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Kann Union seine starke Transfer-Bilanz in dieser Saison wiederholen?

Mit bisher neun Neuverpflichtungen ist Union zwei Monate vor dem Start der neuen Bundesligasaison schon ziemlich weit mit der Zusammenstellung des für das dritte Jahr in der ersten Liga. Klaren Handlungsbedarf gibt es Stand jetzt noch, um im Sturm etwas mehr Kadertiefe und Optionen zu schaffen, und falls Abgänge etwa von Marvin Friedrich oder Robert Andrich noch Lücken reißen sollten. Schaut man darauf, wie viel Bewegung es in den Kadern der anderen Bundesligisten bisher gab, scheint Union mit seinen Planungen und deren Umsetzung wirklich früher dran zu sein als ein großer Teil der Konkurrenz.

Wie gut diese Transfers sind, kann man natürlich erst im Nachhinein wirklich einschätzen. Aber nicht umsonst ist das Vertrauen in Oliver Ruhnert als Architekt von Unions Mannschaft inzwischen geradezu sprichwörtlich groß. Denn über die vergangenen Jahre ist es ihm und Unions sportlicher Führung insgesamt gelungen, die Mannschaft mit ziemlich viel personeller Rotation stetig zu verbessern, dabei aber trotz der Umwälzungen ihre Identität und ihren Charakter zu erhalten.

Dafür sind natürlich viele Entscheidungen wichtig, unter anderem auch darüber, welche Spieler man bereit ist abzugeben und welche man im Kader hält. Aber entscheidend ist eben auch, wie gut Neuzugänge funktionieren. Und für die der vergangenen Saison können wir zurückschauen und das bewerten. Das will ich hier einmal machen, und dazu habe ich die Neuzugänge der letzten Saison in drei Kategorien eingeteilt:

Volltreffer

Robin Knoche wurde inzwischen meiner Wahrnehmung nach oft genug als unterschätzter, wichtiger Spieler in Unions Mannschaft gelobt, dass dieses Prädikat schon nicht mehr zutrifft. Das ändert aber natürlich nichts daran, wie stark er gespielt hat. Einen Innenverteidiger auf so gutem Bundesliga-Niveau in seinen besten Jahren (Knoche kam mit 28 zu Union) ablösefrei zu verpflichten ist genau die Art Ruhnert-Transfer, die Union entscheidend geholfen hat, zweimal souverän die Klasse zu halten.

Gleiches gilt für die Verpflichtung von Andreas Luthe. Dabei wurde dessen Wechsel, letztlich im Tausch mit Rafał Gikiewicz, deutlich skeptisch gesehen vor der Saison. Aber Luthe hat auch schon vor der spektakulären Leistung zum Saisonfinale gezeigt, dass er ein ordentlicher Bundesliga-Keeper sein kann.

Neuzugänge
Nico Schlotterbeck, Max Kruse, Robin Knoche, Joel Pohjanpalo und Andreas Luthe gehören zu den vielen Transfers von Oliver Ruhnert, die aufgegangen sind. Photo: Matze Koch

Alle drei Stamm-Innenverteidiger von Union haben eine starke Saison gespielt, und auch Nico Schlotterbeck ist es wirklich gelungen, wie in der Vorsaison sein Bruder Keven mit seiner sehr selbstbewussten Spielweise ein belebendes spielerisches Moment in Unions Aufbau zu sein.

Und natürlich ist in dieser Kategorie auch noch der Neuzugang zu nennen, für den es die meiste Aufmerksamkeit gab, Max Kruse. Wenn Kruse fit und in Form war, hat er Unions Offensive aus eigenem Ballbesitz heraus deutlich besser gemacht und war er der Spieler bei Union, der offensiv in der Bundesliga weit überdurchschnittliche individuelle Qualität hat. Das war tatsächlich ein entscheidender Beitrag zu Unions Weiterentwicklung in dieser Saison.

Dass Unions Spiel aber auch in den Phasen ohne Kruse funktioniert hat, lag nicht zuletzt an einem Spieler, den ich nicht ganz als Transfer-Volltreffer einordnen würde, der aber klar das Prädikat “Erwartungen übertroffen” verdient: Taiwo Awoniyi. Seine Leihe ist also ein bisschen wie einer seiner Schüsse, bei denen er den Ball nicht ganz sauber, aber trotzdem das Tor trifft. Awoniyi hat mit seiner Wucht und Schnelligkeit bei Kontern eine wichtige Funktion in Unions Spiel übernommen, vor allem zusammen mit Sheraldo Becker. Aber seine Schwächen sind wohl auch zu groß, um für ihn eine Ablöse zu zahlen, die ein vielfaches von Unions Rekord-Transfersumme beträgt. Und weil so eine Summe (im hohen einstelligen Millionen-Bereich) wohl notwendig wäre, um ihn zu verpflichten, rechne ich nicht damit, dass das passiert.

Rollenspieler

Die Spieler in dieser Kategorie haben in dieser Saison keine so große Rolle gespielt, aber trotzdem im großen und ganzen das abgeliefert, was man von ihnen erwarten konnte. Denn bei ihnen war das eben auch nur, den Kader an den Rändern zu vervollständigen und hier und da Minuten zu übernehmen. Das hat Niko Gießelmann als Linksverteidiger ebenso gemacht wie Sebastian Griesbeck im Mittelfeld und Cedric Teuchert auf den offensiven Positionen. Aber es zeichnet sich auch bei keinem von ihnen ab, dass sie in der kommenden Saison eine viel zentralere Rolle einnehmen werden.

Ein wenig anders ist der Fall von Joel Pohjanpalo, der Teil der Rotation im Angriff war und dabei wie die anderen Anwärter auf Spielzeit in dieser Position mehr und weniger effiziente Phasen hatte. Auch bei ihm ist, wie bei Awoniyi, sehr unwahrscheinlich, dass wir ihn über seine Leihe hinaus bei Union sehen werden.

Gemessen an seiner Spielzeit und seinem Einfluss auf die Saison gehört auch Keita Endo in diese Kategorie. Allerdings mit dem Unterschied, dass er am ehesten ein Kandidat für einen deutlichen Schritt nach vorn ist. Denn sein Potential war einige Male zu sehen, und wenn er noch besser in der Bundesliga ankommt und sich körperlich und in der Entscheidungsfindung steigert, ist er der Spieler, der eine ähnlich gute zweite Saison haben könnte wie Sheraldo Becker sie gerade gezeigt hat.

Enttäuschungen

Aus der Einleitung dieses Fazits mit viel Lob für Oliver Ruhnert ergibt sich schon, dass die Kategorie von Spielern, die deutlich hinter den Erwartungen zurück geblieben sind nicht allzu stark gefüllt sein kann. Auch wenn es vielleicht ein bisschen harsch ist, würde ich Petar Musa in dieser Kategorie sehen. Denn trotz eines guten Spiels gegen Bremen, als er maßgeblich an den Toren von Joel Pohjanpalo und dem Sieg beteiligt war, konnte er sich auf Bundesliga-Niveau letztlich nicht beweisen.

Loris Karius und Leon Dajaku waren Leihspieler, die letztlich fast keine Rolle gespielt haben. Aber obwohl sie letztlich nicht in der Mannschaft ankamen, standen sie deren Erfolg auch nicht im Weg. Vor allem bei Karius, dessen persönlicher Anspruch als Nummer 2 ganz sicher nicht erfüllt wurde, hätte man sich das vielleicht auch anders vorstellen können. Dajakus Leihe läuft wohl eigentlich auch noch in der nächsten Saison, ob wir ihn dann aber wirklich noch in Unions Kader sehen werden, ist für mich noch offen.

Der schon vor zwei Jahren gekommene Christian Gentner verabschiedet sich mit einem Instagram Post noch einmal von Union.

Und sonst so

Ohne Christopher Trimmel aber mit einer sehr befremdlichen Sympathiebekundung für den gesperrten Marko Arnautovic hat Österreich bei der EM klar gegen die Niederlande verloren:

7 Kommentare zu “Kann Union seine starke Transfer-Bilanz in dieser Saison wiederholen?

  1. Bisher bin ich zufrieden mit den 9 Neuen. Ist aber nicht so, das ich in Jubel ausbreche ;-)

    Scheint diesmal mehr Quantität als Qualität zu sein.

    Oder ich bin verwöhnt dank Subo, Gente, Kruse? :-)

    Ich bleib dabei: Ruhnert soll mal den Podolski fragen ob er ein Jahr an der AF spielen will.

  2. Christopher 87

    Podolski
    Ein sehr sehr guter Einwurf und nicht mal unwahrscheinlich!!!!

  3. Es fehlt definitiv noch ein Stürmer. Hoffe ja das Ruhnert es noch einmal bei Krüger von Aue versucht oder sich das wilde Gerücht um Quaison manifestiert. Sonst sehe ich den Kader selbst bei Abgängen von Andrich und Friedrich momentan gut aufgestellt. Wichtig ist nie zu vergessen: wir spielen nur gegen den Abstieg. Die letzte Saison war unfassbar, die kann also kein Masstab sein.

  4. Torsten Sahn

    Podolski?
    Es gibt doch schon genügend Dönerbuden in Köpenick.

  5. Ich sehe Karius nicht als Enttäuschung. In den Spielen, in denen er gespielt hat, hat er gute Leistungen gezeigt und Luthe war eben den hauch besser, sodass er sich als Nummer eins durchgesetzt hat. Es gibt halt im Spiel keine zwei Torhüterpositionen, die zu besetzen wären ;) – wenn also, dann würde Karius in die zweite Kategorie fallen.

  6. Christopher 87

    Timmy Thiele
    Collin Quaner
    Steven Skrzybski

    Drei Stürmer;-)
    Wobei nur einer Bundesliga tauglich wäre …

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