Union ist auswärts nur Durchschnitt. Und deshalb ist das Magdeburg-Spiel so wichtig.

Mal von dem ganzen Sicherheitsaspekt, der die Partie des 1. FC Union beim 1. FC Magdeburg etwas zu überlagern drohte, hat das Spiel für beide Teams eine so große sportliche Bedeutung, weil es kurz vor Weihnachten noch einmal den entscheidenden Trend setzen kann, der dann die Winterpause mental bestimmt. Union ist zwar in der Liga bisher ungeschlagen, hat aber auswärts vor allem Unentschieden geholt (6 Stück und nur 1 Sieg). In der Auswärtstabelle reicht es bei  7:6 Toren in 7 Spielen nur für Platz 10. Für Urs Fischer gilt es, mit einem Sieg oben dranzubleiben und langsam etwas Platz zur Konkurrenz nach unten zu schaffen. Und gleichzeitig wirklich der Atem im Nacken von Hamburg und Köln zu sein. Der Kurier beschreibt diese Ausgangssituation sehr schön.

Bild: via Kicker.de

Und für Magdeburg geht es um den ersten Heimsieg. Es geht darum, unter dem neuen Trainer Michael Oenning erstmals zu gewinnen. Nur ein Sieg schafft den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze. Da unten in der Tabelle hat sich gerade eine aus nur 5 Teams gebildet, die aktuell die Abstiegsplätze unter sich auszumachen scheinen. Wobei alle glauben, dass Ingolstadt da wieder raus kommt. Der Tagesspiegel beschreibt, wie dem Team aus Sachsen-Anhalt die Aufstiegseuphorie und Trainer Jens Härtel abhanden gekommen ist.

Die Morgenpost beschreibt Urs Fischers Wahl zwischen Sebastian Andersson und Sebastian Polter im Sturm. Meine Vermutung ist, dass wir heute eher Sebastian Polter und auf dem eher nicht so gutem Rasen in Magdeburg viele lange Bälle sehen werden, die der Angreifer festmachen soll. Das dürfte auch die Mittelfeld-Diskussion etwas in den Hintergrund rücken. Ich vermute auch eher Felix Kroos von Beginn an. Was mich grundsätzlich an der Mittelstürmer-Diskussion etwas nervt: Auf den Außenbahnen wird viel krasser gewechselt. Da stehen die Spieler einmal in der Startelf und im nächsten Spiel sind sie vielleicht nicht einmal im Kader.

Bei den Gästen ist Rico Preißinger wieder eine Option im Mittelfeld (Volksstimme). Und der Tagesspiegel widmet sich heute Unions Innenverteidigung.

So sah übrigens vor mehr als zehn Jahren der Gästeblock in Magdeburg aus. Es gibt auch ein Video davon.

Auf den anderen Plätzen

Heute spielt die B-Jugend gegen Dresden. Anpfiff ist 13 Uhr am Bruno-Bürgel-Weg. Bereits gestern holten die A-Junioren im Heimspiel gegen den Konkurrenten im Abstiegskampf Carl Zeiss Jena ein 1:1. Damit wurde zwar die wahnsinnig lange Niederlagenserie in der Liga (8 Mal in Folge verloren) durchbrochen. Aber ein Befreiungsschlag sieht anders aus. Das Team liegt aber jetzt in der Pflichtspielpause weiter mit 4 Punkten vor einem Abstiegsplatz. Der letzte Sieg gelang am 25. August gegen Hannover. Das war ein 2:0 am 3. Spieltag. Fotos vom Unentschieden gegen Jena gibt es hier.

Und sonst so?

Ich bin kein großer Freund davon, falsche oder irreführende Berichte hier zum Thema zu machen. Meine Befürchtung liegt darin, dass ich sie damit auch noch weiterverbreite. Und erst recht bin ich kein Freund von Medienbashing. Das ist langweilig. Wer es besser kann, soll es bitte besser machen. Nachdem diese Woche etwas Panik im Hinblick auf die Sicherheitslage in Magdeburg geschürt wurde, dachte ich allerdings, dass das vielleicht ein guter Anlass ist, sich mal mit einem anderen Thema zu befassen, nämlich der Berichterstattung über den Wegfall der Montagsspiel ab der Saison 2021. Dazu habe ich einmal zwei Texte aus der Bild herausgesucht, die aus  meiner Sicht etwas irreführend sind. Einer erschien zum Nikolaustag und fragte: “Ist die 2. Liga doof?” (Bild Bezahllink, der gleiche Text erschien online auch bei der BZ, allerdings mit anderer Überschrift und mehr Zitaten von Dirk Zingler).

Darin werden gleich mehrere Dinge durcheinandergerührt, so dass es im Text eine Soße ergibt. Grundthese: Am Montag haben die Zweitligisten eine solche Aufmerksamkeit wie an keinem anderen Tag und sie verzichten nun auf eine sichere Einnahme von 20 Millionen Euro. Als Beleg dafür darf Sport1-Geschäftsführer Olaf Schröder etwas sagen, der von Aufmerksamkeit für Sponsoren etc. spricht. Und das ist schon der erste schiefe Vergleich. Denn natürlich war das Montagsspiel wichtig gerade für die Fernsehpräsenz der Sponsoren im Stadion. Aber hier kommt auch der Haken: Nur so lange es im Free-TV lief. Das ist seit dieser Rechteperiode nicht mehr der Fall. Sport1 hat gar keine Live-Rechte mehr am DFL-Fußball. Weder im TV noch im Radio.

Nun wurde der Montagabend nicht ersatzlos abgeschafft, sondern soll durch einen Samstagabendtermin ersetzt werden (hier die Mitteilung der aller Zweitligaklubs dazu). Als weiteres Beispiel schreibt die Bild: “Die Bundesliga hat den Samstagabend im Jahr 2000 ausprobiert – und ist kläglich gescheitert. Droht der 2. Liga ein ähnlicher TV-Flop? Wagt sich ein Sender an den Samstagabend heran?” Gefragt wird RTL, die nicht dafür bekannt sind, irgendwelche Bundesliga-Live-Rechte erworben zu haben. Wir können uns ausmalen, dass dieses Übertragungsrecht vor allem für Eurosport, DAZN oder Sky interessant wäre.

Und am Ende dann im Text dieser Satz:

Die drohende Einbuße von über 20 Millionen für den Verzicht auf Montagspiele sollen die Zweitliga-Bosse nach Bild-Informationen nicht einmal fürchten. Sie träumen davon, dass die Bundesliga den Verlust auffängt.

Ob die Bundesliga zusätzlich noch mehr dazu gibt nach der Abschaffung der Montagspiele, ist sehr fraglich. Ist die 2. Liga doof? Das wird sich zeigen…

Hier wird suggeriert, die Zweitligisten würden sich in eine Hängematte legen und es sich schön machen, da die Bundesliga dafür zahlt. Kein Wort davon, dass der Samstagabend als separates Rechtepaket ausgeschrieben wird und damit auch Einnahmen bringt, die sicher die des Montags ersetzen können. Und ob die im Text genannten 20 Millionen Euro Einnahmen durch Montagsspiele sich auf eine Saison oder die gesamte Rechteperiode beziehen, erfahren wir auch nicht. Denn die DFL gibt keine Einzelzahlen heraus, wie viel sie je Rechtepaket erlöst hat.

Freitagabend kam noch eine Kolumne, in der sich Alfred Draxler in der Bild als Fan zweiter Klasse bezeichnet hat, weil er in 3 Jahren nicht mehr am Montagabend das Zweitligaspiel live  im TV sehen kann. Er als Fernsehzuschauer sei nicht gefragt worden. Und deshalb eben Fan zweiter Klasse. Auf diese Argumentationskette muss man erst einmal kommen. Das ist genauso gut wie der Moment, in dem Friedrich Merz sich in seinem Kampf um den CDU-Parteivorsitz als Teil der Mittelklasse darzustellen versuchte.

Erst einmal muss man sagen, dass Fans konstant seit Einführung der Montagsspiele dagegen protestieren. Alfred Draxler hatte also seit 1993 die Möglichkeit, sich an dieser Diskussion zu beteiligen. Und dass er, der nun wirklich mit Entscheidern in der Bundesliga eine sehr lange Beziehung pflegt, sich als Alfred Mustermann darzustellen versucht, der sich in einer Kneipe gerne bei einem Pilsken Bochum gegen Regensburg reinzieht, kann ihm doch echt keiner abnehmen.

Dazu kommt: Es gab erst mit dieser Rechteperiode die tatsächliche Möglichkeit, die Montagsspiele abzuschaffen. Indem sie wie oben schon erwähnt, aus dem Free-TV ins Pay-TV abgewandert sind. Damit ist den Zweitligisten ein Argument für einen höheren Preis für Werbung im Stadion (Bandenwerbung, Trikotsponsoring, etc.) abhanden gekommen. Und dann stand tatsächlich im Raum, am Terminplan etwas ändern zu können. Bei Christian Seifert (Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung und Chef-Geldbeschaffer für die Vereine in der DFL, weil er die Ausschreibung der Rechte von Anfang bis Ende durchführt) dürfte der Auftrag der Zweitligisten nicht schlecht angekommen sein. Denn es gibt ein konkretes Ausweichangebot und nicht den bloßen Auftrag, gleich viel oder mehr Geld zu erlösen wie bisher, nur mit weniger Rechtepaketen.

Womit die Bild aber durchaus Recht hat: Für die Sender, die aktuell die Rechte halten, ist es ein bisschen so als ob sie nun eine Ware anbieten, von der jeder weiß, dass sie ungeliebt ist. Das hat Eurosport-Moderator Jan Henkel in diesem Interview mit Bezug auf die Montagsspiele der Bundesliga auch deutlich gemacht. Andererseits müssen im nächsten Jahr Entscheidungen über die Rechtepakete getroffen werden, die müssen dann in Abstimmung mit dem Kartellamt ausgeschrieben und vergeben werden. Das alles geht innerhalb der nächsten anderthalb Jahre über die Bühne. Wann also, wenn nicht jetzt, hätte darüber entschieden werden sollen?

Update: In einer früheren Version stand, dass die Bild die Verschiebung der Montagsspiele auf Samstag-Abend mit der Verschiebung des Beginns der Spielzusammenfassung bei Ran auf 20.15 Uhr vergleicht. Das war allerdings falsch von mir. 2000 floppte ein Anstoß der Bundesliga-Spitzenpartie um 20.15 Uhr.

2 Gedanken zu „Union ist auswärts nur Durchschnitt. Und deshalb ist das Magdeburg-Spiel so wichtig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.