Dinge: Kommunikation mit den entsprechenden Personen, um Rechte zu klären und eventuell auftretende Streitigkeiten auf dem kurzen Weg ohne Anwalt zu klären. Außerdem Sorgfalt bei der Recherche.

Heute war wieder einmal zu beobachten, dass solche Herangehensweise nur funktioniert, wenn sie beidseitig betrieben wird. Die Axel Springer AG ging per Abmahnung gegen das Bildblog vor. Konkret ging es um einen Fehler in der Berichterstattung über eine Rüge des Presserates gegen “Welt Online”, der vom verantwortlichen Redakteur nach eigenen Aussagen nach ein paar Stunden korrigiert wurde. Trotzdem mahnte die Axel Springer AG ab. Die Abmahnung wurde sowohl an den Redakteur als auch an den Verantwortlichen im Sinne des Telemediengesetzes geschickt. Das erweckt den Anschein, als ob dadurch die Anwaltskosten künstlich erhöht werden sollten. Erhält man eine solche Abmahnung und unterschreibt die beigefügte Unterlassungserklärung, so ist man verpflichtet, der Gegenseite die  entstandenen Anwaltskosten zu ersetzen. Die Axel Springer AG macht Auslagen in Höhe von 2407,36 € geltend. Zusätzlich zu den eigenen Anwaltskosten des Bildblogs, versteht sich. Ob man sich, anstatt zu zahlen, auf einen Prozess einlässt, kommt angesichts der Macht des Gegenüber der Wahl zwischen Strick und Pistole gleich. Wie gesagt, es geht um ein Problem, das bereits behoben ist und sich im Zweifelsfalle auch mit einem Telefonanruf schnell erledigt hätte. Einen Reim auf diese Vorgehensweise mag sich jeder selbst machen.

Wir, die wir das Textilvergehen bisher als Hobby betreiben, möchten uns auf diesem Weg bei allen Verantwortlichen im Verein bedanken, die uns an vielen Stellen unterstützen und uns auch ihre Zeit widmen, wenn es nötig ist. Das gleiche betrifft auch die festen und freien Journalisten, die uns bei der Informationsbeschaffung nicht vergessen oder für Gespräche zur Verfügung stehen. Ganz besonderer Dank gebührt dabei Mathias Bunkus vom Berliner Kurier, der als Gast im Podcast mit Analysen  und Hintergrundberichten für einen erheblichen Mehrwert sorgt. Und nicht zu vergessen die Photographen rund um Union, die uns sehr oft Bildmaterial zur Nutzung im Blog überlassen. Danke.

Baustellen aufmachen, die keine sind

Auf der Mitgliederversammlung verkündete Präsident Dirk Zingler nicht nur erfreuliche Dinge, wie den positiven Bilanzabschluss mit über 400.000 € Gewinn. Er kündigte auch eine Verstärkung der Mannschaft an. Dies solle bereits im Winter geschehen mit Blick nicht nur auf die Rückrunde sondern auch die nächste Saison.
Nun wird der Trainer von der B.Z. wie folgt zitiert:

Neuhaus: „Wir haben eine Menge Gegentore kassiert, da muss man hinten schon überlegen.“ Gesucht werden laut Neuhaus „ein bis zwei Innenverteidiger und ein Torwart“.

Auch die Bild schreibt von Neuhaus ähnliches:

„Nach so vielen Gegentoren muss man sich Gedanken machen.“ […] „Wir wollen Bundesligaspieler holen, die bezahlbar sind.“

Zwei verschiedene Reporter bringen das gleiche Thema. Und von Uwe Neuhaus wird man nicht behaupten können, dass ihm vor der Presse etwas herausrutscht, was er nicht sagen wollte. Er wird es also bewusst ausgesprochen haben. Nur was will uns der Trainer damit sagen?

Michael Kranz zieht auf seinem Blog “Union-Spion” bei der BZ jedenfalls folgende Schlüsse:

  • Union will die 1. Bundesliga angreifen
  • Glinker verliert seinen Status der Unantastbarkeit und könnte sich bald auf der Bank wiederfinden
  • Neuhaus möchte Druck auf seine Spieler aufbauen

Nichts dagegen, eine sich bietende Chance zu nutzen, aber wie kann ein Verein, der sich gerade strukturell wieder auf den Profifußball einstellt, auch nur ansatzweise mit einem Aufstieg liebäugeln. Das macht auch das Präsidium nicht. Am Saisonziel “Klassenerhalt” wurde nicht gerüttelt. Spricht man über dieses Wort “Durchmarsch”, kommt einem doch schnell das Stichwort Ulm in den Sinn. Der Prototyp eines Vereins, der schnell nach oben kommt und, weil er nicht organisch gewachsen ist, ebenso schnell wieder nach unten rauscht.

Union hat momentan einen Etat von etwas mehr als 11 Millionen Euro. Ganz oben in der 2. Liga tummeln sich Verein mit 21 Millionen Euro Jahresetat. Und so schön es ist, dass der 1. FC Wundervoll mit dem viertniedrigsten Etat sich momentan auf dem viertbesten Platz befindet, so unrealistisch ist es, dass man bestimmte Entwicklungen einfach überspringen könnte. So sprach Präsident Zingler auch während seines Vortrags auf der Mitgliederversammlung davon, dass der Gesamtetat ständig weiter erhöht werden müsse, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Zur Antastbarkeit von Jan Glinker. Es gibt derzeit keinen ernsthaften Konkurrenten auf der Torhüterposition bei Union, der einen gesunden Jan Glinker verdrängen könnte. Daran gibt es nichts zu deuteln. Der nominell zweite Torhüter Carsten Busch spielt in der zweiten Mannschaft und ist bereits 29 Jahre alt. Überzeugt hat dieser bei seinen Einsätzen bisher nicht. Christoph Haker als Nummer drei ist gerade 18 Jahre alt und vielleicht zu jung als Nummer zwei. Aber wieso eigentlich nicht? Wozu jemanden als Ersatz verpflichten, wenn es auf der Position nicht brennt. Und das im Winter, wo Spieler unnötig teuer sind. Das vermag auch Michael Kranz in seinem heutigen Artikel “Darum sucht Union einen neuen Keeper” nicht erklären. Seine Argumente sprechen nicht für ein Torhüterproblem. Nicht einmal im entferntesten.

Den Druck auf die Mannschaft erhöhen. Das mag vielleicht sein. Aber wozu über die Medien? In einem Umfeld, wo sich der Verein so bemüht, seine Spieler von den Medien abzuschirmen, um deren Konzentration hochzuhalten.

Der Blick auf die wirtschaftliche Situation von Union ist ein positiver Ausblick in die Zukunft. Mehr noch nicht. Aber das ist eine enorme Leistung, wenn man sich die vergangenen Jahre vor Augen hält. Große Sprünge auf dem Transfermarkt sind damit trotzdem nicht zu machen. Schon gar nicht drei Spieler im Winter auf Positionen, wo es nicht brennt. Vielleicht hat die sportliche Leitung bereits einen Spieler nicht nur im Blick sondern bereits an der Angel, der bereits im Winter verfügbar sein könnte. Das wäre eine einfache Erklärung. Und alles andere nur eine Nebelbombe.