Blog State of the Union

Union verliert deutlich in Wolfsburg und kommt Europa dennoch etwas näher

Ja, Union hat gestern in Wolfsburg eine verdiente Niederlage hinnehmen müssen. Ja, sie war in ihrer Deutlichkeit vermutlich die klarste – beim 2:5 in Frankfurt gab es mehr Möglichkeiten das Spiel enger zu gestalten – der Saison. Ja, Oliver Ruhnert kritisierte nach dem Spiel nicht ganz zu Unrecht, dass viele Spieler nicht an ihr volles Leistungsvermögen herangekommen wären. Schreibe ich diese Zeilen deswegen gerade mit einem Grummeln, mit schlechter Laune?

Mitnichten! Und das hat viele Gründe. Union-unabhängig ist natürlich der Blick aus dem Fenster ein ziemlich verlockender. Aber auch der Blick auf die Tabelle lässt die herbe Niederlage fast schon wieder vergessen: Denn kurioserweise ist Union einer möglichen Europa-Pokal-Teilnahme sogar einen kleinen Schritt näher gekommen. Durch die noch viel deutlichere Klatsche von Gladbach in München (0:6) beträgt der Rückstand auf Platz sieben und die Europa-Conference-League-Playoffs (was für eine Aneinanderreihung von Wörtern) nur noch ein Tor.

Union ist damit nicht nur der einzige Bundesligist, der diese Saison gegen den Münchner Serienmeister ungeschlagen geblieben ist, sondern hat vor den ausstehenden zwei Spieltagen keine schlechten Chancen noch an Gladbach vorbeizuziehen. Schließlich trifft Union auf zwei Mannschaften (Leverkusen, „Leipzig“) für die es um weniger geht als für einen von Gladbachs Gegnern (Werder Bremen).

Am Spiel selbst war der Auftritt von Andreas Luthe am erfreulichsten. Unions Nummer eins hat sich scheinbar von den Torwart-Gerüchten (Nübel, Rönnow) unter der Woche null beeinflussen lassen und zeigte einige tolle Paraden, die Union lange Zeit im Spiel hielten. Exemplarisch war dann jedoch das 0:3 bei dem Luthe alles versuchte und sich dennoch wie das ganze Team endgültig geschlagen geben musste.

Andreas Luthe hielt, was es zu halten gab. Foto: Matze Koch

Auch gestern steckte das Team von Urs Fischer bis zum dritten Tor von Josip Brekalo in der 90. Minute nicht auf. Die Mentalität stimmte. Wolfsburg spielt jedoch brutal zielstrebig, nahezu immer direkt und nutzte seine Chancen effektiv. Hinzu kam dann noch ein Quäntchen Glück beim 0:2. Alles in allem war die Niederlage aber vollkommen verdient, auch wenn sie laut xGoals-Statistik (1,94:0,58) wohl ein Tor zu hoch ausfiel. Manchmal muss man dann vielleicht auch einfach anerkennen, wenn der Gegner besser war.

Union-Fangesänge vor dem Stadion

Nach vorne erzeugte Union schließlich nur durch Joel Pohjanpalo so etwas wie Gefahr. Nach einer Chance des Stürmers waren dann um die 60. Minute herum Union-Fangesänge von vorm Stadion zu hören. Wie Oliver Ruhnert im Interview nach der Partie verriet, wurde der Mannschaftsbus schon vor Spielbeginn von einigen Eisernen Bikern zum Stadion geleitet.

Insgesamt waren es wohl rund 100 Positiv-Bekloppte, die sich auf den nicht allzu weiten Weg nach Wolfsburg gemacht hatten und das Team vor den Stadiontoren anfeuerten.

Auch Christian Gentner zeigte sich von der Unterstützung beeindruckt und sagte:

„Wir haben das tatsächlich wahrgenommen. Union ist ein spezieller Verein, mit einer spezielle Fan-Kultur. Dass Fans uns hierher begleiten und lautstark bemerkbar machen, zeichnet diesen Verein aus.“

Und bevor jemand meckert: Auf einem Video zur Aktion ist zu erkennen, dass eigentlich alle Fans Masken aufhatten und Abstand zueinander einhielten.

Persönlich kann ich dem Spiel trotz der herben Niederlage also insgesamt viel Positives abgewinnen. Wirkliche Wermutstropfen waren eigentlich nur der kurzfristige Ausfall von Robert Andrich vor dem Spiel und der verletzungsbedingte Ausfall von Marcus Ingvartsen im Spiel.

Was die Berliner Medien zur Niederlage schreiben, könnt ihr hier nachlesen.

Medienberichte zum Union-Spiel in Wolfsburg

Urs Fischer äußert sich zu seiner Zukunft

In einem Interview hat Urs Fischer über seine Zukunft gesprochen. Der wichtigste Satz für alle Union-Fans ist sicherlich dieser:

Ich fühl mich wohl hier in Berlin und sehe mich auch nächste Saison hier.

Ansonsten spricht Fischer noch über den Medienrummel in der Weltstadt Berlin und über seine bisherigen Trainerstationen.

Textilvergehen-Podcast

So, bevor ich jetzt rausgehe und das Wetter genieße, sei noch erwähnt, dass heute wohl wieder gepodcastet wird. Für genaue Infos schaut einfach mal bei Twitter vorbei.

3 Kommentare zu “Union verliert deutlich in Wolfsburg und kommt Europa dennoch etwas näher

  1. Holger

    Da muss man aber sehr auf Zahlen stehen, um nach diesem Spiel gestern zu dem Schluss zu kommen, dass wir Europa ein Stück näher gekommen sind… 😉

    • Bayern hätte halt 8:0 gewinnen müssen. Nicht 6:0… 8:0. Einfach kein Verlass auf den Serienmeister.

  2. Gregor Beushausen

    Wir sollten realistisch bleiben: Europa – auf welcher Bühne auch immer – ist für uns kein Thema. Insgesamt betrachtet, hat Union in seinem 2. Erstligajahr eine ordentliche Bilanz hingelegt. Schaut man sich die Zahlen (und viele Spiele) genauer an, bereitet mir die nächste Saison allerdings gehörige Kopfschmerzen.

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